<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA["Nachrichten einer Leuchtturmwärterin"]]></title><description><![CDATA[Fakten und Kommentare zu aktuellen politischen Streitfragen]]></description><link>https://petraerler.substack.com</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!7gXd!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fpetraerler.substack.com%2Fimg%2Fsubstack.png</url><title>&quot;Nachrichten einer Leuchtturmwärterin&quot;</title><link>https://petraerler.substack.com</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Sun, 05 Jul 2026 11:45:27 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://petraerler.substack.com/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Petra Erler]]></copyright><language><![CDATA[de]]></language><webMaster><![CDATA[petraerler@substack.com]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[petraerler@substack.com]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Petra Erler]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Petra Erler]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[petraerler@substack.com]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[petraerler@substack.com]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Petra Erler]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[22. Juni 2026: 85 Jahre und kein bisschen weise (Teil 2)]]></title><description><![CDATA[Zum Jahrestag des deutschen &#220;berfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/22-juni-2026-85-jahre-und-kein-bisschen</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/22-juni-2026-85-jahre-und-kein-bisschen</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Mon, 22 Jun 2026 08:54:57 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/PVFN1_mK_5k" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Wie konnte der Russenhass in Deutschland und der EU nach 1990 wieder soviel Raum gewinnen? Es heisst zuweilen, die neuen EU-Mitglieder h&#228;tten den alten EU-L&#228;ndern sukzessive die Augen ge&#246;ffnet &#252;ber die &#8222;wahre&#8220; Natur Russlands. Tats&#228;chlich wurden sie in der EU auch nach der Erweiterung als Mitglieder &#8222;zweiter Klasse&#8220; angesehen. Von Augenh&#246;he war nichts zu sp&#252;ren zwischen den mythischen Gr&#252;ndern der EU und den &#8222;armen&#8220; Verwandten, die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit erst noch lernen mussten, die als einzige als korrupt galten, und im &#252;brigen &#8222;unser&#8220; Geld beanspruchten.</p><p>Da blieb nicht viel, womit man gl&#228;nzen konnte, wenn man schon sonst nicht geh&#246;rt wird. Wenn man aber kr&#228;ftig dem im Westen bewusst verbreiteten und immer weiter erstarkenden Russenhass fr&#246;nte, &#228;ndern sich die Dinge. Insbesondere Polen und dem Baltikum wurde nunmehr gerne beschieden, dass sie &#8222;wertvolle&#8220; geschichtliche Erfahrungen in die EU einbringen, dass sie schon &#8222;immer&#8220; besser Bescheid &#252;ber Russland und dessen Aggressionspotential wussten, dass sie die ersten waren, die warnten, und dass wir Deutschen das alles leider leider nicht sehen wollten (oder konnten), vgl. etwa &#8222;Das Versagen&#8220;, Ullstein Buchverlag, 2025.</p><p>Diese ver&#228;nderte Sicht auf die Dinge, die sich abschlie&#223;end in der &#8222;Zeitenwende&#8220; 2022 manifestierte, k&#246;nnte man als eine gewisse intellektuelle Beschr&#228;nktheit abtun, ginge es nicht um Brandstiftung, um eine katastrophale politische Verirrung, die v&#246;llig inkompatibel mit dem Sinn und Zweck der europ&#228;ischen Integration ist. Diese macht gerade nicht die Erfahrungen der Vergangenheit zum alleinigen Ma&#223;stab, sondern zielt darauf ab, daraus zu lernen und den schweren Weg der Vers&#246;hnung zu gehen.</p><p>Sie ist auch inkompatibel mit der deutschen Vergangenheit und unserer Verfassung. Nicht umsonst wurde der Art. 23 GG nach der deutschen Einigung neu geschrieben. In dieser grundgesetzlichen Norm steht nichts drin &#252;ber Deutschland in einer EU, die sich militarisiert und gegen Russland in Stellung bringt.</p><p>Aber so ist das, wenn man vergisst, dass Geschichte und Geographie Determinanten der Politik sind und dass die europ&#228;ische Spaltung in &#8222;Europa&#8220; auf der einen Seite und Russland auf der anderen Seite kein einziges Problem l&#246;st, weder das Sicherheitsproblem im transatlantischen und eurasischen Raum noch das Problem der notwendigen Auss&#246;hnung aller europ&#228;ischen V&#246;lker durch Integration.</p><p>Inzwischen, und daran sind deutsche Politik, Medien und jede Menge &#8222;Experten&#8220; nicht unschuldig, hat sich in Russland das Gef&#252;hl breit gemacht, dass Deutschland (der Westen) wieder der Feind ist. Ganz so, wie das der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber Cavoli einmal voraussagte.</p><p>Wie k&#246;nnte man das auch anders einsch&#228;tzen, wenn auf der einen Seite der aktuelle Nato-Oberkommandierende in Europa feststellt, dass Russland keine Angriffspl&#228;ne gegen &#8222;Europa&#8220; habe, das Wesen der Nato verstehe und andererseits ein deutscher Luftwaffenoffizier, Generalleutnant Neumann, sich gegen&#252;ber dem <em>Telegraph </em>ganz forsch gab: Die Luftwaffe sei &#8222;<em>noch heute Nacht&#8220;</em> bereit zu &#8222;<em>verheerenden Schl&#228;gen</em>&#8220; gegen Russland, sollte es einen Nato-Verb&#252;ndeten angreifen..</p><p><a href="https://www.telegraph.co.uk/world-news/2026/06/15/luftwaffe-chief-warns-russia-german-ready-to-fight-for-nato/"><span>https://www.telegraph.co.uk/world-news/2026/06/15/luftwaffe-chief-warns-russia-german-ready-to-fight-for-nato/</span></a></p><p>So forsch, dass sich britische Medien wunderten. Wom&#246;glich hatten die noch den Ausgang der Luftschlacht um England im Kopf und garnicht verstanden, dass die Namenidentit&#228;t &#8220;rein funktional&#8221; ist.</p><p>Oder plapperte der Nato-Oberkommandierende in Europa etwa nur Putin nach?</p><div id="youtube2-PVFN1_mK_5k" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;PVFN1_mK_5k&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/PVFN1_mK_5k?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>In einer j&#252;ngsten Pressekonferenz versuchte Mark Rutte die sich widersprechenden westlichen Erz&#228;hlungen zur Lage auf dem ukrainischen Schlachtfeld, zur russischen Aggressivit&#228;t und Bedrohung f&#252;r die europ&#228;ischen Nato-Alliierten unter einen Hut zu bringen.</p><p>Wie nicht anders zu erwarten, scheiterte er grandios.</p><p>Die Antwort auf die Frage, ob Russland auf dem Schlachtfeld in der Ukraine immer schw&#228;cher werde, umging er ganz. Wir m&#252;ssen sicherstellen, dass die Ukraine so stark wie m&#246;glich im Kampf bleibt, so Rutte. Bis zum Frieden, sofern Putin bereit ist, &#8222;<em>Ball zu spielen&#8220;</em>. Was f&#252;r eine Art Frieden das sein soll, verriet Rutte nicht.</p><p>Hinsichtlich der unterschiedlichen Jahreszahlen eines mutma&#223;lichen russischen Angriffs auf Nato-Staaten verwies Rutte auf &#246;ffentliche geheimdienstliche Einsch&#228;tzungen von Mitgliedstaaten. Russland, laut Rutte, sei nicht st&#228;rker als Belgien und die Niederlande zusammengenommen. </p><p>(Anmerkung: Rutte sollte besser noch einmal in die Statistiken schauen, denn selbst nominal gemessen ist Russland st&#228;rker als die zwei von ihm gew&#228;hlten L&#228;nder. Nach dem zuverl&#228;ssigeren Vergleichsparameter, also in Kaufkraftstandards ausgedr&#252;ckt, hat Russland die Nase vorn - selbst vor Deutschland.)</p><p>https://www.investopedia.com/insights/worlds-top-economies/</p><p>Russland wisse, fuhr Rutte fort, dass es gegen die Nato nicht gewinnen kann. Aber die Nato m&#252;sse sicherstellen, dass Russland wei&#223;, dass es dessen gr&#246;&#223;ter strategischer Fehler w&#228;re, sollte es die Nato trotzdem angreifen. Die Nato m&#252;sse immer st&#228;rker werden. Mit jedem Jahr.</p><div id="youtube2-1f9ZH1f_1RA" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;1f9ZH1f_1RA&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/1f9ZH1f_1RA?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Wie kann Russland einen gro&#223;en strategischen Fehler begehen, wenn es gar nicht plant, ihn zu begehen, sprich die Nato anzugreifen?</p><p>Oder plant Russland - weil es v&#246;llig irrational ist - diesen Angriff doch und die Nato bereitet sich dementsprechend auf alles vor, einschlie&#223;lich darauf, einer mutma&#223;lichen russischen Aggression durch einen pr&#228;ventiven Erstschlag zuvorzukommen?</p><p>Bis es soweit ist, soll die Ukraine, siehe G7, jedenfalls &#8222;&#252;ber den n&#228;chsten Winter gebracht werden.&#8220; Und was ist dann, im Fr&#252;hling 2027? Schicken wir dann der ausblutenden Ukraine die wehrf&#228;higen Jahrg&#228;nge, die bei uns Zuflucht suchten vor dem Krieg?</p><p>Worauf sich die Europ&#228;er in der Nato ganz und garnicht vorbereiten, ist, den Konflikt mit Russland politisch zu entsch&#228;rfen. Sie tun so, als sei er unvermeidlich. Russland ist als Feind gesetzt. Schlimmer noch, inzwischen wird ganz unverhohlen einger&#228;umt, wie aktiv man sich mittels der Ukraine beteiligt am Kampf gegen Russland. Der Jubel ist nicht mehr verborgen, wenn russische Ziele getroffen werden.</p><p>Erst k&#252;rzlich erinnerte die ehemalige stellvertretende Generalsekret&#228;rin der Nato, Rose Gottemoeller, in einem Beitrag in <em>Foreign Affairs </em>daran, mit welcher Chuzpe die Operation &#8222;Spiderweb&#8220; durchgef&#252;hrt worden sei - sprich der Angriff auf einen Teil der nuklearen Triade Russlands. Ohne die logistische Unterst&#252;tzung der Nato h&#228;tte die Ukraine ihn nicht durchf&#252;hren k&#246;nnen. Die Briten nehmen f&#252;r sich erkl&#228;rterma&#223;en in Anspruch, das &#8220;Hirn&#8221; hinter ukrainischen &#8220;Aktionen&#8221; zu sein. Also, wem ist das alles eingefallen?</p><p>W&#246;rtlich formulierte Gottemoeller: &#8222;<em>Dieser als &#8218;Operation Spider&#8217;s Web&#8216; bekannte Angriff war <strong>ein bemerkenswerter Schachzug.</strong> Der wichtigste Aspekt des Angriffs war &#8230; die Tatsache, dass er &#252;berhaupt stattfinden konnte. &#8230; Die Ukraine war bereit, Russlands nukleare F&#228;higkeiten anzugreifen, und Russland war nicht in der Lage, deren Zerst&#246;rung zu verhindern.&#8220;</em></p><p><a href="https://www.foreignaffairs.com/ukraine/strange-defeat-nuclear-deterrence-rose-gottemoeller?check_logged_in=1"><span>https://www.foreignaffairs.com/ukraine/strange-defeat-nuclear-deterrence-rose-gottemoeller?check_logged_in=1</span></a> (Bezahlschranke)</p><p>Was w&#228;re uns allen geschehen, wenn die Russische F&#246;deration auf diesen uns&#228;glichen Angriff, der nur m&#246;glich war, weil Russland sich an das START-Abkommen de facto hielt, mit einem vollen Gegenschlag reagiert h&#228;tte? Das ist der Kontext, in den die Frage passt, die Jewtuschenko in seinem Anti-Kriegs-Gedicht aus dem Jahr 1961, als der Kalte Krieg auf vollen Touren lief, aufwarf: Meinst Du, die Russen wollen Krieg?</p><p>Welches Land wollte die Nato-Mitgliedschaft, um nicht drau&#223;en vor der T&#252;r zu bleiben? Und wer verwehrte sie, bef&#246;rderte die Nato-Erweiterung gegen Russland?</p><p>Welches Land wehrte sich gegen die Aufl&#246;sung des ABM-Vertrages?</p><p>Welches Land wollte das Mittelstreckenwaffenverbot in Europa behalten und hielt sich sp&#228;ter einseitig daran? (Anmerkung: Die EU-Au&#223;enminister wollten dieses Verbot urspr&#252;nglich auch behalten.)</p><p>Welches Land dr&#228;ngte auf die Erf&#252;llung des Minsk-II-Abkommens?</p><p>Welches Land holte sich im Verhandlungsversuch mit den USA und der Nato 2021, um seine Sicherheitsinteressen zu wahren, eine k&#252;hle Absage?</p><p>Es gibt drei postsowjetische L&#228;nder, Belarus, Russland und die Ukraine, die die Kiewer Rus als Vorl&#228;ufer ansehen. Das war ein Grund, warum der russische Pr&#228;sident vor dem Nato-Beschluss 2008 wiederholt erkl&#228;rte, er m&#246;ge sich gar nicht vorstellen, gegen die Ukraine k&#228;mpfen zu m&#252;ssen.</p><p>Wie wir gleichzeitig wissen, hat Putin nach dem Putsch in der Ukraine 2014 unverz&#252;glich russische Soldaten auf die Krim befohlen. Er hat 2022 schlie&#223;lich, auch auf Druck der Duma, dem ukrainischen Donbas den Beistand erkl&#228;rt und ist an dessen Seite in den Krieg gezogen.</p><p>Das sollte ausreichen, um zu schlussfolgern, dass der russische Pr&#228;sident zwar der Diplomatie Vorrang gibt, aber milit&#228;risch zuschl&#228;gt, wenn es aus russischer Sicht unumg&#228;nglich wird, egal, was das V&#246;lkerrecht sagt. Den V&#246;lkerrechtsbruch muss man verurteilen, den Kontext allerdings begreifen. Zur Stilisierung eines au&#223;erordentlichen, nie da gewesenen Verbrechens ist der &#8220;Fall Ukraine&#8221; komplett ungeeignet. Wer so argumentiert, sieht den Balken im eigenen Auge nicht. Der Ukraine-Krieg zeigt allenfalls, dass sich jede, auch die sprichw&#246;rtliche russische Geduld, irgendwann ersch&#246;pft. Zumal sich im Kriegsverlauf un&#252;bersehbar best&#228;tigt, was die Sicherheitsbedenken der Russische F&#246;deration betrifft: Eine Ukraine, die als Rammbock der Nato gegen Russland fungiert. </p><p>Da es keine europ&#228;ische Diplomatie gegen&#252;ber Russland gibt, sie sich seit Jahren praktisch im &#8222;Russland lock-down&#8220; befindet, schmoren wir selbstzufrieden in eigenen Einsch&#228;tzungen und Urteilen, egal, ob diese richtig oder falsch sind. Andererseits berauben wir uns der Mittel, russische Sichtweisen zu beeinflussen oder gar zu einer Einigung zu gelangen. So unverantwortlich wurde nicht einmal in Hochzeiten des Kalten Krieges gehandelt.</p><p>Die kriegsl&#252;sternen &#8222;Schachspieler&#8220; geben vor, alles &#252;ber Russland und dessen Pr&#228;sidenten zu wissen. Sie pr&#228;sentieren sich als die wahren &#8222;Putin-Versteher&#8220;. Sie versichern, dass Russland atomar nur blufft und schon aus dem vorletzten, wenn nicht gar letzten Loch pfeift. Dass man flei&#223;ig weiter eskalieren, die Sanktionsschraube (sprich Wirtschaftskrieg) weiter drehen und von &#8222;Kriegst&#252;chtigkeit&#8220; schwadronieren bzw. &#252;ber &#8222;Putins Rache&#8220; labern kann.</p><p>Bis Russland kapituliert. Das ist der Sinn aller markigen Erkl&#228;rungen und Beschl&#252;sse.</p><p>Schlie&#223;lich sei die NATO die m&#228;chtigste Verteidigungsallianz in der Weltgeschichte, st&#228;rker als das r&#246;mische Imperium, st&#228;rker als das napoleonische (Rutte).</p><p>Allein bei solchen historischen Vorbildern kann einem nur bange werden. Wenn man sich dazu noch die Begrifflichkeit anschaut, mit der die Gef&#228;hrlichkeit der Lage herunter geredet wird (Ball spielen, die besseren Karten in der Hand halten, Schachzug usw.) und Problematisches ausschlie&#223;lich danach beurteilt wird, ob es wom&#246;glich dem Kreml n&#252;tzen k&#246;nnte, dann hat man allen Grund zu fragen: Wo bleibt die Vernunft? Gibt es wom&#246;glich Todessehnsucht oder gef&#228;hrliche Lebensm&#252;de unter uns, die alle mitnehmen wollen in den eigenen Untergang? Hass macht bekanntlich blind.</p><p>Oder muss die deutsche Luftwaffe gar schon heute Nacht abheben?</p><p>Weil diese &#8222;Russen&#8220; so sind, wie sie sind?</p><p>Es wei&#223; keiner genau, woher &#8222;die&#8220; einst kamen. Aus dem Norden? Oder wurden sie wom&#246;glich doch von Mongolenhorden gezeugt, was den &#8222;asiatischen&#8220; Charakter erkl&#228;ren w&#252;rde, auf den dann auch noch der Bolschewismus, das Stalin-Regime und der KGB aufgepfropft wurde?</p><p>Was kann da schon anderes herauskommen als ein &#8222;homo sovieticus&#8220;, als aggressive und extrem grausame Bestien, immer an allem schuld, M&#246;rder, serielle Vergewaltiger und Diebe, Kindesentf&#252;hrer, notorische L&#252;gner, Betr&#252;ger, Manipulatoren und Desinformanten, Einmischer in Demokratien,  der Sowjetunion nachtrauend, mit Gr&#246;&#223;enwahn ausgestattet, allesamt mit einer Sicherheits- und Nazi-Phobie geschlagen und naturgem&#228;&#223; korrupt und unf&#228;hig bis ins Mark?</p><p>Im heutigen Bild von &#8220;den Russen&#8221; und ihrem Pr&#228;sidenten kommt all das als Stereotyp vor und wird auch in Deutschland gern kommuniziert. </p><p>Danach sind die &#8222;Russen&#8220; so, wie sie schon immer waren, seit Anbeginn der Geschichtsschreibung, definitiv die schlimmste Brut auf Erden. Schaut, was sie Ukrainern antun! Schaut, wie sie sinnlos eigene Soldaten opfern! Angeblich 30.000 im Monat. Und was bringt es? Nichts. Die wissen noch nicht einmal, wie man &#8222;richtig&#8220; Krieg f&#252;hrt, Territorien erobert, alles komplett zerbombt, Angst und Terror verbreitet.</p><p>Im Zweiten Weltkrieg hatten die USA und Gro&#223;britannien den Dreh heraus, wie man bombardiert, um massive Feuerst&#252;rme zu erzeugen, in deutschen St&#228;dten, in Tokio. Mit hunderttausenden Toten. Das erforderte Pr&#228;zision. Aber die &#8222;Russen&#8220;? Die hoppelten vor allem &#252;ber Land, setzten ihre Flugzeuge prim&#228;r an der Front ein.</p><p>Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelernte im Westen weiter ge&#252;bt: In Fl&#228;chenbombardierungen, darunter in Laos, in Vietnam, im Irak, im Gaza-Streifen und neuerdings auch im Libanon. Blitzartig, radikal, verheerend. Man &#8222;enthauptet&#8220;, entf&#252;hrt Staatsoberh&#228;upter, t&#246;tet wahllos, macht Operationen &#8222;unter falscher Flagge&#8220;. So geht Kriegsterror &#8222;richtig&#8220;. Oder?</p><p>Wahrscheinlich mangelt es dem russischen Milit&#228;r bis heute an Phantasie oder an der richtigen Strategie und Planung. Wom&#246;glich sind ihm die Bomben und die Puste l&#228;ngst ausgegangen.</p><p>Laut britischem Verteidigungsministerium k&#228;mpften &#8222;die Russen&#8220; schon 2023 nur noch mit Handfeuerwaffen und Schaufeln, mit immer knapper werdender Munition, ist ihr milit&#228;risches Arsenal sowieso nur low-tech.</p><p><a href="https://www.bbc.com/news/world-europe-64855760"><span>https://www.bbc.com/news/world-europe-64855760</span></a></p><p>Es scheint, die Rattenf&#228;nger von Hass und Kriegslust gedeihen noch immer pr&#228;chtig auf westlichem Boden. Sie haben fast jeden Krieg, den sie anzettelten oder mitmachten, verloren und kaltbl&#252;tig Millionen Menschen geopfert.</p><p>Sie sind bar jeder Vorstellung, welche Art Krieg das w&#228;re, wenn sie den Krieg mit Russland suchen. Wozu sich auch mit derartigen Petitessen befassen?</p><p>Wir lassen Panzer und LKWs bauen, sinnieren &#252;ber Drohnen, &#252;ber neue Waffen, die Ziele &#8222;tief in Russland&#8220; erreichen k&#246;nnen usw&#8230; Es werden Gefangenenlager errichtet, &#252;ber Bunker und Notfallreserven nachgedacht, auch &#252;ber eine gute Schulerziehung f&#252;r den Katastrophenfall. Die t&#228;gliche Versorgung vieler Verwundeter ist in Planung, das Verminen von Br&#252;cken auch. Milliarden an Steuermitteln werden in den Rachen von R&#252;stungsunternehmen geworfen. Selber schuld, wenn man keine Aktien h&#228;lt. Der &#8222;Rest&#8220;, also die Mehrheit, hat gef&#228;lligst den G&#252;rtel enger zu schnallen. Die deutsche Armee will wieder die st&#228;rkste in &#8222;Europa&#8220; sein. </p><p>&#220;ber allem wabert schon wieder die unersch&#252;tterliche &#220;berzeugung:</p><p>Der ewige Feind steht im Osten.</p><p>Wir sind &#252;berlegen.</p><p>Wir haben alles im Griff.</p><p>Glaubt ihnen nichts.</p><p>M&#246;ge uns der 85. Jahrestag des deutschen &#220;berfalls auf die Sowjetunion als Warnung dienen, aber uns auch erinnern, dass wir keine Schachfiguren sind, nur seelenlos hin- und herzuschieben, durch Propaganda und Hass vergiftet und auf &#8220;Kriegst&#252;chtigkeit&#8221; getrimmt.</p><p>Wir sind Teil der Familie der Menschen, Gleiche unter Gleichen, die das Geschenk des Lebens erahnen. Weil es das Kostbarste ist, was es gibt. Es ist das, was alles auf dieser Welt verbindet, im menschlichen Geist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verwebt und Sehnsucht nach Unendlichkeit einschlie&#223;t. Wir sind die H&#252;ter der lebendigen Erde. Das ist die menschliche Bestimmung. Viele V&#246;lker haben das l&#228;ngst verstanden. Frieden ist Menschenpflicht.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[85 Jahre und kein bisschen weise - ]]></title><description><![CDATA[Zum Jahrestag des deutschen &#220;berfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 - Teil 1]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/85-jahre-und-kein-bisschen-weise</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/85-jahre-und-kein-bisschen-weise</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Sun, 21 Jun 2026 12:13:21 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/9plcAPFQrHY" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Am 22. Juni 1941, vor 85 Jahren, &#252;berfiel Hitler-Deutschland die Sowjetunion (&#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220;). Der Krieg zielte auf die Eroberung, Versklavung und Vernichtung der V&#246;lker der Sowjetunion. 27 Millionen Menschen fielen ihm zum Opfer.</p><p><em>Spiegel</em> titelte dazu: &#8222;<em><strong>Unser Krieg gegen Russland&#8220;</strong>.</em></p><p>Die <em>FAZ</em> kommentierte: &#8222;<em>Spiegel titelt &#252;ber den Zweiten Weltkrieg und verwechselt die Sowjetunion mit Russland. Das ist geschichtsvergessen und verh&#246;hnt viele Opfer des Kriegs im Osten Europas. <strong>F&#252;r den Kreml ein gefundenes Fressen.</strong></em><strong>&#8220;</strong></p><p>So zeigten beide Medien versehentlich, wo sie geistig angekommen sind.</p><p>In einer Rede Hitlers vom 3. Oktober 1941 zum &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; rekapitulierte dieser, dass Deutschland damals nicht allein in diesen Vernichtungskrieg zog: Mit den Deutschen k&#228;mpften Finnen, Italiener, Kroaten, Rum&#228;nen, Slowaken, Spanier und Ungarn. Belgier, Niederl&#228;nder, D&#228;nen, Norweger und auch Franzosen seien ebenfalls dabei. (Anmerkung: Im weiteren Kriegsverlauf kamen auch Esten und Letten, Russen und Ukrainer sowie weitere Angeh&#246;rige von V&#246;lkern der Sowjetunion hinzu.)</p><p>Hitler portraitierte in der damaligen Rede die Entscheidung zum Krieg gegen die Sowjetunion als &#8222;Vorsorgema&#223;nahme&#8220; und unterstellte der Sowjetunion Angriffspl&#228;ne auf Deutschland. Wenn einer die Waffe zieht, so Hitler, warte man nicht, bis der den Abzug dr&#252;cke. Dann schie&#223;e man zuerst. Hitler betonte, dass Deutschland diesen Kampf f&#252;r &#8222;Europa&#8220; f&#252;hre. Wir, so Hitler, h&#228;tten keine Ahnung gehabt, wie immens die (Anm.: sowjetische) Gefahr gewesen sei und seien &#8222;<em>nur um Haaresbreite der Zerst&#246;rung Deutschlands und Europas entgangen&#8220;.</em></p><p>Wir stehen &#246;stlich von Smolensk, vor der Krim, vor Leningrad, prahlte Hitler. Zum Zeitpunkt dieser Rede war Kiew gefallen, der erste Massenmord an sowjetischen Juden in Babyn Jar bereits begangen, der Befehl zur Ausl&#246;schung von Leningrad unterschrieben.</p><p>Damals hoffte Hitler noch auf einen blitzkriegartigen Sieg, so wie das - mit Ausnahme von Gro&#223;britannien - der deutschen Kriegsf&#252;hrung seit 1939 gelungen schien. Alles laufe nach Plan, versicherte Hitler seiner begeisterten Anh&#228;ngerschaft.</p><p>Am 8. Mai 1945 wurde in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation Deutschlands gegen&#252;ber den Alliierten unterzeichnet.</p><p><a href="https://www.museum-karlshorst.de/english-the-german-surrender-in-may-1945/"><span>https://www.museum-karlshorst.de/english-the-german-surrender-in-may-1945/</span></a></p><p>Da hatte sich Hitler schon aus der Verantwortung und dem Leben geschlichen.</p><p>Hitler schm&#228;hte in der damaligen Rede die Engl&#228;nder, die ihm trotzten. Sein v&#246;lkischer Wahn war auf alles konzentriert, was in der Nazi-Ideologie als &#8222;minderwertig&#8220;, als &#8222;Untermensch&#8220; oder als &#8222;asozial&#8220; angesehen wurde.</p><p>Die Sowjetunion (Anm.: in der Rede war immer vom &#8222;Russen&#8220; die Rede) - der Feind - bestand nach Hitler nicht aus menschlichen Wesen, sondern aus &#8222;<em>Tieren oder Bestien</em>&#8220;. Man habe gesehen, was der Bolschewismus aus Menschen mache. Man k&#246;nne den Deutschen nicht die verf&#252;gbaren Fotos zeigen. Sie seien das Unheimlichste, was sich ein menschlicher Verstand vorstellen k&#246;nne. Der Feind k&#228;mpfe einerseits mit einer &#8220;<em>bestialischen Blutgier&#8220; </em>und andererseits aus &#8222;<em>Feigheit und Angst</em>&#8220; vor seinen Kommissaren.</p><p>Tats&#228;chlich erhielt die &#8222;Heimatfront&#8220; sowohl offiziell als auch durch Soldatenbriefe ganz unbek&#252;mmert Filmmaterial und Fotografien, die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf sowjetischem Boden dokumentierten und die sp&#228;ter zum Teil der Beweislage wurden, dass die Idee der &#8222;sauberen&#8220; deutschen Wehrmacht im sogenannten &#8222;Ostfeldzug&#8220; ein &#252;ber Jahrzehnte aufrechterhaltenes L&#252;genm&#228;rchen war. Nicht zu reden davon, dass an der &#8222;Heimatfront&#8220; offenbar auch die wenigsten das Gewissen plagte.</p><p><a href="https://jewishvirtuallibrary.org/adolf-hitler-broadcast-to-the-german-people-on-the-winter-help-scheme-october-1941"><span>https://jewishvirtuallibrary.org/adolf-hitler-broadcast-to-the-german-people-on-the-winter-help-scheme-october-1941</span></a></p><p>sowie</p><p>https://germanhistorydocs.org/en/a-new-germany-1990-2023/an-exhibition-on-the-crimes-of-the-wehrmacht-splits-the-german-public-retrospective-account-2015</p><p>Hitler verfuhr zur Rechtfertigung des deutschen Angriffes auf die Sowjetunion erkennbar nach der Methode, dass es gro&#223;e L&#252;gen braucht, um Angriffskriege zu legitimieren. Es gab sp&#228;ter Stimmen, die behaupteten, dass Hitler 1941 tats&#228;chlich einen Pr&#228;ventivschlag gegen die Sowjetunion durchf&#252;hrte (darunter auch der deutsche Geschichtswissenschaftler Nolte), aber die Archive sind eindeutig. Zuletzt wies der kanadische Wissenschaftler Michael Carley nach, dass die Sowjetunion die Machtergreifung Hitlers unmittelbar mit der Kriegsgefahr verband, sich verzweifelt, aber ergebnislos bem&#252;hte, eine Anti-Hitler-Koalition in Europa zu schmieden und schlie&#223;lich den Ribbentrop-Molotov-Pakt einging sowie gegen Finnland Krieg f&#252;hrte, um auf diese Weise (widerrechtlich) Territorium zwischen sich und Deutschland zu bringen, als Puffer. Letztendlich aber erlag die Sowjetunion dem Irrtum, dass Hitler keinen Zwei-Fronten-Krieg riskieren w&#252;rde. (vgl. Michael Jabara Carley, University of Toronto Press, 2024, drei B&#228;nde zur Politik Stalins zwischen 1930 und 1941)</p><p>Besagte Hitler-Rede ist auch ein Beispiel daf&#252;r, dass die deutschen (und alle fr&#252;heren) Propagandamethoden den Sieg der Alliierten &#252;ber Hitler-Deutschland 1945 &#252;berlebten: Der jeweilige Feind ist immer das Abscheulichste unter der Sonne (ein neuer Hitler, ein Schl&#228;chter, ein Chemiewaffenverbrecher, ein Besitzer oder angestrebter Besitzer von Massenvernichtungswaffen, ein Terrorist oder ein Kollaborateur von Terroristen), naturhaft aggressiv, ungemein gef&#228;hrlich (wom&#246;glich droht ein neues Auschwitz). Das jeweilige Land, insbesondere dessen F&#252;hrung, steht au&#223;erhalb der menschlichen Gemeinschaft, und versteht nichts anderes als die Sprache der milit&#228;rischen Macht, die man &#8222;leider&#8220; anwenden muss, gezwungenerma&#223;en, um ein Volk, &#8222;Europa&#8220; oder gar die Welt zu retten.</p><p>An sich sind das alles sehr billige Tricks, und doch sind sie - wie die weitere Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts bewies - immer wieder aufs Neue m&#228;chtig. Selbst aufgedeckte Kriegsl&#252;gen haben &#228;u&#223;erst lange Beine, wenn es um einen neuen Krieg und eine neue Kriegsbegr&#252;ndung geht.</p><p>Nicht nur die Kriegspropaganda ist ein Wiederg&#228;nger. Feindschaft und Hass auf alles Russische, was sich im nationalsozialistischen Gedankengut in besonders sch&#228;ndlicher Weise ausformte, ist keine alleinige Erfindung der Deutschen. Das alles ist sehr viel &#228;lter und damit auch sehr viel langlebiger.</p><p><a href="https://www.dokumente.ios-regensburg.de/JGO/Rez/Kazakov_Zykova_Zaren_Baeren_und_Barbaren.html"><span>https://www.dokumente.ios-regensburg.de/JGO/Rez/Kazakov_Zykova_Zaren_Baeren_und_Barbaren.html</span></a></p><p>Im 20. Jahrhundert kam der ideologische Gegensatz zwischen Kapitalismus und &#8222;Kommunismus&#8220; (Bolschewismus, die &#8222;Roten&#8220;) hinzu. Schlie&#223;lich verstand sich der &#8222;Bolschewismus&#8220;, gest&#252;tzt auf Marx, Engels und Lenin, urspr&#252;nglich als  &#8222;Weltrevolution&#8221;, als ein historisch unabweisbarer Aufstand der &#8222;Proletarier aller L&#228;nder&#8220; gegen die &#8222;Ausbeuterklasse&#8220;. Ich lasse beiseite, dass Marx und Engels anfangs die europ&#228;ischen Vorurteile gegen das zaristische Russland teilten.</p><p>An diesem ideologischen Gegensatz zerbrach nach 1945 die Anti-Hitler-Koalition sehr schnell. Anf&#228;ngliche Versuche, die UNO zu einer globalen Sicherheitsordnung auszugestalten, scheiterten daran. Der Kalte Krieg dominierte und teilte die Welt in Freund und Feind, mit jeweiligen Alliierten. Aber anders als heute begegneten sich die ideologisch verfeindeten Gegner politisch respektvoll. Sie stritten. Sie intrigierten (im Neusprech: &#8222;hybride&#8220; Kriegsf&#252;hrung). Sie kooperierten, wenn es im wechselseitigen Interesse lag. Sie f&#252;hrten Stellvertreterkriege, vermieden allerdings jede direkte milit&#228;rische Konfrontation. Denn die Welt war ins Atomzeitalter eingetreten. Beide Seiten hatten die Mittel zur Zerst&#246;rung der Welt in der Hand.</p><p>Die USA und Russland sind aufgrund der Menge und Leistungsst&#228;rke der modernen Nuklearwaffen die Herren &#252;ber die Zukunft der Menschheit geblieben. Es ist schlicht dummes Geschw&#228;tz, dass die damit verbundene wechselseitige Abschreckung und Vernichtung (MAD) milit&#228;risch an Bedeutung verloren habe. Das Gesetz der gegenseitig versicherten Vernichtung kann nur durch die v&#246;llige Abschaffung der riesigen Arsenale aufgehoben werden. Der Nichtweiterverbreitungsvertrag enth&#228;lt zwar die Verpflichtung dazu (vgl. Art.6), aber die Atomm&#228;chte ignorieren sie. Eine politischer Barriere ist die Erkl&#228;rung vom Januar 2022, die die f&#252;nf gro&#223;en Atomm&#228;chte eingingen, dass ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und daher auch niemals gef&#252;hrt werden sollte. Mehrfach entging die Menschheit nur knapp der atomaren Zerst&#246;rung. Heute ist die Gefahr eines Atomkriegs gr&#246;&#223;er denn je. Aber das ist in der &#214;ffentlichkeit sehr viel weniger pr&#228;sent als fr&#252;her. </p><p>&#214;ffentliche Aufkl&#228;rung schadet der Glaubw&#252;rdigkeit der nuklearen Abschreckung. Dann w&#252;rde das ganze grauenhafte Potential dieser Waffen transparent, das sich jeder instinktiven Vorstellung entzieht. Die Gewissheit eines vermeintlichen &#8220;Schutzschirms&#8221; w&#228;re dahin. Viel mehr Menschen w&#252;rden sich wehren, dass mit ihrem Leben und der Zukunft nuklear jongliert wird. Die Dinosaurier starben aufgrund einer kosmischen Katastrophe aus. Der Mensch kann sich das inzwischen selbst antun.