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Liebe Frau Erler, wenn ich mir all die Schritte des Westens, der Nato, der USA ansehe, die zu dieser Eskalation geführt haben, dann frage ich mich, was Putin hätte anders machen sollen, auch angesichts der Absicht der Ukraine, sich auch noch atomar aufzurüsten. Tatsächlich saß er zwischen Skylla und Charybdis. Er hatte alles versucht und unternommen: angeboten, vorgeschlagen, klargestellt, gedroht, nichts hat die Kriegstreiber von ihrem Ziel, Krieg gegen Russland, abgebracht und zum Verhandeln bewegt.

Da ist es doch meinem Empfinden nach eher eine Demutsgeste, immer an den Anfang eines solch wichtigen und richtigen Artikels den Satz zu setzen, Putin sei uneingeschränkt zu verurteilen.

Wenn überhaupt ist er nur eingeschränkt zu verurteilen, was nichts daran ändert, dass das Ganze eine fürchterliche Katastrophe ist, die uns jetzt schon auch hierzulande mit in den noch "nur" wirtschaftlichen und sozialen Abgrund reißt, mal ganz abgesehen davon, dass dieser sich möglicherweise zu einem Inferno ausweitende Krieg eine Umwelt- und Klimakatastrophe erster Güte ist.

Danke für Ihre immer hervorragenden Analysen, auch wenn ich manchmal mäkele.

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Liebe Columba, haben Sie vielen Dank, ABER: nein, ich habe nichts von Ihnen als Mäkeln empfunden - als Anregung zum Denken, ja, zum Widerspruch, ja auch, zur Ergänzung der eigenen Ideen, unbedingt. So soll es sein ....es macht uns alle klüger

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Das ist eine Frage, die auch ich mir immer wieder stelle: Welche Möglichkeiten hätte Putin denn noch gehabt?

Jüngst las ich das Positionspapier des Bundesausschusses Friedensratschlag, wo es u.a. heißt: „Statt sich weiter auf diplomatischem Wege um einen Abbau der Spannungen und um Sicherheitsvereinbarungen zu bemühen, verschärfte sie [Anm.: die Regierung der Russischen Föderation] nun durch ihr militärisches Vorgehen selbst die Konfrontation.“

Wie hätten weitere Bemühungen denn aussehen sollen? Was kann man denn ausrichten, wenn sich die andere Seite permanent taub stellt?

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Sie hat sich ja nicht nur taub gestellt, sie hat ständig eskaliert mit den Sanktionen, mit Diffamierungen, mit Lügen und höhnischer Zurückweisung.

In diesem Zusammenhang sind auch immer die Gespräche zwischen Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers interessant (hier Z.B. https://www.youtube.com/watch?v=7dpFXKA6KgE ), in denen auch auf die Eskalation seitens der ukrainischen Regierung, die offenbar einen ganz großen Angriff auf den Donbass plante und entsprechend Truppen und Material dort stationierte.

Auch die Tatsache, dass Biden immer wieder ein konkretes Datum nannte, an dem Russland angreifen werde, sollte misstrauisch machen.

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Danke, Columba. Ich kenne alle Beitrage vom ExoMagazin zu diesem Thema. Und ich habe im Anti-Spiegel von den Plänen für einen Angriff auf Donbass und Krim (geplant für den 8. März) gelesen. Röpers Aussage dazu, WIESO Biden einen Termin für den russ. Angriff nennen konnte, kenne ich ebenfalls. Und fand das alles sehr aufschlussreich...

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Vielen Dank für den Hinweis auf die genannten Quellen. Ich will mir das unbedingt ansehen. Und danke für substanzreichen Kommentare und Petra natürlich für diesen wieder hervorragenden Artikel. Nachdrücklicher, eindringlicher kann das alles kaum gesagt werden.

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Da gibt es gerade ein außerordentlich informatives Gespräch zwischen Dirk Pohlmann und Jacques Baud. Unbedingt empfehlenswert. https://apolut.net/im-gespraech-jacques-baud/

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Ein Mal eine solche Analyse in der Tagesschau oder auf ZDF heute, und man könnte vielleicht ein kleines bisschen Zuversicht schöpfen, dass nicht nur Bösartigkeit, Boshaftigkeit, Häme, Hass, diebische Freude, Betroffenheitsduselei, Zurechtbiegerei von Fakten, Lüge und vorsätzliche Täuschung die mediale Berichterstattung bestimmen. Aber darauf kann man wohl nicht mehr hoffen. Man muss dankbar sein, dass es überhaupt Stimmen der Vernunft gibt, die furchtlos die Dinge beim Namen nennen. Und deshalb ist dieser Blog von unschätzbarem Wert. Danke, liebe Petra!

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Dem schließe ich mich an.

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Was bewegt diese „unsere?“ Regierung dazu, das Wohl des eigenen Volkes und das anderer Völker aufs Spiel zu setzen? Man möchte Frau Bearbock und anderen „Entscheidungsträgern“ die Lektüre und das Durchdenken von Brecht Zitaten empfehlen! Insbesondere „Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dem dritten war es nicht mehr aufzufinden.“ und: „wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß, und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“

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Jul 9, 2022·edited Jul 10, 2022

