34 Kommentare
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Avatar von Hajo Zeller

Die letzten Sätze aus dem Artikel von Wladimir Putin "Über die historische Einheit von Russen und Ukrainern" (Eine deutsche Übersetzung des geamten Artikels findet sich hier: https://alschner-klartext.de/wp-content/uploads/2022/06/U%CC%88ber-die-historische-Einheit-von-Russen-und-Ukrainern.pdf)

Die amtierenden ukrainischen Behörden berufen sich gern auf die Erfahrungen des Westens, die

sie als Vorbild betrachten. Schauen Sie sich nur an, wie Österreich und Deutschland, die USA und

Kanada nebeneinander leben. Sie sind sich ethnisch und kulturell sehr ähnlich, sprechen sogar

die gleiche Sprache und sind dennoch souveräne Staaten mit eigenen Interessen und einer

eigenen Außenpolitik. Dies hindert sie jedoch nicht an einer engen Integration oder an

verbündeten Beziehungen. Sie haben sehr bedingte, transparente Grenzen. Und beim

Überschreiten dieser Grenzen fühlen sich die Bürger zu Hause. Sie gründen Familien, studieren,

arbeiten, machen Geschäfte. Das gilt übrigens auch für Millionen von Menschen, die in der

Ukraine geboren wurden und jetzt in Russland leben. Wir sehen sie als uns nahestehende

Menschen.

Russland ist offen für den Dialog mit der Ukraine und bereit, auch die komplexesten Fragen zu

erörtern. Aber es ist wichtig für uns zu verstehen, dass unser Partner seine nationalen Interessen

verteidigt, aber nicht den Interessen eines anderen dient, und dass er kein Werkzeug in den

Händen eines anderen ist, um gegen uns zu kämpfen.

Wir respektieren die ukrainische Sprache und Traditionen. Wir respektieren den Wunsch der

Ukrainer, ihr Land frei, sicher und in Wohlstand zu sehen.

Ich bin überzeugt, dass eine echte Souveränität der Ukraine nur in Partnerschaft mit Russland

möglich ist. Unsere geistigen, menschlichen und zivilisatorischen Bindungen bestehen seit

Jahrhunderten und haben ihren Ursprung in denselben Quellen, sie sind durch gemeinsame

Prüfungen, Errungenschaften und Siege gefestigt worden. Unsere Verwandtschaft ist von

Generation zu Generation weitergegeben worden. Sie ist in den Herzen und im Gedächtnis der

Menschen, die im modernen Russland und in der Ukraine leben, in den Blutsbanden, die Millionenunserer Familien vereinen. Gemeinsam waren wir immer stärker und erfolgreicher und werden es auch in Zukunft sein. Denn wir sind ein Volk.

Heute mögen diese Worte von einigen Menschen mit Feindseligkeit aufgenommen werden. Sie

können auf viele Arten interpretiert werden. Aber viele Menschen werden mir zuhören. Und ich

werde eines sagen: Russland war nie und wird nie "anti-ukrainisch" sein. Und was die Ukraine

sein wird - das müssen ihre Bürger selbst entscheiden.

Avatar von Petra Erler

Danke für die deutsche Übersetzung. Das finde ich sehr wichtig

Avatar von Columba

Mein Sternchen als Antwort, geht nur so.

Avatar von Lothar Lieck

Vielen Dank für den Artikel! Vor allem für das Aussprechen der mittlerweile illusorischen Option, dass sich die drei Buchautoren, der taz-Journalist, der Innensenator und die Direktorin der Osteuropaforschung zusammensetzen und darüber reden. Normalität ist nicht mehr!

Andrerseits nehmen die autoritären Phantasien offensichtlich exponentiell zu. taz und Bild wären mal eine Querfront gewesen, jetzt ist es schon eine Einheitsfront.

Die taz hat noch ein paar Gemeinheiten speziell für ihre Leserschaft auf Lager. So sei der Hauptautor, also Stefan Luft, Mitarbeiter eines homophoben Innensenators gewesen. Das ist ja in diesem Zusammenhang etwa so sinnvoll, wie wenn man in der Russland-Ukraine Debatte auf frühere pädophile Ausflüge eines etwaigen grünen Debattenteilnehmers verweisen würde. Einfach unter der Gürtellinie! Und das Bild zu solchen Artikeln kommt nie aus Odessa oder dem Donbass.

Ich habe die Vorstellung des Buches durch Stefan Luft ganz kurz nach der Veröffentlichung in einem Garten in Schleswig-Holstein beim Gesprächskreis der Nachdenkseiten erlebt. Ralf Stegner hat dort auch geredet. Es geht also noch.