</p><p>https://thebulletin.org/2026/05/earth-in-flames-brian-toon-and-alan-robock-on-whether-humans-will-die-from-an-asteroid-or-nuclear-war-first/</p><p>Eine Frage ist, wie es dazu kam, dass das alte Vorurteil und Feindbild &#8222;Russland&#8220; nicht zu Grabe getragen wurde, trotz der Perestroika, trotz der friedlichen Aufl&#246;sung der Sowjetunion, trotz der Selbstdarstellung des &#8222;Westens&#8220; als Sieger der Geschichte.</p><p>Es h&#228;tte doch nun genug sein k&#246;nnen. Der einstige &#8222;Klassenfeind&#8220; lag j&#228;mmerlich im Staub. Der ehemalige US-Botschafter in Moskau, Burns, beschrieb auch diese Phase der russischen Entwicklung in den 90er Jahren ausf&#252;hrlich in seinem Buch &#8222;The Back Channel&#8220;. Von Verst&#228;ndnis oder gar Sympathie war nichts zu lesen. Da war nur Hochmut. Verachtung auch.</p><p>Nur klar formulierte Feindbilder bef&#246;rdern Karrieren im Milit&#228;r, im Geheimdienst, in Politik, Wissenschaft und Medien und bringen die Kassen im R&#252;stungssektor zum Klingeln. Nur ein Feindbild erm&#246;glicht flammende patriotische Reden, Aufs&#228;tze und Akte der Selbstbeweihr&#228;ucherung. Da f&#252;hlt man sich richtig gut, rechtschaffen &#252;berlegen, ganz in der guten alten Tradition der Glaubenskrieger und der kolonialen Beutez&#252;gler.</p><p>Ich denke, der Westen erwartete nach 1991 praktisch die russische Kapitulation, wenn nicht gar den Zerfall der F&#246;deration. Aber weder die Sowjetunion unter Gorbatschow noch die sp&#228;teren russischen Pr&#228;sidenten warfen sich in den Staub und baten um wohlwollende westliche F&#252;hrung, wie man nun alles &#8222;richtig&#8220; macht. Sie suchten Dialog und Rat, wollten zuh&#246;ren, wollten gar zu diesem Westen geh&#246;ren. Aber sie wollten auch geh&#246;rt werden. Fremdbestimmung war ihnen fremd. Sie hielten am Prinzip der souver&#228;nen Gleichheit fest.</p><p>Wenn ich es mir genau &#252;berlege, ist das allen &#8222;&#246;stlich der Elbe Geborenen&#8220; (nach Adenauer also schon in Sibirien) in bestimmten Jahrg&#228;ngen gemeinsam: Die Suche nach Augenh&#246;he im Gefolge von Perestroika und der demokratischen Revolutionen 1989/1991, die sie selbst in Gang gesetzt hatten und niemand sonst. Ihre Anerkennung als Bestimmer der eigenen Geschichte. Jedenfalls habe ich dieses Bed&#252;rfnis auch im Zug der Erweiterung der EU 2004/2007 in Mittel- und Osteuropa gesp&#252;rt.</p><p>Im Kern geht es seither um das, was in den Jahren 1989/91 auf dem europ&#228;ischen Kontinent geschah: War es ein demokratischer Selbstbefreiungsakt oder ein Sieg des Westens &#252;ber den ideologischen Gegner? Auf unserem Land lastet dieser Geburtsfehler des geeinten Deutschlands bis heute schwer. Weil er manipulierbar ist. Er lastet auf der ganzen EU. Er lastet auch auf der Russland- und der Ukrainepolitik.</p><p>Geht es in der westlichen Politik um die Ukraine, genauer gesagt um die Menschen, die dieses Territorium besiedeln und ein Volk konstituieren? Jeder m&#246;ge sich die letzte Beschlussfassung der G7 in Sachen Ukraine genau durchlesen: Sie beginnt mit einer markigen Solidarit&#228;tsadresse, spricht von einem milit&#228;rischen &#8222;<em>Momentum</em>&#8220; zugunsten der Ukraine. Sp&#228;ter hei&#223;t es, dass man die Ukraine &#8222;<em>&#252;ber den n&#228;chsten Winte</em>r&#8220; bringen wolle.</p><p>https://www.consilium.europa.eu/media/edgdrkoo/g7-leaders-statement-on-geopolitical-issues.pdf</p><p>So f&#228;llt die Maske. Nicht zum ersten Mal. Nicht zum letzten Mal.</p><p>Dennoch, es gibt immer noch hinreichend viele, auch in unserem Land, die nicht verstehen, dass es nie um die Menschen in der Ukraine ging. Die sind &#8222;verzichtbar&#8220; im Stellvertreterkrieg gegen Russland, der immer mehr in einen direkten Krieg abgleitet. Wenn die Ukrainer nicht mehr k&#246;nnen, sind wir dran, wenn es nach den Kriegsplanern geht. Man muss ihnen nur genau zuh&#246;ren und sich von der Meinung befreien, dass niemand so voller zynischer K&#228;lte sein kann. Oh doch.</p><p>In einem tweet vom 19. Juni 2026 erkl&#228;rte Selenskyj unumwunden: &#8222;<em>Heute ist die Ukraine de facto die zweite Armee der Nato.&#8221;</em></p><div class="twitter-embed" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://x.com/ZelenskyyUa/status/2067903716343042403&quot;,&quot;full_text&quot;:&quot;There&#8217;s no doubt that Putin fears the return of his army home. That is why he is so afraid of the war ending without victory. And there will be no victory. He is physically afraid of his own army. That is why, if there is no ceasefire backed by specific security guarantees, he&quot;,&quot;username&quot;:&quot;ZelenskyyUa&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Volodymyr Zelenskyy / &#1042;&#1086;&#1083;&#1086;&#1076;&#1080;&#1084;&#1080;&#1088; &#1047;&#1077;&#1083;&#1077;&#1085;&#1089;&#1100;&#1082;&#1080;&#1081;&quot;,&quot;profile_image_url&quot;:&quot;https://pbs.substack.com/profile_images/1585550046740848642/OpGKpqx9_normal.jpg&quot;,&quot;date&quot;:&quot;2026-06-19T09:34:00.000Z&quot;,&quot;photos&quot;:[],&quot;quoted_tweet&quot;:{},&quot;reply_count&quot;:1243,&quot;retweet_count&quot;:5202,&quot;like_count&quot;:35030,&quot;impression_count&quot;:1096092,&quot;expanded_url&quot;:null,&quot;video_url&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:true}" data-component-name="Twitter2ToDOM"></div><p>Pr&#228;sident Biden wusste von Anfang an, dass die Ukraine in einem Krieg gegen Russland keine Chance hat, und doch lehnte er einen Kompromiss mit Russland - einen Verzicht auf die Nato-Mitgliedschaft der Ukraine - ab, obwohl das sehr wahrscheinlich den Krieg verhindert h&#228;tte.</p><p><a href="https://time.com/7207661/bidens-ukraine-win-zelensky-loss/"><span>https://time.com/7207661/bidens-ukraine-win-zelensky-loss/</span></a></p><p>Deshalb wurden auch die Verhandlungen von Istanbul 2022 vom Westen unterlaufen, die ein z&#252;giges Kriegsende gebracht h&#228;tten. Denn Russland sollte &#8222;ruiniert&#8220; werden (Baerbock), mit Sanktionen &#8222;kriegs&#228;hnliche Wirkungen&#8220; (Biden) in Russland erreicht werden. Als der US-Verteidigungsminister im April 2022 von einer &#8222;strategischen Schw&#228;chung&#8220; Russlands sprach, fragte unter anderem der <em>Guardian,</em> ob es denn klug sei, das so offen auszusprechen.</p><p><a href="https://www.theguardian.com/world/2022/apr/25/russia-weakedend-lloyd-austin-ukraine"><span>https://www.theguardian.com/world/2022/apr/25/russia-weakedend-lloyd-austin-ukraine</span></a></p><p>Denn Russland sollte sich im Krieg verzehren, so wie das RAND 2019 vorgeschlagen hatte.</p><p><a href="https://www.rand.org/pubs/research_reports/RR3063.html"><span>https://www.rand.org/pubs/research_reports/RR3063.html</span></a></p><p>Pr&#228;sident Selenskyj verbot sich und seinem Land im Herbst 2022, mit Putin zu verhandeln.</p><p>https://jamestown.org/zelenskyy-bans-negotiations-with-putin/</p><p>Dieses Dekret wurde nie aufgehoben. Darin steckt der Traum vom Regime change.</p><p>Zwar wusste Selenskyj im M&#228;rz 2022 noch, dass es westliche Interessen gab, die Ukrainer im Kampf gegen Russland verbluten zu lassen, er &#228;u&#223;erte sich entsprechend gegen&#252;ber dem <em>Economist. </em>Aber dann schl&#252;pfte er in eine neue Rolle und gibt seither den markigen Stellvertreterkrieger und &#252;berzeugten ukrainischen Nationalisten.</p><p>Nur in wenigen un&#252;berlegten Momenten zeigt sich sein wahres Gesicht.</p><p>Dann etwa, wenn er - wie im September 2022 - einen pr&#228;ventiven Erstschlag der Nato auf Russland forderte. In einer Diskussion mit dem Lowy-Institute. Es gab Versuche, das Gesagte zu relativieren, einen anderen Kontext herzustellen. Doch gesagt bleibt gesagt (vgl. Min 25:30).</p><div id="youtube2-9plcAPFQrHY" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;9plcAPFQrHY&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/9plcAPFQrHY?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>In dieser Diskussion h&#228;tte Selenkyj auch dem Geschichtsbild eines prominenten Fragestellers widersprechen m&#252;ssen. Es ging um den Gr&#252;nder des gleichnamigen Instituts, Lowy, der sich als Holocaust-&#220;berlebender auswies. Lowy leitete seine Frage wie folgt ein: &#8222;<em>Ich erinnere mich, wie die Ukraine von der deutschen Armee &#252;berrannt wurde. Ich erinnere mich auch, wie im Gegenzug dann die sowjetische Armee Ihr Land &#252;berrannte&#8230;&#8220;</em> (ab Min 16). Der Gro&#223;vater von Selenskyj diente in dieser &#8222;sowjetischen Armee&#8220;, die im Herbst 1944 die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik von der deutschen Okkupation befreite.</p><p>Wundert es unter solchen Umst&#228;nden, welchen Gestalten die Ukraine von heute die Ehre erweist? Warum dort unentwegt &#8222;&#1057;&#1083;&#1072;&#1074;&#1072; &#1059;&#1082;&#1088;&#1072;&#1111;&#1085;&#1110;&#8220; gebr&#252;llt wird, ein Gru&#223;, der in der Sowjetunion verboten war und den sich der angeblich &#8222;pro-russische&#8220; Pr&#228;sident Kroatiens in seinem Land verbat. Es sei der Gru&#223; von M&#246;rdern an Juden und Polen.</p><p><a href="https://www.pravda.com.ua/eng/news/2023/05/31/7404717/"><span>https://www.pravda.com.ua/eng/news/2023/05/31/7404717/</span></a></p><p><em>Spiegel </em>erkl&#228;rte, beim Konflikt zwischen Polen und Ukraine, der in der Aberkennung des polnischen Adler-Ordens f&#252;r Selenskyj m&#252;ndete, gehe es um <em>&#8222;Weltkriegsgeschichte&#8220;, </em>also gef&#252;hlt um olle Kamellen.</p><p>2024 formulierte der ehemalige Oberkommandierende der Nato, Cavoli, die Stellvertreterrolle der Ukraine f&#252;r die Nato gegen Russland wie folgt:</p><p>&#8222;<em>Die Niederlage Russlands in der Ukraine ist von au&#223;erordentlicher Bedeutung, <strong>aber ganz gleich, wie sich die Lage am Ende des Konflikts entwickelt,</strong> werden wir es mit einem Russland zu tun haben, dessen Streitkr&#228;fte sich viel schneller wieder aufstellen werden, als wir dachten&#8230;&#8220;</em></p><p>2025 verdrehte Mark Rutte, nunmehr Nato-Generalsekret&#228;r, in Berlin alles, denn ihm ging es l&#228;ngst um die &#8222;Ukraine 2.0&#8220;: &#8222;<em>Russland hat den Krieg nach Europa zur&#252;ckgebracht, <strong>und wir m&#252;ssen auf ein Ausma&#223; des Krieges vorbereitet sein, wie es unsere Gro&#223;eltern oder Urgro&#223;eltern erlebt (erlitten) haben</strong></em><strong>.&#8220;</strong></p><p><a href="https://www.nato.int/en/news-and-events/events/transcripts/2025/12/11/keynote-speech-by-nato-secretary-general-mark-rutte-and-moderated-discussion-with-the-minister-for-foreign-affairs-of-germany-johann-wadephul"><span>https://www.nato.int/en/news-and-events/events/transcripts/2025/12/11/keynote-speech-by-nato-secretary-general-mark-rutte-and-moderated-discussion-with-the-minister-for-foreign-affairs-of-germany-johann-wadephul</span></a></p><p>An dieser Stelle muss ebenfalls der schwere Anschlag auf NordStream erw&#228;hnt werden. Laut Bundesgerichtshof waren die Pipelines &#8222;<em>f&#252;r die &#246;ffentliche Energieversorgung Deutschlands von zentraler Bedeutung&#8220;</em>. Ihre Zerst&#246;rung sei hochwahrscheinlich in &#8222;<em>fremdstaatlichem Auftrag</em>&#8220; erfolgt. Das Gericht lie&#223; offen, ob es sich beim Anschlag um ein Kriegsverbrechen handelte, aber es urteilte klar, dass das Argument der Verteidigung, dass einem Aggressor (Russland) Geldmittel entzogen werden sollten, nicht zieht. Nach der in Deutschland verfolgten Version, die der Gerichtsentscheidung zugrunde lag, sind Ukrainer tatverd&#228;chtig.</p><p><a href="https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/3_StS/2025/StB__60-25.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=5"><span>https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/3_StS/2025/StB__60-25.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=5</span></a></p><p>Und: Wie reagierten Politik und Medien unseres Landes darauf, dass hochwahrscheinlich ein fremder Staat den Auftrag erteilte, Russland, aber auch Deutschland zu sch&#228;digen? Wie reagieren sie heute, da die Sch&#228;digung anh&#228;lt, in Gestalt von drastisch gestiegenen Energiepreisen und allen damit verbundenen negativen Auswirkungen auf unser Land? Sie erwecken den Eindruck, als sei Russland zu recht &#8222;bestraft&#8220; worden und dass alle Deutschen, die NordStream bef&#246;rderten, die eigentlichen T&#228;ter seien. Ganz so, wie es der polnische Ministerpr&#228;sident pr&#228;gnant formulierte: Nicht die Sprengung von NordStream war das Verbrechen - Es war der Bau.</p><p>https://www.leuropeista.it/en/the-true-crime-was-building-the-nord-stream-pipelines-not-destroying-them/</p><p>Kann sich blinder Russenhass, der die Selbstverletzung in sich tr&#228;gt, noch unverhohlener &#228;u&#223;ern?</p><p></p><p>Teil 2  meines Beitrags folgt am 22. Juni 2026</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der Wahnsinn hat Methode]]></title><description><![CDATA[Wendet sich Krieg in der Ukraine und wenn ja, wohin?]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/der-wahnsinn-hat-methode</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/der-wahnsinn-hat-methode</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Mon, 01 Jun 2026 10:44:54 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/mOOib85JVu8" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Wendet sich nun der Krieg zugunsten der Ukraine? Ist das der Moment, auf den die Ukraine wartete, fragte die <em>DW </em>j&#252;ngst. Der Beitrag begann mit einem Einspieler eines Interviews mit dem ukrainischen Brigadegeneral und Neonazi Biletzky. Dass es im Hintergrund so etwas wie eine Wolfsangel gab, st&#246;rte die Redaktion nicht. Waren doch nur drei Striche&#8230;</p><div id="youtube2-mOOib85JVu8" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;mOOib85JVu8&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/mOOib85JVu8?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Putin f&#252;rchte diesen Mann, berichtete die <em>Times of London </em>vor knapp einem Jahr. Er kommandierte (damals) 20.000 ukrainische Soldaten.</p><div class="instagram-embed-wrap" data-attrs="{&quot;instagram_id&quot;:&quot;DNV5nMosVws&quot;,&quot;title&quot;:&quot;Instagram&quot;,&quot;author_name&quot;:&quot;&quot;,&quot;thumbnail_url&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/__ss-rehost__IG-snapshot-DNV5nMosVws.jpg&quot;,&quot;like_count&quot;:null,&quot;comment_count&quot;:null,&quot;profile_pic_url&quot;:null,&quot;follower_count&quot;:null,&quot;timestamp&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:false}" data-component-name="InstagramToDOM"></div><p>2014 war die Berichterstattung &#252;ber Biletzky komplett anders. Damals wusste man noch, dass Biletzky ein ukrainischer Neonazi ist. <em>The Telegraph</em> berichtete und zitierte Biletzky wie folgt: &#8220;<em>The historic mission of our nation in this critical moment is to lead the White Races of the world in a final crusade for their survival&#8230;&#8221;he wrote in a recent commentary. &#8220;A crusade against the Semite-led Untermenschen.&#8221;</em></p><p><strong>&#220;bersetzung</strong>:</p><p>&#8222;Die historische Aufgabe unserer Nation in diesem entscheidenden Moment besteht darin, die wei&#223;en Rassen der Welt in einem letzten Kreuzzug um ihr &#220;berleben anzuf&#252;hren &#8230;&#8220;, schrieb er k&#252;rzlich in einem Kommentar. &#8222;Ein Kreuzzug gegen die von Semiten angef&#252;hrten Untermenschen.&#8220;</p><p><a href="https://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/ukraine/11025137/Ukraine-crisis-the-neo-Nazi-brigade-fighting-pro-Russian-separatists.html">https://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/ukraine/11025137/Ukraine-crisis-the-neo-Nazi-brigade-fighting-pro-Russian-separatists.html</a></p><p>Aber zur&#252;ck zur Frage: Wendet sich der Krieg? Der Generalinspekteur des Pentagon muss dem US-Kongress Bericht erstatten, wie es l&#228;uft mit der Operation &#8222;Atlantic Resolve&#8220;. Im Mai 2026 bilanzierte dieser f&#252;r die Monate Januar bis M&#228;rz 2026 (vgl S. 6-10):</p><p>&#8222;<em>Despite this, Russian forces maintained their strategic and operational advantages over the UAF through superiorities in numbers of equipment and manpower.&#8220;</em></p><p><a href="https://www.stateoig.gov/report-325">https://www.stateoig.gov/report-325</a></p><p>Worauf bezog sich &#8222;despite&#8220;? Der Bericht war eindeutig: Die Ukraine habe ihren taktischen Vorsprung in der Schlachtfeldaufkl&#228;rung aufrechterhalten, dank der vom Westen bereitgestellten Informationen, die Warnungen lieferten, die Zielerfassung erm&#246;glichten und f&#252;r eine bessere operationelle Sicherheit der ukrainischen Streitkr&#228;fte sorgten. (Im Original: &#8222;<em>The UAF retained its advantage over Russian forces in tactical, battlefield-focused intelligence due to shared Western intelligence that provided warning, enabled targeting, </em>and enhanced operational security for the UAF.&#8220;</p><p>Kurzum: Der Westen ist verdeckter, aber ganz aktiver Kriegsteilnehmer gegen Russland in der Ukraine, die dadurch einen taktischen Vorteil habe. Aber &#8222;trotzdem&#8220; war laut dem Pentagon die russische Seite strategisch und auch operationell &#252;berlegen.</p><p>Das alles ist nicht ganz neu, denn die <em>New York Times</em> und die <em>Times of London</em> taten ihr M&#246;glichstes, um die aktive Rolle der USA bzw. Gro&#223;britanniens in diesem Stellvertreterkrieg, der mittels der Ukraine gegen Russland gef&#252;hrt wird, herauszustellen.</p><p>Das Kommando liegt in Wiesbaden, Clay-Kaserne.</p><p>Wer ist das Gehirn der Operationen? Die Briten beanspruchten das f&#252;r sich. Im Windschatten segeln alle anderen.</p><p>Wer liefert die Daten, um russische Ziele zu erfassen? Die CIA (laut <em>NYT</em>), der &#8222;Westen&#8220; laut Pentagon.</p><p>Wer liefert all die Waffen, die russische aber auch ukrainische (im Verst&#228;ndnis der Ukraine in den Grenzen von 1991) Ziele treffen? Die Franzosen und die Briten.</p><p>Wer hilft der Ukraine ihre Drohnen zu bauen? Die sind ja nicht alle &#8222;home made&#8220;.</p><p>Wenn es nach dem Abgeordneten Kiesewetter ginge, fl&#246;ge auch der deutsche Taurus.</p><p>All diese weitreichenden westlichen Waffen richten zweifellos gro&#223;en Schaden an, tragen den Krieg tief nach Russland. Aber wenden k&#246;nnen sie das Kriegsgeschehen in der Ukraine nicht, laut Pentagon.</p><p>Selbst Biletzky, nie um unverbl&#252;mte Aussagen verlegen, hoffte im Interview auf eine Wende in ein paar Monaten. Nun, die Hoffnung stirbt zuletzt.</p><p>Wie oft hie&#223; es schon, nun werde sich das Kriegsblatt wenden? Nur um noch mehr Steuergelder herauszupressen, noch mehr soziale Einschnitte zu verlangen, noch mehr Ukrainer in den Fleischwolf zu schicken, und vor allem, um den moralischen Aufstand gegen den Krieg auszuschalten.</p><p>Es ist doch ganz eindeutig: Wir lassen Ukrainer sterben f&#252;r den Traum, einen Sieg &#252;ber Russland zu erringen, und erf&#252;llen so die russische Prophezeiung, dass die Ukraine gegen Russland in Stellung gebracht wird. Ganz K&#252;hne (besser Lebensm&#252;de) denken laut &#252;ber einen &#220;berfall von Kaliningrad nach und unterstellen ihre Absichten der russischen Seite. Denn die Behauptung, dass der &#8222;Russe kommt&#8220; - 2029 oder 2030 - dann, wenn wir &#8222;kriegst&#252;chtig&#8220; sein werden, stammt ja nicht aus russischen M&#252;ndern. Das einzige, was diesen Kuddelmuddel der Narrative zusammenh&#228;lt, ist die kaum verdeckte Kriegsl&#252;sternheit derer, die glauben, sie seien &#252;berlegen.</p><p>Der aktuelle Papst versteht diesen permanenten Angriff auf die menschliche W&#252;rde und menschliche Empfindungen wom&#246;glich sehr viel besser als die allermeisten.</p><p>Gewiss, Kriege sind immer unberechenbar. Aber am Ende siegt der, der die bessere politische und milit&#228;rische Strategie und das gr&#246;&#223;ere Potential hat. </p><p>Die russische Aggression gegen die ukrainische Zentralgewalt 2022 erfolgte mit 150.000 bis 190.000 Soldaten. Sie setzte auf den Kriegsschock und schnelle Kapitulation. Das scheiterte zun&#228;chst am ukrainischen Widerstand, eine z&#252;gige Verhandlungsl&#246;sung schlie&#223;lich am Westen.</p><p>2022 war der propagierte Glaube stark, Russland f&#252;r das v&#246;lkerrechtliche Verbrechen der Aggression schlagen zu k&#246;nnen. Und zwar vernichtend: politisch, wirtschaftlich, milit&#228;risch. Der Glaube h&#228;lt sich auch noch heute, obwohl man es l&#228;ngst besser wissen m&#252;sste.</p><p>Es gibt kein Patt. Es gibt einen Zerm&#252;rbungskrieg, in der die ukrainischen Potentiale aufgefressen werden und die westlichen gleich mit.</p><p>Die westlichen &#8222;Amazon&#8220;-Lieferanten, um einen ehemaligen britischen Verteidigungsminister zu zitieren, k&#246;nnen nicht mehr, wie sie wollen. Ausnahmen, wie etwa Storm-Shadow-Marschflugk&#246;rper oder Drohnen best&#228;tigen nur die Regel.</p><p>Wieviele Taurus k&#246;nnte denn Deutschland effektiv in die Waagschale werfen: 20 - 50 - 100 - 600? Und dann?</p><p>Ein fliegender Taurus gen Russland f&#252;hrte allenfalls unser Land in einen direkten Krieg mit Russland. Mit einer Nuklearmacht? Die aus ihrer schwierigen Geschichte behalten hat, dass die schwersten milit&#228;rischen Angriffe immer aus dem Westen kamen? Gegen &#8222;Mutter&#8220; Russland?</p><p>Die Mutter also.</p><p>Die USA unter Trump entschieden zynisch sehr viel kl&#252;ger. Die lassen andere k&#228;mpfen, aktuell die Ukrainer. Wenn die nicht mehr k&#246;nnen, sind wir dran. Als zweite Frontlinie. Bei dieser Strategie willig mitzuspielen ist nicht nur dumm, es ist ein Untergangsplan. Der US-Plan ist v&#246;llig transparent. Der US-Verteidigungsminister erkl&#228;rte ihn den europ&#228;ischen Nato-Verb&#252;ndeten am 12. Februar 2025: Ihr seid jetzt dran. Wir haben andere Priorit&#228;ten.</p><p>Die j&#252;ngste Strategie der Bundeswehr wiederum &#252;bersetzt die ver&#228;nderte Aufgabenstellung ganz b&#252;ndnistreu. Im Unterschied zur &#246;ffentlichen Darstellung passt kein Blatt Papier zwischen die Bundeswehr und die amerikanische &#8222;Schutzmacht&#8221;.</p><p>Aber die deutsche Presse hyperventiliert bereits, wenn auch nur die Aussicht droht, dass 5.000 US-Soldaten woanders stationiert werden k&#246;nnten.</p><p>Es w&#228;re wom&#246;glich ein echtes Drama, sollten die USA ihre milit&#228;rischen Hauptquartiere aus Deutschland abziehen. Zum Beispiel das f&#252;r Afrika. Aber davon war bisher nie die Rede. Offenbar sitzen sie sehr komfortabel in Deutschland, jedenfalls sehr viel komfortabler als aktuell im Nahen und Mittleren Osten.</p><p>Das eigentliche Problem ist, wie sich Deutschland in der Nato sieht bzw. im Verh&#228;ltnis zu den USA versteht. Olaf Scholz, immerhin einst Bundeskanzler dieses Landes, f&#252;hlte sich Ende April 2026 in den USA, zur transatlantischen Partnerschaft befragt, bem&#252;&#223;igt, etwas zu wiederholen, was der erste Generalsekret&#228;r der Nato, Lord Ismay, 1949 erkl&#228;rt hatte: Die Nato sei daf&#252;r da, Russland drau&#223;en, die USA drinnen und Deutschland unten zu halten. Das, so Scholz, mache einen gewissen Sinn.  Im Pr&#228;sens. (Ab 29:25) </p><div id="youtube2--J7jNAm2N1w" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;-J7jNAm2N1w&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/-J7jNAm2N1w?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Abgesehen davon, dass Scholz das Ganze f&#228;lschlicherweise einem Amerikaner andichtete (was schon an sich bemerkenswert ist), glaubte er wom&#246;glich, eine Pointe gelandet zu haben (das geladene Publikum jedenfalls lachte). Im Grunde aber entbl&#246;sste er sich vollst&#228;ndig: Nicht friedensf&#228;hig in Europa, nicht partnerschaftsf&#228;hig mit den USA, in der Position eines Duckm&#228;users, der sich selbst nicht traut. V&#246;llig festgefahren im Kalten Krieg.</p><p>Der Bericht des US-Generalinspektors enthielt auch einen Verweis auf vergangene Ergebnisse von Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland, die die USA vermittelten. Wegen des Iran-Kriegs wurden sie unterbrochen. Es gab einen Gefangenenaustausch (je 500). Im Januar und Februar 2026 fanden zudem zwei Austausche von gefallenen Soldaten statt: 2.000 &#252;bergebenen gefallenen Ukrainern standen 73 russische Gefallene gegen&#252;ber (S.6).</p><p>Wie kann denn das sein, wo doch angeblich vor allem Russen in der Ukraine fallen? Was machen die Ukrainer mit all den angeblich gefallenen Russen? (30.000 pro Monat wurde behauptet.)</p><p>Verf&#252;ttern sie die an die Hunde?</p><p>Wer stirbt wirklich mehr in diesem uns&#228;glichen Krieg?</p><p>Aber ich will noch einmal auf den <em>Telegraph-</em>Artikel aus dem Jahr<em> </em>2014 zur&#252;ckkommen. Mark Galeotti, ein Russland-Experte, wurde dort zitiert. Galeotti erntet f&#228;lschlicherweise anhaltenden Ruhm daf&#252;r, dass er einst die &#8222;Gerasimow-Doktrin&#8220; erfand - also die Doktrin von der angeblichen hybriden Kriegsf&#252;hrung Russlands. Er widerrief diesen Fehlschluss erfolglos 2018 in einem Artikel in <em>Foreign Policy.</em></p><p><a href="https://foreignpolicy.com/2018/03/05/im-sorry-for-creating-the-gerasimov-doctrine/">https://foreignpolicy.com/2018/03/05/im-sorry-for-creating-the-gerasimov-doctrine/</a></p><p>Da war seine Erfindung l&#228;ngst &#8222;mainstream&#8220; und 2024 nutzte die EU die falsche Einsch&#228;tzung Galeottis als erste Begr&#252;ndung f&#252;r ihren Sanktionsbeschluss 24/2643 vom 8. Oktober 2024, mit dem seither auch Dissidenten in der EU sanktioniert und faktisch zu Vogelfreien erkl&#228;rt werden k&#246;nnen. (vgl Ziffer 1)</p><p><a href="https://www.lexaris.de/book/version/documentflat/head/5962728">https://www.lexaris.de/book/version/documentflat/head/5962728</a></p><p>Jedenfalls warnte Galeotti 2014 laut <em>Telegraph, </em>und das widerrief er nie, vor ukrainischen Neonazis und ihrem m&#246;glichen Einfluss auf die ukrainische Gesellschaft: &#8222;<em>&#8220;Extremist paramilitary groups who have built up &#8220;their own little Freikorps&#8221; and who are fundamentally opposed to finding consensus may demand a part in public life as victors in the conflict, Mr Galeotti added. &#8220;And what do you do when the war is over and you get veterans from Azov swaggering down your high street, and in your own lives?&#8221;&#8220;</em></p><p>Ja, was macht man, wenn Asow-Kriegsveteranen, demokratie -und konsensunf&#228;hig, als vermeintliche Helden eines Konfliktes die Gesellschaft aufzumischen beginnen? In der Ukraine wei&#223; man, was dann passiert. Wer sich den Springerstiefeln nicht unterwirft, lebt sehr gef&#228;hrlich. Oder, um es mit Boris Johnson auszudr&#252;cken: Es waren diese Leute, extreme ukrainische Nationalisten, die den neu gew&#228;hlten Pr&#228;sidenten Selenskyi einst an seinem Vorhaben hinderten, das Minsk-Abkommen umzusetzen. (ab Minute 20)</p><div id="youtube2-vxKy1r9quyE" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;vxKy1r9quyE&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/vxKy1r9quyE?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Stimmt die Pentagon-Analyse, dann werden auch so militante ukrainische Gruppen wie Asow zu den Verlierern auf dem ukrainischen Schlachtfeld geh&#246;ren. Und dann? Deren Wut und Hass wird auf dem ganzen Kontinent lasten. Wem wohl werden die die Schuld am verlorenen Krieg geben: Nur Russland? Werden die sich nur f&#252;r &#8222;Partisanen&#8221;aktivit&#228;ten allen m&#246;glichen westlichen Geheimdiensten anbieten, so wie das einst die nationalistischen Ukrainer (Melnyk und Co.) w&#228;hrend und nach dem Zweiten Weltkriegs taten?</p><p>Warum fand in Kiew die feierliche Umbettung der sterblichen &#220;berreste des Ehepaars Melnyk statt? Israel, auch Polen reagierten sehr negativ.</p><p>Die <em>Times of Israel</em> berichtete.</p><p>https://www.timesofisrael.c</p><p>om/ukraine-reburies-nazi-collaborator-with-state-honors-drawing-israeli-condemnation/</p><p>Melnyk war keine Lichtgestalt ukrainischer Selbstbehauptung oder gar -befreiung, wie ihn die heutige ukrainische F&#252;hrung zu portraitieren versucht.</p><p>https://szru.gov.ua/en/history/stories/andriy-melnyk-closely-watched-by-the-kgb-of-the-ussr</p><p>Er war ein Kriegsverbrecher, ein Nazi-Kollaborateur, ein in der Sowjetunion gesuchter Verbrecher, oder, wie er k&#252;rzlich durch Polen beschrieben wurde, ein &#8222;Bandit&#8220;. An seinen H&#228;nden klebte sehr viel Blut. Ein Artikel der <em>FAZ,</em> der darstellte, dass Selenskyj aus polnischer Sicht den Falschen ehrte, verfehlte den entscheidenden Punkt.</p><p>https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/melnyk-aus-polnischer-sicht-ehrt-selenskyj-den-falschen-200881172.html</p><p>Wie halten wir es in Deutschland mit diesen Leuten? Und all jenen, die glauben, so etwas ehren zu m&#252;ssen. Das ist keine Frage, die einem die russische Sicht aufn&#246;tigt. Wie leben wir mit unserer Vergangenheit?</p><p>Das bringt mich zur&#252;ck zur besagten Ehrung von Olaf Scholz in den USA. Der fr&#252;here US-Au&#223;enminister Blinken hielt die Laudatio. Sie war gut, bewegend, nachdenklich. Aber auch Blinken reduzierte die Verbrechen Hitler-Deutschlands auf den Holocaust. Die vielen anderen unschuldigen Toten jener Jahre waren auch ihm unsichtbar, dem Vergessen preisgegeben. Schlimmer noch, Blinken folgte einer Argumentationslinie, vor der der russische Dichter Jewgeni Jewtuschenko in seinem Film &#8222;Der Kindergarten&#8220; warnte: Dass jede &#220;berh&#246;hung des Opferstatus in Selbstgerechtigkeit und folglich in neue Trag&#246;dien f&#252;hrt.