Über diese naheliegende Frage grübele ich auch schon eine Weile. Interessanterweise geht der Ökonom Michael Hudson in einem aktuellen (insgesamt hörenswerten) Interview auch auf diesen Punkt ein (ab 1:17:32): https://youtu.be/-AJwMvCxwm0&t=4652s. Dass es US-Einfluss war, der nach seinen Worten "aus den Grünen eine Pro-Krieg und Anti-Umweltschutz Partei" gemacht hat, erscheint mir allerdings etwas kühn, auch wenn der sicher eine Rolle spielte. Aber das, was er "bribery" und "meddling" nennt, ist unbestreitbar und hat viele Facetten: das Anfüttern zukünftiger Führungspersonen über Stiftungen wie den German Marshall Fund, die Einbettung von Verantwortlichen in Politik und Medien in transatlantische Netzwerke, aber auch direkte Erpressung. Das Auspionieren aller digitalen Kommunikation durch die NSA dient ja nicht nur der Wirtschaftsspionage, sondern auch dem Sammeln von Kompromat. Als z.B. MdB Edathy aufgrund von von US-Behörden gelieferten Kompromats den Vorsitz des NSA-Untersuchungsausschusses und sein Bundestagsmandat abgeben musste, hat sich eine Weile lang niemand gefunden, der bereit war, diesen Vorsitz zu übernehmen (und der es dann tat, hat die Untersuchungen abgewürgt). Man sollte auch die Gefahr von US-Sanktionen nicht unterschätzen: Die Abhängigkeit deutscher Unternehmen vom Wohlwollen von US-Unternehmen und damit auch der US-Regierung ist enorm. Z.B. könnte mit Leichtigkeit die Merhzahl der deutschen Unternehmen von Ihrer IT-Infrastruktur und sogar ihren (in der Cloud gelagerten) Geschäftsdaten abgeschnitten werden.

PS: Brecht schätze ich auch sehr und viele seiner Texte aus den 1930er Jahren sind wieder erschreckend aktuell. Ich bezweifle aber, dass Brecht oder Hudson zu den Literaturempfehlungen vom German Marshall Fund oder Aspen Institute gehören. Da werden unsere Entscheidungsträger wohl eher Huntington und Fukuyama gelesen haben. Und beim Zentrum Liberale Moderne wird Brecht höchstens als Gegenstand einer "Gegneranalyse" vorkommen ;-)

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Man könnte der Dame, die unsere Außenpolitik ruiniert, noch mehr wünschen als "einen Schimmer außen- und innen-politischer Vernunft", z.B. Grundkenntnisse in und Wertschätzung von Diplomatie. Oder Spuren klassischer Bildung: Dann würde sie sich trotz des Willens, ein großes Reich zu zerstören, vielleicht daran erinnern wie einst Krösus einen so lautenden Orakelspruch missdeutete.

Das Schreckliche ist, dass die Politik unserer Regierung im GÜNSTIGSTEN Falle nur zu einer schweren Wirtschaftskrise hierzulande (und anderswo) führt. Weniger "günstige" Szenarien erfüllen mich wie @Columba mit Grausen.

Und das Bittere ist, dass nichts davon Schicksal ist, sondern durch bewusste Entscheidungen auch der deutschen Regierung herbeigeführt wurde. Danke für den Artikel, der das kenntnisreich aufzeigt und sich wohltuend abhebt von der verbreiteten Darstellung, Krise und Krieg kämen unvermeidbar wie Gewitter. Leider hat sich die deutsche Außenpolitik mittlerweile derart diskreditiert, dass ihr Lösungsspielraum extrem eingeschränkt ist. Und die Entscheidung, unter dem Banner der "Einheit des Westens" die Befugnisse nach Übersee zu übertragen und "dienend zu führen" (Habeck), ist auch kein Quell der Hoffnung (dazu hat Wolgang Streeck einen fulminanten Artikel "Die Rückkehr des Königs" auf Makroskop veröffentlicht).

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Wenn ich mir Scholz' verdruckste Nichtreaktion auf Bidens Quasi-Kriegserklärung bzgl. Nordstream 2 anschaue: "Wenn Sie das Projekt nicht beenden, werden wir es tun und Sie können sicher sein, dass wir das auch können" und die Tatsache, dass die USA Kriegsminister aus 40 Ländern nach Ramstein einladen ohne die deutsche Regierung auch nur zu informieren, geschweige denn um Erlaubnis zu fragen, dann bezweifele ich schlicht, dass wir ein souveränes Land sind.

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Im Bezug auf die Überwachung des Post- und Telekommunikationsverkehrs ist Deutschland in der Tat nicht souverän. Dazu schreibt der Historiker Foschepoth in "Überwachtes Deutschland" (Vandenbeck & Rupprecht, 2017, S.15f): "1968 war in vielerlei Hinsicht ein Wendejahr. [...] die Bundesregierung war jetzt neben der Zusatzvereinbarung zum NATO-Truppenstatut auch durch das G10-Gesetz und eine geheime Zusatzvereinbarung, die hier erstmals veröffentlicht wird, weiterhin verpflichtet, die Überwachungswünsche der alliierten Nachrichtendienste so weit wie möglich zu erfüllen. [...] Was ist aus den Rechten der Alliierten geworden, als die DDR 1990 aufgelöst und in die BRD integriert wurde? [...] Die geheime Zusatzvereinbarung zur Ausführung des G10-Gesetzes von 1968 zwischen den drei Westmächten und der Bundesregierung wurde nicht aufgehoben, sondern blieb weiterhin in Kraft." (Das Buch ist auch aus anderen Gründen sehr interessant, denn den wenigsten im Westen dürfte z.B. das Ausmaß der Überwachung des Postverkehrs und der Unterschlagung von Sendungen in der BRD bekannt sein).

Aber all das darf keine Ausrede sein, willenlos am eigenen Untergang mitzuwirken. Und es gibt sehr wohl Handlungsspielraum, aus dessen Nichtnutzung auch die deutsche Regierung sich nicht einfach herausreden kann.

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