Stefan Luft ist überdies gläubiger Katholik (was die taz nicht erwähnt), eine Spezies Mensch, die mir von Zeit zu Zeit ob ihrer Standhaftigkeit sehr imponiert (z. B. auch Peter Bürger, Selbstbezeichnung ‚Linkskatholik‘. Sein Artikel über Friedrich Merz‘ Opa ist sehr gut mit Quellen unterlegt, man taucht förmlich ein in das Sauerland der dreißiger Jahre.

https://overton-magazin.de/top-story/der-opa-von-friedrich-merz/

Seit knapp zwei Wochen gibt es in Bremen noch ein aktuelles Beispiel der gleichen Art, die Absage der Ausstellung zur Hungerblockade von Leningrad, nachzulesen hier. https://deutsch-russische-friedenstage.de/2025/09/leningrad-ausstellung-gecancelt/

Der Bremer Verein ‚Deutsch Russische Friedenstage‘ hat diese Ausstellung des Vereins zur Blockade von Leningrad 1941 bis 1944 in der Gedenkstätte Lager Sandbostel aufgebaut (Transparenzhinweis : ich habe dabei geholfen, weil ich Vereinsmitglied bin). Am Tag nach der Eröffnung hat der Gedenkstättenleiter die Ausstellung geschlossen, nicht wegen der Inhalte der Ausstellung, sondern weil der Vereinsvorsitzende daran erinnert hat, dass die Blockade von Leningrad eine der historischen Erfahrungen der Russen ist, die zu Einkreisungs- und Überwältigungsängsten geführt haben. Das sieht der Gedenkstättenleiter als Instrumentalisierung, als Rechtfertigung des russischen Angriffs. Der Vereinsvorstand hat ihm angeboten, darüber persönlich zu sprechen, darauf ist er bisher nicht eingegangen.

Bild und taz propagieren also den heldenhaften Kampf unserer Geheimdienste gegen Desinformation und mittlerweile gegen den ‚inneren zersetzenden‘ Feind. Der CIA, MI6, BND und Verfassungsschutz als moralisch einwandfreie und Russland und China hoffnungslos unterlegene Demokratierettungsgeheimdienste. Immer in der Verteidigung, nie aktiv, nirgendwo und wenn, dann immer einwandfrei! Puuh!

Nach dem ersten Raketeneinschlag in Polen im November 2022 wie auch vor zwei Wochen war sofort klar, wer es war, und es wurden Gesprächsangebote ausgeschlagen und Grenzen geschlossen und von so manchen die sofortige Bombardierung Moskaus gefordert. Kein Nachdenken, keine Geduld bis zur Klärung, keine Kompromiss- und Gesprächsbereitschaft (zusammengefasst heißen diese drei Eigenschaften wohl 'Dummheit'), ausschließlich Konfrontation, Waffen und Kriegsbereitschaft. Normalität ist nicht mehr. Insgesamt wird es in Deutschland immer unheimlicher und bedrohlicher; und ich befürchte, dass die Geheimdienste irgendwann den ultimativen ‚Sender Gleiwitz-Coup‘ organisieren.

Avatar von Petra Erler

Wie gut, dass Sie auch auf die Bremer Friedenstage hinweisen!

Avatar von Martin Mair

Danke für den Artikel. Die Bezahlschranke vieler Medien lässt sich via archive.ph umgehen. Für den NYT Artikel wäre das dann unter https://archive.ph/x6yZR abrufbar!

Bezüglich universitäre Kriegstreiber seien zwei Bücher zum Ersten Weltkrieg empfohlen:

https://archive.org/details/klaus-schwabe-wissenschaft-und-kriegsmoral

Kurt Flasch: Die gestige Mobilmachung (Rezension: https://literaturkritik.de/id/1669)

Zum Feindbild Russland:

https://archive.org/details/hans-erich-volkmann-das-russlandbild-im-dritten-reich

https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/geschichte/mediale_schlachtfelder-15117.html

Und als praktische Blaupause:

https://archive.org/details/anti-komintern_warum_krieg_gegen_stalin

Früher waren die Unis wichtige Unterstützer der Friedensbewegung, insbesondere die Studierendenvertretungen, heute marschieren sie wieder großteils in Reih und Glied wieder mit :-(

Schon gut möglich, dass viele Friedensbewegte die Rosa Brille aufhaben, aber genau das erscheint manchmal notwendig, um sich nicht von der vielen Kriegspropaganda zermürben zu lassen. Natürlich empfehle ich bei Publikationen, zwischendurch auch einmal eine kritische Haltung zum russischen Regime zu zeigen, wie mensch es JEDER Regierung immer wieder tun sollte.

Avatar von Petra Erler

Sehr hilfreich, vielen vielen Dank!

Avatar von Columba

Irgendwann werden Bücher verbrannt werden, auf den Index gesetzt oder aus der Bibliothek nur mit Beipackzettel läuft ja schon.