</p><p>Man muss hinzuf&#252;gen, dass Blinken in einer ersten Reaktion auf den Horror des 7. Oktober 2023 Israel riet, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten.</p><p>Der Rest ist bekannt. Blinkens instinktiver Rat wurde aus politischem Kalk&#252;l in den Wind geschlagen. Die Folge waren eine westliche Akzeptanz f&#252;r Nichtakzeptables, das Schreddern von Kriegs- und Menschenrechten und ein Anziehen der Daumenschrauben gegen Protest. Nicht weltweit. Nur im sogenannten &#8222;Westen&#8220;, der so internationale Glaubw&#252;rdigkeit und Einfluss verspielte.</p><p>Man muss nur zuh&#246;ren, was &#196;rzte, die im Gaza-Streifen freiwillig im Einsatz waren, &#252;ber das Geschehen dort erz&#228;hlen. Sofern ihnen eine mediale Plattform gegeben wird.</p><p>Bei Tucker Carlson, auf <em>X</em>, war ein britischer Krebsarzt aus Oxford, Dr. Nick Maynard, zu Gast, ein Augenzeuge, und, wie dem Gespr&#228;ch zu entnehmen war, einer, der Zeugnis vor dem Internationalen Strafgerichtshof ablegte.</p><p>Ist es vorstellbar, dass eine der gr&#246;&#223;eren &#8222;Talkshows&#8220; in Deutschland einen solchen Menschen einl&#228;dt? Dann w&#228;re umgehend Schluss mit der erzeugten Wohlf&#252;hlstimmung, dass es leider immer einem zuf&#228;llt, die &#8222;Drecksarbeit&#8220; zu machen, die halt gemacht werden muss. Dann w&#252;rde das blanke Entsetzen durch deutsche Wohnzimmer wabern, wie zutiefst kriminell und sadistisch es wird, wenn eine Gruppe die andere als Feind oder gar als &#8222;Untermenschen&#8220; wahrnimmt. Maynard wei&#223;, was er sagt. Er hat die Opfer gesehen, versuchte Leben zu retten. Er sprach auch davon, wie gezielt auf Kinder in Gaza geschossen wird: Mal haben alle Kinder Schussverletzungen im Kopf, mal in der Brust, mal im Bauch und kleine Jungs auch in den Geschlechtsorganen. Und so weiter und so fort&#8230;</p><p>So aber bleiben viel zu viele auch bei uns in sch&#246;nster selbstgew&#228;hlter Ahnungslosigkeit. So k&#246;nnen sie sich guten Gewissens darauf berufen, dass sie nichts wussten und gleichzeitig der &#220;berzeugung nachh&#228;ngen, dass es sich bei alledem ganz gewiss nur um Antisemitismus in seiner perfidesten Ausformung handeln kann, also um eine zutiefst verdammungsw&#252;rdige Attit&#252;de, die sie - weil sie angeblich alle Lektionen aus der deutschen Vergangenheit lernten - selbstverst&#228;ndlich niemals unterst&#252;tzen werden.</p><p>Diese Argumentation ist nicht an den Haaren herbeigezogen. So reagierten Zuh&#246;rer des <em>Deutschlandfunk</em> (Kultur), als sie mit einem Kommentar von Michael Andrick zu den EU-Sanktionen gegen Journalisten (Dogru) konfrontiert wurden.</p><p><a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/wer-widerspricht-der-wird-erledigt-100.html">https://www.deutschlandfunkkultur.de/wer-widerspricht-der-wird-erledigt-100.html</a></p><p>Andrick machte ausgew&#228;hlte Reaktionen &#246;ffentlich.</p><p>Die <em>DLF</em>-Zuh&#246;rer kannten den Fall nicht und kritisierten den Sender f&#252;r mangelnde &#8222;Einordnung&#8220; des scharfen Kommentars. Sie vermuteten Russenpropaganda.</p><p><a href="https://ostdeutscheallgemeine.com/article/was-passiert-wenn-das-deutschlandradio-regierungskritik-sendet-10033267">https://ostdeutscheallgemeine.com/article/was-passiert-wenn-das-deutschlandradio-regierungskritik-sendet-10033267</a></p><p>Das, was Andrick kritisierte, passte schlicht nicht in ihr (uninformiertes) Weltbild. Der <em>Deutschlandfunk</em> tat - soweit ich das &#252;bersehe - nichts, um in weiteren Sendungen die Zuh&#246;rer &#252;ber die EU-Sanktionen gegen Andersdenkende aufzukl&#228;ren, die damit verbundende Missachtung des deutschen Grundgesetzes und aller Prinzipien von Rechtsstaatlichkeit auch nur zu erw&#228;hnen oder gar auf den Aufruf zur Aufhebung dieser Sanktionen hinzuweisen:</p><p>https://free-dogru.com/</p><p>Anm.: Auch ich habe erstunterzeichnet.</p><p>Dieser Aufruf hat inzwischen etwas mehr als 8.000 Unterzeichner. Dabei m&#252;ssten die allermeisten Deutschen l&#228;ngst Kopf stehen, wenn unsere Verfassung im Namen eines hybriden Krieges, den Russland angeblich &#252;ber uns bringt, mit Hilfe von angeblichen Helfershelfern, von denen die Mehrheit noch nie was h&#246;rte, auf dem EU-Umweg zu Makulatur wird. Das nur als Paranoia abzutun, w&#252;rde dem Problem leider nicht gerecht. Der Wahnsinn hat Methode.</p><p>Und doch, es ist nicht das Gesamtbild.</p><p>Eine Glanznummer in Sachen Russlandpropaganda lieferte k&#252;rzlich der US-Senator (D) und ehemalige Astronaut Mark Kelly auf dem diesj&#228;hrigen Black Sea Security Forum, das in der Ukraine stattfand.</p><p>Es ging um russische milit&#228;rische Inkompetenz: Kelly tat nicht &#252;berrascht und erz&#228;hlte einem willigen Publikum, was ihn die langj&#228;hrige Kooperation mit russischen Kosmonauten gelehrt h&#228;tte: F&#252;r die habe der Erfolg einer Mission nie an erster Stelle gestanden. Nicht so wie f&#252;r Amerikaner, Briten, Ukrainer. Der sei erst an vierter Stelle gewesen. Zuvor rangierten: Nur so zu tun, Verantwortung abzuw&#228;lzen und zu stehlen. Ohne Stehlen sei ein Arbeitstag kein guter Tag. (Ab 3:16:30).</p><div id="youtube2-q1GhoDab3sc" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;q1GhoDab3sc&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/q1GhoDab3sc?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>So beschrieb Kelly Menschen, mit denen er angeblich befreundet war.</p><p>Kelly h&#228;tte es besser wissen k&#246;nnen: In der Geschichte der US-Raumfahrt verlor die NASA 14 Astronauten durch Ungl&#252;cke, davon 7 seit 1990.</p><p>Die Sowjetunion verlor 4 Kosmonauten, Russland nicht einen. Woran sonst ist der Erfolg einer Mission messbar?</p><p>Aber so ist das nun mal, wenn der Blick getr&#252;bt ist und der Glaube an den Sieg die Vernunft au&#223;er Kraft gesetzt hat. Dann glaubt man auch die j&#252;ngste ukrainische M&#228;r von den uralten Bauteilen, aus denen die Oreschnik zusammengebastelt worden sei, oder alle sonstigen Ammenm&#228;rchen, wonach Drohnen die neuen Wunderwaffen seien.</p><p>Wenn etwas mit ca 12.000 km pro Stunde (Mach 10) einschl&#228;gt, bleibt nicht viel &#252;brig, weder vom Ziel noch von der Waffe, auch kein Elektronikbausatz. Das wissen auch die, die vielleicht nie in Physik oder Chemie gl&#228;nzten, aber schon einmal etwas vom Energieerhaltungssatz h&#246;rten. Energie verschwindet nicht, sie wandelt sich um.</p><p>Was die Konstrukteure einer Oreschnik schafften, ist eine wissenschaftliche Glanzleistung, aber gleichzeitig eine Perversion menschlicher Intelligenz. Man stelle sich vor, die wissenschaftlichen Einsichten, die hinter dieser Waffe stecken, w&#252;rden f&#252;r die ganze Menschheit nutzbar gemacht - f&#252;r Konstruktives. Der Westen hat diese F&#228;higkeiten, die Russland entwickelte, (noch) nicht. Es w&#228;re sehr viel vern&#252;nftiger, sie friedlich zu teilen, statt milit&#228;rischen &#220;berlegenheitstr&#228;umen nachzuh&#228;ngen.</p><p>Aber es gibt auch recht ermutigende Einsichten, diesmal in Gestalt neuer Daten zur &#246;ffentlichen Meinung zum Ukraine-Krieg. Befragt wurden Menschen aus den USA, Gro&#223;britannien, Frankreich, Deutschland, Polen und der Ukraine sowie in Russland. Sie wurden ebenfalls auf der Black Sea Security Conference vorgestellt:</p><p>https://lordashcroftpolls.com/2026/05/ukraine-russia-and-the-battle-for-public-opinion/</p><p>Im Ergebnis kann man mit gro&#223;er Zuversicht sagen, dass der Friedenswille stark ist, &#252;berall, und dass Bev&#246;lkerungswille und verfolgte Politik nicht notwendigerweise zwei Seiten derselben Medaille sind.</p><p>In Deutschland bevorzugt eine Mehrheit ein verhandeltes Kriegsende. So denken die meisten der Befragten, einschlie&#223;lich in Russland. Eine Mehrheit der Deutschen unterst&#252;tzt eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine eher nicht. So sehen das auch die Polen. Die Ukrainer tendieren ebenfalls dazu, die Nato-Option im Gegenzug f&#252;r Frieden aufzugeben. Die Frage einer Anerkennung von Territorialverlusten ist in der Ukraine dagegen ein sehr neuralgischer Punkt.</p><p>In Deutschland gibt es keine Mehrheit f&#252;r die Entsendung von Bundeswehrsoldaten in die Ukraine, weder jetzt noch nach einem verhandelten Kriegsende als Teil einer &#8222;Friedenstruppe&#8220;. Dieser Skeptizismus wird von den Polen geteilt. In der Ukraine wiederum traut man westlichen Sicherheitsversprechen nicht. In Russland w&#228;chst der Unmut &#252;ber den Krieg und seine Folgen, was zu gewissen Sympathieverlusten f&#252;r den russischen Pr&#228;sidenten f&#252;hrt. Stabil ist, dass in Russland etwa 75 Prozent glauben, alle Entscheidungen w&#252;rden im Interesse des Landes getroffen.</p><p>Grunds&#228;tzlich sind die russischen Befragten offen f&#252;r eine sp&#228;tere Kooperation mit dem Westen, aber eine Mehrheit glaubt, dass Land sollte sich besser Asien zuwenden. China ist &#228;u&#223;erst beliebt. Die Umfragewerte f&#252;r westliches F&#252;hrungspersonal in Russland sind katastrophal. Sie werden nur noch unterboten in der Bewertung des ukrainischen Anf&#252;hrers Selenskyj.</p><p>Umgekehrt tendiert eine klare Mehrheit in Deutschland dazu, Russland f&#252;r einen ernstzunehmenden Gegner/ Feind zu halten. (In der russischen Umfrage fehlt die Frage nach einer Gefahr aus den Westen).</p><p>Gleichzeitig glauben fast &#252;berall die Befragten, in der Ukraine gebe es ein milit&#228;risches Patt. Dass die Ukraine siegen k&#246;nnte, glauben allenfalls kleine Minderheiten. In Russland wiederum gibt es - trotz einer vorherrschenden Tendenz zu einem verhandelten Frieden - einen starken Ruf danach, im Krieg milit&#228;risch h&#228;rter gegen die Ukraine vorzugehen (70 Prozent).</p><p>Interessant ist, dass in Russland die Verantwortung f&#252;r den Krieg differenzierter gesehen wird: Eine klare Mehrheit rechnet dem Westen und der Ukraine Schuld zu, aber auch Russland wird mit knapper Mehrheit ebenfalls als mitschuldig angesehen. Da eine Mehrheit der russischen Befragten angab, sich vorrangig aus russischen Medien zu informieren, ist das ein sehr nachdenkenswertes Ergebnis. Wom&#246;glich funktioniert aktuell die propagandistische Weichsp&#252;lung fast nirgendwo auf der Welt immer nur so wie gedacht.</p><p>Oder die Russen sind mehrheitlich einfach ein bisschen kl&#252;ger und wissen: In der Politik wie in deren Entartung - Krieg - geh&#246;ren immer mehr als nur einer zum Tanz.</p><p>Alternativ, die ganz banale Weisheit: Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.</p><p>Oder biblisch: Wer den Wind s&#228;t, wird den Sturm ernten.</p><p>Leider ist all das den so medienpr&#228;senten Verweigerern der Realit&#228;t v&#246;llig fremd. So bringen sie uns alle in gr&#246;&#223;te Gefahr.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die unmenschliche Sprache der Macht: Zutreten, wenn ein Mensch am Boden liegt]]></title><description><![CDATA[&#8222;Der beste Zeitpunkt daf&#252;r, einen Menschen zu treten, ist der, wenn er am Boden liegt.&#8220;]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/die-unmenschliche-sprache-der-macht</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/die-unmenschliche-sprache-der-macht</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Thu, 21 May 2026 15:47:54 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/SaetX4E2e9c" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><em>&#8222;Der beste Zeitpunkt daf&#252;r, einen Menschen zu treten, ist der, wenn er am Boden liegt.&#8220;</em></p><p>(Im Original: The most effective time to kick a man is when he&#8217;s down. Entnommen dem Artikel &#8222;Putin is down. This is the time to start kicking him&#8220;; Hamish de Bretton-Gordon, Telegraph, 11. Mai 2026)</p><p><a href="https://www.telegraph.co.uk/news/2026/05/11/putin-russia-ukraine-war-moscow-victory-parade/">https://www.telegraph.co.uk/news/2026/05/11/putin-russia-ukraine-war-moscow-victory-parade/</a></p><p>Im besagten Artikel ging es um einen angeblich geschw&#228;chten Putin. Das habe die Siegesfeier in Moskau in diesem Jahr bewiesen. Also folgerte der Autor: Zeit zuzutreten.</p><p>Im sogenannten t&#228;glichen Leben f&#252;hrt ein solcher Rat stracks ins Ungl&#252;ck, wom&#246;glich zum Tod eines Menschen und langj&#228;hriger Haftstrafe f&#252;r den T&#228;ter. Denn er ist von &#228;u&#223;erster Unmenschlichkeit gepr&#228;gt. Von einem Triumph der Gewalt.</p><p>Aber im politischen Leben, im milit&#228;rischen Kalk&#252;l, in dem Element, in dem sich Hamish de Bretton-Gordon aufh&#228;lt und offenbar pudelwohl f&#252;hlt, wird so nicht gedacht. Sobald Schw&#228;che vermutet wird, gilt: zutreten. Jetzt erst recht. Feste zutreten. Denn in der Vorstellung des Hamish de Bretton-Gorden liegt der Getretene hilflos am Boden, und nun ereilt ihn das verdiente Schicksal.</p><p>Hamish de Bretton-Gordon geh&#246;rt seit Jahren zu den medialen Souffleuren in Gro&#223;britannien, die Kriege, Konflikte und Krisen beg&#252;nstigen. Er tat sich auch im &#8222;Skripal-Fall&#8220; hervor, als Experte f&#252;r Chemie- und Biowaffen. Mit Fachwissen gl&#228;nzte er nicht, aber mit einer bis heute ungebrochenen Bereitschaft, Putin zum Oberschurken schlechthin zu erkl&#228;ren.</p><p>Mit einem spiegelverkehrten Argument mauserte sich Sergej Karaganow immer mehr zum russischen Superfalken. Der glaubt inzwischen, dem europ&#228;ischen Westen m&#252;sse mit milit&#228;rischen Mitteln eine Lektion &#252;ber den Krieg erteilt werden. So werde Russland die Abschreckungsf&#228;higkeit zur&#252;ckerlangen. Also draufhauen, bis es richtig blutet, Menschenleben kostet&#8230;</p><p>Wenn die beiden nicht aus unterschiedlichen und seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten verfeindeten Nationen stammen w&#252;rden, k&#246;nnten sie sehr schnell feststellen, dass sie mittlerweile durchaus auf einer Wellenl&#228;nge liegen. Weder Hamish de Bretton-Gordon noch der heutige Karaganow fragen, was &#8222;danach&#8220; w&#228;re, dann, wenn ihr jeweiliger Rat beherzigt werden w&#252;rde.</p><p>Der &#8222;alte&#8220; Karaganow war bis mindestens 2015 bem&#252;ht, eine Br&#252;cke zwischen Russland und dem restlichen Europa zu schlagen. Er warnte fr&#252;hzeitig vor dem Irrglauben, dass es um die Ukraine ginge. Russland ginge es um seine Sicherheit. F&#252;r Russland sei das eine Frage &#8222;<em>auf Leben und Tod&#8220;</em>. Daher werde es nicht nachgeben. Russland sei st&#228;rker, als der Westen denke und dieser schw&#228;cher, als er von sich selber glaube. (Vgl. Bericht der M&#252;nchener Sicherheitskonferenz 2015, S. 20)</p><p>Seitdem ist viel Wasser die Fl&#252;sse heruntergeflossen, aber eine konstante Erfahrung ist aus russischer Perspektive geblieben: Eine permanente Zurechnung aller m&#246;glichen Schandtaten -ob erfunden oder real - an Russland (bzw. dessen Pr&#228;sidenten) und eine anhaltende Gespr&#228;chsverweigerung des Westens. Dort, wo er noch gespr&#228;chswillig schien, im Rahmen der Minsk-Abkommen, stellte sich auch das als Scharade heraus.</p><p>Der einzige westliche Politiker, der heute noch mit Putin stabil kommuniziert, ist der amerikanische Pr&#228;sident, weil der noch ein F&#252;nkchen Verstand bewahrt hat und um einen - wenn auch h&#246;chst instabilen modus vivendi zwischen den zwei gro&#223;en Nuklearm&#228;chten der Welt bem&#252;ht ist. Zumal Trump im Unterschied zur immer noch vorherrschenden (westlichen) Auffassung wei&#223;, dass er Putin vertrauen kann. Jedenfalls in einer f&#252;r ihn wichtigen Frage. Trump hatte in Helsinki gefragt, ob Russland sich 2016 in die US-Wahl, so wie von den US-Geheimdiensten behauptet, eingemischt habe (&#8222;Russiagate&#8220;). Putin verneinte das damals und Trump war geneigt, ihm zu glauben. Das brachte ihm prompt den Vorwurf des Landesverrates ein. In der zweiten Amtszeit fand die Trump-Administration Beweise, die dem L&#252;gengespinst von &#8222;Russiagate&#8220; endg&#252;ltig den Garaus machten. Damit, und das wurde im Treffen in Anchorage deutlich, fanden die Anf&#252;hrer der zwei gr&#246;&#223;ten Nuklearm&#228;chte der Welt eine gemeinsame Basis. Sie teilen die Erfahrung, wie es ist, wenn man in heimt&#252;ckischer Absicht an den westlichen Pranger gestellt wird. Das macht beide weder zu Freunden noch zu Komplizen. Aber es ist eine Grundlage f&#252;r Respekt.</p><p>Das hebt Trump nach wie vor aus dem Kreis der aktuellen politischen Eliten in der EU bzw. in Gro&#223;britannien heraus. Selenskyj kann man in dieser Hinsicht l&#228;ngst ausklammern. Er hat die Rolle des ukrainischen Kriegsgottes und -r&#228;chers eingenommen, dem erkl&#228;rterma&#223;en nichts lieber w&#228;re, als den Widersacher im Kreml tot und Russland auf dem Boden liegend zu sehen, so wie Deutschland 1945.</p><p>Trump hebt auch heraus, dass er &#246;ffentlich macht, was sonst eher verschwiegen wird. Der regte sich nicht auf, als es um den Vorwurf ging, dass iranische Waffen wom&#246;glich mit russischer oder chinesischer Unterst&#252;tzung ihre Ziele finden. Er wei&#223;, der Westen macht im Fall der Ukraine das gleiche. Kurzum, wenn ukrainische Drohnen ihre Ziele tief in Russland finden, dann gibt es westliche Mitt&#228;ter, die l&#228;ngst im Graubereich einer aktiven Kriegsteilnahme agieren. Der Trump-Administration ist das recht. Es entspricht ihrem Verst&#228;ndnis von &#8222;Lastenteilung&#8220;. </p><p>M&#246;gen sich die &#8222;Europ&#228;er&#8220; um die Russen k&#252;mmern. Denn, so wie es seinem Vorg&#228;nger Biden egal war, ob die Ukraine in einem Stellvertreterkrieg verblutet - er sah sie immer milit&#228;risch chancenlos -</p><p>(vgl <em>Time Magazine</em>, <a href="https://time.com/7207661/bidens-ukraine-win-zelensky-loss/">https://time.com/7207661/bidens-ukraine-win-zelensky-loss/</a>)</p><p>ist es auch der Trump-Administration recht gleichg&#252;ltig, welche V&#246;lker auf der anderen Seite des Gro&#223;en Teichs in einem etwaigen Krieg vor die Hunde gehen.</p><p>Hauptsache, US-Soldaten kommen nicht im Leichensack nach Hause.</p><p>Hauptsache, die USA werden nicht in eine direkte Konfrontation mit Russland gezogen. (Und wenn, dann soll sie - wenn es nach den Vorstellungen bestimmter Kreise ginge - so verlaufen, dass die USA als erste enthauptend zuschlagen.) Das ist eine gut erkennbare Philosophie in der US-amerikanischen Au&#223;enpolitik, die sich &#252;ber viele US-Pr&#228;sidentschaften zieht.</p><p>Umgekehrt gilt auf dieser Seite des Atlantik, dass die Ukraine noch ein bisschen k&#228;mpfen und standhalten muss, damit die Zeitpl&#228;ne f&#252;r die Erlangung der &#8222;Kriegst&#252;chtigkeit&#8220; nicht ins Wanken geraten. Der belgische Armeechef, Fr&#233;d&#233;rik Vantsina, war nicht der erste und wird auch nicht der Letzte sein, der das ganz ungeniert aussprach: Die Ukrainer erkaufen uns mit ihrem Blut Zeit. Vantsina rechnete mit einer etwaigen Konfrontation 2030. Man wolle dann Wladimir Putin sagen k&#246;nnen, dass er selbst ohne die Amerikaner (Anm.: an der Seite der europ&#228;ischen Alliierten) keinen Krieg gegen Europa gewinnen kann.</p><p>https://newsukraine.rbc.ua/news/europe-expects-russia-s-war-against-ukraine-1776429509.html</p><p>Da hilft es nichts, dass die russische F&#252;hrung wieder und wieder dementiert und erkl&#228;rt, dass sie nicht vorhabe, europ&#228;ische Nato-Staaten anzugreifen.</p><p>Das st&#246;&#223;t auf taube Ohren - ganz nach dem Motto: Die Russen l&#252;gen, wenn sie nur den Mund aufmachen. Es ist tief verinnerlicht, was Sir Bill Browder 2018 auf den Nenner brachte: Wenn es um Russland geht, muss man immer vom Schlimmsten ausgehen (BBC, 5. M&#228;rz 2018).</p><p>Gleichzeitig muss man den Eindruck gewinnen, dass unabh&#228;ngig von der angestrebten &#8222;Kriegst&#252;chtigkeit&#8220; 2029 oder eben 2030 eine gro&#223;e Gewissheit dar&#252;ber besteht, dass der Westen, auch der europ&#228;ische Westen, Russland haushoch &#252;berlegen ist. Schon jetzt. Zuletzt war das in der Berliner Zeitung nachzulesen: <em>&#8222;Russland wiederum wei&#223;, dass es den Europ&#228;ern konventionell unterlegen ist&#8230;&#8220;</em></p><p><a href="https://www.berliner-zeitung.de/article/ende-der-vorkriegszeit-russland-und-europa-schlittern-in-die-konfrontation-10033935">https://www.berliner-zeitung.de/article/ende-der-vorkriegszeit-russland-und-europa-schlittern-in-die-konfrontation-10033935</a></p><p>Ich frage mich, woraus eine solche Behauptung abgeleitet wird. Etwa aus der russischen Kriegsf&#252;hrung in der Ukraine? Die wird nach meiner Wahrnehmung so rezipiert, wie man sie jeweils gerne h&#228;tte. Die Hoffnung auf einen &#8222;Siegfrieden&#8221; im Stellvertreterkrieg hatte zwar auch Pr&#228;sident Biden nie, aber das scheint bei den politischen Eliten im alten Europa nicht angekommen zu sein. Dem gelten wom&#246;glich sogar Stimmen wie die von Karaganow noch als Verst&#228;rker: Sieh da, Russland ist schon so geschw&#228;cht, dass es beginnt, gedanklich um sich zu schlagen. Die Folge kann nur Eskalationslust sein. Genau das ist im Augenblick en vogue.</p><p>Die Hurra-Atmosh&#228;re, die jeden gelungenen Drohnenangriff tief im russischen Hinterland begleitet, verr&#228;t eine &#8222;unverbr&#252;chliche&#8220; Parteinahme und die dominante Annahme, dass unabh&#228;ngig von milit&#228;rischen Zeitpl&#228;nen alles folgenlos bleibt. Um es mit Hamish de Bretton Gordon im erw&#228;hnten <em>Telegraph-</em>Artikel auszudr&#252;cken:</p><p>&#8222;<em>Die Selbstsicherheit eines F&#252;hrers, der vom unvermeidlichen Sieg &#252;berzeugt war, war verschwunden. An ihre Stelle trat ein Mann (</em>Anm.: gemeint war Putin), <em>der versuchte, einen immer kostspieliger werdenden und strategisch katastrophalen Krieg zu rechtfertigen.&#8220;</em></p><p>Was, wenn das ein Fehlurteil ist? Es gibt keine eigenst&#228;ndigen offiziellen Gespr&#228;chskan&#228;le zur russischen Seite mehr. Damit ist der Weg versperrt, eigene Einsch&#228;tzungen zu testen, einer Wirklichkeitspr&#252;fung zu unterziehen, die Motive der anderen Seite klarer zu sehen, und - was am Wichtigsten ist - in Rede und Gegenrede Verbindendes zu finden, das Sicherheit und Frieden m&#246;glich machen k&#246;nnte. Dauerhaft.</p><p>Das bevorzugte Denkmuster in hiesigen Breiten aktuell lautet: Die Russen arbeiten sich an der Ukraine ergebnislos ab, sie bluten aus, und bald, sehr bald, sind wir soweit, dass wir sie Mores lehren.</p><p>Gleichzeitig aber lautet ein anderes Denkmuster, dass die Russen klar wissen, dass sie dem versammelten Westen konventionell unterlegen sind, und m&#246;glicherweise daher nicht irre genug, anzugreifen. Aber beteuern sie genau das, halten wir das f&#252;r L&#252;gen.</p><p>Zudem wird behauptet, dass Russland l&#228;ngst einen hybriden Krieg gegen uns f&#252;hrt. Wenn doch wenigstens die Narrative kompatibel w&#228;ren.</p><p>Das dritte Denkmuster ist, dass Putin an allem allein schuld ist. Die Mitschuld des Westens wird strikt geleugnet.</p><p>Auch das Ukrainever&#228;chtliche liegt l&#228;ngst auf dem Tisch: Ukrainer sterben in diesem unseligen Krieg. Nicht wir. &#220;ber die Zahl der ukrainischen Toten wird nicht gesprochen.</p><p>Wer die Zahlen aus Kiew glaubt, glaubt auch an die M&#228;r von Snake Island. Die dort angeblich stolz Gefallenen wurden postum geehrt. Das war in den ersten Tagen des Krieges. Im M&#228;rz 2026 kehrte der letzte der ukrainischen Soldaten, die 2022 auf Snake Island stationiert waren, im Rahmen eines russisch-ukrainischen Gefangenenaustausches nach Hause zur&#252;ck.</p><div id="youtube2-SaetX4E2e9c" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;SaetX4E2e9c&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/SaetX4E2e9c?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Ob sie heute noch leben? So viele fielen, wurden verkr&#252;ppelt, gelten als vermisst, desertierten. Was in der Ukraine an der langen Front passiert, ist keine Heldengeschichte. Es ist eine soziale und demographische Katastrophe.</p><p>Wie heisst es doch? Im Krieg stirbt die Wahrheit immer zuerst. Stimmt das? In der ver&#246;ffentlichten Meinung gewiss. Wir sollen glauben, dass vor allem Russen sterben. Wir sollen glauben, dass in der Ukraine keine Kriegsm&#252;digkeit herrscht. Wir sollen so vieles &#252;ber die Ukraine glauben. Nur Bedauern, Mitleiden sucht man vergebens. Genauso vergebens, wie den Willen zum Dialog mit Russland, auf der Suche nach einem Modus vivendi, der aus dem Kriegsszenario dauerhaft hinausf&#252;hrt.</p><p>Der Ma&#223;stab f&#252;r Wahrheit ist die Realit&#228;t. W&#228;hrend der Fleischwolf des Krieges in der Ukraine immer weiter Menschen verschlingt, wird das Schlachtfeld zur milit&#228;rischen Experimentierstation f&#252;r Deutschland. Man kann angeblich soviel lernen &#252;ber den modernen Krieg. &#220;ber den Bau und den Einsatz von Langstreckendrohnen und anderem modernen Kriegsger&#228;t. Die Ukraine, so der Bundesverteidigungsminister k&#252;rzlich in Kiew, sei nicht l&#228;nger nur ein &#8222;<em>Konsument von Sicherheit</em>, sondern sie stelle &#8222;<em>Sicherheit bereit</em>&#8220;.</p><p>https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-pistorius-selenskyj-drohnen-100.html</p><p>Mit gemeinsamen deutsch-ukrainischen Projekten sollen &#8222;<em>F&#228;higkeitsl&#252;cken</em>&#8220; geschlossen werden. Abgesehen vom diabolischen Umgang mit dem Begriff &#8222;Sicherheit&#8220;: Was ist an diesem Verh&#228;ltnis &#252;berhaupt partnerschaftlich? Es ist allenfalls das B&#252;ndnis zweier Stellvertreterkrieger, deren Rollen sich zunehmend &#252;berlappen.</p><p>Deutschland hat sich inzwischen erneut f&#246;rmlich zur k&#252;nftigen Nato-Mitgliedschaft der Ukraine bekannt. Der Politik unseres Landes scheint es gleichg&#252;ltig zu sein, dass auf diese Weise eine Wurzel des Krieges in der Ukraine noch tiefer in die Erde getrieben wird, dass diese Position, die die USA ger&#228;umt haben, Gegnerschaft repr&#228;sentiert.</p><p>Koste es, was es wolle. So fliegen die Kriegsfalken wie einst Ikarus immer h&#246;her und h&#246;her, einer imagin&#228;ren Zukunft universalen Triumphs entgegen - solange, bis die Sonne ihnen die Federn verbrennt.</p><p>In diesem Bild ist Russland die Sonne. Eine Nuklearmacht. Mit einem konventionellen milit&#228;rischen Potential, das Respekt einfl&#246;&#223;en sollte. Das hat es bisher in diesem Krieg, der immer mehr zu unserem wird, noch nicht voll ausgespielt. Glauben wir wirklich, die russische Seite h&#228;tte nicht die milit&#228;rischen F&#228;higkeiten, Kiew auszul&#246;schen? Trump glaubte der Drohung des russischen Generalstabes, dass so ein Angriff der Ukraine auf die Siegesfeier in Moskau vergolten worden w&#228;re. Er vermittelte den Waffenstillstand.</p><p>Es w&#228;re sehr viel kl&#252;ger f&#252;r die Sicherheit und Zukunft unseres Landes, sich endlich von der Vorstellung eines &#8222;Siegfrieden&#8220; &#252;ber Russland zu verabschieden. Sie ist lebensgef&#228;hrlich. Eine Atommacht, die sich in der eigenen Existenz bedroht sieht, ist nicht besiegbar. So wie Israel hat auch Russland nuklear die sogenannte &#8222;Samson-Option&#8220; gew&#228;hlt: Als letztes Mittel werden alle in den Untergang mitgenommen.</p><p>Inzwischen hat Russland zudem konventionelle &#8222;vorletzte&#8220; Mittel angeh&#228;uft, gegen die es auf l&#228;ngere Sicht &#252;berhaupt keine westliche Verteidigung gibt. Auch deshalb ist Abr&#252;stung so dringend.</p><p>Aber all das k&#246;nnen die Gl&#252;cksritter der ewigen westlichen &#220;berlegenheit weder erkennen noch zugestehen. Die glauben lieber absch&#228;tzig an eine Tankstelle, die sich als Land maskiert. Die verstehen &#252;berhaupt nicht, dass Russland und China die Ablehnung eines einzigen Weltherrschers und das gemeinsame Streben nach einer friedlichen Regelung der Konflikte dieser Welt zusammenbindet.</p><p>Deshalb begreifen sie auch nicht, welche Art Krieg Russland in der Ukraine noch immer f&#252;hrt. Denn es w&#252;rde ihr gesamtes Weltbild &#8222;von der Sprache der Macht&#8220; ins Wanken bringen. Das geht nun mal davon aus, dass der St&#228;rkere den, der auf dem Boden liegt, tritt. Immer wieder. Bis das Blut nur so spritzt.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[8. Mai 1945: Ein Tag der Befreiung - Ein Tag der "Dankbarkeit" ]]></title><description><![CDATA[Kanzler Merz, 2025]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/8-mai-1945-ein-tag-der-befreiung</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/8-mai-1945-ein-tag-der-befreiung</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Fri, 08 May 2026 12:35:04 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/_Az8sdzWGhc" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p></p><p style="text-align: justify;"><em>&#8222;Dialektik</em></p><p style="text-align: justify;"><em>Unwissende</em></p><p style="text-align: justify;"><em>damit ihr<br>unwissend bleibt</em></p><p><em>werden wir euch<br>schulen.&#8220;</em></p><p style="text-align: justify;">(Reiner Kunze)</p><p style="text-align: justify;"><a href="https://www.planetlyrik.de/reiner-kunze-auf-eigene-hoffnung-eines-jeden-einziges-leben-cd/2019/06/">https://www.planetlyrik.de/reiner-kunze-auf-eigene-hoffnung-eines-jeden-einziges-leben-cd/2019/06/</a></p><p></p><p>6. Juni 2014: &#8222;A<em>m 6. Juni 1944 landeten die alliierten Truppen an der K&#252;ste der Normandie, um Europa von der Schreckensherrschaft Deutschlands im Nationalsozialismus zu befreien.</em>&#8220; (Kanzlerin Merkel)</p><p>https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/tag-der-befreiung-und-der-dankbarkeit-142738</p><p>Beim ersten Treffen des Bundeskanzlers Merz mit dem US-Pr&#228;sidenten kam es auch zu einem kurzen Austausch &#252;ber den D-Day (die Landung der Alliierten in der Normandie) und die Rolle der USA bei der Befreiung Deutschlands:</p><p>Trump: Das (Anmerkung: der D-Day) war kein sch&#246;ner Tag f&#252;r Euch.</p><p>Merz: Nein, es war die Befreiung meines Landes von der Nazi-Diktatur&#8230;</p><p>Trump: Das ist wahr.</p><p>( Ab Minute 1:22, <em>Welt</em> auf <em>Youtube)</em></p><p>Korrekt war nichts. Aber es entsprach dem vorherrschenden Geschichtsbild. Darin hat die Sowjetunion als &#8222;Befreier&#8220; Deutschlands keine herausragende Rolle. Die gro&#223;e Trag&#246;die, die die V&#246;lker dieses Landes ereilte, ist ebenfalls nicht pr&#228;sent.</p><p>Der Bundespr&#228;sident fand zwar 2025 differenzierende Worte.