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Avatar von Krysztof

"Das ist keine Petitesse. So etwas kann zum „Taumeln am Abgrund“ führen."

Als ich von diesen Luftschlägen gegen das russische Frühwarnsystem las, dachte ich spontan an den auch von Ihnen mal erwähnten Artikel von Lieber & Press (International Security, Vol. 30, No. 4, 2006), dass eine nur eingeschränkt funktionsfähige russische Frühwarnung in Kombination mit dem Raketenabwehrschirm in Polen und Rumänien zur "Nuclear Primacy" führt und einen westlichen Erstschlag ermögliche. Diese Überlegung wird man nicht nur in den USA bzw. in westlichen Militärkreisen machen.

Was ich nicht verstehe ist, warum unsere führenden Politiker das gutheißen. Die Gefahren nicht zu erkennen oder zu ignorieren kann doch nicht flächendeckend an mangelnder Intelligenz oder dem Leben in einer mit der Realität nicht mehr verbundenen Echokammer liegen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

"Wohin geht die Reise?" Zumindest ein Punkt ist bereits sichtbar: der Zusammenhang zwischen äußerem Feindbild und innerer Repression, zu dem es scheinbar sogar ein Rezitativ von JS Bach gibt ;-) https://youtu.be/X4QTqeKmvDs

Avatar von Jean-Louis

Liebe Frau Erler,

wie gerne würde ich Ihrer angstmachenden Analyse widersprechen - aber leider wäre das ein klarer Fall von Realitätsverweigerung.

Die Situation erinnert immer mehr an die Vorkriegssituation 1914. Die USA spielten damals zwar keine Rolle, aber die Risikobereitschaft, der Kriegswille und die geradezu fanatische Unterstützung des Kriegskurses durch die Presse und - höchst peinlich! - durch die akademische Elite in Deutschland sind durchaus vergleichbar. Obwohl damals völlig klar war, dass der Bruch der belgischen Neutralität durch das Deutsche Reich den Kriegseintritt Großbritanniens zur Folge haben würde (mit den entsprechenden strategischen Folgen), hoffte man darauf, dass IRGENDWIE doch alles gut gehen werde.

Vergleichbar krank ist die Vorstellung deutscher Politiker und sog. Journalisten, dass Russland den Beschuss mit aus Deutschland stammenden weitreichenden Waffen nicht als Kriegshandlung einstufen, sondern "schlucken" werde. Hier zeigt sich ein Grad an Geschichtsvergessenheit, Verantwortungslosigkeit und moralischer Verkommenheit, der mir immer unverständlicher wird und der offenkundig zeigt, dass wir weder aus unserer Geschichte etwas gelernt haben, noch dass wir demokratische Werte und demokratisches Denken in den letzten 75 Jahren verinnerlicht haben.

"Was tun?" Ich bin allmählich völlig ratlos.

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