Es gibt einen schönen Essay-Film von Andreas Goldstein über die DDR: Mein Land will nicht verschwinden. https://www.3sat.de/film/dokumentarfilmzeit/mein-land-will-nicht-verschwinden-100.html

Das zeigt auf Deutschland bezogen, wie diese fürchterliche Entwicklung in Gang kam.

Avatar von Petra Erler

Danke, liebe Columba, ich werde mir diesen Film bestimmt anschauen. Auch wenn ich es für ein Missverständnis (so dachte Stefan Heym bsw) halte, dass die DDR durch die deutsche Einigung verschwinden würde - Geschichte verschwindet nicht, nur die Menschen, die sie erleben, sterben, aber in den Familien leben deren Eindrücke und Erfahrungen weiter...Und was Zensur ist, weiß man, wenn man die DDR schon bewusst erlebte. Zuletzt traf es sowjetische Filme und Medienbeiträge. Dann kamen der Sommer und der Herbst 1989

Avatar von Dr. Klaus Schlichtmann

Sehr lang, und sehr wahr!

Avatar von Carsten H.

Danke für Ihre umfangreiche Analyse..

Avatar von Petra Erler

Danke, ich weiß, sie war extrem lang...

Avatar von a. mága

danke!

Avatar von Michael Schulz

Furios!

Und: Wehe wenn Bücher nurmehr mit spitzen Fingern angefasst werden weil sie dann schon morgen verbrannt werden!

Avatar von Petra Erler

Genau das darf niemals niemals niemals wieder passieren.

Avatar von Michael Schulz

Warum nur glaube ich nicht an Superlative: niemals, immer, ewig,… !? Weil indes z. B. in den USA, angeführt von Florida (?), laut PEN tausende Bücher aus Schulen und Büchereien und von Universitäten verbannt werden? Ist nicht wo es raucht „immer“ ein Feuer?

Avatar von Lutz P. Michel

Danke. Wie immer sehr gut mit Quellen unterfüttert. Und den Optimismus der letzten Sätze würde ich gerne teilen. Jedoch…

Avatar von Petra Erler

Ja, aber wir sind nun alle auf einem recht kleinen Planeten zusammengepfercht und so betrachtet, ist Mehrheit absolut klar verteilt.

Avatar von Erik, not the viking

"Weiter wurde er gefragt, woher er denn wisse, ob dieses Buch nicht voller russischer Desinformation stecke,..."

Früher reichte es aus das Buch einfach zu lesen, heute muss ich laut taz ein Institut beauftragen um zu wissen ob ich das Buch überhaupt lesen darf. Kann man nicht einfach eine ideologische Prüfstelle einrichten (selbstverständlich ohne Afd Beeinflussung) und dann ein Gütesiegel vergeben, abgestuft nach dem Grad der Desinformation? Kann man doch mit KI machen, genügend Solarstromüberfluss zum Betrieb haben wir ja. Dann kann ich wenigstens sicher sein, das der deutsche Bürger immer die richtigen Bücher zu lesen bekommt, wenn er denn noch liest.

Avatar von Petra Erler

Ja früher, obwohl in der DDR blühte auch die Zensur...Aber Sie haben schon einen Punkt: Warum überhaupt noch Bücher? Einfach nur zuhören, was der Oberboss sagt und selbsternannte oder so titulierte "Experten"...Und dann nachbeten, fünfmal am Tag für den Anfang...

Avatar von Erik, not the viking

Klingt gut, das wollen leider viele Menschen, das andere für sie entscheiden und denken, das macht es dem Totalitarismus ja so einfach. Keine Gewalt nötig, alle machen freiwillig mit.

Apropos DDR, wenn ich das Verhalten der Bremer undderen Anhänger sehe muss ich unwillkürlich an die beste DDR Satiresendung denken, den Schwarzen Kanal. Was haben wir uns im Westen über Ede kaputt gelacht ... nun haben wir das Ganze im Westen in der Realität, dieselbe wirre Propaganda, dieselbe Verbissenheit, hoffentlich können wenigstens die Menschen im Osten darüber lachen.

Avatar von Conrad Müller

Auch denen bleibt das Lachen im Halse stecken.

Avatar von Conrad Müller

Gibt es schon. Im Ruhrpott (Dortmund?) sind in einer öffentlichen Bibliothek Bücher mit einem Aufkleber versehen worden, sinngemäß des Inhalts: "Sind Sie sicher, dass Sie dieses Buch lesen wollen? Wir warnen vor dem Inhalt. Es könnte Verstörungen auslösen". So hat es z.B. Jaques Baud mit seinem Buch "Putin, Herr des Geschehens?" getroffen.

Avatar von Petra Erler

Haben Sie davon ein Foto, dass Sie hochladen könnten?