</p><p>https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2025/05/250508-Ende-2WK.html</p><p>Aber, seine Rede damals machte ebenfalls deutlich, dass wir uns inzwischen sehr leicht tun, mit dem Finger auf andere zu zeigen, so als l&#228;ge alle Geschichte hinter uns. Abgetragen. Vergeben und vergessen.</p><p>Ich denke nicht, dass es so ist.</p><p>In Momenten des Konflikts oder der Krise bricht alles hervor, was ansonsten unter dem Deckmantel des Schweigens begraben scheint und allenfalls an Jahrestagen ausgebuddelt wird. Die Erinnerung der Opfer Hitler-Deutschlands ist viel langlebiger als die unsere.</p><p>Es wurde &#8222;Wiedergutmachung&#8220; geleistet. Die Wortwahl zeugt von einer Annahme, die einem kindlichen Repertoire zu entstammen scheint. Gewiss, die Bundesrepublik Deutschland verfolgte au&#223;enpolitisch &#252;ber viele Jahre einen internationalen Kurs der M&#228;&#223;igung und des Ausgleichs, emsig bestrebt, wieder gleichberechtigt in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen zu werden. Andererseits war sie aus innenpolitischen Motiven oft auch offen revanchistisch.</p><p>Man erinnere sich nur an die Bedenken, die es um die Anerkennung der Oder-Nei&#223;e Grenze gab oder an die Debatte &#252;ber einen gemeinsamen Besuch eines deutschen Kanzlers mit einem US-Pr&#228;sidenten in einem KZ. Ein Artikel des <em>Spiegel</em> von 1984 erinnert daran. Der stellte fest, dass es nicht leicht sei, ein besiegtes Volk zu sein.</p><p><a href="https://www.spiegel.de/politik/8-mai-eine-wunde-beginnt-zu-schmerzen-a-c26c1f7c-0002-0001-0000-000013542056">https://www.spiegel.de/politik/8-mai-eine-wunde-beginnt-zu-schmerzen-a-c26c1f7c-0002-0001-0000-000013542056</a></p><p>Im damaligen Artikel stand: &#8222;D<em>er Kanzler verschweigt bei all seinen vielen Worten beharrlich, da&#223; die Sowjet-Union bis zum 8. Mai 1945 die gr&#246;&#223;ten Opfer bringen mu&#223;te. Weil es nicht ins antikommunistische Feindbild pa&#223;t, weil Ausgleich und Vers&#246;hnung mit dem Osten zu Worth&#252;lsen werden, ist bei Kohl niemals die Rede von dem im Osten gepr&#228;gten Wort vom &#187;Tag der Befreiung&#8221;: Die von Russen besetzte DDR sei ja nicht befreit. Aber es waren die Sowjets, die bei der Beendigung der Hitler-Barbarei mehr als 20 Millionen Tote z&#228;hlten.&#8220;</em></p><p>Kurzum, es gibt so viele blinde Flecken.</p><p>An ein Opfer des deutschen Nationalsozialismus will ich heute erinnern: Tanja Sawitschewa. Als sie starb, war sie 14 Jahre alt.</p><p>Die Holocaust-Gedenkst&#228;tte in Berlin nennt ihren Namen - Nicht, weil sie J&#252;din war, sondern ein Opfer des gr&#246;&#223;ten Einzelverbrechens der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg: Gegen&#252;ber der Bev&#246;lkerung von Leningrad.</p><div id="youtube2-_Az8sdzWGhc" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;_Az8sdzWGhc&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/_Az8sdzWGhc?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Die zun&#228;chst elfj&#228;hrige Tanja beschrieb inmitten des eingekesselten Leningrad auf nur acht Tagebuchseiten in ganz einfachen Worten uns&#228;gliches Leid. Nicht so eloquent und ausf&#252;hrlich wie die &#228;ltere Anne Frank. Sie notierte &#8222;nur&#8220; den Verlust aller Menschen, die sie liebte.</p><p>Beide M&#228;dchen &#252;berlebten den vom faschistischen Deutschland entfachten Horror nicht.</p><p>Asteroiden in unserem Sonnensystem tragen ihre Namen: Der Asteroid 5535 (Anne Frank) und der Asteroid 2127 (Tanja Sawitschewa). So wurden sie Teil unseres Universums. Nicht sichtbar dem menschlichen Auge, aber als symbolische Mahnung, dass die Menschheit, solange es sie gibt, den Opfern Ehre erweise.</p><p>Das Tagebuch von Anne Frank wird gelesen. Wie viele Deutsche kennen das von Tanja Sawitschewa? In Russland gibt sie dem unverschuldeten Leiden einer Millionenstadt ein Gesicht.</p><p>Wie gehen wir &#252;berhaupt mit dem Gedenken an das damalige Grauen um? Man kann es nicht ungeschehen machen. Verlorene Hoffnungen und verlorenes Leben sind nicht wieder herstellbar.</p><p>Man kann versuchen, zu verstehen, versuchen, der scheinbar alles verschlingenden Pandemie der Gleichg&#252;ltigkeit zu entkommen, die wie eine nat&#252;rliche Begleiterscheinung von Konflikttreiberei, Krisen und Kriegsvorbereitungen um sich greift. Sie zerst&#246;rt das Band, das uns erinnert, was Recht und was Unrecht ist. Dass Menschenleben kostbar sind. Dass die V&#246;lker sich nach Frieden sehnen.</p><p>Man erinnere sich: Nur friedliebende Nationen sollten der UNO angeh&#246;ren. Die UN-Charta ist ein Friedensmanifest. Das ist die Allgemeine Deklaration der Menschenrechte auch. Und die Genozid-Konvention. Und die Genfer Konvention.</p><p>Dass alles, was vereinbart wurde, immer wieder gebrochen wurde und wird, ist kein Grund daf&#252;r, die Lehren des Zweiten Weltkriegs auf den M&#252;llhaufen der Geschichte zu werfen. Einen n&#228;chsten Weltkrieg &#252;berleben wir im Atomzeitalter nicht. Und doch, manchmal scheint es, als sei er l&#228;ngst im Gange.</p><p>Ich denke, ein Wissenschaftler wie Albert Einstein, der nicht nur intellektuell sondern auch mit dem Herzen klug war, verf&#252;gt &#252;ber die besseren Argumente als bestimmte Vertreter von Nuklearm&#228;chten, die heute gegenteiliger Auffassung sind und absichtlich sogar mit dem Risiko eines Atomkriegs pokern.</p><p>Von den Opfern deutscher Aggression und deutschem Rassenwahn vor und im Zweiten Weltkrieg blieben oft nur Namen oder auch Gegenst&#228;nde zur&#252;ck. Tageb&#252;cher, Spielzeug, Schuhe, Abschiedsbriefe oder -gedichte.</p><p><a href="https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/article/children-during-the-holocaust">https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/article/children-during-the-holocaust</a></p><p>Das alles zeugt von der moralischen Verkommenheit des &#8222;Dritten Reiches&#8220;, von einer au&#223;erordentlichen Barbarei, die Gr&#246;&#223;enwahn mit Milit&#228;rmacht verband und sich schlie&#223;lich im Massenmord industrieller Effizienz bediente. Im Unternehmen &#8222;Barbarossa&#8220; (sogenannter&#8222;Russlandfeldzug&#8220;) hat es die &#8222;anst&#228;ndige&#8220; deutschen Wehrmacht nicht gegeben. Es war ein Vernichtungskrieg.</p><p>Und doch, vergi&#223; nie, erinnerte mich einst ein polnischer Freund, dass die ersten Opfer der Nazis Deutsche waren. Die, die Widerstand gegen Hitler leisteten. Sie wurden gefoltert, eingesperrt, ermordet. Ab 1933.</p><p>Unser Land ist noch immer geteilt, wenn es um die Erinnerung an viele dieser Menschen geht, die in Stra&#223;en- oder Schulnamen weiterleben. An Stauffenberg oder die Geschwister Scholl wird in Ost und West gleicherma&#223;en gedacht. (Am 9. Mai j&#228;hrt sich der 105. Geburtstag von Sophie Scholl.)</p><p>Hans und Hilde Coppi, Julius Fucik oder Ernst Th&#228;lmann sind nur im Osten weiter pr&#228;sent. Im <em>Spiegel </em>r&#252;gte Hubertus Knabe 2006, dass in solchen Namen die DDR &#8222;weiterlebe&#8220;.</p><p>https://www.spiegel.de/politik/deutschland/ddr-strassennamen-wie-die-ddr-in-der-provinz-weiterlebt-a-440393.html</p><p>Was Knabe nicht sehen konnte oder wollte: In solcher Namensgebung lebt auch ein Bewusstsein f&#252;r das zutiefst Unmenschliche weiter, was der deutsche Faschismus repr&#228;sentierte. Wie auch in Stolpersteinen. Stellvertretend f&#252;r viele andere nenne ich hier exemplarisch jenen, der 2025 in Berlin-Sch&#246;neweide f&#252;r Erich Busse verlegt wurde. Busse war Teil einer Widerstandszelle, Kommunist, Antifaschist, dem die Gestapo buchst&#228;blich das Leben aus dem Leib pr&#252;gelte. Zum Verr&#228;ter seiner Gef&#228;hrten wurde er nicht. Er verstarb an den Folgen der Misshandlungen. Seine Familie erhielt die Erinnerung aufrecht. Dass es heute nun auch diesen Stolperstein gibt, zeigt, dass es nicht um &#8222;DDR-Nostalgie&#8221; geht oder verkappten Kommunismus, sondern um menschliche Integrit&#228;t.</p><p>Es geht immer darum, zu verhindern, dass die Barbarei den Menschen frisst. Das geht schleichend, und Mitleidlosigkeit, Gleichg&#252;ltigkeit und Hassgef&#252;hle sind ihre Wegbegleiter.</p><p>Man darf weder das weite Opfer-Spektrum des hochaggressiven und auf Zerst&#246;rung zielenden Menschenbildes des Hitlerfaschismus einengen, noch das Spektrum derer, die dem widerstanden. Hier hat der Westen Nachholbedarf.</p><p>Man sagt, dass diejenigen, die als Zeitzeugen noch berichten k&#246;nnen, nun aussterben und so alles verlernt und vergessen w&#252;rde. Ich glaube das nicht. Man bringt Kindern schlie&#223;lich auch nicht bei, dass sie sich am hei&#223;en Herd schwerst verbrennen, indem man sie absichtlich verbrennt. </p><p>Ich denke, gezielte Propaganda, Machtdemonstrationen und die Gesch&#252;tze vorgeblicher Moral versperren den Blick auf das, was Menschen tief im Innern wissen und auch was zuvorderst not tut: Frieden und Sicherheit im eigenen Land brauchen Sicherheit und Frieden in der Welt. Aber unsere Gegenwart ist auch von zu vielen Kleingeistern bev&#246;lkert, und die schreien aktuell am lautesten. H&#228;ufig &#228;u&#223;erst widerlich. </p><p>Der kanadische Wissenschaftler Michael Carley goss sein Lebenswerk in drei B&#252;cher: Die Erforschung der Au&#223;enpolitik Stalins, speziell zwischen 1930 und 1941 (herausgegeben von der University of Toronto Press, in englischer Sprache, 2023). Carley arbeitete auf der Basis von Archivmaterial aus der Sowjetunion, Frankreich, Gro&#223;britannien und den USA und vielen weiteren Quellen. Er ist ein &#228;u&#223;erst gr&#252;ndlicher Rechercheur und ein furioser Erz&#228;hler. Im Ergebnis kommt er f&#252;r die &#196;ra 1933 bis 1939 eindeutig zur Schlussfolgerung, dass die Sowjetunion in der Machtergreifung Hitlers umgehend eine Kriegsgefahr erkannte, aber es der sowjetischen Au&#223;enpolitik trotz anhaltender Anstrengungen nicht gelang, England, Frankreich oder Polen von der Notwendigkeit einer Anti-Hitler-Koalition zu &#252;berzeugen, um so den drohende Krieg abzuwenden. Die ideologischen Widerst&#228;nde waren schlicht zu gro&#223;.</p><p>Man kann nur hoffen, dass Carleys Arbeit hilft, die Spreu k&#252;nftig besser vom Weizen zu trennen und zu einer faireren Beurteilung der Position der Sowjetunion in jener Zeit zu kommen. Was die Jahre 1939 bis 1941 betrifft, so erkaufte sich die Sowjetunion - laut Carley - eine Verz&#246;gerung eines Angriffs Hitler-Deutschlands, allerdings um den Preis der territorialen Invasion.</p><p>Wer Carley liest, versteht, dass es geschichtlich und politisch falsch ist, der Sowjetunion eine Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zu geben, und dass jene, die die aktuelle Lage in Europa mit 1938 oder 1939 vergleichen, Mythen und nicht Kenntnissen folgen. Der k&#246;nnte auch besser verstehen, welche Sicherheitsinteressen eine Konstante bilden, die sich &#252;ber den Zusammenbruch der Sowjetunion und ihres Imperiums erhalten hat. Der k&#246;nnte zur Schlussfolgerung kommen, wie gef&#228;hrlich es f&#252;r ganz Europa wird, wenn Teile der Geschichte europ&#228;ischer V&#246;lker abgespalten, selektiv erinnert und ideologisch aufgeladen werden.</p><p>&#220;berlegenheitsgef&#252;hle, Siegerattit&#252;den und Dominanzstreben, das in Konfrontation m&#252;ndet, treffen auf dem europ&#228;ischen Kontinent auf eine fruchtbare Erde, schon wegen der vielen tats&#228;chlichen und eingebildeten offenen geschichtlichen &#8222;Rechnungen&#8220;. Das erschwert Dialog, Ann&#228;herung, Verstehen und schlie&#223;lich auch Vers&#246;hnung ungemein. Es braucht daher auch Toleranz f&#252;r das Existenzrecht des Anderen, des Fremden, ja selbst des Gegners, den Willen, &#8222;neu&#8220; zu denken und zu handeln. Was gegenw&#228;rtig zu dominieren scheint, ist s&#228;belrasselnde Vergangenheit. Mancher tr&#228;gt l&#228;ngst auf dem Hals den von Erich K&#228;stner beschriebenen Helm, der den Kopf ersetzt. Im v&#246;llig falschen Verst&#228;ndnis, wer den Zweiten Weltkrieg gewann und wer nicht und in der noch verheerenderen Annahme eines k&#252;nftigen Siegs.</p><p>Beinah klingt es wie eine Plattit&#252;de und doch hat es Deutschland - in Ost wie West - einst den Weg zur&#252;ck in die Gemeinschaft der V&#246;lker geebnet: Die Verpflichtung, eine friedliebende Nation zu sein und zu bleiben. Das war eine notwendige Voraussetzung, warum die deutsche Einigung international akzeptiert wurde.</p><p>Was aber haben auch wir aus den Versprechen, den Hoffnungen und M&#246;glichkeiten jener Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer gemacht? Und mit &#8222;wir&#8221; meine ich alle. Klar, dass so eine Frage in aktuellen deutschen Talk-Shows keiner Betrachtung wert ist. Denn die Jahre 1989/1991 &#246;ffneten ein Fenster zum dauerhaften Frieden. Nicht russische Politik hat es zugeschlagen.</p><p>Was macht eine Nation &#8222;friedliebend&#8220;? Ist es der geplante Griff nach der st&#228;rksten konventionellen Macht, nach &#8222;<em>technologisch &#252;berlegenen, innovativen Streitkr&#228;ften&#8220;</em> (2039) in einem Bundeswehr-&#8222;<em>Europa</em>&#8220;, in dem schon das NATO-Mitglied T&#252;rkei keinen Platz hat? Und wenn die Bundeswehr erst 2039 technologisch &#252;berlegen sein will, wer ist es dann heute? Wir brauchen Abr&#252;stung und k&#246;nnen uns gl&#252;cklich sch&#228;tzen, dass die USA nicht mehr ausreichend &#252;ber Waffen verf&#252;gt, die sie auf unserem Boden 2026 stationieren wollten. Man muss sich nur das Kanzler-Interview von Caren Miosga zu dieser Frage genau anh&#246;ren. Nein, diese Stationierung war keine deutsche Idee. Und ja, lieber Herr Merz, so ganz nebenbei r&#228;umten Sie mit der These von der angeblichen &#8222;F&#228;higkeitsl&#252;cke&#8220; auf, die wegen der Kaliningrad-Waffen zu f&#252;llen sei. Aber das ging dann auch unter.</p><p>Leider muss ich mein Pl&#228;doyer zum 8. und 9. Mai auch in diesem Jahr in gro&#223;em Ernst wiederholen: M&#246;gen &#252;ber die Himmel von Kiew, Minsk und Moskau am Tag der deutschen Befreiung durch die Alliierten und ihres Sieges allein Wolken ziehen. Und Kraniche, die der Legende nach die Seelen derer sind, die im Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verteidigten.</p><p>M&#246;gen auch wir Deutsche deren Botschaft endlich vernehmen. Es ist h&#246;chste Zeit, den schweren Weg zum Frieden mit allen zu gehen, auch mit Russland.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[FAZ: "Offene Kirchentüren für Kremlfreunde"]]></title><description><![CDATA[Tatort: Braunschweig]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/faz-offene-kirchenturen-fur-kremlfreunde</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/faz-offene-kirchenturen-fur-kremlfreunde</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Fri, 01 May 2026 13:53:28 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/GEStsLJZhzo" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Im Sonderangebot (online) kann aktuell die <em>FAZ</em> f&#252;r 99 Cent ganze vier Wochen lang gelesen werden. Auf diese Weise erh&#228;lt man unter anderem Zugriff zum Volltext eines Artikels mit dem Titel &#8222;<em>Offene Kirchent&#252;ren f&#252;r Kremlfreunde&#8220;</em> (<em>FAZ</em>, 24.04. 2024)</p><p>https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/die-kirchentueren-in-braunschweig-stehen-kreml-freunden-weit-offen-accg-200761792.html</p><p>Damit der geneigte Leser auch versteht, worum es geht, lieferte der Verfasser Reinhard Bingener, Hannover, den folgenden Einstieg: <em>&#8222;Wer sich in der &#220;berzeugung best&#228;rken lassen m&#246;chte, dass Wladimir Putin prinzipiell ein friedliebender Mann ist, der aber von den Kriegstreibern im Nato-Hauptquartier so fies eingekreist wurde, dass er sich kaum anders zu helfen wusste, als mit einer milit&#228;rischen Spezialoperation gegen die korrupte Ukraine, solle nach Braunschweig fahren.&#8220;</em></p><p>Dort f&#228;nden Veranstaltungen statt, die exakt auf &#8222;<em>dieser Linie&#8220; </em>liegen.</p><p>In Braunschweig, so der Autor, tummeln sich die &#8220;Kreml-Freunde&#8220;, die &#8222;Putin-Versteher&#8220;, die &#8222;<em>Wagenknecht und Co</em>.&#8220; (Untertitel). In den Kirchen der Stadt. Zu den &#8222;prominenteren&#8220; Anderen nebst Wagenknecht z&#228;hlte er: Sevim Dagdelen (die sich anscheinend f&#252;r etwas bei Russland und China bedankte, wof&#252;r blieb unklar), Daniela Dahn, (General) Harald Kujat, Brigadegeneral Vad, Gabriele Krone-Schmalz, Petra Erler und G&#252;nter Verheugen. Der wurde als &#8222;Erlers Partner&#8220; eingef&#252;hrt (7. Mai 2026, Braunschweig). </p><p>In Braunschweig gebe es ein &#8222;Moskau-freundliches&#8220; Programm, warnte Bingener. Sein Rundumschlag traf auch einen IG-Metaller (Wolfgang M&#252;ller), der &#252;ber eine China-Reise referierte sowie Michael L&#252;ders, dem offenbar  bestimmte Gruppen &#8222;<em>antisemitische Stereotype&#8220;</em> vorwarfen. Die <em>Nachdenkseiten </em>(&#8222;gelten&#8220; als verschw&#246;rungstheoretisch, vgl. <em>Wikipedia</em>) und die <em>Junge Welt</em> (&#8222;linksextremistisch&#8220; - hier verwendete der Autor die Erkenntnisse des Bundesverfassungsschutzes) - kriegten auch ihr Fett weg. Und selbstverst&#228;ndlich alle, die diese vermaledeiten &#8222;Kreml-Freunde&#8220; eingeladen hatten.</p><p>Das ist das leidige &#8222;Hammer&#8220;-Problem. (Wer nur einen Hammer zur Hand hat, sieht in jedem Problem nur einen Nagel.) Diesmal in Gestalt einer Provinzposse.</p><p>Till Eulenspiegel, an den ein sehr sch&#246;ner Brunnen in Braunschweig erinnert, wurde zur historischen Figur, weil er anderen mit Raffinesse den Spiegel vorhielt.</p><p>Besagter <em>FAZ-</em>Autor bewies ein eher schlichteres Gem&#252;t. Er bespiegelte sich selbst und setzte die russische Verbr&#228;mung des v&#246;lkerrechtswidrigen Angriffskrieges noch nicht einmal in Anf&#252;hrungszeichen. Man kann auch getrost davon ausgehen, dass der Intelligenzquotient aller als &#8222;Putin-Versteher&#8220; usw. Diffamierten &#252;ber dem eines Steins liegt. Zu behaupten, die Nato-Kriegstreiber in Br&#252;ssel h&#228;tten Putin eingekreist (oder etwas auf &#8222;dieser Linie&#8220;), k&#228;me einem garnicht in den Sinn. </p><p>Nun gut, es ist ein Bild, &#252;ber das man sich durchaus am&#252;sieren kann.</p><p>Bei Vad erinnerte der Autor mit einer gewissen H&#228;me an dessen Aussage zu Kriegsbeginn, dass die Sache &#8222;<em>milit&#228;risch gelaufen&#8220;</em> sei. Wie inzwischen klar ist, dachte das auch das Wei&#223;e Haus. Simon Schuster von <em>TIME</em> hat es mittlerweile aufgeschrieben. Man muss es nur zur Kenntnis nehmen.</p><p>https://time.com/7207661/bidens-ukraine-win-zelensky-loss/</p><p>Soweit ich mich erinnere, sagte der Kreml damals &#252;berhaupt nichts &#252;ber eigene Zeitpl&#228;ne. Der setzte 2022 zun&#228;chst auf den Schock, aber auch auf Verhandlungen. Aber das ist eine andere Geschichte.</p><p>Alles in allem blieb der Autor g&#228;nzlich den Beweis schuldig, dass die von ihm so flott als &#8222;Putin-Versteher&#8220; und so weiter&#8230; Abgewatschten die ihnen zugeschriebenen &#220;berzeugungen tats&#228;chlich haben und einer allzu willigen Gemeinde (in dem Fall Braunschweig) predigen.</p><p>Was bleibt, ist der richtende Blick, den er sich selbst zusprach.</p><p>Darf man mehr verlangen?</p><p>Definitiv entsprach der Artikel in keiner Weise dem Selbstbild der <em>FAZ</em>, das sich wie folgt liest:</p><p><em>&#8222;An Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur interessierte B&#252;rger versorgt sie mit ver- l&#228;sslichen Nachrichten, fundierten Analysen und durchdachten Kommentaren. Vom ersten Tag an ist sie den Grunds&#228;tzen und Werten ihrer Gr&#252;nder verpflichtet: f&#252;r die Freiheit des Einzelnen in einer offenen Gesellschaft einzustehen, das freie Denken zu f&#246;rdern und immer wieder zum Nachdenken anzuregen. Denn Freiheit beginnt im Kopf!&#8220;</em></p><p><a href="https://dynamic.faz.net/fem/kommunikation/2020/148_220_4C_FO_K_Alles_ueber_die_Zeitung_20_online_RGB.pdf">https://dynamic.faz.net/fem/kommunikation/2020/148_220_4C_FO_K_Alles_ueber_die_Zeitung_20_online_RGB.pdf</a></p><p>Genau, Freiheit beginn im Kopf. Sofern man ihn zum Denken und Nachdenken benutzt. Und tats&#228;chlich daf&#252;r einsteht, was die <em>FAZ</em> von sich behauptet.</p><p>Ich bin mir recht sicher, Bingener, der in Hannover sein B&#252;ro hat, nahm nicht an der Veranstaltung in der Magni-Kirche in Braunschweig teil, als ich dort zu Gast sein durfte. Das war 2025.</p><p>Reichte das Budget nicht daf&#252;r? Reicht H&#246;rensagen? Oder sind wilde Diffamierungen nur eine subtile Form der Leserbindung bei der <em>FAZ</em>? Immerhin wird sie von &#8222;Entscheidungstr&#228;gern&#8220; gelesen (laut KI). Und die sind so, wie viele andere auch: Man h&#246;rt und liest am liebsten, was man selber glaubt oder vermutet. Da ist nicht viel Toleranz im Meinungsspektrum. Intoleranz nimmt anscheinend sogar offenbar mit dem Bildungsgrad zu.</p><p><a href="https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/allensbach-umfrage-gruenen-anhaenger-tun-sich-mit-anderen-meinungen-besonders-schwer-accg-200738623.html">https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/allensbach-umfrage-gruenen-anhaenger-tun-sich-mit-anderen-meinungen-besonders-schwer-accg-200738623.html</a></p><p>Beim Nachdenken dar&#252;ber, und insofern war besagter Schm&#228;h-Artikel schlie&#223;lich doch ein bisschen inspirierend, erinnerte ich mich schlie&#223;lich an das Remake von &#8222;Die K&#246;rperfresser kommen&#8220; (1978.) Genauer gesagt an die finale Szene - den gruseligen Schrei des Donald Sutherland.</p><div id="youtube2-GEStsLJZhzo" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;GEStsLJZhzo&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/GEStsLJZhzo?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Ich werde definitiv nicht einschlafen. M&#246;gen die Hunde bellen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Kriege entstehen nicht aus Lust und Laune - Immer geht es um Interessen]]></title><description><![CDATA[Die Osterbotschaft des US-Pr&#228;sidenten Donald Trump lautete wie folgt:]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/kriege-entstehen-nicht-aus-lust-und</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/kriege-entstehen-nicht-aus-lust-und</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Wed, 22 Apr 2026 16:37:07 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/MVylZW9qmyA" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Die Osterbotschaft des US-Pr&#228;sidenten Donald Trump lautete wie folgt:</p><p><em>&#8222;Tuesday will be Power Plant Day, and Bridge Day, all wrapped up in one, in Iran. There will be nothing like it!!! Open the Fuckin&#8217; Strait, you crazy bastards, or you&#8217;ll be living in Hell - JUST WATCH! Praise be to Allah. President DONALD J. TRUMP&#8220;</em></p><p><a href="https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/116351998782539414">Apr 05, 2026 at 2:03 PM</a></p><p><a href="https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116351998782539414">https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116351998782539414</a></p><p>(<strong>&#220;bersetzung:</strong></p><p>Der Dienstag wird im Iran der Tag des Kraftwerks und der Tag der Br&#252;cke in einem sein. So etwas wird es noch nie gegeben haben!!! &#214;ffnet die verdammte Meerenge, ihr verr&#252;ckten Mistkerle, oder ihr werdet in der H&#246;lle leben &#8211; IHR WERDET SEHEN! Gelobt sei Allah. Pr&#228;sident DONALD J. TRUMP&#8220;)</p><p>Die Aussagen des US-Pr&#228;sidenten nur als Blasphemie zu begreifen, w&#228;re zur kurz gegriffen. Sie beinhalteten all das, wovor der Papst w&#228;hrend der diesj&#228;hrigen Osterfeierlichkeiten warnte: Vor einer sich ausbreitenden Gleichg&#252;ltigkeit, einem Verlust von Mitmenschlichkeit, dem Willen zur Dominanz und zum Krieg, statt auf Frieden durch Dialog und Ausgleich zu setzen.</p><p>Es gelte immer das, was der US-Pr&#228;sident zuletzt sage, lautete eine Kommentierung einer sp&#228;teren verbalen Drohgeb&#228;rde Trumps, bei der es um die Ausl&#246;schung des Iran als Zivilisation ging. Schlie&#223;lich habe er danach Emiss&#228;re nach Pakistan geschickt.</p><p>So wird die Verfallszeit politischer Erkl&#228;rungen extrem beschleunigt. Man k&#246;nnte das auch, um einen Gedanken &#8222;der Kuttner&#8220; (auf <em>Facebook</em> ver&#246;ffentlicht) zu klauen, ganz anders bezeichnen: Auskotzen ohne nachzudenken.</p><p>https://www.facebook.com/reel/1078978828357324</p><p>Wer sich auf eine derartige Achterbahn einl&#228;sst, hat zwei Optionen: Entweder das gedankenlose Auskotzen zu allem wird zum eigenen Programm oder man versteht bald gar nichts mehr und vermutet, im Irrenhaus gelandet zu sein, wom&#246;glich in Shutter Island, wo nichts so ist, wie es scheint.</p><p>Mal ist der Iran seit 47 Jahren im Krieg gegen die USA (Pressesprecherin des Wei&#223;en Hauses bei Sean Hannity, <em>Fox</em>) und nur Pr&#228;sident Trump habe den Mut aufgebracht, ihn nun auch zu f&#252;hren. Mal ist der Iran schon total besiegt, sind dessen milit&#228;rische Ressourcen (fast) komplett vernichtet. Mal steht die komplette Zerst&#246;rung des Landes kurz bevor. Mal ist der regime change gelungen, eine neue, &#8222;vern&#252;nftigere&#8220; Mannschaft am Ruder, dann wieder nicht. Die ungehinderte Durchfahrt der Stra&#223;e von Hormus war zun&#228;chst gar kein Thema, gewiss nicht f&#252;r die USA, allenfalls f&#252;r andere &#8222;Betroffene&#8220;. Sollten die sich doch darum k&#252;mmern. Tun diese das aber dann doch nicht, sind sie unsolidarisch. Dann kam die Idee auf, dass die USA und der Iran diese Stra&#223;e gemeinsam &#8222;managen&#8220; k&#246;nnten. Darauf folgte &#8222;die Blockade der Blockade&#8220; , oder, um es mit JD Vance auszudr&#252;cken, was die Iraner als Raubritter k&#246;nnen, k&#246;nnen wir auch, nur besser. Zur Einstimmung auf ein weitere, f&#252;r den 21. April vorgesehene Treffen in Islamabad verk&#252;ndete Trump, wenn Teheran einem Abkommen nicht zustimme, werde der gesamte Iran &#8222;in die Luft gesprengt&#8220;.</p><p>https://www.timesofisrael.com/trump-says-us-iran-talks-to-take-place-tuesday-threatens-no-more-mr-nice-guy/</p><p>Auf seinem <em>Truth Social</em> Kanal war zu lesen:</p><p><em>&#8220;NO MORE MR. NICE GUY! They&#8217;ll come down fast, they&#8217;ll come down easy and, if they don&#8217;t take the DEAL, it will be my Honor to do what has to be done, which should have been done to Iran, by other Presidents, for the last 47 years. IT&#8217;S TIME FOR THE IRAN KILLING MACHINE TO END!&#8221;</em></p><p>(<strong>&#220;bersetzung:</strong></p><p>SCHLUSS MIT DEM<strong> </strong>NETTER- KERL-SEIN! Sie werden schnell und ohne Umschweife zur Strecke gebracht, und wenn sie das ABKOMMEN nicht annehmen, wird es mir eine Ehre sein, das zu tun, was getan werden muss &#8211; was andere Pr&#228;sidenten in den letzten 47 Jahren gegen&#252;ber dem Iran h&#228;tten tun sollen. ES IST AN DER ZEIT, DER IRANISCHEN T&#214;TUNGSMASCHINE EIN ENDE ZU SETZEN!&#8220;</p><p>So funktioniert T&#228;ter-Opfer-Umkehr. Im Trumpschen Weltbild (und es wird von vielen geteilt) ist nicht der Iran das Opfer von Aggression, er ist der Verursacher.</p><p>Weiter erfahren wir, dass Trump, unser &#8222;Mr. nice guy&#8220;, glaubt, er sei langm&#252;tig. Was z&#228;hlt schon der Versuch, die iranische W&#228;hrung zum Absturz zu bringen, kleine Leute durch barbarische Sanktionen ins Elend zu st&#252;rzen? Wen k&#252;mmern tote iranische Schulm&#228;dchen? Wen der Mord am geistlichen Oberhaupt und Teilen seiner Familie? Oder &#252;ber 3 Millionen Binnen-Fl&#252;chtlinge in nur einem Monat? Wen schert es, dass rund vier Millionen Afghanen, die als Kriegsfl&#252;chtlinge im Iran leben, nun auch nicht mehr wissen, wohin sie k&#246;nnen. Oder dass 250 Schulen zerbombt wurden, auch die Universit&#228;t.</p><p>https://www.nrc.no/news/2026/iran-one-month-of-war-leaves-millions-in-extreme-uncertainty</p><p>Sind die Iraner an allem selbst schuld, weil sie anders als viele ihrer Landsleute im Exil zu ihrem (angegriffenen) Land stehen, trotz des Mullah-Regimes?</p><p>Und doch, auf seine Weise f&#252;hrt uns Trump direkt zum politischen Kriegsziel: Er will zu Ende bringen, was seit 47 Jahren auf der US-Agenda steht: die Vollendung des regime change im Iran von 1953. Damals st&#252;rzten die USA den legitimen Regierungschef Mossadegh, dessen Agenda, die Kontrolle &#252;ber die eigenen Reicht&#252;mer zu erlangen, popul&#228;r war und auch vom iranischen Klerus unterst&#252;tzt wurde. (Anm.: Sein Vorg&#228;nger, der in diesem Punkt viel z&#246;gerlicher war, wurde von iranischen Extremisten umgebracht).</p><p>Zudem wurde Mossadegh verd&#228;chtigt, wom&#246;glich mit der Sowjetunion zu t&#228;ndeln. Kurzum, die USA duldeten keine selbstbestimmte, nationalistische Politik des Iran, schon gar nicht im Kalten Krieg. Sie zielten auf die &#8222;westliche Verankerung&#8220; des Landes - also auf die Aufrechterhaltung der Kontrolle &#252;ber den Iran und re-installierten den Schah. Der wiederum wurde 1979 durch die sogenannte Islamische Revolution entmachtet.</p><p>Niemand wei&#223;, wie sich der Iran entwickelt h&#228;tte, h&#228;tte es den regime change 1953 nicht gegeben. Oder wenn die &#220;bereinkunft aus Jahr 1981 eingehalten worden w&#228;re. Wenn das Atomabkommen mit dem Iran nicht einseitig gek&#252;ndigt worden w&#228;re. Wenn der Westen, speziell die USA nicht eine scharfe Sanktionspolitik verfolgt h&#228;tte. Wenn&#8230;</p><p>In einer Dissertation eines Iraners an der Universit&#228;t Jena im Jahr 2018 wird ziemlich deutlich attestiert, dass westliche Wissenschaft ein sehr &#8222;naives&#8220; Verst&#228;ndnis habe, wie sich Modernisierung in nicht-westlichen Gesellschaften vollziehe, weil alles ausschlie&#223;lich nach den Ma&#223;st&#228;ben der Entwicklung von westlichen Gesellschaften gemessen werde.</p><p>https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00040989/Dissertation_Hassan_Poorsafir.pdf</p><p>Westliche Politik folgt dem gleichen Denkmuster: Wenn alle so werden, wie wir uns gerne selbst sehen, wird alles sehr viel besser sein, richtig gut. So ist es nicht verwunderlich, dass westliche Aktionen seit Jahrzehnten fr&#252;her oder sp&#228;ter immer grandios scheitern, aber auf Jahrzehnte politische Folgesch&#228;den hervorrufen, die sich im Einzelnen nur sehr schwer vorhersagen lassen. Zerst&#246;rung schafft Elend und Instabilit&#228;t. Tote und Ermordete in Kriegen oder Umst&#252;rzen befl&#252;geln das Verlangen nach Rache und Vergeltung. Gebrochene Herzen sind wom&#246;glich leichter empf&#228;nglich f&#252;r Hass als die, die noch in kindlicher Unschuld schlagen. Und dann noch die vielen k&#246;rperlich und geistig Gesch&#228;digten, die mahnen: Menschen werden nicht als T&#246;tungsmaschinen geboren.