Achtung. Achtung. Hier spricht Berlin: Vorsicht vor Putins Agenten, Nowitschok und anderen Giften. Fröschen auch. Die Ukraine wird siegen!
Wie Kriege vorbereitet und am Leben gehalten werden.
Wie wir alle „wissen“, wurde der russische Oppositionelle Nawalny angeblich mit einem Nervengift der Nowitschok-Familie vergiftet. Wie wir alle „wissen“, retteten ihm die beherzte Entscheidung eines Flugzeugführers (Notlandung), die Ärzte in Omsk und dann die der Charité das Leben. Wie wir alle „wissen“, waren sich deutsche Chemiewaffenexperten sicher, Spuren eines bis dato nicht offiziell bei der OVCW gelisteten Nowitschok-Gifts nachgewiesen zu haben.
Wie wir alle „wissen“, waren die Berliner medizinischen Bemühungen so erfolgreich, dass Nawalny recht gesund und guten Mutes sich erst im Schwarzwald erholte, dann in Dresdner Archiven wühlte und schließlich seine berühmte Dokumentation über den Milliardärs-Palast von Putin erstellte. Außerdem gelang es ihm noch, einem russischen Geheimdienstler telefonisch zu entreißen, dass er vergiftet werden sollte.
Kaum genesen, kehrte Nawalny nach Russland zurück, weil er als echter Russe sein Land mehr liebte als das eigene Leben. Wie wir alle nun „wissen“, wurde er auf Geheiß Putins im arktischen Hochsicherheitsgefängnis vergiftet, damit er nicht durch einen geheimdienstlich vermittelten Austausch frei kommt. Putins Hass auf Nawalny und seine Furcht vor ihm sei so stark gewesen, dass er seine Trumpfkarte, um den Berliner „Tiergartenmörder“ freizubekommen, aus der Hand gab. Das jedenfalls ist die Geschichte, die die in London ansässige einstige Mitarbeiterin von Nawalny der Welt erzählte. Sie hätten den Vorschlag, Nawalny auszutauschen, an den Kreml herantragen lassen. Über den Oligarchen Abramowitsch. Sie seien so hoffnungsvoll gewesen.
Am 25. Februar 2024 erzählte der damalige Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes und heutige Leiter des ukrainischen Präsidialamtes eine andere Geschichte. Budanow bestätigte öffentlich die offizielle russische Version der Todesursache - ein Blutgerinnsel (Embolie). Er habe das nicht aus dem Internet.
https://www.kyivpost.com/post/28630
Wieso stützte ein erklärter Gegner Russlands gegen alle offiziellen westlichen Verdächtigungen die russische Version der Ereignisse? Ausweislich des Interviews von Putin mit Tucker Carlson, verhandelten „die Dienste“ über einen West-Ost-Austausch. Spätestens dadurch erfuhr jeder, dass Putin den russischen „Patrioten“, den „Tiergartenmörder“ freikaufen wollte. Was also war der Sinn der Verlautbarung Budanows? Konnte er wissen, was in einem russischen Hochsicherheitsgefängnis nördlich des Polarkreises vorgefallen war oder auch nicht? Und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?
Es ist völlig klar, dass Nawalny nur als angeblich demokratischer Herausforderer und künftiger russischer Machthaber für den Westen von propagandistischem Wert war. Und als angebliches Vergiftungsopfer des ruchlosen Kreml-Herrschers. Als ein für viele Jahre Verurteilter konnte Nawalny keine aktive Rolle in der russischen Politik spielen. Die russische Justiz hatte ihn buchstäblich kaltgestellt. Die BBC sah das 2024 ganz kühl: Nawalny musste dafür sorgen, „relevant zu bleiben“, nicht vergessen zu werden.
https://www.bbc.com/news/world-europe-68322113
Menschliches Mitleid liest sich anders.
Aus russischer Sicht hatte Nawalny - objektiv betrachtet - als Austausch-Subjekt einen gewissen Restwert. Als Ermordeter hingegen wird er (im Westen) verewigt als ein weiteres mutmaßliches Opfer von Putins mörderischen Instinkten und russischer Giftmischerei.
Später im Jahr 2024 schlossen sich nach Medienberichten die US-Geheimdienste Budanows Auffassung an: Nawalny sei eines natürlich Todes gestorben.
https://www.aljazeera.com/news/2024/4/29/us-finds-putin-probably-did-not-order-navalnys-death-in-february-report
Nun erklärten fünf Außenminister, nach gut zwei Jahren, Nawalny sei vergiftet worden. Auf der Grundlage heimlich aus Russland geschmuggelter Gewebeproben des Toten. In Deutschland ist es strafbar, die Totenruhe zu stören. Aber wenn es um die angebliche Entschlüsselung eines ungeklärten Todes (aus westlicher Sicht) geht, ist offenbar alles erlaubt. Um welche Proben (Urin, Plasma, Mund- und Schleimhautzellen?) es sich handelte, wie eine lückenlose Beweiskette gesichert wurde, ist dann ebenfalls zweitrangig. Es geht schließlich um ein Projekt der öffentlichen Meinungsbildung und nicht um Rechtsstaatlichkeit.
