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Avatar von Martin
Apr 6Bearbeitet

Danke werte Frau Erler, für die Sichten, Ideen, Visionen, und die Information - John McCloy, Walerian Sorin, die UN Resolution 1722 (XVI), einstimmig angenommen (heute unglaublich) , kannte ich nichtmal dem Namen nach, trotz ordentlicher formaler Bildung. Tja.. Ich habs dann etwas reflektiert, Ihr Interview, die Sichten von Dr. Schlichtmann - und weil evtl. Mitleser ähnlichen ersten Eindruck hatten, mein Kommentar.

Das, was nach meinem ersten Eindruck & aus heutiger Sicht so irreal erscheint, war ja einmal real z.B. eben jene einstimmige UN Resolution 1961!! Ums kurz zu machen - auch wenn Pessimismus statistisch eine etwas höhere Trefferquote hat, als Optimismus - wohl auch als intellektueller gilt :-) - ist meines Wissens auch der Realanteil von Optimismus begründbar, gar belegbar - Entwicklungen zum Guten, auch disruptive Entwicklungen zum Guten waren möglich, haben sich ereignet z.B. 1914 vs 1919, 1939 vs. 1949, 1961, die 70 er in D, oder Spanien 1970 vs 1980 - ob DDR, "der Osten" 1987 vs. 1991 gut war, kann ich nicht beurteilen - jedenfalls disruptive Änderung der Realität. Also schließe ich mich den Optimisten an - auch die UNO kann sich von einem glorreichen Stammtisch, zu einer funktionalen befriedenden Institution entwickeln.

Die traurigen Randbedingungen für jene guten Entwicklungen sind allg. bekannt, aber das ist eine andere Geschichte...

LG Marc-Martin Schön

PS. Das McCloy/Sorin Papier liest sich wie ein Märchen - damals immerhin so realitätsnah, dass es 1961 einstimmig von den UN angenommen wurde! Auch das scheint märchenhaft? Apropos Märchen, erlaube ich mir als Alter eine Buch-Empfehlung für Eltern jüngerer Kinder - außer dem Klassiker "kleiner Prinz" :-) gibts noch ein wunderbares Buch speziell zu Frieden & UNO, und wohl weniger bekannt - Die Konferenz der Tiere, Kästner, 1949. Cheers M

Avatar von Det
Apr 5Bearbeitet

Ich gehe einmal davon aus, dass man ein Ei als faul benennen darf, auch wenn man selbst nicht in der Lage ist, eines (bzw. ein besseres) zu legen.

Es ist m.E. nicht das "Völkerrecht" (im Deutschen klingt das so, als sei es den Menschen von den Göttern gegeben, ich finde, "Internationales Recht" trifft es besser), das im Moment einen 3. Weltkrieg verhindert. Es hat auch den Jugoslawienkrieg und alle nachfolgenden Kriege sowie sämtliche Schandtaten in und um Palästina nicht verhindert, sondern wird von denen, die mächtig genug sind, hervorgekramt, wenn man es brauchen kann und links liegen gelassen, wenn nicht.

Wichtige Grundsätze werden aufgelöst, wenn sich nur genug Mitglieder - stillschweigend oder lauthals - dagegen wenden oder Missbrauch aus Ohnmacht geschehen lassen müssen, das nennt man dann Gewohnheitsrecht.

Zu guter Letzt - man muss nur einmal die Einlassungen der Wissenschaftlichen Dienste zu völkerrechtlichen Themen lesen oder Völkerrechtler verschiedener Provenienz - legt es jeder so aus, wie er will bzw man wartet - wie im Fall der Abspaltung des Kosovo - mehr als zehn Jahre auf ein gültiges Urteil, das dann eben so ausfällt, wie es der dominante Westen haben möchte (der dann aber ähnlich gelagerte Fälle ganz anders behandelt haben will).

Wie man heute sehen kann, sind Verträge u.U. das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen. Sie sind eh nur von den "Starken" durchsetzbar, und die brauchen gar keine Verträge (siehe USA). Das "Völkerrecht" krankt - neben vielem anderen - daran, dass es nicht durchsetzbar ist. Es baut auf Vernunft auf ("Wenn man vernünftig ist, braucht man überhaupt keine Atombomben" sagte Herman van Veen einmal in der Einleitung zu einem Lied), und wenn man eines aus der Geschichte lernen kann, dann das: Vernunft ist bisweilen ein äußerst rares Gut.

Zum Grundgesetz: es sagt - wie auch der 2+4-Vertrag - schon sehr deutlich, dass von Deutschland nur Frieden auszugehen habe. Nützt das irgend etwas?

Und was die Übergabe souveräner Entscheidungen eines Staates an übergeordnete Systeme betrifft: ich finde, die Entwicklung der EU, die entweder auf direktem Weg über EU-Gesetze oder auf dem Schleichweg der Verordnungen sämtliche europäischen Gesetze, Verfassungen, das Grundgesetz und (wie man an den Sanktionen sieht) sogar Jahrtausende alte Rechtsgrundsätze aushebeln kann (und es immer häufiger tut), ist kein Beispiel, das wirklich Vertrauen einflößt.

Nach den letzten 15 Jahren erscheint mir persönlich ein Flickerlteppich von überschaubaren staatlichen Einheiten, deren Bürger durch Wahlen noch spürbaren Einfluss auf Entscheidungen ausüben können und die sich ggf zu Zweckgemeinschaften verbünden, das attraktivere Modell.

Hier ein Artikel, der die Problematik beleuchtet: https://overton-magazin.de/top-story/ueber-die-zerstoerung-des-voelkerrechts/

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