</p><p>Wer das nicht glaubt, sollte bei <em>Haaretz</em> den Bericht (<em>&#8222;I felt I was a monster&#8220;</em>) &#252;ber die seelischen Verletzungen von IDF-Soldaten nachlesen, die Zeugen und Mitt&#228;ter von Kriegsverbrechen in Gaza waren. <em>Haaretz</em> beschrieb grauenhafte Verbrechen, die sie nun nicht mehr aus ihrem Kopf kriegen. Derzeit, so <em>Haaretz </em>werde um Anerkennung dieser Krankheit gek&#228;mpft. Im Unterschied zur anerkannten PTBS, die aus Angst um sich selbst entstehen kann, entsteht diese seelische Verletzung, weil bestimmte Kriegserlebnisse als &#8222;fundamentaler Versto&#223; gegen grundlegende moralische Normen&#8220; wahrgenommen werden. Die Folgen sind tiefe Schuldgef&#252;hle, Selbsthass, ein Zusammenbruch der Identit&#228;t oder Zweifel am eigenen Menschsein. Sogar Kinder von Soldaten k&#246;nnen betroffen sein, wenn sie Kriegserz&#228;hlungen zuh&#246;ren. Die Grauen des Krieges reichten so bis ins israelische Hauptquartier. <em>Haaretz</em> schilderte auch den Fall eines dort eingesetzten Luftwaffenoffiziers. Nach dem 7. Oktober 2023 d&#252;rstete dieser nach Vergeltung, war gerne Teil der Einsatzplanung der Bombardements von Gaza. Doch dann kam der Moment, in dem er die Last der Get&#246;teten nicht mehr tragen konnte und sich obsessiv bei jedem Bild von get&#246;teten Pal&#228;stinensern fragte, ob er auch an diesem Tod schuld sei. Er stieg aus, konnte nicht mehr Teil der T&#246;tungsmaschinerie sein und hofft, so das &#8222;restliche Gute&#8220; in ihm noch zu retten. Noch ist auch er nicht wieder gesundet, denn dazu wird er sich das, was er sich nicht verzeihen kann, vergeben k&#246;nnen m&#252;ssen.</p><p>https://www.haaretz.com/israel-news/israel-security/2026-04-17/ty-article-magazine/.premium/when-i-returned-from-gaza-they-called-me-a-hero-but-i-felt-i-was-a-monster/0000019d-966d-de40-ad9f-966d73860000?fromLogin=success</p><p>In einem <em>Manova-</em>Gespr&#228;ch wies der EP-Abgeordnete von der Schulenburg darauf hin, dass der Begriff &#8222;Mullah&#8220; im Iran ein Schimpfwort sei. So bezeichne man dort nicht die Geistlichkeit. Dann aber kam es zum Streit, wie das Regime im Iran einzuordnen sei. Ein Teilnehmer (J&#252;rgen) stellte fest, dass die Allgemeine Deklaration der Menschenrechte im Iran &#8222;einen Dreck wert sei. Es handelt sich um ein klerikal-faschistisches Regime.&#8220; &#8222; Das ist nicht wahr&#8220;, entgegnete von der Schulenburg. &#8220;So k&#246;nne man das nicht sagen.&#8220;</p><div id="youtube2-MVylZW9qmyA" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;MVylZW9qmyA&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/MVylZW9qmyA?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>(Ab Min 45)</p><p>Im Verlauf des Streits wurde dann aus &#8222;J&#252;rgen&#8220; &#8222;Herr Rose&#8220;. Schlie&#223;lich griffen die beiden anderen Gespr&#228;chsteilnehmer ein und beschwichtigten, suchten nach dem Verbindenden zwischen den inzwischen klar erbosten Kontrahenten. Bemerkenswert war, dass keiner auf die Idee kam zu fragen, ob der Beurteilungsma&#223;stab der richtige ist: Wie vielen L&#228;ndern der Welt ist die Allgemeine Deklaration der Menschenrechte tats&#228;chlich etwas wert? Auszugsweise wird sie gern zitiert (und auch verbal proklamiert). In ihrer Gesamtheit ist sie nirgendwo auf der Welt eingel&#246;st.</p><p>Warum flutschen Begriffe wie &#8222;Faschismus&#8220; oder &#8222;faschistoid&#8220; heute allzu vielen so leicht &#252;ber die Lippen? Faschismus, gerade der deutsche, steht f&#252;r den R&#252;ckfall in tiefste Barbarei, f&#252;r bis dato nie so heimt&#252;ckisch ersonnene und kaltbl&#252;tig exerzierte Menschheitsverbrechen.</p><p>Nach dem Zweiten Weltkrieg sollten und wollten alle V&#246;lker daraus lernen. Deshalb gab es die N&#252;rnberger Kriegsverbrecherprozesse, die konsequente Verurteilung einer v&#246;lkerrechtswidrigen Aggression. Deshalb wurde die Genozid-Konvention verabschiedet. Das war einst Teil des &#8222;Nie wieder&#8220;. Eine v&#246;lkerrechtliche &#8222;Brandmauer&#8220; sollte errichtet werden.</p><p>Sie ist l&#228;ngst gebr&#246;ckelt. Wieder und wieder wird ein angeblich wiedererstandener, neuer Hitler gewittert, wird der damalige Zivilisationsbruch mit aktuellen Gef&#228;hrdungen eins zu eins gleichgesetzt, ob absichtlich oder aus Dummheit sei dahingestellt. Im Ergebnis ist die &#8222;Brandmauer&#8220; so br&#252;chig wie nie und die Bereitschaft, sich f&#252;r Krieg zu entscheiden, statt einer friedlichen, sprich diplomatischen Konfliktl&#246;sung den Vorzug zu geben, st&#228;rker geworden.</p><p>Wie praktisch, wenn man nach Einmischung, Konflikten und Krieg lechzt - immer mit dem Anspruch zu dominieren, zu beherrschen, zu unterwerfen, als k&#246;nne die vielgestaltige komplizierte Welt in eine Form gepresst und nach eigenem Bild geformt werden. Die Selbst&#252;berh&#246;hung, die die koloniale Unterwerfung gro&#223;er Teile der Welt als zivilisatorischen Fortschritt maskierte, hat sich durch die Befreiungsbewegungen nicht aufgel&#246;st. Sie schl&#252;pfte in das neue Gewand der &#8222;Demokratieverteidigung&#8220;, die zur Waffe des Westens gesch&#228;rfte wurde.</p><p>Das hat nichts mehr mit der gelassenen Vorstellung zu tun, dass eine demokratische Ordnung aus sich selbst heraus strahlt und, einem Leuchtfeuer gleich, der Menschheit den Weg in die Zukunft weist. Das dachte etwa J.F. Kennedy. Die demokratischen Revolutionen 1989/91 in Mittel- und Osteuropa hauchten dieser Vorstellung neues Leben ein.</p><p>Mit einer fatalen Konsequenz. Statt diese Entwicklung als Selbstbefreiung europ&#228;ischer V&#246;lkern zu verstehen, verfiel der Westen in die Pose des geschichtlichen Siegers, der fortan f&#252;r sich in Anspruch nahm, dem r&#252;ckst&#228;ndigen &#8222;Rest&#8220; der Welt mit allen m&#246;glichen Mitteln aufzuzeigen, wo es langzugehen hat. Die Multipolarit&#228;t der Welt, die heute niemand mehr leugnet, offenbart die historische Blindheit der westlichen Annahmen. Aber es f&#228;llt offenbar sehr viel schwerer, die Augen zu &#246;ffnen, um der ungeschminkten Realit&#228;t ins Auge zu sehen, und sehr viel leichter, sich in der Rolle der gef&#228;hrdeten Art zu suhlen, die von Feinden und Gegnern nur so umzingelt ist.</p><p>Oder, wie es Josep Borrell als EU-Chefdiplomat so ungeniert auf den Punkt brachte: Wir sind der demokratische Garten, vom bedrohlichen Dschungel umgeben. Sp&#228;ter bereute er tief, dieses Bild benutzt zu haben und entschuldigte sich. Aber er traf den Nagel auf den Kopf, besser als die M&#252;nchner Sicherheitskonferenz, die 2020 &#252;ber &#8222;westlessness&#8220; lamentierte.</p><p>Insofern kam die russische (v&#246;lkerrechtswidrige) Aggression gegen &#8222;die Ukraine&#8221; 2022 wie gerufen. Sie wurde zum Beweis des Kampfes zwischen Demokratie und einem autorit&#228;ren Regime stilisiert und das westliche Bedrohungsgef&#252;hl so kanalisiert. Das funktioniert aber nur, wenn man die Ukraine auch zur strahlenden Demokratie uminterpretiert und zudem v&#246;llig au&#223;er Acht l&#228;sst, dass die Ukraine l&#228;ngst nicht mehr auf eigenen Beinen steht, sondern vom steten Zufluss westlicher Gelder und Waffen abh&#228;ngig ist. Souver&#228;n ist sie l&#228;ngst nicht mehr.</p><p>Deshalb wird nur sehr schlecht ertragen, wenn &#252;ber reale Kriegsursachen, westliche Mitverantwortung f&#252;r Kriegsausbruch und -dauer oder komplizierte ukrainische Realit&#228;ten gesprochen und geschrieben wird. Streng genommen, geht man von der Ukraine in den Grenzen von 1991 aus, hat Russland nicht &#8222;die Ukraine&#8220; angegriffen. Russland hat sich offen auf die Seite des ukrainischen Donbas gestellt, der seit 2014 in einen Krieg gegen die Kiewer Zentralgewalt verstrickt ist. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass die (ukrainische) Krim die russischen Aggressoren sabotiert. Das sind keine Wortklaubereien oder Petitessen, sondern Teil einer &#228;u&#223;erst komplizierten historischen Gemengelage.</p><p>Es gibt immer wieder Stimmen, die sagen, dass der nun vier Jahre dauernde Krieg ganz leicht dadurch beendet werden k&#246;nnte, dass sich Russland milit&#228;risch aus der Ukraine zur&#252;ckzieht. Es muss nur einfach aufh&#246;ren, aggressiv zu sein. W&#228;re es doch nur so simpel!</p><p>Zur Erinnerung: Es brauchte gut 10 Jahre, einen verlorenen Krieg und Friedensverhandlungen, bis die USA aus Vietnam abzogen, gut 20 Jahre, einen weiteren verlorenen Krieg und Verhandlungen mit den Taliban, bis die USA Afghanistan (fluchtartig) verlie&#223;en. Im Irak und in Syrien sind sie immer noch pr&#228;sent.</p><p>Aber im Unterschied zum aktuellen Ukraine-Konflikt handelte es sich bei diesen US-gef&#252;hrten Kriegen nie um US-Sicherheitsinteressen in der unmittelbaren Nachbarschaft. Es ging nie um die Zugeh&#246;rigkeit zu einer milit&#228;rischen Allianz. Es ging nie um V&#246;lker, die eine lange, in Teilen auch sehr strittige Geschichte und Kultur miteinander verbindet. Sowohl die Ukraine als auch Russland sind die modernen Erben der Sowjetunion. Perestroika, nationaler Neubeginn, aber auch das Scheitern der Gemeinschaft Unabh&#228;ngiger Staaten nach der Aufl&#246;sung der Sowjetunion dr&#252;cken dem aktuellen Konflikt einen zus&#228;tzlichen Stempel auf.</p><p>Abe manchmal treffen Vereinfachungen auch einen neuralgischen Punkt. 2018 erkl&#228;rte der einflussreiche US-Demokrat und damalige Mehrheitsf&#252;hrer im Senat, Chuck Schumer, einem AIPAC-Auditorium, worin aus seiner Sicht die wirklichen Gr&#252;nde f&#252;r den Nahostkonflikt l&#228;gen: &#8222;<em>Zu viele Pal&#228;stinenser und zu viele Araber wollen keinen j&#252;dischen Staat im Mittleren Osten. Die Pal&#228;stinenser denken: die Europ&#228;er behandelten die Juden schlecht, was im Holocaust kulminierte, und gaben ihnen unser Land. Nat&#252;rlich sagen wir (Anm.: Schumer ist ein Jude), das ist unser (j&#252;disches) Land. So steht es in der Thora geschrieben. Aber die Pal&#228;stinenser glauben nicht an die Thora&#8230;&#8221;</em> (Ab Minute 4:46)</p><div id="youtube2-ow2Dveio5PY" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;ow2Dveio5PY&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/ow2Dveio5PY?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p></p><p>Man muss unterstellen, dass Schumer wei&#223;, wie die urspr&#252;ngliche UN-Regelung lautete, um ein Territorium unter zwei V&#246;lkern aufzuteilen. Formal gab er anf&#228;nglich durchaus ein Bekenntnis zur Zwei-Staaten-L&#246;sung ab. Aber dann kam er zu des Pudels Kern: Was ist &#8222;unser Land&#8220;, und damit zur Frage, wie man es sich holt. Indem man die Pal&#228;stinenser zur Thora bekehrt?</p><p>Dass Kriege nicht einfach beendet werden k&#246;nnen, sieht man auch am aktuellen Iran-Krieg. Verhandlungen oder Krieg? Trump verl&#228;ngerte den Waffenstillstand, die Blockade-Politik aber blieb. Er versucht immer wieder, den Iran in Zugzwang zu bringen und exekutiert ganz nebenbei Ank&#252;ndigungen aus der Nationalen Sicherheitsstrategie 2025. Als Energieexporteur, neuerdings mit den venezolanischen Ressourcen im R&#252;cken, geht es um die Energiedominanz der USA, ihre Kontrolle &#252;ber die Energieversorgung (China), auch um den Preis einer gro&#223;en nationalen und globalen Krise.</p><p>Der Bundeskanzler war ausdr&#252;cklich Pakistan dankbar, dass es sich als Vermittler anbot. Aber auch aufrichtige Dankbarkeit kann nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass die EU nun schon ein drittes Mal in diesem Jahrzehnt in einem geopolitischen Konflikt komplett versagt.</p><p>Trump bezeichnete die US-Verhandler, die erneut nach Islamabad aufbrechen sollten, als sein &#8222;A-Team&#8220;: Witkoff, Kushner, JD Vance. Weder das Pentagon noch das State Department wurden gefragt, also keine wirklichen Profis, nur Insider, denen der US-Pr&#228;sident offenbar traut.</p><p>Innerhalb der EU herrscht keine Einigkeit, ob man nun mit den USA und Israel solidarisch sein muss oder nicht. So verschob sie ihre geopolitischen Ambitionen auf eine imagin&#228;re Zukunft - nach dem Krieg, wenn eine stabile Friedensl&#246;sung da sein wird. Kurzum, die EU hat von A bis Z gar kein Team, und auch keinen Plan. Und das nun schon viel zu lange.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Eine deutsche Stimme für Frieden und kollektive Sicherheit ]]></title><description><![CDATA[Dr. Klaus Schlichtmann im Gespr&#228;ch]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/eine-deutsche-stimme-fur-frieden</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/eine-deutsche-stimme-fur-frieden</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Sat, 04 Apr 2026 18:15:09 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!OYmb!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5b9865d4-92c4-48a8-8750-9e7a54651469_465x655.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!OYmb!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5b9865d4-92c4-48a8-8750-9e7a54651469_465x655.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!OYmb!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5b9865d4-92c4-48a8-8750-9e7a54651469_465x655.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!OYmb!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5b9865d4-92c4-48a8-8750-9e7a54651469_465x655.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!OYmb!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5b9865d4-92c4-48a8-8750-9e7a54651469_465x655.jpeg 1272w, 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg role="img" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><title></title><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" 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Sucht man bei Wikipedia nach einem Eintrag zu Dr. Schlichtmann, wird man nicht f&#252;ndig. Der geb&#252;rtige Hamburger (Jahrgang 1944) glaubt, dass die Bombardierungen Hamburgs und deren verheerende Folgen sehr fr&#252;hzeitig Eindruck hinterlie&#223;en. Deshalb zog ihn der Buddhismus, aber auch die Lehren von Gandhi an und es trieb ihn nach Asien, zun&#228;chst nach Indien. Sp&#228;ter kehrte er nach Deutschland zur&#252;ck, um zu studieren und zu promovieren. Auf der Suche nach einem stabilen Ger&#252;st f&#252;r Frieden auf der Welt analysierte Dr. Schlichtmann die Haager Friedenskonferenzen, die Entwicklung einer internationalen Gerichtsbarkeit, die M&#246;glichkeiten der UN-Charta, aber auch konkrete Verfassungsbestimmungen einzelner L&#228;nder, von Japan &#252;ber Deutschland bis Italien, die den Weg in eine globale Friedens- und Sicherheitsarchitektur &#246;ffnen k&#246;nnten. Mit Asien verbindet ihn die Erkenntnis, dass Frieden nur gemeinsam und weltweit erreicht werden kann. Seit vielen Jahren lebt und arbeitet Dr. Schlichtmann in Japan. Und dennoch, spricht man mit ihm, sp&#252;rt man die unerf&#252;llte Sehnsucht danach, dass unser Land, das in der Vergangenheit soviel Elend &#252;ber die Welt brachte, zu den ersten L&#228;ndern geh&#246;ren sollte, die das Tor zu einer globalen Sicherheitsordnung aufmachen, die diesen Namen auch verdient. Deshalb hat sich Dr. Schlichtmann auch nicht aufs Altenteil gesetzt, ver&#246;ffentlicht seine Erfahrungen und Forschungsergebnisse, kommentiert, streitet und versucht, bekannte und schon existierende L&#246;sungen und gangbare Wege zum Frieden zu vermitteln. Aufgeben ist f&#252;r ihn keine Option.</p><p><em><strong>Sie arbeiten seit sehr vielen Jahren daf&#252;r, dass die Vereinten Nationen zum alles entscheidenden W&#228;chter des Friedens werden. Bisher vergeblich. Sind Sie ein Don Quichotte?</strong></em></p><p>Nein. Ich bin einer der vielen, die dem Nationalismus entgegentreten und f&#252;r einen auf Recht und Ordnung gegr&#252;ndeten internationalen Frieden eintreten. Deutschland hat hier viel wiedergutzumachen. Dazu geh&#246;rt auch die erste Reichsgr&#252;ndung von 1871, die unter fragw&#252;rdigen Umst&#228;nden zustande kam und weltweit Militarismus und autorit&#228;re Entwicklungen beg&#252;nstigte. Entscheidend ist heute, endlich das Friedensgebot des Grundgesetzes und der anderen europ&#228;ischen Verfassungen in die Praxis umzusetzen. Zust&#228;ndig daf&#252;r sind im &#220;brigen nicht nur die Regierungen. Wie es in der Pr&#228;ambel der Charta der Vereinten Nationen hei&#223;t, sind es auch &#8222;Wir, die V&#246;lker&#8220; der Vereinten Nationen &#8211; also die B&#252;rgerinnen und B&#252;rger selbst.</p><p><em><strong>Wie kommt dabei die UNO ins Spiel</strong></em></p><p>In Artikel 24 der UN-Charta hei&#223;t es ausdr&#252;cklich: &#8222;Um ein schnelles und wirksames Handeln der Vereinten Nationen zu gew&#228;hrleisten, &#252;bertragen ihre Mitglieder dem Sicherheitsrat die Hauptverantwortung f&#252;r die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit und erkennen an, da&#223; der Sicherheitsrat bei der Wahrnehmung der sich aus dieser Verantwortung ergebenden Pflichten in ihrem Namen handelt.&#8221; Artikel 24 GG sollte hier zur Anwendung kommen!</p><p><em><strong>K&#246;nnen Sie das bitte genauer erkl&#228;ren?</strong></em></p><p>Als das Grundgesetz geschrieben wurde, hat man damals durch den Art 24 GG daf&#252;r Sorge getragen, dass die Bundesrepublik sich an der Verwirklichung dieses Zieles der UN-Charta aktiv beteiligen kann. Das war der ausdr&#252;ckliche Wille der V&#228;ter des Grundgesetzes. Artikel 24 GG ist innovativ, revolution&#228;r, zukunftsweisend. Der V&#246;lkerbund kannte eine solche M&#246;glichkeit nicht. Aber das wurde nie wirklich umgesetzt.</p><p><em><strong>Aber die UN-Charta ist doch durch Deutschland ratifiziert? Wo ist das Problem?</strong></em></p><p>Das stimmt. Die Charta ist zwar ratifiziert worden, aber die vielleicht wesentlichste Bestimmung des Artikels 24 der Charta ist nicht implementiert worden. Das hei&#223;t, die Mitglieder haben den Vereinten Nationen nicht die Hauptverantwortung f&#252;r die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit &#252;bertragen.</p><p><em><strong>Warum wurde das nicht umgesetzt? Lag das am Kalten Krieg? An der Gr&#252;ndung der NATO?</strong></em></p><p>Die Vereinten Nationen versagen, weil man sie absichtlich schwach h&#228;lt. Seit 80 Jahren reden Regierungen &#252;ber Reformen, w&#228;hrend sie gleichzeitig jede echte Macht&#252;bertragung an die UNO blockieren. Die UN-Charta verpflichtet ihre Mitglieder, der Organisation die prim&#228;re Verantwortung f&#252;r Frieden und Sicherheit zu &#252;bertragen. Nur, es wird nicht eingel&#246;st. Und das geht vor allem aufs Konto der Europ&#228;er, insbesondere auch der Bundesrepublik, deren Verfassungen entsprechende gesetzgeberische Schritte vorsehen, die jedoch kaum ernst genommen werden.</p><p><em><strong>K&#246;nnen Sie das pr&#228;zisieren?</strong></em></p><p>Ein Grund daf&#252;r ist, dass die deutschen V&#246;lkerrechtsjuristen glauben, dass die Bedingung des Artikels 24 der UN-Charta mit der Mitgliedschaft in der UNO gleichsam automatisch erf&#252;llt wurde. Das ist nat&#252;rlich Unsinn. Dagegen argumentieren die franz&#246;sischen V&#246;lkerrechtsjuristen richtig, wie der zweib&#228;ndige franz&#246;sische Kommentar eindeutig belegt, dass eine Gesetzgebung zur &#220;bertragung von Sicherheitshoheit notwendig ist, um echte kollektive Sicherheit auf den Weg zu bringen.</p><p><em><strong>Wieso ist der deutsche Standpunkt Unsinn?</strong></em></p><p>Hier sind die grundlegenden, allgemein anerkannten Regeln der juristischen Gesetzesauslegung anzuwenden. Diese umfassen die folgenden vier Gesichtspunkte: den Wortlaut der Bestimmung, ihren Zusammenhang im Gesetz, ihre Entstehungsgeschichte und schlie&#223;lich ihrem eigentlichen Sinn und Zweck. Wendet man diese Kriterien auf Artikel 24 der Charta der Vereinten Nationen an, wird deutlich, dass die deutsche Ablehnung einer die nationale Souver&#228;nit&#228;t einschr&#228;nkenden Friedensregelung keinen Sinn ergibt. Mein Lehrer im V&#246;lkerrecht, Jost Delbr&#252;ck, nannte die Gr&#252;nde: die deutsche Realpolitik orientiere sich &#8220;in erster Linie&#8221; am Hegelschen Konzept der Machtpolitik, das &#8220;der Idee einer &#8216;internationalistischen&#8217; Friedensordnung mit Skepsis begegnete.&#8221; Die Chancen f&#252;r eine &#8222;nachhaltige &#196;nderung der deutschen Haltung gegen&#252;ber einer Weltorganisation zur Friedenssicherung&#8221; waren daher gering. (Delbr&#252;ck 1991).</p><p><em><strong>Sie haben einmal gesagt, dass es 1949/50 ein kurzes Zeitfenster gab, um die kollektive Sicherheit der Vereinten Nationen auf den Weg zu bringen. Was h&#228;tte die junge Bundesrepublik, die noch nicht Mitglied der UNO war, daf&#252;r tun k&#246;nnen, um dieses Fenster offen zu halten?</strong></em></p><p>Kollektive Sicherheit braucht auch eine verbindliche internationale Rechtsprechung. Sie ist ein notwendiger Bestandteil dieses Systems. Die Bundesrepublik h&#228;tte sich also umgehend der Rechtsprechung des IGH unterwerfen m&#252;ssen. Als ich in Kiel &#8211; &#252;brigens meine Alma Mater &#8211; V&#246;lkerrecht studiert habe, habe ich gelernt, dass Artikel 24 Absatz 1 und 2 GG sogenannte Kannbestimmungen sind, Absatz 3 dagegen obligatorisch ist. Aber das wurde vers&#228;umt. Insofern wiederholte die Bundesrepublik den Fehler, den das kaiserliche Deutschland w&#228;hrend der Haager Friedenskonferenzen 1899/1907 machte. Damals lehnte es eine internationale Gerichtsbarkeit ab.</p><p>Vergessen ist heute leider auch, dass die UdSSR 1950, im Vorfeld des Koreakrieges, den Antrag stellte, dass Artikel 106 (&#220;bergangsbestimmungen) der UN-Charta implementiert werden m&#252;sse, damit Russland mit den Vereinten Nationen gegen den nordkoreanischen Aggressor vorgehen k&#246;nne. &#220;brigens erfolglos. Dieser Artikel geh&#246;rt zu den &#252;bersehenen &#220;bergangsbestimmungen der Charta, wenn es um echte kollektive Sicherheit geht.</p><p><em><strong>Aber das ist doch alles l&#228;ngst Geschichte. &#220;bersch&#228;tzen Sie nicht die internationalen M&#246;glichkeiten Deutschlands?</strong></em></p><p>Deutschland ist aufgrund seiner Geschichte und Verfassung hervorragend geeignet, um eine f&#252;hrende Rolle zu &#252;bernehmen und den Prozess der Bevollm&#228;chtigung der Vereinten Nationen f&#252;r weltweite Sicherheit einzuleiten. Ich habe vor Kurzem Briefe an den Bundespr&#228;sidenten und Bundeskanzler Friedrich Merz geschrieben, in denen ich vorschlug, sich f&#252;r die Fehler auf den Haager Friedenskonferenzen zu entschuldigen und die amerikanisch-russischen Vorschl&#228;ge des Jahres 1961 (McCloy-Sorin-Erkl&#228;rung) wieder zu beleben. Ihnen lag die Erkenntnis zugrunde, dass Abr&#252;stung und kollektive Sicherheit zwei Seiten einer Medaille sind. Die sehr weitgehenden &#220;berlegungen wurden in der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 20. Dezember 1960 einstimmig angenommen. Die Erkl&#228;rung zielte darauf, &#8220;gemeinsam Schritt f&#252;r Schritt, Etappe f&#252;r Etappe voranzuschreiten, bis eine allgemeine und vollst&#228;ndige Abr&#252;stung erreicht ist&#8221; und, so Pr&#228;sident John F. Kennedy weiter, die Sowjetunion damit &#8220;nicht zu einem R&#252;stungswettlauf, sondern zu einem Friedenswettlauf herausfordern.&#8221; Es ging um allgemeine und vollst&#228;ndigen Abr&#252;stung.</p><p><em><strong>W&#252;rde ein echtes kollektives Sicherheitssystem im Rahmen der UNO nicht die Nato obsolet machen, bzw. sie dem UN-Sicherheitsrat nach Art 47 unterstellen?</strong></em></p><p>Obsolet ist vielleicht nicht das richtige Wort. Wenn das urspr&#252;nglich von den Vereinten Nationen geplante System der kollektiven Sicherheit realisiert werden w&#252;rde, w&#252;rde die NATO an Bedeutung verlieren. Sie k&#246;nnte dann eigentlich abgeschafft werden.</p><p><em><strong>Nach meinem Eindruck ist der UN-Sicherheitsrat inzwischen hochpolitisiert. Zudem scheinen die Vereinten Nationen f&#252;r die US-Politik eine immer geringere Rolle zu spielen. Die j&#252;ngste Nationale Sicherheitsstrategie der USA erw&#228;hnt die UNO nicht einmal mehr. Was sagen Sie dazu?</strong></em></p><p>Hochpolitisiert vielleicht. Die allgemeine &#246;ffentliche Meinung besagt, es ist gut, dass es die Vereinten Nationen gibt, aber eigentlich sind sie ziemlich wirkungslos. Eine Koalition der Willigen kann auch ohne Zustimmung des Sicherheitsrates Ma&#223;nahmen beschlie&#223;en, d.h. ohne dass die Vereinten Nationen diese Ma&#223;nahmen wirklich autorisiert haben. Die Europ&#228;er sollten die Vereinten Nationen bevollm&#228;chtigen, die USA sind dabei relativ unbedeutend.</p><p><em><strong>Wieso glauben Sie, dass die USA unbedeutend sind. Sie haben im Sicherheitsrat ein Vetorecht. Und unl&#228;ngst boxten die USA einen Beschluss durch, zu Gaza, von dem manche Beobachter sagen, damit seien Jahrzehnte der T&#228;tigkeit des Sicherheitsrates zu Israel und Pal&#228;stina negiert und ausradiert worden?</strong></em></p><p>Nat&#252;rlich, solange der Sicherheitsrat nicht die Hauptverantwortung f&#252;r die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit &#252;bertragen bekommen hat, sind alle Beschl&#252;sse arbitr&#228;r. Ist der Prozess des &#220;bergangs zu echter kollektiver Sicherheit und Abr&#252;stung erst einmal eingeleitet, greift der Plan des Artikel 106 der UN-Charta, d.h. dass die f&#252;nf st&#228;ndigen Sicherheitsratsmitglieder die Verantwortung &#252;bernehmen k&#246;nnen, gemeinsam und im Konsens zu entscheiden, welche Ma&#223;nahmen gegen einen potentiellen Friedensst&#246;rer ergriffen werden sollen.</p><p><em><strong>Die aktuelle Zusammensetzung des Sicherheitsrates spiegelt nicht mehr die sich entwickelnden multipolaren Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse wider. W&#228;re es nicht gut, wenn man den Sicherheitsrat erst reformiert, bevor man auch nur daran denkt, ihm auch die allentscheidende Rolle in einer globalen Friedensarchitektur zuweisen?</strong></em></p><p>Wir befinden uns an einem historischen Wendepunkt. Eine Reform des Sicherheitsrats ist sicher notwendig. Diskutiert werden beispielsweise die Schaffung neuer Mitgliedskategorien, eine Einschr&#228;nkung des Vetorechts und die Verbesserung der internen Arbeitsabl&#228;ufe. Die Gruppe &#8222;Uniting for Consensus,&#8221; zu der unter anderem Italien, Pakistan und Mexiko geh&#246;ren, schl&#228;gt vor, die Zahl der nichtst&#228;ndigen Mitglieder zu erh&#246;hen, um Regionen wie Afrika, Asien und Lateinamerika st&#228;rker einzubeziehen. Au&#223;erdem gibt es Bestrebungen, das Vetorecht in bestimmten F&#228;llen auszusetzen. Gefordert wird auch gr&#246;&#223;ere Transparenz durch Einbeziehung nichtst&#228;ndiger Mitglieder in die Vorbereitung von Resolutionen und verst&#228;rkte &#246;ffentliche Debatten sowie eine St&#228;rkung der Rolle der Vollversammlung bei Sicherheitsfragen. Diese Reformen erfordern keine &#196;nderung der UN-Charta. Allerdings sollte man m. E. die Zahl der st&#228;ndigen Sicherheitsratsmitglieder nicht erh&#246;hen. Zu einer umfassenden Reform des Sicherheitsrats, bevor man ihm eine entscheidende Rolle in einer globalen Friedensarchitektur zuweist, sollte auch geh&#246;ren, ihm ein eigenes Grundgesetz zu geben, in dem seine exekutiven Aufgaben genau definiert sind. Au&#223;erdem sollte dem Sicherheitsrat eine parlamentarische Versammlung nichtstaatlicher Vertreter zur Seite stehen. Daf&#252;r sind auch bereits Vorschl&#228;ge gemacht worden.</p><p><em><strong>Das sind alles sehr weitreichende &#220;berlegungen. Eingangs hatten Sie auf &#8222;wir, die V&#246;lker verwiesen&#8220;. Unzweifelhaft ist die Charta von der Handschrift der Vier Siegerm&#228;chte gepr&#228;gt. W&#228;re es nicht gut, wenn in einem weltweiten Konvent &#252;ber diese Reformen beraten werden w&#252;rde?</strong></em></p><p>In den ersten Nachkriegsjahren hatte die Weltb&#252;rgerbewegung einen Konvent vorgeschlagen. Eine Versammlung von B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern der Welt ist eine moderne Idee geblieben.</p><p><em><strong>Was w&#252;nschen Sie sich von der Zukunft?</strong></em></p><p>Ich w&#252;nsche mir (und uns), dass Deutschland seine ablehnende Haltung aufgibt und die Bundesregierung die Initiative ergreift, um das Friedensgebot im Grundgesetz zu guter letzt doch noch umzusetzen und den &#220;bergang zu echter kollektiver Sicherheit und Abr&#252;stung per Gesetz einleitet. Ein gutes Vorbild ist die japanische Verfassung, die dem Krieg als Mittel der Politik bereits eine Absage erteilt hat. Die Bundesrepublik sollte diesem Beispiel folgen und die Abschaffung der Institution des Krieges in der Generalversammlung der Vereinten Nationen auf die Tagesordnung setzen. Wir m&#252;ssen der Auffassung, Frieden schaffen sei unrealistisch und die Abschaffung der Institution des Krieges unm&#246;glich, eine Absage erteilen.</p><p><em><strong>Ich danke Ihnen herzlich f&#252;r dieses Gespr&#228;ch.</strong></em></p><p></p><p></p><p>Nachtrag:  Haben Sie alle -trotz allem- Frohe Ostern!</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Von Istanbul bis heute: Wer von Sicherheit "gegen" Russland redet, meint Krieg]]></title><description><![CDATA[&#8222;Kurz gesagt, Europa muss heute seine Sicherheit gegen Russland, nicht mit Russland organisieren.&#8220;]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/von-istanbul-bis-heute-wer-von-sicherheit</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/von-istanbul-bis-heute-wer-von-sicherheit</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Sun, 29 Mar 2026 14:12:47 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/Zf5xEBwBhds" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><em>&#8222;Kurz gesagt, Europa muss heute seine Sicherheit gegen Russland, nicht mit Russland organisieren.&#8220;</em></p><p>Bundespr&#228;sident Steinmeier</p><p><a href="https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2026/03/260324-75-Jahre-AA.html">https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2026/03/260324-75-Jahre-AA.html</a></p><p>Dieser Satz fiel in seiner Rede, die unter der &#220;berschrift: &#8222;Milit&#228;rische St&#228;rke und au&#223;enpolitische Klugheit geh&#246;ren zusammen&#8220; stand. Mit beidem ist es aktuell nicht weit her. Die Rede implizierte, dass es egal ist, wie der Krieg in der Ukraine beendet wird. Russland bleibt der Feind, &#8222;drau&#223;en vor der T&#252;r&#8220; von &#8222;Europa&#8220;, aus dem es auch Steinmeier gedanklich rausgeschmissen hat. Steinmeier erz&#228;hlte eine Geschichte, die nach der &#8222;Zeitenwende&#8220; typisch wurde: Jahrzehntelang habe gerade das Ausw&#228;rtige Amt am Bem&#252;hen um das &#8220;gemeinsame Haus Europa&#8220; festgehalten, aber die russischen Panzer vor Kiew haben &#8222;<em>all die Bem&#252;hungen in Schutt und Asche gelegt und einen furchtbaren Krieg &#252;ber die Ukraine gebracht.