Und siehe: Ein Froschgift soll Nawalny den vorzeitigen Tod gebracht haben. Es ist ziemlich teuer in der synthetischen Herstellung, sehr giftig, etwa wie Strychnin, und recht gut erforscht. Ursprünglich gab es die Hoffnung, es könne eine sinnvolle und ungefährliche medizinische Verwendung im Kampf gegen Alzheimer haben. Es ist leicht identifizierbar. Wieso fünf westliche Labore dafür zwei Jahre brauchten, wird ihr Geheimnis bleiben.
Nun steht wieder Wort gegen Wort - die russische Schlussfolgerung vom “natürlichen Tod“ gegen die durch fünf westliche Außenminister vorgetragene Vergiftungsgeschichte, die alles dem Kreml in die Schuhe schiebt.
Möglich ist alles, aber was, wenn Budanow zumindest dahingehend die Wahrheit sagte, dass er genau wisse, was passiert sei? War das seine CIA-Verbindung oder womöglich Triumpfgeheul? Denn es ja nicht aufgeklärt, warum die russische Seite Nawalny in einer Nacht- und Nebelaktion im Dezember 2023 in das Hochsicherheitsgefängnis (Polarwolf) nördlich des Polarkreises verfrachtete. So weit weg vom Schuss, wie nur irgend möglich. Nawalnys Gesundheit war damals längst angeschlagen.
https://www.rferl.org/a/russia-navalny-arctic-polar-wolf-prison/32749723.html
Hoffte man darauf, dass die dortigen harschen Bedingungen ihm den Rest geben würden? Darauf, ihn dort ungestört zu ermorden? Oder ging es darum, ihn vor Attentätern zu schützen? Am gleichen Ort gibt es auch noch die „Polareule“, nach Wikipedia-Beschreibungen eines der allerschlimmsten „Hochsicherheitsgefängnisse“ Russlands: für Lebenslängliche.
https://en.wikipedia.org/wiki/Supermax_prison
Der Kreml ist genauso verdächtig wie jeder andere auch, im Todesfall Nawalny nicht die ganze Wahrheit zu sagen. Falls Nawalny im Gefängnis jenseits des Polarkreises vergiftet wurde, dann in russischer Obhut. Das wäre, sollten andere Attentäter die Hände im Spiel gehabt haben, ärgerlich genug, zumal inzwischen die ganze Welt weiß, dass der Westen sofort in Hysterie ausbricht und Russland immer haftbar macht. Für alles. Wenn irgendetwas irgendwo passiert oder fast oder tatsächlich gestorben wird, ist der erste Verdacht immer: Die Russen, in der Steigerung: Putin.
Die ZDF-Serie „Putins Agenten“ ist in diesem Sinn ein echtes Kronjuwel: Voller unbewiesener Mutmaßungen und Verdächtigungen, mit einem Hang zum Verschwörungstheoretischen, vorgetragen von bereitwilligen Gesprächspartnern, die alles angeblich aus erster, zweiter oder dritter Hand vermuten, glauben, schlussfolgern.
https://www.zdf.de/dokus/putins-agenten-100
Die Skripals wurden mit einem Nowitschok (definitiv) fast umgebracht. Ja, es waren Putinsche Schergen, die als „agent provocateur“ das Gemetzel auf dem Maidan 2014 in Gang setzten. Dann folgte bei mir der „Schnitz“, das heisst, mir reichte es an öffentlich-rechtlicher… Ja, wie soll ich das eigentlich nennen?„Rotlichtbestrahlung“? Nein, das trifft es nicht. Falschmünzerei vielleicht?
Ob die ZDF-Filmemacher auch Nord Stream in ihre düstere Agenda angeblicher russischer Geheimdienstverbrechen einordneten, entzieht sich deshalb meiner Kenntnis. Oder den Epstein-Fall? Britische Medien gaben sich durchaus Mühe, eine russische Spur zu legen.
Kurzum, durch die ZDF-Brille geschult: Ob russische Behörden nun die Wahrheit sagen oder lügen, der „Westen“ glaubt Russland sowieso NICHTS.