Avatar von Conrad Müller

Leider nicht. Aber ich habe noch einmal Quellen gesucht und auch gefunden, was mich jedoch zwingt, mich zu korrigieren. Nicht Dortmund (ich bitte alle öffentlichen Dortmunder Bibliotheken um Verzeihung), sondern Münster:

https://jurios.de/2025/04/25/bibliothek-darf-vor-eigenen-buechern-warnen/

https://ms-aktuell.de/aktuelles/warnhinweise-stadtbuecherei-muenster-verwaltungsgericht-bestaetigt-rechtmaessigkeit/

https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20L%2059/25

Avatar von Conrad Müller

Hier noch ein weiterer Berichte zum Vorgang:

https://fachstelle-oeffentliche-bibliotheken.nrw/2025/01/stadtbibliothek-muenster-kritik-wegen-warnhinweisen-in-buechern/

Offensichtlich ging das Thema schon 2024 los. Mittlerweile gibt es aber ein Urteil, was die Hinweise auf den Büchern verbietet: https://www.compact-online.de/sieg-fuer-wisnewski-buecherei-muss-warnhinweis-entfernen/, was ich nicht wusste.

Was mir aber aufstößt dabei: Die Leitung einer Stadtbibliothek sah sich veranlasst und war offensichtlich ermächtigt, solch eine Entscheidung zu treffen.

Avatar von Petra Erler

Haben Sie herzlichsten Dank, dass Sie mir antworteten - Was für eine Geschichte! Glücklicherweise gab es einen Kläger + glücklicherweise hatte das OLG alle Tassen im Schrank

Avatar von Margarete Tjaden-Steinhauer

Haben Sie herzlichen Dank, liebe Leuchtturmwärterin, für die vielen Informations-Fenster, die Sie mir geöffnet haben.

M. Tjaden-Steinhauer

Avatar von Klaus Bernhard

Es ist schon erschreckend was sich hier im „besten Deutschland“ nach dem 2.WK abspielt. Betreffend NATO-Osterweiterung gibt es das Buch Chronik eines angekündigten Krieges, Untertitel: Die Ukraine und das Versagen der Diplomatie. Zwei Autoren tragen das Buch. Zum einen Marcus Klöckner und der US-Amerikanische Historiker Marc Trachtenberg. Marc Trachtenberg beschäftigt sich mit der NATO-Osterweiterung und der Zusage, dass dies nicht stattfinden würde, die NATO-Osterweiterung.

Dabei gibt es das bekannte Video mit dem damaligen US-Außenminister James Baker und mit Genscher und der Aussage, dass eben sich die NATO nicht nach Osten ausdehnen wird.

Von den Propagandisten hier im Westen wird das immer geleugnet und das Zusagen keine Verträge sind. Herr Trachtenberg beschreibt sehr ausführlich dieses Thema. Im Januar 1990 in Tutzing hielt Genscher eine wichtige Rede, in dem Genscher klar sagte, eine Ausdehnung des NATO-Territoriums wird es nicht geben. Das galt und gilt nicht nur für das damalige Ostdeutschland, sondern für ganz Osteuropa. Bei den 2 + 4 – Verhandlungen war auch klar, keine NATO-Ausdehnung nach Osteuropa. Jetzt ganz wichtig: Es muss davon ausgegangen werden, dass das, was bei hochrangigen Treffen gesagt wird, wirklich politisches Gewicht hat. Das Ganze kann ausführlich ab Seite 40 des Buches nachgelesen werden.

Es handelt sich aus meiner Sicht hier im Westen, dass das immer geleugnet wird darum, dass man etwas in der Hand hat, um Russland negativ etwas anlasten zu können. Genau so wie diese Lügengeschichten erfunden wurden, um Russland anzuschwärzen bei der Skripal-Sache, bei der Nawalny-Sache. Für mich sieht das so aus, dass der Westen systemisch zu einem Lügner verkommen ist und dass das bei vielen Politakteuren und Medienschaffenden eine klare Verwahrlosung darstellt.

Wer beim Thema Ukraine jede Sache aufplustert, die bösen Russen waren es, aber nichts zu sagen hat beim absolut erschreckenden Gaza-Drama, der ist moralisch disqualifiziert.

Avatar von Petra Erler

Danke für Ihren Beitrag. Ich nutze ihn, um auf ein Gespräch von kujat von gestern mit Glenn Diesen hinzuweisen.

Avatar von Christoph Bergmann

Wie witzig. Sie wollen Meinungsfreiheit, aber wenn dann andere die Meinungsfreiheit nutzen, etwa um eine Bande von russlandverstehern als solche zu benennen, ist es auch wieder nicht Recht. Kann es sein, dass Sie Meinungsfreiheit mit Freiheit vor Widerspruch verwechseln?