</em>&#8220; Bemerkenswert war, dass er an anderer Stelle anderen vorwarf, dass deren historische Erinnerung offenbar nicht mal bis Irak, Libyen oder Afghanistan zur&#252;ckreiche.</p><p>Aber so ist das mit dem Ged&#228;chtnis. Der eine erinnert sich nicht an die Versprechen, die der Sowjetunion im Zuge der deutschen Einigung gemacht wurden, ein anderer nicht an die Nato-Osterweiterung oder an den v&#246;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Serbien. Wieder ein anderer hat den regime change in Kiew 2014 komplett vergessen, oder wer das Minsker Abkommen brach, oder wer es als &#8222;Zeitkauf&#8220; betrachtete. Wieder ein anderer kann sich nicht erinnern, selbst je etwas verantwortet zu haben, was sich im R&#252;ckblick als feiges Versagen oder gravierender Irrtum herausstellte. So lernt man zwar definitiv nichts aus der Geschichte, aber bleibt in sch&#246;nster Einigkeit mit sich selbst. Wer ohne geschichtliche &#8222;Altlasten&#8220; ist, hat kein Problem damit, Zeitenwenden und Epochenbr&#252;che auszurufen, sich neue Weltbilder zu zaubern und nun eisern zu verk&#252;nden: Der neue ewige Feind sitzt in Moskau. Man denke an die russischen Panzer vor Kiew.</p><p>Das war vor vier Jahren. Damals liefen bereits die Verhandlungen &#252;ber eine Beendigung dieses v&#246;lkerrechtswidrigen Krieges. Vor Kriegsausbruch hatte es ein russisches Verhandlungsangebot an die Nato und die USA gegeben. Dar&#252;ber wurde ein Mal auf Botschafterebene im Rahmen des Nato-Russland-Rates gesprochen. Und das wars. Der deutsche Bundeskanzler fuhr am 14. und 15. Februar 2022 nach Kiew und nach Moskau und versuchte dort, sich selbst davon zu &#252;berzeugen, dass die Ukraine nunmehr das Minsk-Abkommen erf&#252;llen werde, dass eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine eine absolut theoretische Angelegenheit sei. Er &#252;berzeugte, wie die Pressekonferenzen bewiesen, weder Kiew noch Moskau.</p><p>Der US-Pr&#228;sident und sein Stab wiederum waren zu diesem Zeitpunkt l&#228;ngst zur Ansicht gelangt, dass Russland keine Mitsprache in der Frage habe, ob die Ukraine Nato-Mitglied werden kann, und dies das letzte Wort sei. Es war die Frage der Nato-Mitgliedschaft der Ukraine, die &#252;ber Krieg und Frieden entschied.</p><p>Amanda Sloat, ehemalige Europadirektorin im Wei&#223;en Haus, sprach dar&#252;ber unvorsichtigerweise mit zwei russischen Prankern. (ab Minute 5:20)</p><p>https://rumble.com/v72u39m-prank-with-amanda-sloat.html?e9s=src_v1_cbl,src_v1_ucp_a</p><p>Nach der russischen Invasion gab man sich zwar gro&#223;e M&#252;he zu behaupten, der russische Angriff 2022 habe gar nichts mit der Nato zu tun. Auf keinen Fall. Das sei dem Hitler-Wiederg&#228;nger Putin geschuldet usw. Allerdings hatte 2023 der Nato-Generalsekret&#228;r Stoltenberg zu viel Respekt vor dem Europ&#228;ischen Parlament, um es zu bel&#252;gen.</p><div id="youtube2-Zf5xEBwBhds" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;Zf5xEBwBhds&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/Zf5xEBwBhds?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Es ging immer um die Nato und ihre milit&#228;rische Positionierung in der Ukraine. Darum ging es schon 2014. Zudem forderte die russische Duma im Februar 2022 die offene milit&#228;rische Unterst&#252;tzung des Donbas, der sich seit 2014, ausgel&#246;st durch die Anti-Terror-Operation der &#220;bergangsregierung in Kiew, im Krieg befand.</p><p>Aber zur&#252;ck zu den russischen Panzern vor Kiew.</p><p>Damals, am 24. Februar 2022 startete Russland die sogenannte &#8222;Vollinvasion&#8220; der Ukraine mit 150.000 bis 190.000 Soldaten. Die Zahlen variieren, weil man nicht genau wei&#223;, wieviele K&#228;mpfer aus dem Donbas beteiligt sind. Jedenfalls stellte sich die russische Seite auf die Seite des Donbas, der seit 2014 gegen die Kiewer Zentralgewalt k&#228;mpft.</p><p>Mit einer solchen Truppenst&#228;rke war allerdings weder eine &#8222;Vollinvasion&#8220; m&#246;glich, noch ein &#8222;Vernichtungskrieg&#8220;. Ganz eindeutig setzte damals die russische Seite auf den Schock der milit&#228;rischen Aggression (v&#246;lkerrechtswidrig) und darauf, so in Verhandlungen mit der Ukraine zu erzwingen, was diplomatisch verwehrt blieb: die Begrenzung der milit&#228;rischen St&#228;rke der Ukraine, ihre Neutralit&#228;t, den Schutz der Minderheiten im Land. Wom&#246;glich glaubte Russland auch an einen regime change.</p><p>Die russische Kriegsf&#252;hrung in der Ukraine unterschied sich in jeder Weise von der bekannten Kriegsf&#252;hrung der USA: Es gab keine permanenten Fl&#228;chenbombardements. Kiew wurde nicht in Schutt und Asche gelegt, die ukrainische F&#252;hrung nicht &#8222;enthauptet&#8220;. Das hatte damals der ukrainische Pr&#228;sident (und nicht nur der) bef&#252;rchtet. Moskau verneinte. Das brauchte einen Verhandlungspartner, der f&#252;r die Ukraine sprechen konnte. Tats&#228;chlich besetzten russische Truppen umgehend sicherheitsrelevante Einrichtungen (darunter zwei Kernkraftwerke). Um Kiew herum entstand eine riesige Panzerkolonne. Sie hatte am 28. Februar 2022 eine Gesamtl&#228;nge von 56 km. Sp&#228;ter soll sie eine L&#228;nge von 64 km erreicht haben.</p><p>Westliche Experten nahmen das zum Beweis strategischer Unf&#228;higkeit Russlands. Die h&#228;tten wie auf einem Pr&#228;sentierteller gestanden, festgefahren in einem &#8222;Verkehrsstau&#8220;.</p><p>https://www.bbc.com/news/world-europe-64664944</p><p>Diese Panzerkolonne, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, wurde nicht angegriffen. Es wurde damals gek&#228;mpft und gleichzeitig verhandelt.</p><p>Am 22. M&#228;rz 2022 berichtete die <em>BBC,</em> der stellvertretende russische Verteidigungsminister habe angek&#252;ndigt, die Intensit&#228;t der Kampfhandlungen um Kiew zu verringern. Die russischen Verhandlungsf&#252;hrer betonten, dass Deeskalation noch kein Waffenstillstand sei. Nur Taten z&#228;hlen, kein Worte, mahnten Biden und Johnson, laut <em>BBC.</em></p><p><a href="https://www.bbc.com/news/live/world-europe-60890199?page=2">https://www.bbc.com/news/live/world-europe-60890199?page=2</a></p><p>Am 30. M&#228;rz 2022 wiederholte <em>BBC</em> die russischen Ank&#252;ndigungen, die nunmehr in Zusammenhang mit den Verhandlungen in Istanbul gebracht wurden. Wiederholt wurden auch die skeptischen westlichen Reaktionen darauf. Gleichzeitig informierte die <em>BBC </em>&#252;ber den Verhandlungsstand vom 29. M&#228;rz 2022 in Istanbul: Die Ukraine hatte Moskau die Neutralit&#228;t, ihren Verzicht auf eine Nato-Mitgliedschaft angeboten und Sicherheitsgarantien verlangt. Die <em>BBC</em> zitierte Botschafter Tschaly, Mitglied der ukrainischen Verhandlungsdelegation in Istanbul. Dieser sagte, das ukrainische Angebot sei eine Chance, &#8222;<em>die territoriale Integrit&#228;t und Sicherheit der Ukraine durch diplomatische und politische Mittel wiederherzustellen.&#8220;</em></p><p><a href="https://www.bbc.com/news/world-europe-60916098">https://www.bbc.com/news/world-europe-60916098</a></p><p>Am 2. April berichtete die <em>New York Times</em> &#252;ber den R&#252;ckzug der russischen Truppen aus dem Gebiet um Kiew. Sie zeigte Fotos, darunter von ausgebrannten russischen Fahrzeugen und von Soldaten der Azow, die sich in der k&#252;rzlich befreiten Stadt Butscha (31.M&#228;rz 2022) aufhielten. Butscha wurde international bekannt als Ort eines mutma&#223;lichen Kriegsverbrechens, das der russischen Seite zugeordnet wird.</p><p>Im Zeitraum vom 29. M&#228;rz bis zum 2. April 2022 l&#246;st sich der&#8222;Verkehrsstau&#8220; geordnet auf. Die russische Panzerkolonne zog sich vollst&#228;ndig zur&#252;ck. Wie nicht anders zu erwarten, wurde dieser R&#252;ckzug dann als strategische Umgruppierung, sprich milit&#228;rische Schlappe Russlands gedeutet.</p><p>Dennoch, bis zum 15. April (oder sogar noch bis Ende April) 2022 dauerten die russisch-ukrainischen Verhandlungen an (trotz Butscha).</p><p>Die <em>New York Times</em> ver&#246;ffentlichte am 15. Juni 2024 Dokumente dieser Verhandlungen.</p><p>https://www.nytimes.com/interactive/2024/06/15/world/europe/ukraine-russia-ceasefire-deal.html</p><p>Dieser Artikel der <em>New York Times</em> zitiert ebenfalls Botschafter Tschaly. Sie seien in diesen Verhandlungen einer Friedensl&#246;sung so nahe gewesen. Er enth&#228;lt ein sehr bemerkenswertes Detail, das einen Einblick in die Natur des damaligen Kriegsgeschehens gibt. Es ging um Verluste. Der damalige ukrainische Verteidigungsminister soll in Istanbul erkl&#228;rt haben, die russische Seite habe bisher 3.000 Soldaten verloren. Der russische Verhandlungsf&#252;hrer habe erwidert: 80.</p><p>Es ist v&#246;llig unerheblich, wessen Aussage stimmt. Die Zahlen zeigen, dass es alles in allem damals noch ein Krieg von geringer Intensit&#228;t war.</p><p>Am 5. Mai 2022 berichtete die <em>Ukrainska Pravda </em>mit Bezug auf Quellen aus der Umgebung von Selenskyj, dass Boris Johnson der Ukraine geraten habe, den Krieg weiterzuf&#252;hren.</p><p><a href="https://www.pravda.com.ua/eng/news/2022/05/05/7344206/">https://www.pravda.com.ua/eng/news/2022/05/05/7344206/</a></p><p>Inzwischen ist von vielen verschiedenen Seiten best&#228;tigt worden, dass die von den USA gef&#252;hrte Nato kein verhandeltes Kriegsende wollte und zur &#220;berzeugung gekommen war, Russland durch die Kombination zwischen Wirtschaftssanktionen (Biden: &#8222;kriegs&#228;hnliche Wirkungen&#8220;) und milit&#228;rischer Unterst&#252;tzung (Boris Johnson: 1000 Prozent) strategisch zu schw&#228;chen und einen &#8222;Siegfrieden&#8220; zu erringen.</p><p>Sp&#228;ter behauptete der russische Pr&#228;sident (im Interview mit Tucker Carlson), der R&#252;ckzug der Panzerkolonne sei ihm von Deutschland und Frankreich angeraten worden. Der deutsche Regierungssprecher verneinte das auf Anfrage von Warweg (<em>NDS)</em>: Kompletter Unsinn. Er bestritt allerdings gleichzeitig auch, dass der deutsche Bundeskanzler in irgendeiner Form an den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine beteiligt war.</p><p>https://www.nachdenkseiten.de/?p=111101</p><p>Das wiederum stand im Widerspruch zu den Aussagen des deutschen Kanzlers im Interview mit Maybritt Illner vom 3. M&#228;rz 2022, insbesondere ab Minute 40.</p><div id="youtube2-XCcMBWieTOQ" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;XCcMBWieTOQ&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/XCcMBWieTOQ?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Der deutsche Bundeskanzler unterst&#252;tzte trotz Zeitenwende zu diesem Zeitpunkt eindeutig das Ziel, ein schnelles, verhandeltes Kriegsende herbeizuf&#252;hren. Warum auch nicht? Sein Argument: Je l&#228;nger ein Krieg dauert, um so mehr Opfer fordert er.</p><p>Im April 2022 war das dann leider alles vergessen.</p><p>Denn da war die von der Biden-Administration verordnete Kehrtwende angesagt: Kein verhandelter Frieden - ein milit&#228;rischer &#8222;Siegfrieden&#8220;, den auch der Kanzler umgehend verinnerlichte. Die Verhandlungen von Istanbul landeten in der Schublade &#8222;Russenpropaganda&#8220;. Wom&#246;glich waren die Verhandlungsdokumente, die Putin einer Delegation aus Afrika zeigte, nur fake news? (vgl. &#8222;Putins Gift&#8220;)</p><p>&#220;ber das damalige Scholz-Interview von Illner w&#228;re noch viel zu sagen. Ich will es dabei bewenden lassen, dass Scholz wenigstens der damaligen &#220;berzeugung treu blieb, dass ein direkter Krieg Nato-Russland auf jeden Fall vermieden werden m&#252;sse.</p><p>Der Wind schlug definitiv um, als Pr&#228;sident Biden am 26. M&#228;rz in Warschau siegesbewusst auftrat: Die westlichen Wirtschaftssanktionen w&#252;rden &#8222;kriegs&#228;hnliche Wirkungen&#8220; entfalten, in Russland. Biden lie&#223; sich damals auch dazu hinrei&#223;en, den regime change zu fordern. Das Wei&#223;e Haus dementierte umgehend.</p><p>Friedensverhandlungen standen nicht mehr oben auf der Agenda des Westens. Er schlug die Chance auf einen schnellen verhandelten Frieden in den Wind, &#252;berzeugte die Ukraine von einer Siegeschance im Krieg, die nie bestand, und lie&#223; sie k&#228;mpfen, stellvertretend.</p><p>Seitdem ist alles, was in diesem Krieg passierte, nicht mehr die alleinige Schuld Russlands. Der Westen tr&#228;gt so auch ein ger&#252;ttelt Ma&#223; Mitverantwortung am weiteren Kriegsverlauf, einschlie&#223;lich der de-facto-&#220;bernahme des Kommandos &#252;ber die ukrainische Kriegf&#252;hrung, mit immer weiteren Eskalationsstufen. Die Kommandozentrale: Clay-Kaserne, Wiesbaden, Deutschland.</p><p>&#220;ber dieses gut geh&#252;tete &#8222;Geheimnis&#8220; berichtete die <em>New York Times am 29. M&#228;rz 2025. </em>Die Nato-Partner seien &#8222;<em>Teil der T&#246;tungskette&#8220;, </em>wurde ein nichtgenannter Europ&#228;er zitiert. Die Herren der Clay-Kaserne treffe allerdings, so die Erz&#228;hlung der <em>New York Times, </em>keine Schuld an der missgl&#252;ckten ukrainischen Gegenoffensive 2023. Zum Zeitpunkt der Ver&#246;ffentlichung bezifferte die <em>New York Times</em> die Zahl der ukrainischen Verluste auf 435.000, die der russischen auf mehr als 700.000.</p><p><a href="https://www.nytimes.com/interactive/2025/03/29/world/europe/us-ukraine-military-war-wiesbaden.html">https://www.nytimes.com/interactive/2025/03/29/world/europe/us-ukraine-military-war-wiesbaden.html</a></p><p>Anmerkung: Im November 2022 ging Mark Milley, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs der USA, von etwa ann&#228;hernd gleich hohen Verlusten auf beiden Seiten aus (etwa 100.000.) F&#252;r ihn war das ein Anlass, ein verhandeltes Kriegsende in Erw&#228;gung zu ziehen. Der zweite Anlass f&#252;r Milleys Vorsto&#223; war die russische Frontbegradigung, die zum R&#252;ckzug der russischen Truppen um Charkiv und in der Region Cherson f&#252;hrte. Diese Chance, so Milley, solle die Ukraine nutzen.</p><p>https://www.nytimes.com/2022/11/10/us/politics/biden-ukraine-russia-diplomacy.html</p><p>Aber auch das wollte niemand h&#246;ren. Milley schwieg fortan. Das Wei&#223;e Haus hielt am Plan &#8222;Siegfrieden&#8220; fest. 2023 scheiterte die Gegenoffensive der Ukraine. Und so weiter und so fort. Der Krieg eskalierte immer weiter.</p><p>In der EU wird die Strategie &#8222;Siegfrieden&#8220; bis heute hochgehalten. Gleichzeitig wird unentwegt behauptete, dass Russland nicht zu Verhandlungen bereit sei. Das Problem liegt nicht in mangelnder russischer Verhandlungsbereitschaft. Es besteht in den russischen Verhandlungsbedingungen. Wer auf dem Schlachtfeld die Oberhand hat, hat die besseren Karten in den Verhandlungen. Oder erzwingt die Kapitulation. Das wusste schon Mark Milley. Die EU wei&#223; es immer noch nicht.</p><p>Der Trump-Administration ist alles recht, solange sie sich vom Krieg verbal distanzieren und den europ&#228;ischen Alliierten die Lasten aufb&#252;rden kann. Sie liefert weiter der Ukraine milit&#228;rische und geheimdienstliche Unterst&#252;tzung, vor allem bei der Auswahl, Erfassung und &#8222;Eliminierung&#8220; russischer Ziele. Gleichzeitig verkaufen die USA unter Trump der EU die Waffen, die diese dann der Ukraine schenkt. So sieht die &#8222;Lastenteilung&#8220; in der Nato aktuell aus. Damit die Steuerzahler in der EU mitmachen und brav die G&#252;rtel enger schnallen, wird im europ&#228;ischen Teil der Nato das Gespenst einer drohenden russischen Aggression an die Wand gemalt.</p><p>F&#252;r die USA ist aktuell der Iran der gef&#228;hrlichste Feind, aber eigentlich ist und bleibt es China.</p><p>Fragt sich nur, ob die Waffenproduktion mit dem Kriegsverbrauch an so vielen Fronten Schritt h&#228;lt. Auf westlicher Seite. Die Ukraine braucht immer neue Luftabwehrsysteme (was wurde aus den gelieferten?), aber die braucht Israel inzwischen auch, die Golf-Staaten ebenso. So sind die USA aktuell in zwei Abnutzungskriege verstrickt. Mit Raytheon wurde ein 7-Jahres-Abkommen geschlossen, um die Produktion von Waffen und Munition anzukurbeln. Nach dem aktuellen Produktionsniveau (90 St&#252;ck j&#228;hrlich) brauche es viereinhalb Jahre, um die in den ersten 72 Stunden des Krieges gegen den Iran verbrauchten Tomahawks auch nur zu ersetzen, war im <em>National Interest</em> zu lesen..</p><p><a href="https://nationalinterest.org/blog/buzz/is-us-defense-industrial-base-building-enough-tomahawk-missiles-hk-031526">https://nationalinterest.org/blog/buzz/is-us-defense-industrial-base-building-enough-tomahawk-missiles-hk-031526</a></p><p>Nach offiziellen ukrainischen Angaben, lag die Zahl der milit&#228;rischen Verluste Russlands am 26.03. 2026 bei gesch&#228;tzt 1.292.170 (tot bzw. verwundet).</p><p>https://index.minfin.com.ua/en/russian-invading/casualties/</p><p>Die Ukraine verf&#228;hrt bei ihren Angaben nach der Logik: Mehr russische Soldaten im Feld - mehr Tote. Und im &#252;brigen seien den Russen - anders als den Ukrainern und allen &#8222;zivilisierten&#8220; V&#246;lkern - Menschenleben nichts wert.</p><p>Diese Narrative werden im Westen nur gern in bestimmten Kreisen geglaubt.</p><p>Das russische Verteidigungsministerium gibt ebenfalls t&#228;glich Zahlen &#252;ber materielle und personelle Verluste der ukrainischen Seite heraus. Nach Kalkulationen von <em>Ria Novosti</em> soll demnach die Zahl der ukrainischen Verluste im Jahr 2025 bei 513.500 gelegen haben. </p><p>https://voennoedelo.com/de/posts/id10034-ria-novosti-ukraine-verluste-2025-laut-moskau-bei-513.500</p><p>Nach Angaben von Andrey Martyanow, einem russisch-st&#228;mmigen YouTube-Blogger aus den USA, der Briefings des russischen Verteidigungsministeriums verfolgt, lag sie am 25. M&#228;rz 2026 bei insgesamt &#252;ber 1,5 Millionen Soldaten.</p><p>Folgt man der <em>BBC vom 15. Februar 2026,</em> dann h&#228;tten die vergangenen vier Kriegsjahre rund 55.000 ukrainischen Soldaten, etwa 15.400 Zivilisten und 160.000 russischen Soldaten das Leben gekostet.</p><p><a href="https://www.bbc.com/news/articles/cvgn2dzwd1do">https://www.bbc.com/news/articles/cvgn2dzwd1do</a></p><p>Keine einzige Angabe zu den Opferzahlen ist zuverl&#228;ssig oder gar unabh&#228;ngig &#252;berpr&#252;fbar. Man muss sie allesamt der Kriegspropaganda zurechnen. Offensichtlich ist lediglich, dass die Opferzahlen mit jedem Kriegstag weiter steigen, und dass in erster Linie Soldaten sterben. Das ist der menschliche Preis, wenn Friedenschancen ausgeschlagen werden.</p><p>UNHCR erfasst die Zahl der zivilen Toten und Verwundeten in diesem Krieg. Stand 16. M&#228;rz 2026, forderte er insgesamt 57.508 Opfer, davon 15.364 Tote und 42.144 Verwundete.</p><p>https://ukraine.ohchr.org/sites/default/files/2026-03/Ukraine_protection_of_civilians_in_armed_conflict_February_2025.pdf</p><p>R&#228;umlich betrachtet, ist die unmittelbare N&#228;he zur Front die gr&#246;&#223;te Gefahr f&#252;r Zivilisten. Dort konzentrierten sich fast zwei Drittel (63 Prozent) der Opferzahlen (Stand Januar 2026). Die allermeisten Opfer sind ukrainische Staatsb&#252;rger.</p><p>https://ukraine.ohchr.org/en/2025-deadliest-year-for-civilians-in-Ukraine-since-2022-UN-human-rights-monitors-find</p><p>Jedes Kriegsopfer ist eines zu viel, und doch, der Bundespr&#228;sident beschw&#246;rt f&#252;r unser Land eine Zukunft, die Frieden mit Russland ausschlie&#223;t. Er hat ein merkw&#252;rdiges Sicherheitsverst&#228;ndnis. Was hie&#223;e es denn, &#8222;Sicherheit&#8220; gegen Russland zu organisieren? Wen wundert es dann, wenn in Moskau die &#220;berzeugung w&#228;chst, es nur mit Gegnern zu tun zu haben, zumal sich auch Deutschland andauernd weigert, zur Kenntnis zu nehmen, dass Russland Angeriffspl&#228;mne gegen die Nato schon gebetsm&#252;hlenartig dementiert.</p><p>Gegnerschaft hat immer zwei Seiten. So entsteht ein Teufelskreis von andauerndem Misstrauen, andauerndem gegenseitigen Belauern, andauernder Hochr&#252;stung. Fehlt die Diplomatie, der Wille zur Verst&#228;ndigung, reicht in einer solchen Lage ein einziger Funken, um das Pulverfass eines gro&#223;en Krieges zu entz&#252;nden.</p><p>Und dann?</p><p>Wieviele sollen dann sterben m&#252;ssen, blo&#223; weil es inzwischen als au&#223;enpolitisch &#8222;klug&#8220; gilt, nicht mit Russland reden zu wollen, in Russland den ewigen Feind zu sehen?</p><p>Um es mit Spock, dem Vulkanier vom &#8222;Raumschiff Enterprise&#8220;, zu sagen: Die Chance, dass wir (Russland eingeschlossen) einen solchen Krieg nicht &#252;berleben, steht 7824,7 zu 1.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Frieden - über ein Gespräch mit Avraham Burg]]></title><description><![CDATA[The surest way to work up a crusade in favour of some good cause is to promise people that they will have the chance of maltreating someone.]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/frieden-uber-ein-gesprach-mit-avraham</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/frieden-uber-ein-gesprach-mit-avraham</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Wed, 25 Mar 2026 12:35:52 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/cJeaSvlv06c" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><em>The surest way to work up a crusade in favour of some good cause is to promise people that they will have the chance of maltreating someone. (A. Huxley)</em></p><p>(Der sicherste Weg, Menschen zu einem Kreuzzug f&#252;r eine gute Sache aufzustacheln, besteht darin, ihnen zu versprechen, dass sie die Gelegenheit haben werden, jemanden schlecht zu behandeln.)</p><p>Gemeint ist damit die &#8222;Grausamkeit moralischer Emp&#246;rung.&#8220; Sie richtet sich immer gegen andere, nie gegen sich selbst.</p><p><a href="https://www.zygonjournal.org/article/id/12718/">https://www.zygonjournal.org/article/id/12718/</a></p><p>Es ist &#228;u&#223;erst schwierig, zwischen gerechter und selbstgerechter Emp&#246;rung zu unterscheiden, bzw. zu erkennen, ob das eine ins andere &#252;berschl&#228;gt. Letztere dient vor allem der eigenen Beruhigung und Selbst&#252;berhebung. Man f&#252;hlt sich besser in seiner Haut, dem &#8222;anderen&#8220; &#252;berlegen. Das macht angreifbar f&#252;r gezielte Manipulation. Wer ist nicht &#8222;gern&#8220; auf der &#8222;richtigen&#8220; Seite? Der Schritt zum Unrecht ist dann nie weit.</p><p>Dagegen hilft nur Nachdenken und die k&#252;hle Beurteilung von Sachverhalten auf der Basis von Fakten und im Gesamtzusammenhang. Offenbar ist auch die Frage, ob Recht als ein universelles Leitprinzip angesehen wird oder nicht, ein wichtiges Kriterium, wie mit Emp&#246;rung umgegangen wird: Mit Schnappatmung oder mit klugen Schlussfolgerungen.</p><p>Wer sich jedoch blindlings von der eigenen oder gar orchestrierter Entr&#252;stung anstecken l&#228;sst, kann zum Bannertr&#228;ger eines imagin&#228;ren &#8222;Guten&#8220; werden, dem schlie&#223;lich keine Schandtat zu gro&#223; ist.</p><p><a href="https://www.vision.org/de/macht-und-gefahren-moralischer-empoerung-9446">https://www.vision.org/de/macht-und-gefahren-moralischer-empoerung-9446</a></p><p>Dann erinnerte ich mich an den Cellisten Mahdi Saheli, der in den Ruinen von Beirut Chatschaturian spielte. Trotz allem.</p><div id="youtube2-cJeaSvlv06c" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;cJeaSvlv06c&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/cJeaSvlv06c?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p></p><p>Das und anderes ging mir durch den Kopf, nachdem ich Tucker Carlsons Gespr&#228;ch mit dem ehemaligen Sprecher des israelischen Parlaments und &#220;bergangspr&#228;sidenten Israels, Avraham Burg, zugeh&#246;rt hatte.</p><div id="youtube2-myVfnpKtauU" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;myVfnpKtauU&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/myVfnpKtauU?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Carlson ist kein Unterst&#252;tzer des aktuellen Kriegs gegen den Iran. Nach eigenen Worten warnte er mehrfach Trump vor diesem Krieg. Auch Burg ist, was man hierzulande eine &#8222;umstrittene&#8220; Stimme nennt. (Anmerkung: Als &#8222;meinungsstark&#8220; gilt gemeinhin, wenn jemand aus dem &#8222;Mainstream&#8220; argumentativ ein paar Meter vor der Spitze des Zugs marschiert.)</p><p>Burg`s Thema ist der Frieden. Das demonstrierte er schon in der Wahl seines T-Shirts im Gespr&#228;ch. Frieden stinke, habe er deswegen schon zu h&#246;ren bekommen. Er ist ein hervorragender Beobachter israelischer Sichtweisen und Befindlichkeiten, die hierzulande kaum diskutiert werden. Folgt man seiner Sichtweise, so entstanden tiefe j&#252;dische Traumata des Verfolgtseins im Laufe vieler Jahrhunderte, die es leichter machen, die Welt in Schwarz-Wei&#223;, in Freund und Feind zu teilen und die Feinde (immer wieder ein neuer Hitler) endg&#252;ltig vernichten zu wollen. Ein Kompromiss erscheint danach als unm&#246;glich, als verlorene Schlacht.</p><p>Burg glaubt, dass Israel wie eine Insel sei, der europ&#228;ischen Herkunft entrissen, niemals im Nahen und Mittleren Osten wirklich angekommen, nicht integriert.</p><p>Burg verneint einen gro&#223;en strategischen Plan f&#252;r ein gr&#246;&#223;eres Israel vom Euphrat bis zum Nil. Er findet, es gebe gar keine Strategie. Ein Ziel werde fixiert und dann geschossen.</p><p>&#8222;<em>Ein guter Araber ist ein toter Araber</em>&#8220;. Laut <em>Haaretz </em>denken so die rechten Extremisten in Israel.</p><p>https://www.haaretz.com/west-bank/2026-03-23/ty-article/.premium/a-good-arab-is-a-dead-one-israeli-settlers-vandalize-palestinian-high-school/0000019d-1a63-dd21-a1df-ff77d92e0000?</p><p>Klar ist, Burg ist definitiv kein Kostg&#228;nger des aktuellen israelischen Premiers. Er ist auch nicht religi&#246;s extremistisch oder extrem rechts. Er vermisst die mahnende Stimme der Rabbiner in der aktuellen israelischen Gesellschaft. Ganz so scheint es nicht zu sein. Laut Kegham Balian, der in Jerusalem lebt und armenische Wurzeln hat (m.E. ein Christ), besuchte Rabbi Yehuda Gilad k&#252;rzlich eine pal&#228;stinensische Familie im Westjordanland, die (mutma&#223;lich) Opfer aggressiver Siedlergewalt geworden war. Er fand sehr deutliche Worte gegen dieses Unrecht.</p><div class="twitter-embed" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://x.com/kbalian90/status/2036427063112954347&#8222;&quot;,&quot;full_text&quot;:&quot;BREAKING: Rabbi Yehuda Gilad, head of Yeshivat Ma&#8217;ale Gilboa, visited Khirbet Humsa in the West Bank following a settler pogrom in which a 29-year-old Palestinian farmer was sexually assaulted, his family was beaten, and hundreds of his sheep were stolen.\n\nBelow is his full &quot;,&quot;username&quot;:&quot;kbalian90&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Kegham Balian&quot;,&quot;profile_image_url&quot;:&quot;https://pbs.substack.com/profile_images/1730028908538392576/z7RwuW40_normal.jpg&quot;,&quot;date&quot;:&quot;2026-03-24T12:57:01.000Z&quot;,&quot;photos&quot;:[{&quot;img_url&quot;:&quot;https://pbs.substack.com/media/HELXnL7aIA0d85y.jpg&quot;,&quot;link_url&quot;:&quot;https://t.co/WAl4j0dDPJ&quot;}],&quot;quoted_tweet&quot;:{},&quot;reply_count&quot;:257,&quot;retweet_count&quot;:2289,&quot;like_count&quot;:5389,&quot;impression_count&quot;:357629,&quot;expanded_url&quot;:null,&quot;video_url&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:true}" data-component-name="Twitter2ToDOM"></div><p>Neu und sehr beunruhigend sei die (mutma&#223;liche) sexuelle Gewalt, die sich gegen den Familienvater richtete.</p><p><em>CNN </em>berichtete.</p><p><a href="https://edition.cnn.com/2026/03/18/world/video/palestinian-alleges-sexual-assault-israeli-settler">https://edition.cnn.com/2026/03/18/world/video/palestinian-alleges-sexual-assault-israeli-settler</a></p><p>Burg verurteilt, was die Hamas seinem Land am 7. Oktober 2023 antat. Burg verurteilt, was sein Land in der Folge den Pal&#228;stinensern und deren Unterst&#252;tzern antut. Am ersten Tag des Krieges gegen den Iran bescheinigte er Trump und Netanjahu &#246;ffentlich, keinen Plan zu haben.</p><p>Burg hofft auf die Entstehung einer stabilen Friedensordnung im Nahen und Mittleren Osten. Er setzt weiter auf eine Zwei-Staaten-L&#246;sung.</p><p>Auch er wei&#223; nicht, wer zum Friedensbringer in dieser Region werden k&#246;nnte: China? Die USA? Die EU?</p><p>Schlie&#223;lich seien Israel und die EU Nachbarn. Burg schloss nicht aus, dass Europa (die EU), sich wieder neu erfinden k&#246;nnte. Er jedenfalls wolle sie noch nicht v&#246;llig abschreiben. Dazu m&#252;sse sie jedoch ihre koloniale Vergangenheit und auch den Holocaust wirklich verarbeiten.</p><p>Carlson fragte nicht nach. Er ist US-Amerikaner. Welcher Europ&#228;er wird Burg fragen, was er genau damit meinte? Ein Artikel von Burg, &#8222;<em>Diesmal sind wir es</em>&#8220;, der vom <em>ND</em> im Oktober 2025 publiziert wurde, l&#228;sst ahnen, was Burg uns sagen will: Das Verbrechen des Holocaust bleibt ewig und unentschuldbar und unvergessen und doch, die Erben der Opfer sind zu T&#228;tern geworden.</p><p>https://www.nd-aktuell.de/artikel/1194602.israel-und-palaestina-avraham-burg-diesmal-sind-wir-es.html</p><p>&#196;hnlich dr&#252;ckte sich auch Rabbi Yehuda Gilad bei seinem Besuch im Westjordanland aus.</p><p>Ist das die ganze Wahrheit? Ich bezweifle das. Wenn man dem Unsagbaren, der totalen Entmenschlichung, entrinnt, wie entrinnt man dann? Was macht das mit nachfolgenden Generationen?</p><p>&#8222;Was ist ein Mensch&#8220;, fragte Primo Levi.</p><p>Jorge Semprun war sich bewusst, dass allein sein Anblick bei den britischen Befreiern des Konzentrationslagers Buchenwald zu schierem Entsetzen f&#252;hrte.</p><p><a href="https://www.lpb-bw.de/publikationen/27jan/buchen2.htm">https://www.lpb-bw.de/publikationen/27jan/buchen2.htm</a></p><p>Jean Am&#233;ry wiederum warnte bereits 1976 vor dem neuen Antisemitismus: dem Anti-Zionismus. In dem stecke das alte faschistische &#8222;Juda verrecke&#8220; drin.</p><div id="youtube2-1Gj9sWMxMEI" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;1Gj9sWMxMEI&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/1Gj9sWMxMEI?