Was durch westliche Staaten zur Plausibilität erklärt wird, war bereits lange vor 2022 nicht mehr von Aufklärungswillen geprägt, oder gar vom Willen zu kooperativer Zusammenarbeit. Statt dessen regierten axiomatische Behauptungen, frei in der Denklogik des inzwischen geadelten Bill Browder: Wenn es um Russland geht, muss man immer das Schlimmste annehmen.
Nebst ZDF bot auch die jüngste „Enthüllung“ der fünf Außenminister über die Vergiftung Nawalnys erneute Gelegenheit, über Russlands mörderischen Umgang mit Chemiewaffen zu sinnieren und die Anschuldigung zu verfestigen, dass sich Russland nicht an das Verbot der Chemiewaffenkonvention halte. Dieser Vorwurf wurde nur ein Jahr, nachdem Russland die vollständige Abschaffung seiner Chemiewaffen notifiziert hatte, erhoben. Als Folge des „Skripal-Falls“. Dann folgte die behauptete Vergiftung Nawalnys mit einem Nowitschok-Gift.
Mit einem solch verbrecherischen Staat, einem Paria, kann man nicht verhandeln, nicht wahr? Das bleibt die Botschaft des Jahres 2026.
Daher sei erneut die Gelegenheit benutzt, jedenfalls in Sachen „Nowitschok“ unbestrittene wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu bemühen. 2024 kam eine tschechische Studie zum Nowitschok-Gift A 234 („Skripal-Fall”) zum gleichen Ergebnis, wie eine geheime Studie des Pentagon zu „Nowitschok-Giften“ 1997: Sie sind so giftig wie das westliche VX (also annähernd gleiche Giftmenge, die zum Tod führt) und so schwer therapierbar wie Vergiftungen durch Soman. Atropin rettet womöglich das Leben, aber es kann, genauso wenig wie andere Gegenmittel, die Vergiftungsfolgen aufheben, sprich heilen.
https://link.springer.com/article/10.1007/s00204-024-03689-3
Gegen eine Nowitschok-Vergiftung gab es - so die tschechischen Experten in der Schlussfolgerung - auch 2024 kein probates Gegenmittel.
Das bedeutet: Werden Menschen Opfer einer Nowitschok-Vergiftung, sind sie im Wortsinn Todgeweihte. So wie Schelesnjakow. Dieser sowjetische Chemiewaffenexperte inhalierte nur eine geringe Dosis eines Nowitschoks im Labor. Er war bis zu seinem Tod davon überzeugt, dass das Chemiewaffenverbot von einem Forschungsverbot begleitet werden sollte.
https://www.theguardian.com/world/2018/mar/22/andrei-zheleznyakov-soviet-scientist-poisoned-novichok
Daraus folgt: Wenn die Überlebenden einer angeblichen (schweren) Nowitschokvergiftung gesunden, wurden sie nicht durch Nowitschok vergiftet. Da aber durch anerkannte OVCW- Chemiewaffenlabore Zerfallsprodukte der Gifte (oder Spuren) im Blut der angeblichen Opfer nachgewiesen wurden, bleibt logisch nur eine Schlussfolgerung übrig: Diese Zerfallsprodukte/ Spurenelemente müssen im Nachhinein in den Blutkreislauf der angeblichen Opfer geschleust worden sein.
Das wäre eine meisterliche wissenschaftliche Leistung, unzweifelhaft.
Aber was kümmern wissenschaftliche Erkenntnisse, wenn es um politisch motivierte Behauptungen geht? Wobei, und dass unterscheidet den Skripal-Fall vom Fall Nawalny: Bei Nawalny wurde in Berlin eine für Nervengifte typische Enzymhemmung nachgewiesen. Ich habe deshalb nie ausgeschlossen, dass bei Nawalny der nachträgliche Transfer ein bisschen schief ging. Deshalb blieb es auch theoretisch denkbar, dass er unter den irreversiblen Folgen einer fatalen Gabe eines Zerfallsprodukts von Nowitschok litt. In dem Fall musste Russland lediglich die Hände in den Schoß legen und abwarten. Nur die russische Version eines natürlichen Todes hätte auch weiterhin diese Option nicht ausgeschlossen. Amnesty International machte zu Recht auf die gesundheitlichen Probleme Nawalnys aufmerksam und forderte aus humanitären Gründen seine Freilassung.
https://www.amnesty.org/es/wp-content/uploads/2023/05/EUR4667502023ENGLISH.pdf
Die Behauptung einer Froschgiftvergiftung jedoch schließt aus, dass Nawalny an den unabweisbaren Folgen einer Vergiftung durch ein Nowitschok-Gift starb. So ist das eben, wenn man sich nicht mit Wissenschaft beschäftigt, aber gern exotische Märchen erzählt. Dann reißt man mit dem Hintern ein, was propagandistisch mit den Händen aufgebaut wurde.
