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Avatar von Wolfgang Geuer

Liebe Petra Erler, vielen Dank für ihre Nachrichten, auch wenn sie eher beunruhigend sind.

Wenn ich mit kritischem Blick auf die deutschen Medien schaue, scheint der „Krieg um die Köpfe“ - abgesehen von den USA - in den Nato-Ländern (vorerst) entschieden zu sein. In Deutschland wie in vielen Staaten Europas dominiert die Sprache des Militärs, die Logik des Drohens, der Aufrüstung und der reanimierte Glaube an militärische Stärke. Journalistische Federn teilen die Welt in Gut und Böse ein. Wenn Menschenrechtsverletzungen von „Feindstaaten“ begangen wurden, spricht man von Gräueltaten, werden solche Taten durch Verbündete verübt, handelt es sich um unvermeidbare Vorgänge, die im Gefecht vorkommen können (Florian Zollmann, Media, Propaganda and the Politics of Intervention, Frankfurt/M. 2017). Kollateralschäden eben.

Eine Untersuchung von Gerd Grötzinger (Makroskop) verglich die Jahre 2003 (Irak-Krieg) und 2022 (Ukraine-Krieg) in verschiedenen Zeitungen, u.a. Süddeutsche und FAZ, zum Begriff „ANGRIFFSKRIEG“. Zweifellos handelte es sich in beiden Fällen um einen völkerrechtswidrigen Krieg, beide Kriege waren genau genommen „Angriffskriege“. In der Süddeutschen fanden sich in Bezug auf den Irakkrieg jedoch nur 146 Treffer, dagegen 1701 Treffer für den Ukraine-Krieg. In der FAZ fanden sich 80 Nennungen für 2003, aber 1790 für das Jahr 2022. Die Kriege wurden und werden demnach von beiden Redaktionen sehr unterschiedlich eingeordnet - von Doppelstandards zu sprechen, scheint mehr als berechtigt.

Von Sascha Lobos „Lumpenpazifisten“ bis zu Gaucks Geschwafel über benötigte „Agenten der Entängstigung“ wird die Ertüchtigung zum Krieg in den meisten Printmedien wieder als Tugend gefeiert, natürlich zum Schutz von Menschenrechten und Freiheit versteht sich. Der ehemalige Bundespräsident und sich nun als Militärpfarrer girierende Gauck wird für mich derzeit verbal nur noch von einem Politik-Professor übertroffen, der sich allen Ernstes in Deutschland „Eskalationsbereitschaft“ wünscht. Friedrich Merz darf da auch nicht abseits stehen; er erwähnt mal so nebenbei, keine Angst vor einem Atomkrieg zu haben. Man könnte diese Äußerung als Übersprunghandlung eines verhinderten Klassenprimus deuten, vielleicht mit einem Hauch von Todessehnsucht umgeben. Die aktuelle Bedrohungslage so abzutun, scheint mir für einen verantwortlichen Politiker in unserem Land bodenlos leichtfertig.

Dass viele Staaten in Lateinamerika, Afrika, Asien und Indien statt Kriegsrhetorik und noch mehr Waffen Diplomatie und rasche Wiederaufnahme der Verhandlungen von Istanbul von den Kriegsparteien fordern, wird in den Nato-Staaten kaum zur Kenntnis genommen. Diskutiert wird es jedenfalls nicht in den Medien. Die gießen weiter Öl in die hoch schlagenden Flammen. Und die Nato rollt ihre Szenarien für einen größeren Planungszeitraum aus, flankiert von willfährigen Medien – Diplomatie Fehlanzeige.

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Avatar von Columba

Ich befürchte sehr wohl, dass das auf einen Krieg zusteuert, allerdings nicht weil Russland unbedingt auch noch Westeuropa haben will, wozu auch? Dass die sehr besonnen auf all die Provokationen reagieren, zeigt, dass sie einen solchen Krieg unbedingt vermeiden wollen, denn gerade die Russen wissen aus 200 Jahren Geschichte, was verheerende Kriege anrichten, besonders seit dem letzten Weltinferno. http://zug-der-erinnerung.eu/download/rundschreiben_202401.pdf

Schon in der Kubakrise gab es einflussreiche Kreise in den USA, die unbedingt den Atomschlag wollten und letztlich sind die USA der einzige Staat, der kriegerisch Atomwaffen eingesetzt hat, zwar nicht wirklich gegen Japan, sondern als Signal an die SU. Es gab ja auch Pläne

x Atombomben auf Moskau und andere Städte zu werfen.

Und dass vergleichbar draufe Leute immer noch herum wühlen, sieht man eigentlich deutlich, wenn man genau hinschaut. Europa war sowieso immer als Schlachtfeld gedacht und die US-Amerikaner glauben sich offenbar immer noch recht sicher auf ihrem Kontinent, wenn sie den Erstschlag tun.

Ein Grund wird sich schon finden, denn wir sehen doch tagtäglich, dass das aggressive Russland immer näher an die NATO heran rückt. Wenn das kein Fall für präemptive Verteidigung des Verteidigungs(!)bündnisses NATO ist, fresse ich 2 Besen.

Aber damit wir nicht ständig uns diesem Wahnsinn hingeben, empfehle ich mal off topic ein wunderbares Portrait eines zauberhaften Menschen und großartigen Künstlers https://www.ardmediathek.de/video/br-klassik-im-tv/der-pianist-menahem-pressler-das-leben-das-ich-liebe/br-fernsehen/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzgyNjVlYzFiLTE0MDktNGY2ZS05NWRmLThhZjNmNDI0NTY1Zg

Das ist Seelenstärkung, die wir in diesen Zeiten so dringend brauchen.

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