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Burg &#228;u&#223;erte gegen&#252;ber Carlson gr&#246;&#223;te Sorgen um die Zukunft seines Landes. Was, wenn die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem zerst&#246;rt w&#252;rde? Das macht ihm noch mehr Angst als ein etwaiger Nuklearschlag gegen den Iran. Was, wenn sich der ganze Nahe und Mittlere Osten in der nuklearen Weiterverbreitung verliert?</p><p>Gegen Gespr&#228;chsende ging es um die Frage, wie sich Burg f&#252;hle, so weit weg vom aktuellen israelischen Mainstream. Er sprach von der Einsamkeit, eine &#220;berzeugung zu haben. Er sprach auch davon, dass er als Jude, so wie seine Vorfahren, den Talmud studiere. Dieser dokumentiere nicht nur die Mehrheitsmeinung, sondern gebe &#8222;obsessiv&#8220; der Minderheitenmeinung Raum, immer getragen von der Hoffnung, die Minderheit werde die Mehrheit zur Einsicht bringen, falsch gelegen zu haben. Er will eine Stimme der Hoffnung sein, trotz Todesdrohungen, Beschimpfungen. Ob er sich allein f&#252;hle, fragte Tucker Carlson. Burgs Antwort begann damit, dass er mit sich selbst mit Reinen sei. Nat&#252;rlich f&#252;hle er sich manchmal allein, verlassen. Aber er sei nicht allein, nicht im Kreis der Familie, seiner Freunde. Im &#220;brigen seien Mehrheit und Minderheit blo&#223;e Zahlenverh&#228;ltnisse.</p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Krieg gegen den Iran: Schiffe versenken macht mehr Spaß]]></title><description><![CDATA[&#8222;Das wird die Welt in Harmonie, Sicherheit und ewigem Frieden vereinen!&#8220; Mit diesen Worten schloss Donald Trump auf Truth Social seine Aufforderung an die Staaten der Welt, gemeinsam mit den USA die Durchfahrt durch die Stra&#223;e von Hormus zu sichern, als Team.]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/krieg-gegen-den-iran-schiffe-versenken</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/krieg-gegen-den-iran-schiffe-versenken</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Tue, 17 Mar 2026 18:32:19 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/CKw6ck8yPJw" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><em>&#8222;Das wird die Welt in Harmonie, Sicherheit und ewigem Frieden vereinen!&#8220; </em>Mit diesen Worten schloss Donald Trump auf <em>Truth Socia</em>l seine Aufforderung an die Staaten der Welt, gemeinsam mit den USA die Durchfahrt durch die Stra&#223;e von Hormus zu sichern, als Team.  &#8222;D<em>ie Vereinigten Staaten von Amerika&#8220;, </em>so Trump<em>, &#8222;haben den Iran besiegt und milit&#228;risch, wirtschaftlich und in jeder anderen Hinsicht v&#246;llig zerschlagen, aber die L&#228;nder der Welt, die ihr &#214;l &#252;ber die Stra&#223;e von Hormus beziehen, m&#252;ssen f&#252;r die Sicherheit dieser Passage sorgen, und wir werden dabei helfen &#8211; und zwar in gro&#223;em Umfang.&#8220;</em></p><p><a href="https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116229058692001771">https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116229058692001771</a><em> </em>(14.3. 26)</p><p>Sp&#228;ter wandte sich Trump mittels der <em>Financial Times </em>an die Nato-Partner mit der Bitte um Unterst&#252;tzung. Es handele sich im &#252;brigen nur um die Beseitigung einer &#8222;Bel&#228;stigung&#8220;. Helfen sie nicht, drohte er allen schwere Konsequenzen an.</p><p>https://www.ft.com/content/1ca6d121-760b-4ec5-b6ad-514fdaa94873</p><p>Zuvor, in einem Beitrag vom 13.3. 26, erkl&#228;rte Trump, dass die USA das terroristische Regime des Iran &#8222;<em>total zerst&#246;ren</em>&#8220;. ..&#8220; <em>Seht, was mit diesen geisteskranken Abschaumtypen passiert&#8220;,</em> schrieb er. &#8222;<em>Sie haben 47 Jahre grundlos unschuldige Menschen &#252;berall auf der Welt get&#246;tet.&#8220;</em> Als 47. Pr&#228;sident, so Trump weiter, sei es ihm eine gro&#223;e Ehre, sie alle zu t&#246;ten.</p><p>Gleichzeitig wird Trump nicht m&#252;de zu wiederholen, dass die Welt im letzten Jahr die &#252;berragende Macht der Vereinigte Staaten erlebt habe. <strong>&#8222;</strong><em><strong>Wir sind das milit&#228;risch st&#228;rkste Land der Welt.&#8220;</strong></em></p><p><a href="https://www.theguardian.com/us-news/2026/mar/15/trump-iran-war-truth-social-pictures">https://www.theguardian.com/us-news/2026/mar/15/trump-iran-war-truth-social-pictures</a></p><p>Zur Belustigung seiner Zuh&#246;rer lobte er die Zerst&#246;rung gro&#223;er iranischer Schiffe. Warum kaputt machen, wenn man sie doch behalten k&#246;nne, habe er seine Gener&#228;le gefragt: Die h&#228;tten geantwortet, es mache mehr Spa&#223;, sie zu versenken.</p><div id="youtube2-CKw6ck8yPJw" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;CKw6ck8yPJw&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/CKw6ck8yPJw?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Geht es hier um die Sicherheit der USA? Der Welt? Die geplante Reise nach China soll nun wahrscheinlich nicht stattfinden. Trump m&#252;sse den Krieg managen, hie&#223; es. Oder: China will ihn nicht empfangen.</p><p>Schon in Davos gab sich Trump ganz selbstbewusst und siegessicher. In Venezuela, so Trump damals, sei eine neue Waffe eingesetzt worden, die die Raketenabwehr ausgeschaltet habe. Kein einziger Schuss sei gefallen. Wahrscheinlich sitzen China und Russland nun wieder an den Rei&#223;brettern, sp&#246;ttelte er. Was die USA unter ihm, Trump, machen, sei immer perfekt ausgef&#252;hrt. Etwa die israelische Raketenabwehr (Eiserne Kuppel). Alles US-Technologie, alles unser Zeug. In unglaublicher Art und Weise h&#228;tten die USA die iranische Atombedrohung ausgeschaltet usw. (Anm.: Trump bezog sich auf den Zw&#246;lf-Tage-Krieg 2025, in Kanzler-Deutsch die &#8222;Drecksarbeit&#8220;.)</p><p><a href="https://www.astrid-online.it/static/upload/trum/0001/trump-davos-2026.pdf">https://www.astrid-online.it/static/upload/trum/0001/trump-davos-2026.pdf</a></p><p>Solche Attit&#252;den entstehen nicht aus dem Nichts. So redet nur einer, der sich an der Spitze der Tafel w&#228;hnt, zum Ma&#223;stab aller Dinge macht und das eigene Land als &#8222;unverzichtbar&#8220; begreift. Man bekommt auch ein Gef&#252;hl daf&#252;r, wie &#8222;richtige&#8220; Kriegsf&#252;hrung verstanden wird: schnell, hart, erbarmungslos, t&#246;dlich. Kein Wunder, dass der russische Krieg gegen die Ukraine nicht verstanden wird.</p><p>Vom Trump, der seinen W&#228;hlerinnen und W&#228;hlern ein Ende der ewigen Kriege und regime-change-Operationen versprach, ist nicht viel &#252;brig geblieben. Wenn US-Leaks stimmen, begann er den Krieg gegen den Iran gegen den Rat hoher Milit&#228;rs und auch von vier US-Geheimdiensten. <em>Grayzone</em> spekulierte, dass Trump erfolgreich eingeredet worden sei, dass die iranische F&#252;hrung hinter den Mordanschl&#228;gen auf ihn im Jahr 2024 steckte. Das ist gut m&#246;glich. Pr&#228;sident G.W. Bush jr. war auch lange f&#228;lschlicherweise davon &#252;berzeugt, dass Saddam Hussein angetreten war, ihn und seine Familie zu ermorden. So verbinden sich Interessen und Emotionen zu einem gef&#228;hrlichen Gemisch. Ein Heuchler ist Trump keineswegs immer. Putin versorge den Iran mit Zieldaten, fragte ihn die <em>Financial Times. </em>Trump blieb k&#252;hl.<em> </em>Schlie&#223;lich machen das die USA im Ukraine-Krieg auch. Darin unterscheidet er sich sichtlich von den ihn umgebenden Falken.</p><p>Niemand setzt Trump Grenzen - nicht der Kongress, nicht die allermeisten US-Medien, denen er ohnehin nicht traut. So wird Trump zur Abrissbirne eines Imperiums im Niedergang. Es fehlt auch das Korrektiv der angeblichen Partner und Freunde. Ganz wie gute Vasallen, deren Herr nie was falsch machen kann, schwiegen sie immer wieder und ma&#223;en mit zweierlei Ma&#223;. Hinsichtlich erkl&#228;rter Gegner ist man sich sofort einig: Die sind das B&#246;se, die Verbrecher an V&#246;lker- und Menschenrechten. Geht es um die eigene Sippe, allen voran die USA und Israel, dann tut man so, als w&#228;re das V&#246;lkerrecht eine blo&#223;e Idee, etwas Fiktionales und so kompliziert, dass man mit dem Nachdenken und Pr&#252;fen und Bewerten garnicht hinterherkommt. Dann wird bequemerweise vollst&#228;ndig vergessen gemacht, dass man sich selbst diesem Recht unterwarf, durch die nationale Ratifikation. Die UN-Charta wurde ratifiziert, die Genfer Konventionen und ihre Zusatzprotokolle auch. Dort ist alles ganz klar und allgemeinverst&#228;ndlich formuliert: Gewaltanwendung ist verboten. Konflikte sollen friedlich geschlichtet werden usw. Die Zivilbev&#246;lkerung soll im Krieg m&#246;glichst nicht leiden und schon gar nicht absichtlich angegriffen werden. Milit&#228;risches Personal soll sich keiner zivilen Schutzschilder bedienen. Milit&#228;rische Angriffe auf Journalisten sind genauso verboten wie etwa auf medizinisches Personal oder Schulen. Armeen sollen dieses Recht kennen und im Fall eines Kriegs auch danach handeln. Staatsoberh&#228;upter entf&#252;hrt man nicht. Man ermordet nicht wahllos F&#252;hrungseliten, als sei man Herr &#252;ber Leben und Tod.</p><p>Die &#252;bergro&#223;e Mehrheit der Weltbev&#246;lkerung hat l&#228;ngst verstanden, dass der Westen mit doppelten Ma&#223;st&#228;ben hantiert, den Splitter im Auge des anderen sieht, aber nicht den Balken im eigenen. Das ist nicht erst seit dem aktuellen Krieg gegen den Iran ein Problem: Die Liste der S&#252;nden ist verdammt lang. Nie wurde um Vergebung gebeten oder gar Verantwortung &#252;bernommen. Nie etwas daraus gelernt. Kein Wunder, dass sich nun auch der deutsche Au&#223;enminister dreht und wendet. Einerseits tut er so, als ob er die Kriegsziele von Israel und den USA kenne und sie billige. Andererseits fragte er, wann beide L&#228;nder glauben, sie erreicht zu haben. Interessant, denn glaubt man Trumps Nachricht vom 14. M&#228;rz, ist alles bereits auf Beste erledigt, der Iran besiegt, v&#246;llig zerschlagen. Laut Wadephul sollte dann, in einer zweiten Phase, eine neue Sicherheitsarchitektur in der Region besprochen werden. Mit allen Anrainerstaaten, auch mit dem Iran. Welchem Iran? Diese gut 2500 Jahre alte Zivilisation ist doch angeblich l&#228;ngst zerschlagen, folgt man Trump, oder soll zerschlagen werden, folgt man Netanjahu. Und was braucht es f&#252;r eine neue Sicherheitsordnung in der Region, wenn Trump bereits immerw&#228;hrenden Frieden, Sicherheit und Harmonie versprach? Dazu m&#252;sse doch &#8222;nur&#8220; noch die kleine &#8222;Bel&#228;stigung&#8220; der de-facto-Sperrung der Stra&#223;e von Hormuz beseitigt werden. Durch die Nato. Nein entgegnete der deutsche Bundeskanzler. Die Nato sei ein Verteidigungs- und kein Interventionsb&#252;ndnis.</p><p>Nicht nur Deutschland ist verstimmt. Niemand wurde gefragt. Statt dessen will das Wei&#223;e Haus verordnen, und das geht dann doch zu weit. Man kann sich dennoch des Eindrucks nicht erwehren, dass in der EU noch immer die Hoffnung vorherrscht, dass die USA und Israel den &#8222;Job&#8220; schnell erledigen, damit wieder das Thema Ukraine in den Mittelpunkt r&#252;ckt, am 21. Sanktionspaket gegen Russland gearbeitet und vom Sieg &#252;ber Russland getr&#228;umt werden kann. In der Realit&#228;t wird es immer knapper f&#252;r die Ukraine.</p><p>F&#252;r die USA l&#228;uft im Iran-Krieg allerdings auch nichts nach &#8222;Plan&#8220;. Bis gestern war ein regime change im Iran eingepreist. Aber so hatten sie sich diesen Krieg nicht vorgestellt, offenbar nicht einkalkuliert, dass die Iraner angesichts der schweren Angriffe nicht umgehend bedingungslos kapitulieren, Washington nicht um die Neuauswahl ihrer Anf&#252;hrer bitten, den schweren Angriffen trotzen und sich in einer Art und Weise wehren, die richtig wehtut: Die US-Milit&#228;rbasen in der Golf-Region haben riesige Sch&#228;den erlitten, die gro&#223;en teuren Radaranlagen sind zerst&#246;rt, die USA faktisch &#8222;blind&#8220;. Innerhalb nur weniger Kriegstage wurde die Golf-Region zum Schatten ihrer Selbst.</p><p>Israel wurde ebenfalls schwer attackiert. Dass der Iran de facto die Stra&#223;e von Hormuz schlie&#223;en w&#252;rde und nur noch den Schiffen freundlich gesinnter L&#228;nder Durchfahrt gew&#228;hrt, hatte offenbar auch kaum einer erwogen. Das galt als &#8222;letztes Mittel&#8220;. Nun berichtet <em>Axios</em>, dass im engeren Zirkel von Trump schon bef&#252;rchtet werde, der Angriff gegen den Iran k&#246;nnte ein Fehler gewesen sein. Die USA seien in einer &#8222;Eskalationsfalle&#8220; gefangen.</p><p><a href="https://www.axios.com/2026/03/16/trump-iran-war-escalation">https://www.axios.com/2026/03/16/trump-iran-war-escalation</a></p><p>Mit der Stra&#223;e von Hormuz h&#228;lt der Iran ein Pfund in der Hand, und das Land ist entschlossen, das nicht aus der Hand zu geben. Der Iran hat inzwischen klare Forderungen aufgestellt. Es geht ihm nicht mehr um einen Waffenstillstand, der allenfalls genau bis zum n&#228;chsten Angriff dauert. Er will Sicherheit, den Abzug der USA aus der Region, Reparationen und die Aufhebung aller Sanktionen. F&#252;r die USA ist das harter Tobak. F&#252;r Israel ebenso.</p><p>Die de-facto-Schlie&#223;ung der Stra&#223;e von Hormuz richtet gro&#223;en wirtschaftlichen und sozialen Schaden an und zwar l&#228;ngerfristig. Die Internationale Energieagentur sprach bereits vom &#8222;<em>schwersten Lieferabbruch in der Geschichte der &#214;lm&#228;rkte&#8220;.</em></p><p>https://www.iea.org/topics/the-middle-east-and-global-energy-markets</p><p>Die Energieversorgung in Asien f&#252;r L&#228;nder wie Japan, S&#252;dkorea, Thailand, die Philippinen oder auch China (Taiwan) ist akut bedroht, wie auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln, in der Golfregion und weit dar&#252;ber hinaus. Rund ein Drittel der global gehandelten D&#252;ngemittel wurde durch dieses Nadel&#246;hr verschifft.</p><p>Wenn D&#252;ngemittel nicht rechtzeitig bei den Landwirten ankommen, werden schwere Ernteausf&#228;lle die Folge sein, Nahrungsmittelknappheit und steigende Preise. Hinzu kommt die Handelsblockade anderer wichtiger Produkte wie Phosphor oder Aluminium.</p><p>Je l&#228;nger alles dauert, um so m&#228;chtiger werden die Kriegsfolgen auf der Welt lasten. Genauer gesagt werden -wie immer- die kleinen Leute das gr&#246;&#223;te P&#228;ckchen zu tragen haben: Wenn die Inflation ihre knappen Ersparnisse verschlingt, wenn die Preise f&#252;r fast alles in die H&#246;he schnellen und G&#252;ter, einschlie&#223;lich Arzneimittel immer knapper werden. Ob f&#252;r den Hausgebrauch, wie etwa Aspirin, oder f&#252;r Infusionsbeutel im kommunalen Krankenhaus: &#214;l wird gebraucht, um auch das zu produzieren.</p><p>Die US-Navy soll bereits abgelehnt haben, Schiffe durch die Stra&#223;e von Hormuz zu eskortieren. Die einschl&#228;gigen Versicherungsgesellschaften d&#252;rften sich weigern, diese Route noch zu versichern. Nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben alternative, wenn auch beschr&#228;nkte Transportrouten f&#252;r ihre Produkte.</p><p>Selbst eine schnelle Einstellung der Kampfhandlungen w&#252;rde nicht automatisch die &#214;ffnung der Stra&#223;e von Hormuz nach sich ziehen.</p><p>Kommt es nicht z&#252;gig zu ernsthaften Verhandlungen, dann sind der milit&#228;rischen Eskalation T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet. Dann wird der Krieg lang und noch barbarischer. Die USA und Israel haben unzweifelhaft das Potential, den Iran furchtbar zu verheeren. Aber 90 Millionen Menschen besiegt man nicht aus der Luft. F&#252;r eine massive Landinvasion fehlen die Soldaten, das Material und die Logistik.</p><p>Noch wurden die &#214;lf&#246;rderanlagen des Iran nicht angegriffen. Man muss kein Experte sein, um zu wissen, dass der Iran einen solchen Schritt vergelten w&#252;rde. Mit gleicher M&#252;nze. Die daf&#252;r erforderlichen Waffen besitzt das Land. Es ist viel st&#228;rker als die Kriegsplaner dachten. Und was k&#228;me nach der Zerst&#246;rung der Energieerzeugung in der ganzen Golf-Region? Und in Israel? Ein Nuklearwaffeneinsatz durch die USA und/ oder Israel? Und dann? Zerst&#246;rt dann der Iran ein israelisches Kernkraftwerk? Keiner wei&#223; sicher, ob dem Iran, der bereit war, zu verhandeln und mit Krieg &#252;berzogen wurde, der Nichtweiterverbreitungsvertrag von Nuklearwaffen heilig bleibt.</p><p>Man kann nur hoffen, dass der Angriff auf den Iran nicht die B&#252;chse der Pandora &#246;ffnete, dass es im Hintergrund Vermittlungsbem&#252;hungen von BRICS-Staaten gibt. Trump schreibt sich dagegen unentwegt die Geschichte um: Diese b&#246;sen Iraner kann man nur mit Krieg daran hindern, eine Atombombe zu bauen, die sie dann auch in Null-Komma-Nichts z&#252;nden w&#252;rden. Aber er verriet bei seiner Antwort gleichzeitig, dass die USA nicht damit gerechnet hatten, dass der Iran die Aggression mit einem Angriff auf die St&#252;tzpunkte der USA in der Golfregion beantworten w&#252;rde. Oder vielleicht hatte ihn nur keiner gewarnt.</p><div class="instagram-embed-wrap" data-attrs="{&quot;instagram_id&quot;:&quot;DV-U_AxD1II&quot;,&quot;title&quot;:&quot;Mint on Instagram: \&quot;#WATCH | US President #DonaldTrump says, &#8220;I&#8230;&quot;,&quot;author_name&quot;:&quot;@live_mint&quot;,&quot;thumbnail_url&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/__ss-rehost__IG-meta-DV-U_AxD1II.jpg&quot;,&quot;like_count&quot;:null,&quot;comment_count&quot;:null,&quot;profile_pic_url&quot;:null,&quot;follower_count&quot;:null,&quot;timestamp&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:true}" data-component-name="InstagramToDOM"></div><p>Trump verga&#223; offenbar, dass er einst den Krieg gegen den Irak ablehnte. Damals herrschte in den USA die &#8222;1-Prozent-Doktrin&#8220;, die Dick Cheney zugeschrieben wird: Wenn es auch nur eine Chance von einem Prozent gibt, dass es zum Unvorstellbaren kommt, m&#252;ssen sich die USA so verhalten, als sei es eine Gewissheit. &#8222;<em>Es geht nicht um unsere Analyse. Es geht um unsere Antwort. Berechtigt oder nicht, faktenbasiert oder nicht, allein unsere Reaktion darauf ist entscheidend. Was die &#8218;Beweise&#8216; angeht, war die Messlatte so niedrig angesetzt, dass der Begriff an sich fast nichts mehr bedeutete.&#8220; </em>So beschrieb der Journalist Ron Susskind diese Doktrin. Nicht nur Trump scheint ihr verfallen. In der EU hat sie ebenfalls Hochkonjunktur.</p><p>https://abcnews.com/Technology/story?id=2120605&amp;page=1</p><p>W&#228;hrend die ganze Welt auf den Iran schaut, leidet Kuba inzwischen ebenfalls unter einer Energieblockade, die nun schon drei Monate andauert. Verursacht von den USA. Sie straft zudem das kubanische Volk durch jahrzehntelange Sanktionspolitik. Hinzu kommt das wirtschaftliche Missmanagement auf der Insel. Nun ist Kuba l&#228;ngst in einer humanit&#228;ren Katastrophe. Ein kanadischer Arzt berichtete &#252;ber die Lage in einem Kinderkrankenhaus in Havanna. Babys sterben, weil sie nicht mehr elektrisch beatmet werden k&#246;nnen. Die US-Blockade gegen Kuba bringe Babys um, erkl&#228;rte er.</p><div id="youtube2-TeJxQ_zM5yA" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;TeJxQ_zM5yA&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/TeJxQ_zM5yA?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Aber seine Stimme wird wom&#246;glich genauso wenig geh&#246;rt, wie die Stimmen der &#196;rzte, die von den Zust&#228;nden in Gaza berichteten, von den vielen toten und verwundeten Kinder, die ihnen im Einsatz begegneten. Man k&#246;nnte die Liste fortsetzen.</p><p>Wir bringen Tr&#228;nen, Kerzen oder Teddyb&#228;ren, wenn Kinder bei uns Opfer von Gewalttaten sind. Wenn sich aber Opfer summieren, die nicht die &#8222;unseren&#8220; sind, scheinen Mitleid und Emp&#246;rung zu verstummen. Ansonsten ist kaum erkl&#228;rbar, warum wir es immer noch hinnehmen, dass durch westliche Sanktionen zwischen 2012 und 2021 weltweit gesch&#228;tzt 564.258 Menschen j&#228;hrlich starben. Das sind kriegs&#228;hnliche Dimensionen. 51 Prozent der Opfer waren dabei zwischen null und f&#252;nf Jahren alt.</p><p><a href="https://www.thelancet.com/journals/langlo/article/PIIS2214-109X(25)00189-5/fulltext">https://www.thelancet.com/journals/langlo/article/PIIS2214-109X(25)00189-5/fulltext</a></p><p>Es gibt keinen einzigen nichtwestlichen Staat oder Staatenbund, der soviel Blutschuld auf sich geladen haben. Das gilt selbst dann, wenn man alle terroristischen Verbrechen weltweit dagegenstellt. Doch, wie das Institute f&#252;r Economics and Peace einsch&#228;tzte, Terrorismus ist v&#246;llig unberechenbar und erzeugt daher auch ganz andere psychologische und soziale Folgen als etwa ein Krieg, der durchschnittlich neunmal h&#246;here Opferzahlen fordert.</p><p>https://www.economicsandpeace.org/wp-content/uploads/2024/02/GTI-2024-web-290224.pdf</p><p>Der j&#252;ngste Bericht des US-State Department zur terroristischen Bedrohung 2023 sch&#228;tzte ein, dass etwa 9% der terroristischen Anschl&#228;ge durch Verb&#252;ndete des Iran (Hamas, Hisbollah, Houthis) begangen wurden. Der Hauptverursacher von weltweitem Terror ist der IS. In diese US-Statistik floss der Anschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023 ein, der zu den verlustreichsten Terroranschl&#228;gen der Welt geh&#246;rt.</p><p>https://www.state.gov/wp-content/uploads/2024/12/2023_Statistical_Annex_Edited__508_Compliant-FINAL.pdf</p><p>Und doch, das Land, das 2023 unter der h&#246;chsten terroristischen Bedrohung litt, war Burkina Faso.</p><p>Zogen die USA und Israel f&#252;r Burkina Faso in den Krieg gegen den Iran? Die Frage zu stellen, hei&#223;t, sie zu beantworten.</p><p>Der politische Westen braucht dringend einen Perspektivenwechsel. Das Ungl&#252;ck, das er bisher &#252;ber die Welt brachte, ist schon unverzeihlich gro&#223;. Er wird sich dem stellen m&#252;ssen. Er wird lernen m&#252;ssen, dass es politische Konfliktl&#246;sung braucht und sein traditionelles Arsenal von Konfliktanheizung, Bestrafung und Waffengang auf die M&#252;llhalde der Geschichte geh&#246;rt. Er wird lernen m&#252;ssen, dass die Zeit der politischen Bevormundung des &#8222;Rests&#8220; der Welt abgelaufen ist. R&#252;cksichtslose Macht- und Unterwerfungspolitik endet in Unberechenbarkeit, Destabilisierung und Zerst&#246;rung. Auf solch vergiftetem Boden kann kein Frieden wachsen, wird Sicherheit immer nur ein Schlagwort bleiben, nirgends eingel&#246;st.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Altes Testament und neues Unrecht]]></title><description><![CDATA[Zum Krieg gegen den Iran]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/altes-testament-und-neues-unrecht</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/altes-testament-und-neues-unrecht</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Fri, 06 Mar 2026 14:41:53 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/gPwqDGnTMuc" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Im Nahen und Mittleren Osten werden wir erneut zu Zeugen gebrochener politischer Zusagen, einer Absage an Diplomatie und Verst&#228;ndigung.</p><p>Werfen wir zun&#228;chst einen Blick zur&#252;ck auf <strong>die Halbwertzeit politischer Versprechen</strong> gegen&#252;ber dem Iran.</p><p>1943 trafen sich die F&#252;hrer der drei Alliierten, Churchill, Roosevelt und Stalin, in Teheran. Damals war der neutrale Iran von Gro&#223;britannien und der Sowjetunion okkupiert, um die milit&#228;rische Hilfe f&#252;r die Sowjetunion zu erleichtern. In Teheran wurde &#252;ber die weitere Kriegsstrategie in Europa und auch &#252;ber die Nachkriegszeit gesprochen: &#252;ber das Schicksal Deutschlands und k&#252;nftige Grenzziehungen in Europa, die Polen, Russland, Wei&#223;russland und die Ukraine betrafen. Dem Iran wurde f&#246;rmlich versichert, seine territoriale Integrit&#228;t und Souver&#228;nit&#228;t nach dem Krieg wiederherzustellen. Die drei Alliierten dr&#252;ckten die Hoffnung aus, dass sich der Iran als Mitglied der friedliebenden V&#246;lker an der Verwirklichung eines dauerhaften Weltfriedens beteiligt. Gemeint war damals die Umsetzung der Atlantik-Charta, die zur Gr&#252;ndung der Vereinten Nationen f&#252;hrte.</p><p>https://web.archive.org/web/20230518092311/https://www.marxists.org/history/ussr/government/foreign-relations/tehranyaltapotsdamconferences.pdf</p><p>1946 verhinderten die USA, dass Stalin die Besetzung eines Teils des Irans aufrechterhielt. 1952/53 brachen Gro&#223;britannien und die USA die Zusagen an den Iran. &#8222;Operation Ajax&#8220; hie&#223; die regime change Operation.</p><p><a href="https://www.dw.com/de/1953-irans-gestohlene-demokratie/a-17008768">https://www.dw.com/de/1953-irans-gestohlene-demokratie/a-17008768</a></p><p><strong>Warum wurde dem Iran die Demokratie gestohlen,</strong> wie es die <em>Deutsche Welle</em> ausdr&#252;ckte? Durch westliche Demokratien.</p><p>Der Konflikt entz&#252;ndete sich am Beschluss des Iran, k&#252;nftig selbst die Fr&#252;chte seines &#214;lreichtums genie&#223;en zu wollen. Das betraf das damals profitabelste britische Unternehmen schlechthin.</p><p>Geopolitisch bestand zudem die Sorge, der Iran k&#246;nne sich w&#228;hrend des Kalten Krieges der Sowjetunion ann&#228;hern. Durch den regime change wurde die Herrschaft des Schahs, ein autorit&#228;res, aber pro-westliches Regime installiert.</p><p>Im Ergebnis des regime change verlor Gro&#223;britannien allerdings seine alleinige Kontrolle &#252;ber die iranische &#214;lproduktion und -vermarktung. Nunmehr teilten sich mehrere westliche Firmen in einem Konsortium (&#8222;Sieben Schwestern&#8220;) den iranischen Kuchen. &#196;hnlich wie im Fall Saudi-Arabiens wurde zugesagt, f&#252;nfzig Prozent des Profits dem Iran zu &#252;berlassen. Ein Recht des Iran, in die B&#252;cher zu schauen, ob alles mit rechten Dingen zuging, gab es nicht.</p><p><strong>Vom gro&#223;en und vom kleinen Satan</strong></p><p>Der Sturz des Schah-Regimes 1979 durch die &#8222;islamische Revolution&#8220; beendete die pro-westliche Orientierung des Iran und auch den westlichen Griff nach iranischem &#214;l. Nunmehr dominierte religi&#246;ser Fundamentalismus im Land. Damit verbunden war eine vollst&#228;ndige Absage an die Monarchie, die als unvereinbar mit dem Islam deklariert wurde. Das wurde in den Monarchien der Region als ideologische Gefahr begriffen. Der Irak wiederum sah sich in seiner s&#228;kularen Verfassung bedroht. Die neuen Herren von Teheran betrachteten die USA als den &#8222;gro&#223;en Satan&#8220;, die Sowjetunion als zutiefst &#8222;imperialistisch&#8220; und pflegten &#196;quidistanz zu den im Kalten Krieg verfeindeten Gro&#223;m&#228;chten. Israel galt dem neuen iranischen Regime als der &#8222;kleine Satan&#8220;, der &#8222;wuchernde Krebs&#8220; in der Region. Zu den au&#223;enpolitischen Konstanten des Iran z&#228;hlte die Unterst&#252;tzung der Pal&#228;stinenser und sp&#228;ter - im Fall Syriens - der Kampf gegen Al Qaida und den IS.</p><p>Dennoch, trotz scharfer Rhetorik gab es in den 80er Jahren eine versteckte Zusammenarbeit zwischen Israel und dem Iran. Der Iran brauchte Waffen. Israel betrachtete den Irak als die gr&#246;&#223;ere Bedrohung und hoffte darauf, dass der Iran bald wieder unter westlichen Einfluss fallen w&#252;rde.</p><p><a href="https://newlinesmag.com/argument/iran-and-israels-covert-pragmatic-friendship/">https://newlinesmag.com/argument/iran-and-israels-covert-pragmatic-friendship/</a></p><p>1987 erlie&#223;en die USA, damals mit dem Irak verb&#252;ndet, erstmals scharfe Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, obwohl der das Opfer der irakischen Aggression war.</p><p><strong>Der lange Atem von Kriegsplanungen</strong></p><p>Bekanntgewordene US-Kriegsplanungen gegen den Iran reichen bis in die 90er Jahre zur&#252;ck. 1991 geh&#246;rte der Iran zum Kreis der L&#228;nder im Nahen und Mittleren Osten, gegen die aus Sicht des Pentagon Krieg gef&#252;hrt werden sollte. Das enth&#252;llte der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark gegen&#252;ber Piers Morgan 2025 in einer Debatte um Syrien. Piers Morgan erinnerte Clark an dessen Aussagen gegen&#252;ber <em>Democracy Now</em> aus dem Jahr 2007, als er von zwei Besuchen im Pentagon nach den Anschl&#228;gen des 11. September berichtete und dort erfuhr, die USA h&#228;tten vor, innerhalb von f&#252;nf Jahren sieben L&#228;nder (einschlie&#223;lich Iran) anzugreifen. Clark pr&#228;zisierte daraufhin, dass er erstmals 1991 von diesen &#220;berlegungen geh&#246;rt habe, durch Wolfowitz. Diese seien in der Clinton-Administration zun&#228;chst vergessen worden. Eine israelische Studie &#8222;A clean break&#8220; aus dem Jahr 1996 habe sie wiederbelebt. (ab Minute 11:52)</p><div id="youtube2-gPwqDGnTMuc" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;gPwqDGnTMuc&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/gPwqDGnTMuc?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Die Studie &#8222; A clean break&#8220; (<strong>Ein klarer Schnitt: Eine neue Strategie zur Sicherung des Reiches</strong>) wurde f&#252;r die erste Netanjahu-Regierung geschrieben.</p><p><a href="https://web.archive.org/web/20140125123844/http://www.iasps.org/strat1.htm">https://web.archive.org/web/20140125123844/http://www.iasps.org/strat1.htm</a></p><p>Sie liest sich wie eine Blaupause sp&#228;terer Geschehnisse und erkl&#228;rt auch, warum der israelische Premier 2026 den Angriff auf den Iran als Erf&#252;llung seines jahrzehntelangen Traums bezeichnete:</p><p>W&#246;rtlich sagte Netanjahu am 1. M&#228;rz dieses Jahres:</p><p>&#8222;&#8230;<em>This coalition of forces allows us to do what I have yearned to do for 40 years: smite the terror regime hip and thigh. This is what I promised &#8211; and this is what we shall do.&#8220;</em></p><p><a href="https://www.gov.il/en/pages/statement-by-pm-netanyahu-1-mar-2026">https://www.gov.il/en/pages/statement-by-pm-netanyahu-1-mar-2026</a></p><p>(&#220;bersetzung: &#8222;&#8230;Diese Koalition von Kr&#228;ften erm&#246;glicht es uns, das zu tun, wonach ich mich seit 40 Jahren sehne: das Terrorregime vollst&#228;ndig zu zerst&#246;ren. Das habe ich versprochen &#8211; und das werden wir tun.&#8220;)</p><p><strong>Netanjahu und der biblische Simson</strong></p><p>Um die Erkl&#228;rung des israelischen Premiers v&#246;llig zu verstehen, muss man das Alte Testament zu Rate ziehen. Die Formulierung <em>&#8222;smite&#8230;hip and thigh&#8220;</em> stammt aus dem &#8222;Buch der Richter&#8220;, das den Kampf gegen die feindlichen Philister beschreibt. Der damalige Held ist Simson (Samson), qua Geburt dazu bestimmt, das j&#252;dische Volk zu erretten. In der europ&#228;ischen Kunst wurde Simson vor allem dadurch verewigt, dass er wegen des Verrats seiner Geliebten (oder einer Dirne) namens Delila, einer Philisterin, sein Haar und damit seine Kraft verlor. Er wurde, so die biblische Erz&#228;hlung, schlie&#223;lich geblendet, siegte aber sterbend &#252;ber seine Feinde.