Doch solange unter anderem die deutschen Chemiewaffenforscher den Mund halten, nicht zugeben, wie diabolisch die Nowitschok-Gifte konstruiert wurden, sie gute Miene zum bösen Spiel machen, kann die Scharade weitergehen.
Man kann sich weiter genüsslich gruseln vor den Mordbuben des russischen Militärgeheimdienstes, die trainierten, wie man Türklinken mit Nowitschok besprüht (Fall Skripal) und dann alles versauten. Vor den Mordbuben des russischen Inlandsgeheimdienstes, die ein Nowitschok-Gift in Nawalnys Unterhose einbracht haben sollen. Ob sie das auch trainiert haben sollen, weiß man nicht, nur, dass auch diese Operation in die Büx ging. Oder steckte das Gift doch im Tee, den Nawalny vor seinem Abflug trank, siehe Welt?
https://www.welt.de/geschichte/article214929626/Morde-in-Russland-Ihre-Leichen-fand-man-zerstueckelt-im-Fluss.html
Man kann sich trefflich echauffieren über den mörderischen Geist des russischen Präsidenten, dem kein Gift zu teuer ist, um es heimtückisch gegen seine Feinde einsetzen zu lassen. So vertieft sich die Gewissheit, dass das Ausmaß der russischen Boshaftigkeit und Mordlust in der Regel nur vom Ausmaß der russischen Unfähigkeit übertroffen wird.
Man stelle sich vor, Russland hätte versucht, die NordStream-Pipelines zu sprengen. Dann würden die heute noch fehlerfrei funktionieren. Deren Ruin mussten schon echte Könner in die Hand nehmen. Jedenfalls fast echte Könner. Von den vier Röhren blieb immerhin eine im Großen und Ganzen intakt.
Ist es möglich, dass hinter dem mutmaßlichen Vergiftungsfall Nawalnys 2024 gar nicht die Russen steckten? Schließlich starb der Mann. Schon glaubt es sich viel leichter, dass die Ukraine Russland besiegen kann. Russland ist schließlich von einem moralisch verkommenen Präsidenten mit einem Killer-Hirn regiert. Aber dem stehen völlig untaugliche Handlanger zur Seite, ob nun geheimdienstliche Mordbuben oder seine Militärs. Letztere treiben angeblich, so der ukrainische Präsident, monatlich 30.000 russische Soldaten auf ukrainischer Erde in den Tod.
https://www.pravda.com.ua/eng/news/2025/12/16/8012048/
Das erklärte aktuelle ukrainische Ziel lautet, monatlich 50.000 russische Soldaren zu töten oder kriegsunfähig zu machen.
Ja, das riet schon der ehemalige US-Verteidigungsminister Panetta im März 2022: Russen killen als Verhandlungsmasse. (Ab Min 4:04)
https://www.bloomberg.com/news/videos/2022-03-17/u-s-is-in-a-proxy-war-with-russia-panetta-video
CNN fragte im Februar 2026, warum die Ukraine „für nichts“ Russland Territorium überlassen solle, wenn sie doch erwarte, hunderte von tausenden russischen Soldaten auszuschalten, während Moskau anhaltend versuche, Donezk mit Gewalt einzunehmen?
https://edition.cnn.com/2026/02/03/europe/ukraine-strategy-kill-50000-russian-soldiers-intl
Wie Nato-Generalsekretär Rutte versicherte, agieren die Russen im Krieg in der Ukraine mit der „Geschwindigkeit einer Gartenschnecke“. Nach Adam Riess wären sie dann theoretisch in etwa 20 Jahren an der polnisch-ukrainischen Grenze, allerdings praktisch längst aller Soldaten beraubt - wegen der postulierten ukrainischen Effizienz.
Ach, wenn Kriegspropaganda doch wenigstens stimmig wäre. Irgendwie spannend. So aber soll man sich nicht wundern, dass viele längst nur noch gähnen. Und die jüngere Generation seufzt: „tot“… (KI weiß besser als ich, was in diesen Altersgruppen gerade „en vogue“ ist.)

Liebe Frau Erler: Wie immer großartig geschrieben, wider den Zeitgeist - und gut belegt!
Und als ob bestellt verlautbart der sog. Westen das Froschgift als definitive Todesursache pünktlich zur Münchner Sicherheitskonferenz und die trauernde Witwe ist auch zur Stelle. Man sucht die größtmögliche Öffentlichkeit!
Hoch lebe die Wissenschaft der Geheimdienste des sog. Westens!
Hoch lebe die Personslie Wadephul samt Kollegschaft!
Aber die armen Frösche … ! Wenn sie dem siedenden Wasser entrinnen wollen ist es zu spät!