</p><p>Es war nicht das erste Mal, das Netanjahu alttestamentliche Geschichten heranzog. Zur politischen Legitimation. Als sei Israel, das Land, das Gott den Juden gab. Die tats&#228;chliche Geschichte der Staatswerdung Israels ist sehr viel komplizierter, aber das nur am Rand.</p><p>Um die Konturen dieses &#8222;gottgegebenen&#8220; Landes ging es noch vor dem Kriegsausbruch in einem Interview von Tucker Carlson mit den aktuellen Botschafter der USA in Israel, Mike Huckabee. F&#252;r Huckabee hat Israel alles Recht auf das Land zwischen Euphrat und Nil. Das sei &#8222;gottgegeben&#8220;.</p><div id="youtube2-wawJOMp6NGc" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;wawJOMp6NGc&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/wawJOMp6NGc?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Deutschlandfunk berichtete, Huckabees &#196;u&#223;erungen h&#228;tten &#8222;Irritationen&#8220; ausgel&#246;st.</p><p><a href="https://www.deutschlandfunk.de/us-botschafter-irritiert-mit-aeusserungen-zu-gebietsanspruechen-israels-100.html">https://www.deutschlandfunk.de/us-botschafter-irritiert-mit-aeusserungen-zu-gebietsanspruechen-israels-100.html</a></p><p>Dabei wiederholte Huckabee nur, was schon1996 in &#8222;<strong>The clean break&#8220;</strong> aufgeschrieben wurde: Den Anspruch Israels auf gottgegebenes Land als Voraussetzung f&#252;r Vorherrschaft im Raum, die als Sicherheitsbedingung formuliert wurde:</p><p>&#8222;<em>Our claim to the land &#8212;to which we have clung for hope for 2000 years--is legitimate and noble. It is not within our own power, no matter how much we concede, to make peace unilaterally. Only the unconditional acceptance by Arabs of our rights, especially in their territorial dimension, is a solid basis for the future.&#8220;</em></p><p>(<strong>&#220;bersetzung:</strong> Unser Anspruch auf das Land, an dem wir seit 2000 Jahren festhalten, ist legitim und edel. Es liegt nicht in unserer Macht, egal wie viele Zugest&#228;ndnisse wir machen, einseitig Frieden zu schlie&#223;en. Nur die bedingungslose Anerkennung unserer Rechte durch die Araber, insbesondere in territorialer Hinsicht, ist eine solide Grundlage f&#252;r die Zukunft.)</p><p><strong>2009 besch&#228;ftigte sich eine Studie von Brookings </strong>mit dem &#8222;persischen Dilemma&#8220;. Sie ging der Frage nach, welche Handlungsoptionen die Obama-Administration habe. Der Iran k&#246;nne nicht l&#228;nger ignoriert werden. Schlie&#223;lich bedrohe er US-Interessen in der Region. Er bewaffne sich m&#246;glicherweise nuklear. Zu den Vorz&#252;gen der Studie geh&#246;rt, dass sie die schwierigen Beziehungen nicht als einseitiges Verschulden des Iran darstellt. Doch auch sie ist im Selbstverst&#228;ndnis geschrieben, dass die USA jedes Recht darauf haben, &#252;ber die Zukunft anderer L&#228;nder notfalls allein zu entscheiden. Wegen der ber&#252;hmten &#8222;amerikanischen Interessen&#8220;, die weltumspannend sind. Aus heutiger Sicht zeigt eine in der Studie aufgeworfene Frage, ob Verhandlungsangebote an den Iran von diesem als Zeichen der Schw&#228;che gedeutet werden k&#246;nnten, so dass sich der Iran noch mehr gest&#228;rkt sehen k&#246;nnte, wie imperiales Denken die Realit&#228;t von den F&#252;&#223;en auf den Kopf stellt. Nach der Logik der &#8222;Sprache der Macht&#8220; gilt: Verhandlungsbereitschaft ist Schw&#228;che, nur ver&#228;chtliche Beschwichtigungspolitik</p><p><a href="https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2016/06/06_iran_strategy.pdf">https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2016/06/06_iran_strategy.pdf</a></p><p><strong>Der Iran - eine nukleare Bedrohung?</strong></p><p>Das von der Obama-Administration verhandelte Atom-Abkommen mit dem Iran galt den US-Republikanern als Appeasement. Es wurde in der Trump-1-Pr&#228;sidentschaft gek&#252;ndigt. Damals verweigerte sich Trump allerdings offenem Krieg. Statt dessen setzte er auf schwere Wirtschaftssanktionen. Laut einer Studie des Europ&#228;ischen Parlaments 2020 ging es nie um die nukleare Bedrohung, sondern darum, Teheran &#8222;zu brechen&#8220;.</p><p>https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/IDAN/2020/603515/EXPO_IDA(2020)603515_EN.pdf</p><p>Die angebliche nukleare Bedrohung durch den Iran geistert seit vielen Jahren durch die politische Arena. Sie hielt als Begr&#252;ndung des 12-Tage-Krieges im letzten Jahr hin. Die angebliche Bedrohung durch iranische Marschflugk&#246;rper diente als Legitimationsgrundlage f&#252;r den Aufbau von Raketenabwehrsystemen der Nato in Rum&#228;nien und in Polen.</p><p>Konsequent wurde ignoriert, dass die Herstellung und Entwicklung von Atomwaffen zweimal durch das inzwischen ermordete geistliche Oberhaupt des Iran als &#8222;haram&#8220; (verboten) eingestuft wurde. Es wurde konsequent ignoriert, dass der Iran nicht &#252;ber Marschflugk&#246;rper verf&#252;gte, die Polen oder Rum&#228;nien erreichen k&#246;nnten.</p><p><strong>Sanktionen zwecks regime change</strong></p><p>Mit einer harschen Sanktionspolitik sollte das iranische Volk schwer getroffen und zum Widerstand gegen die Mullahs ermuntert werden, immer in der Hoffnung, dadurch einen Volksaufstand gegen das Regime zu bef&#246;rdern. Der damalige US-Au&#223;enminister dr&#252;ckte das in einem <em>CBC</em>-Interview 2019 so aus: &#8222;<em>Things are much worse for the Iranian people, and we&#8217;re convinced that will lead the Iranian people to rise up and change the behavior of the regime.&#8220;</em></p><p><em>(</em><strong>&#220;bersetzung:</strong> F&#252;r das iranische Volk ist die Lage noch viel schlimmer, und wir sind &#252;berzeugt, dass dies dazu f&#252;hren wird, dass sich das iranische Volk erhebt und das Verhalten des Regimes &#228;ndert.)4</p><p><a href="https://x.com/cbseveningnews/status/1095986045324349440?lang=hr">https://x.com/cbseveningnews/status/1095986045324349440?lang=hr</a></p><p>Der amerikanische Finanzminister br&#252;stete sich Anfang 2026 regelrecht damit, die iranische W&#228;hrung zum Absturz gebracht zu haben. Das l&#246;ste Massenproteste Ende 2025 und eine massive Welle von Gewalt aus.</p><p>https://www.npr.org/2026/02/23/nx-s1-5708935/trumps-sanctions-on-iran-have-dramatically-affected-its-economy-and-led-to-protests</p><p>Einerseits wurden diese Proteste - wie im Fall Syriens- von ausl&#228;ndischen bzw. extremistischen Kr&#228;ften bef&#246;rdert. Andererseits schlug das Regime in Teheran unbarmherzig zur&#252;ck.</p><p>&#8222;Hilfe ist unterwegs&#8220;, versprach der US-Pr&#228;sident. Bis heute ist nicht ausgemacht, ob die Mehrheit der Iraner auf solche &#8222;Hilfe&#8220; wartet.</p><p>Der US-Au&#223;enminister Rubio erkl&#228;rte vor der Presse, die USA h&#228;tten vom bevorstehenden Angriff Israels auf den Iran gewusst. Sie w&#228;ren daher der iranischen Vergeltung nur zuvorgekommen. Das Regime in Teheran sei gef&#228;hrlich und auf religi&#246;sem Fanatismus aufgebaut. Es habe die Sicherheit der ganzen Welt bedroht.</p><div id="youtube2-McU8nRMtPik" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;McU8nRMtPik&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/McU8nRMtPik?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Tats&#228;chlich geht es beim aktuellen Angriff auf den Iran erneut um regime change, idealerweise um die Zerschlagung dieses gro&#223;en Landes.</p><p>Das war der Sinn des Enthauptungsschlags, dem auch der oberste F&#252;hrer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, zum Opfer fiel. Damit wurde der Mensch ermordet, der innerhalb der iranischen Hierarchie der Garant daf&#252;r war, dass das Land bis dato atomwaffenfrei blieb. Es ist unklar, ob der erfolgreiche Angriff das Ergebnis einer gl&#228;nzenden geheimdienstlichen Aufkl&#228;rung war und auf Sorglosigkeit auf iranischer Seite hindeutet. Viel entscheidender ist, dass inzwischen die Erz&#228;hlung zirkuliert, der 86-J&#228;hrige habe sein Schicksal als <strong>M&#228;rtyrer</strong> frei gew&#228;hlt, sich nicht versteckt. Das ist der h&#246;chste Akt des Widerstandes, das Herz des schiitischen Glaubens. Hinzu kommt der Schock &#252;ber den Mord, der mindestens in einem Teil der muslimischen Welt nachhallt. Was das f&#252;r Folgen nach sich zieht, ist &#252;berhaupt noch nicht zu &#252;bersehen.</p><p>Auch die Tatsache, dass so viele Iraner ohne Furcht, unter freiem Himmel mitten im Krieg, die am ersten Kriegstag get&#246;teten Kinder einer M&#228;dchenschule betrauerten, sollte sehr nachdenklich stimmen. <em>BBC</em> pr&#228;sentierte einen Video-Bericht.</p><p><a href="https://www.bbc.com/news/articles/c98qpz144nvo">https://www.bbc.com/news/articles/c98qpz144nvo</a></p><p>Was immer die USA zu ihren Kriegsgr&#252;nden sagen, die entscheidende Nachricht an den Iran kam vom israelischen Ministerpr&#228;sidenten.</p><p><strong>Aus iranischer Sicht geht es nun um die pure Existenz. </strong>Wer das nicht sieht, versteht nichts, versteht auch nicht, dass der Iran nun nichts mehr zu verlieren hat.</p><p>Offensichtlich k&#228;mpft der Iran in diesem ihm aufgezwungenen Krieg nicht unvorbereitet. Er ist offenbar auch zu fast allem entschlossen: mit Schl&#228;gen gegen Israel, gegen US-Milit&#228;rbasen in der Golf-Region, gegen US-Radaranlagen, durch die Schlie&#223;ung der Stra&#223;e von Hormuz, die Bombardierung von Energieanlagen in der Golf-Region.</p><p>Eine gro&#223;e regionale Katastrophe zeichnet sich ab. Ihre Folgen reichen in die ganze Welt, auch in die EU.</p><p>Dass die Energiepreise hochschnellen, ist nur der Anfang einer globalen wirtschaftlichen Schockwelle. Wie hoch sie werden wird, ist nicht absehbar. Sie trifft die EU, aber auch viele asiatischen L&#228;nder brachial.</p><p>Je l&#228;nger dieser Krieg dauert, je zerm&#252;rbender er wird, desto mehr wird sich die humanit&#228;re Trag&#246;die vertiefen, die heute schon Teile der Region zeichnet. Die Versuchung wird steigen, zu Atomwaffen zu greifen. Auch die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen ist nun auf ganz d&#252;nnem Eis. Nicht nur im Iran.</p><p>Die ganze Welt hat eine weitere bittere Lektion gelernt: Die USA sind kein seri&#246;ser Verhandlungspartner. Notfalls wird sogar gegen die eigene Verfassung versto&#223;en, wenn es um Machtinteressen geht - von der UN-Charta ganz zu schweigen. Dass Israel internationales Recht l&#228;ngst als &#252;berfl&#252;ssigen Ballast betrachtet, ist nichts Neues mehr.</p><p><strong>Wer wird schlichten, wer diesem Krieg diplomatisch entgegentreten?</strong></p><p>Die ersten Reaktionen aus der EU lassen nichts Gutes ahnen. Sie kann ihre Macht nicht ausspielen, die sie als Nato-Verb&#252;ndeter der USA und als Assoziierungspartner von Israel theoretisch hat. Wer im Iran einen Machtwechsel fordert, f&#228;llt als Vermittler aus. Zudem ist die EU zu besch&#228;ftigt mit einem verdeckten Krieg gegen Russland, zu f&#252;gsam gegen&#252;ber US-Herrschaftsanspr&#252;chen, nunmehr zu abh&#228;ngig von deren Energie, zu kraftlos, um eine L&#246;sung im Gaza-Konflikt zu suchen, der weiter schwelt. Unter allem hat die internationale Glaubw&#252;rdigkeit und das Ansehen der EU schwer gelitten. Nun wird sie noch st&#228;rker wirtschaftlich leiden.</p><p>Wer bleibt sonst noch als Vermittler &#252;brig? China? Indien? Brasilien? Russland?</p><p>Werden die Golfstaaten gegen diesen Krieg rebellieren? Er kostet sie viel Geld, wom&#246;glich die innere Stabilit&#228;t.</p><p>Oder kehrt in den USA Einsicht ein, dass die Vorstellung, den Iran wie Syrien unterwerfen zu k&#246;nnen, nur eine Schim&#228;re ist? Wird sich dort die &#220;berlegung Bahn brechen, dass ein langer Krieg die Wahlaussichten der Republikaner im Herbst schwer besch&#228;digt, wom&#246;glich US-Demokraten in beiden H&#228;usern die Mehrheit beschert? Mit der Folge, dass es zu einem Impeachment-Verfahren gegen Trump kommt? Nach allen Umfragen sind und bleiben die Amerikaner kriegsm&#252;de. Auch gegen&#252;ber dem Iran. Und sie sind illusionslos geworden, schon so oft belogen, in jedem Krieg. Dass die aktuelle Trump-Administration ihre Kriegserz&#228;hlung st&#228;ndig wechselt, hat auch damit zu tun. Sie sucht nach einem neuen, noch nicht erz&#228;hlten Narrativ und bleibt in den alten h&#228;ngen.</p><p>Glaubt man <em>CNN</em>, sollen es nun (wieder einmal) die Kurden richten und die Iraner zum Aufstand mobilisieren.</p><p>https://edition.cnn.com/2026/03/03/politics/cia-arming-kurds-iran</p><p><strong>Heimt&#252;cke</strong></p><p>Bei der Bewertung dieses Kriegs sollte man sich auch in Erinnerung rufen, dass die Aggression gegen den Iran laufende Verhandlungen unterlief, die laut dem omanischen Vermittler (Au&#223;enminister) sehr gut vorankamen und ein Mehr an Sicherheit und Berechenbarkeit gebracht h&#228;tten. Ein &#8222;Atom-Deal&#8220;, besser noch als der, den einst die Obama-Administration aushandelte, sei in &#8222;Reichweite&#8220;, erkl&#228;rte er. </p><div id="youtube2-Pg5sXQDR8NY" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;Pg5sXQDR8NY&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/Pg5sXQDR8NY?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Wer Verhandlungen nur vort&#228;uscht, handelt heimt&#252;ckisch.</p><p>(Vgl 1. Zusatzprotokoll von 1977, Genfer Konvention Art 37 1a).</p><p>https://www.gesetze.li/konso/pdf/1989062000?version=2-</p><p>Einen Tag nach den hoffnungsvollen Worten des omanischen Au&#223;enministers fielen Israel und die USA &#252;ber den Iran her. Heimt&#252;ckisch.</p><p>Das Mullah-Regime muss weg, predigt man auch hierzulande, aber auch in diesem Fall gilt: Das ist westliche Selbst&#252;berhebung, komplett undemokratisch. Man kann kein glaubw&#252;rdiger &#8222;Demokratiebringer&#8220; sein, wenn man versucht, ein Volk wie das iranische so lange und schwer mit Sanktionen in die &#8222;Prowestlichkeit&#8220; zu kn&#252;ppeln und ihm dann auch noch einen neuen, dem Westen genehmen Herrscher verspricht. Die Entscheidung liegt allein bei den Iranern. Nun soll ihnen mit Kriegsterror Beine gemacht werden.</p><p><strong>Weltweite Unsicherheit</strong></p><p>Was heisst das alles nun f&#252;r die Regelung des Ukraine-Konfliktes?Oder, falls man den nicht regeln will oder kann, f&#252;r Waffennachschub f&#252;r die Ukraine? Nach einem <em>Reuters</em>-Bericht lieferten die USA im zweiten Halbjahr 2025 75 Prozent der Waffen f&#252;r die Patriot- und 90 Prozent der Munition f&#252;r andere Luftabwehrsysteme.</p><p><a href="https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/ukraines-f-16-jets-were-starved-us-made-missiles-weeks-2026-03-05/?utm_source=Sailthru&amp;utm_medium=Newsletter&amp;utm_campaign=Daily-Briefing&amp;utm_term=030526&amp;lctg=62cd48647c2817f325005cec">https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/ukraines-f-16-jets-were-starved-us-made-missiles-weeks-2026-03-05/?utm_source=Sailthru&amp;utm_medium=Newsletter&amp;utm_campaign=Daily-Briefing&amp;utm_term=030526&amp;lctg=62cd48647c2817f325005cec</a></p><p>Die <em>Washington Post </em>berichtete, dass die USA bei einem l&#228;ngeren Krieg gegen den Iran, der mehr als vier Wochen dauere, Nachschubschwierigkeiten bei Munition haben k&#246;nnte. Trump sei gewarnt worden. Trump dementierte energisch.</p><p><a href="https://www.aljazeera.com/news/2026/3/3/could-the-us-run-low-on-weapons-for-its-assault-on-iran">https://www.aljazeera.com/news/2026/3/3/could-the-us-run-low-on-weapons-for-its-assault-on-iran</a></p><p>Inzwischen begann allerdings auch in S&#252;dkorea und in Japan eine Diskussion dar&#252;ber, ob die USA wom&#246;glich Luftabwehrsysteme aus diesem Raum in den Nahen und Mittleren Osten abziehen m&#252;ssten.</p><p><a href="https://www.intellinews.com/us-weighs-redeploying-missile-defences-from-asia-to-middle-east-429398/">https://www.intellinews.com/us-weighs-redeploying-missile-defences-from-asia-to-middle-east-429398/</a></p><p>Dabei ging es ebenfalls um die Kriegsdauer. Die Bef&#252;rchtung war, dass es in einem l&#228;ngeren Krieg eng werden k&#246;nnte, f&#252;r die USA, f&#252;r alle, die auf die USA als Sicherheitsgarant setzen.</p><p>Die USA haben mit dem Krieg gegen den Iran ein weiteres Mal gezeigt, dass sie nur sich selbst kennen. Sie haben gezeigt, dass sie f&#252;r ihren &#8222;Muster&#8220;- Alliierten, Israel, alles tun. Der Rest muss sehen, wo er bleibt. Die USA haben allerdings auch die Frage auf den Tisch gelegt, wie stark sie tats&#228;chlich milit&#228;risch sind. Die Zeit wird sie beantworten.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Achtung. Achtung. Hier spricht Berlin: Vorsicht vor Putins Agenten, Nowitschok und anderen Giften. Fröschen auch. Die Ukraine wird siegen!]]></title><description><![CDATA[Wie Kriege vorbereitet und am Leben gehalten werden.]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/achtung-achtung-hier-spricht-berlin</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/achtung-achtung-hier-spricht-berlin</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Tue, 24 Feb 2026 18:35:44 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/jqevNxQ2T8Y" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Wie wir alle &#8222;wissen&#8220;, wurde der russische Oppositionelle Nawalny angeblich mit einem Nervengift der Nowitschok-Familie vergiftet. Wie wir alle &#8222;wissen&#8220;, retteten ihm die beherzte Entscheidung eines Flugzeugf&#252;hrers (Notlandung), die &#196;rzte in Omsk und dann die der Charit&#233; das Leben. Wie wir alle &#8222;wissen&#8220;, waren sich deutsche Chemiewaffenexperten sicher, Spuren eines bis dato nicht offiziell bei der OVCW gelisteten Nowitschok-Gifts nachgewiesen zu haben.</p><p>Wie wir alle &#8222;wissen&#8220;, waren die Berliner medizinischen Bem&#252;hungen so erfolgreich, dass Nawalny recht gesund und guten Mutes sich erst im Schwarzwald erholte, dann in Dresdner Archiven w&#252;hlte und schlie&#223;lich seine ber&#252;hmte Dokumentation &#252;ber den Milliard&#228;rs-Palast von Putin erstellte. Au&#223;erdem gelang es ihm noch, einem russischen Geheimdienstler telefonisch zu entrei&#223;en, dass er vergiftet werden sollte.</p><p>Kaum genesen, kehrte Nawalny nach Russland zur&#252;ck, weil er als echter Russe sein Land mehr liebte als das eigene Leben. Wie wir alle nun &#8222;wissen&#8220;, wurde er auf Gehei&#223; Putins im arktischen Hochsicherheitsgef&#228;ngnis vergiftet, damit er nicht durch einen geheimdienstlich vermittelten Austausch frei kommt. Putins Hass auf Nawalny und seine Furcht vor ihm sei so stark gewesen, dass er seine Trumpfkarte, um den Berliner &#8222;Tiergartenm&#246;rder&#8220; freizubekommen, aus der Hand gab. Das jedenfalls ist die Geschichte, die die in London ans&#228;ssige einstige Mitarbeiterin von Nawalny der Welt erz&#228;hlte. Sie h&#228;tten den Vorschlag, Nawalny auszutauschen, an den Kreml herantragen lassen. &#220;ber den Oligarchen Abramowitsch. Sie seien so hoffnungsvoll gewesen.</p><div id="youtube2-jqevNxQ2T8Y" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;jqevNxQ2T8Y&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/jqevNxQ2T8Y?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Am 25. Februar 2024 erz&#228;hlte der damalige Chef des ukrainischen Milit&#228;rgeheimdienstes und heutige Leiter des ukrainischen Pr&#228;sidialamtes eine andere Geschichte. Budanow best&#228;tigte &#246;ffentlich die offizielle russische Version der Todesursache - ein Blutgerinnsel (Embolie). Er habe das nicht aus dem Internet.</p><p>https://www.kyivpost.com/post/28630</p><p>Wieso st&#252;tzte ein erkl&#228;rter Gegner Russlands gegen alle offiziellen westlichen Verd&#228;chtigungen die russische Version der Ereignisse? Ausweislich des Interviews von Putin mit Tucker Carlson, verhandelten &#8222;die Dienste&#8220; &#252;ber einen West-Ost-Austausch. Sp&#228;testens dadurch erfuhr jeder, dass Putin den russischen &#8222;Patrioten&#8220;, den &#8222;Tiergartenm&#246;rder&#8220; freikaufen wollte. Was also war der Sinn der Verlautbarung Budanows? Konnte er wissen, was in einem russischen Hochsicherheitsgef&#228;ngnis n&#246;rdlich des Polarkreises vorgefallen war oder auch nicht? Und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?</p><p>Es ist v&#246;llig klar, dass Nawalny nur als angeblich demokratischer Herausforderer und k&#252;nftiger russischer Machthaber f&#252;r den Westen von propagandistischem Wert war. Und als angebliches Vergiftungsopfer des ruchlosen Kreml-Herrschers. Als ein f&#252;r viele Jahre Verurteilter konnte Nawalny keine aktive Rolle in der russischen Politik spielen. Die russische Justiz hatte ihn buchst&#228;blich kaltgestellt. Die <em>BBC</em> sah das 2024 ganz k&#252;hl: Nawalny musste daf&#252;r sorgen, &#8222;<em>relevant zu bleiben&#8220;</em>, nicht vergessen zu werden.</p><p>https://www.bbc.com/news/world-europe-68322113</p><p>Menschliches Mitleid liest sich anders.</p><p>Aus russischer Sicht hatte Nawalny - objektiv betrachtet - als Austausch-Subjekt einen gewissen Restwert. Als Ermordeter hingegen wird er (im Westen) verewigt als ein weiteres mutma&#223;liches Opfer von Putins m&#246;rderischen Instinkten und russischer Giftmischerei.</p><p>Sp&#228;ter im Jahr 2024 schlossen sich nach Medienberichten die US-Geheimdienste Budanows Auffassung an: Nawalny sei eines nat&#252;rlich Todes gestorben.</p><p>https://www.aljazeera.com/news/2024/4/29/us-finds-putin-probably-did-not-order-navalnys-death-in-february-report</p><p>Nun erkl&#228;rten f&#252;nf Au&#223;enminister, nach gut zwei Jahren, Nawalny sei vergiftet worden. Auf der Grundlage heimlich aus Russland geschmuggelter Gewebeproben des Toten. In Deutschland ist es strafbar, die Totenruhe zu st&#246;ren. Aber wenn es um die angebliche Entschl&#252;sselung eines ungekl&#228;rten Todes (aus westlicher Sicht) geht, ist offenbar alles erlaubt. Um welche Proben (Urin, Plasma, Mund- und Schleimhautzellen?) es sich handelte, wie eine l&#252;ckenlose Beweiskette gesichert wurde, ist dann ebenfalls zweitrangig. Es geht schlie&#223;lich um ein Projekt der &#246;ffentlichen Meinungsbildung und nicht um Rechtsstaatlichkeit.</p><p>Und siehe: Ein Froschgift soll Nawalny den vorzeitigen Tod gebracht haben. Es ist ziemlich teuer in der synthetischen Herstellung, sehr giftig, etwa wie Strychnin, und recht gut erforscht. Urspr&#252;nglich gab es die Hoffnung, es k&#246;nne eine sinnvolle und ungef&#228;hrliche medizinische Verwendung im Kampf gegen Alzheimer haben. Es ist leicht identifizierbar. Wieso f&#252;nf westliche Labore daf&#252;r zwei Jahre brauchten, wird ihr Geheimnis bleiben.</p><p>Nun steht wieder Wort gegen Wort - die russische Schlussfolgerung vom &#8220;nat&#252;rlichen Tod&#8220; gegen die durch f&#252;nf westliche Au&#223;enminister vorgetragene Vergiftungsgeschichte, die alles dem Kreml in die Schuhe schiebt.</p><p>M&#246;glich ist alles, aber was, wenn Budanow zumindest dahingehend die Wahrheit sagte, dass er genau wisse, was passiert sei? War das seine CIA-Verbindung oder wom&#246;glich Triumpfgeheul? Denn es ja nicht aufgekl&#228;rt, warum die russische Seite Nawalny in einer Nacht- und Nebelaktion im Dezember 2023 in das Hochsicherheitsgef&#228;ngnis (Polarwolf) n&#246;rdlich des Polarkreises verfrachtete. So weit weg vom Schuss, wie nur irgend m&#246;glich. Nawalnys Gesundheit war damals l&#228;ngst angeschlagen.</p><p>https://www.rferl.org/a/russia-navalny-arctic-polar-wolf-prison/32749723.html</p><p>Hoffte man darauf, dass die dortigen harschen Bedingungen ihm den Rest geben w&#252;rden? Darauf, ihn dort ungest&#246;rt zu ermorden? Oder ging es darum, ihn vor Attent&#228;tern zu sch&#252;tzen? Am gleichen Ort gibt es auch noch die &#8222;Polareule&#8220;, nach Wikipedia-Beschreibungen eines der allerschlimmsten &#8222;Hochsicherheitsgef&#228;ngnisse&#8220; Russlands: f&#252;r Lebensl&#228;ngliche.</p><p>https://en.wikipedia.org/wiki/Supermax_prison</p><p>Der Kreml ist genauso verd&#228;chtig wie jeder andere auch, im Todesfall Nawalny nicht die ganze Wahrheit zu sagen. Falls Nawalny im Gef&#228;ngnis jenseits des Polarkreises vergiftet wurde, dann in russischer Obhut. Das w&#228;re, sollten andere Attent&#228;ter die H&#228;nde im Spiel gehabt haben, &#228;rgerlich genug, zumal inzwischen die ganze Welt wei&#223;, dass der Westen sofort in Hysterie ausbricht und Russland immer haftbar macht. F&#252;r alles. Wenn irgendetwas irgendwo passiert oder fast oder tats&#228;chlich gestorben wird, ist der erste Verdacht immer: Die Russen, in der Steigerung: Putin.</p><p>Die <em>ZDF</em>-Serie &#8222;Putins Agenten&#8220; ist in diesem Sinn ein echtes Kronjuwel: Voller unbewiesener Mutma&#223;ungen und Verd&#228;chtigungen, mit einem Hang zum Verschw&#246;rungstheoretischen, vorgetragen von bereitwilligen Gespr&#228;chspartnern, die alles angeblich aus erster, zweiter oder dritter Hand vermuten, glauben, schlussfolgern. </p><p>https://www.zdf.de/dokus/putins-agenten-100</p><p>Die Skripals wurden mit einem Nowitschok (definitiv) fast umgebracht. Ja, es waren Putinsche Schergen, die als &#8222;agent provocateur&#8220; das Gemetzel auf dem Maidan 2014 in Gang setzten. Dann folgte bei mir der &#8222;Schnitz&#8220;, das heisst, mir reichte es an &#246;ffentlich-rechtlicher&#8230; Ja, wie soll ich das eigentlich nennen?&#8222;Rotlichtbestrahlung&#8220;? Nein, das trifft es nicht. Falschm&#252;nzerei vielleicht?</p><p>Ob die <em>ZDF</em>-Filmemacher auch Nord Stream in ihre d&#252;stere Agenda angeblicher russischer Geheimdienstverbrechen einordneten, entzieht sich deshalb meiner Kenntnis. Oder den Epstein-Fall? Britische Medien gaben sich durchaus M&#252;he, eine russische Spur zu legen.</p><p>Kurzum, durch die <em>ZDF</em>-Brille geschult: Ob russische Beh&#246;rden nun die Wahrheit sagen oder l&#252;gen, der &#8222;Westen&#8220; glaubt Russland sowieso NICHTS.</p><p>Was durch westliche Staaten zur Plausibilit&#228;t erkl&#228;rt wird, war bereits lange vor 2022 nicht mehr von Aufkl&#228;rungswillen gepr&#228;gt, oder gar vom Willen zu kooperativer Zusammenarbeit. Statt dessen regierten axiomatische Behauptungen, frei in der Denklogik des inzwischen geadelten Bill Browder: Wenn es um Russland geht, muss man immer das Schlimmste annehmen.</p><p>Nebst <em>ZDF </em>bot auch die j&#252;ngste &#8222;Enth&#252;llung&#8220; der f&#252;nf Au&#223;enminister &#252;ber die Vergiftung Nawalnys erneute Gelegenheit, &#252;ber Russlands m&#246;rderischen Umgang mit Chemiewaffen zu sinnieren und die Anschuldigung zu verfestigen, dass sich Russland nicht an das Verbot der Chemiewaffenkonvention halte. Dieser Vorwurf wurde nur ein Jahr, nachdem Russland die vollst&#228;ndige Abschaffung seiner Chemiewaffen notifiziert hatte, erhoben. Als Folge des &#8222;Skripal-Falls&#8220;. Dann folgte die behauptete Vergiftung Nawalnys mit einem Nowitschok-Gift. </p><p>Mit einem solch verbrecherischen Staat, einem Paria, kann man nicht verhandeln, nicht wahr? Das bleibt die Botschaft des Jahres 2026.</p><p>Daher sei erneut die Gelegenheit benutzt, jedenfalls in Sachen &#8222;Nowitschok&#8220; unbestrittene wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu bem&#252;hen. 2024 kam eine tschechische Studie zum Nowitschok-Gift A 234 (&#8222;Skripal-Fall&#8221;) zum gleichen Ergebnis, wie eine geheime Studie des Pentagon zu &#8222;Nowitschok-Giften&#8220; 1997: Sie sind so giftig wie das westliche VX (also ann&#228;hernd gleiche Giftmenge, die zum Tod f&#252;hrt) und so schwer therapierbar wie Vergiftungen durch Soman. Atropin rettet wom&#246;glich das Leben, aber es kann, genauso wenig wie andere Gegenmittel, die Vergiftungsfolgen aufheben, sprich heilen.</p><p>https://link.springer.com/article/10.1007/s00204-024-03689-3</p><p>Gegen eine Nowitschok-Vergiftung gab es - so die tschechischen Experten in der Schlussfolgerung - auch 2024 kein probates Gegenmittel.</p><p>Das bedeutet: Werden Menschen Opfer einer Nowitschok-Vergiftung, sind sie im Wortsinn Todgeweihte. So wie Schelesnjakow. Dieser sowjetische Chemiewaffenexperte inhalierte nur eine geringe Dosis eines Nowitschoks im Labor. Er war bis zu seinem Tod davon &#252;berzeugt, dass das Chemiewaffenverbot von einem Forschungsverbot begleitet werden sollte.</p><p><a href="https://www.theguardian.com/world/2018/mar/22/andrei-zheleznyakov-soviet-scientist-poisoned-novichok">https://www.theguardian.com/world/2018/mar/22/andrei-zheleznyakov-soviet-scientist-poisoned-novichok</a></p><p>Daraus folgt: Wenn die &#220;berlebenden einer angeblichen (schweren) Nowitschokvergiftung gesunden, wurden sie nicht durch Nowitschok vergiftet. Da aber durch anerkannte OVCW- Chemiewaffenlabore Zerfallsprodukte der Gifte (oder Spuren) im Blut der angeblichen Opfer nachgewiesen wurden, bleibt logisch nur eine Schlussfolgerung &#252;brig: Diese Zerfallsprodukte/ Spurenelemente m&#252;ssen im Nachhinein in den Blutkreislauf der angeblichen Opfer geschleust worden sein.</p><p>Das w&#228;re eine meisterliche wissenschaftliche Leistung, unzweifelhaft.</p><p>Aber was k&#252;mmern wissenschaftliche Erkenntnisse, wenn es um politisch motivierte Behauptungen geht? Wobei, und dass unterscheidet den Skripal-Fall vom Fall Nawalny: Bei Nawalny wurde in Berlin eine f&#252;r Nervengifte typische Enzymhemmung nachgewiesen. Ich habe deshalb nie ausgeschlossen, dass bei Nawalny der nachtr&#228;gliche Transfer ein bisschen schief ging. Deshalb blieb es auch theoretisch denkbar, dass er unter den irreversiblen Folgen einer fatalen Gabe eines Zerfallsprodukts von Nowitschok litt. In dem Fall musste Russland lediglich die H&#228;nde in den Scho&#223; legen und abwarten. Nur die russische Version eines nat&#252;rlichen Todes h&#228;tte auch weiterhin diese Option nicht ausgeschlossen. Amnesty International machte zu Recht auf die gesundheitlichen Probleme Nawalnys aufmerksam und forderte aus humanit&#228;ren Gr&#252;nden seine Freilassung.</p><p>https://www.amnesty.org/es/wp-content/uploads/2023/05/EUR4667502023ENGLISH.pdf</p><p>Die Behauptung einer Froschgiftvergiftung jedoch schlie&#223;t aus, dass Nawalny an den unabweisbaren Folgen einer Vergiftung durch ein Nowitschok-Gift starb. So ist das eben, wenn man sich nicht mit Wissenschaft besch&#228;ftigt, aber gern exotische M&#228;rchen erz&#228;hlt. Dann rei&#223;t man mit dem Hintern ein, was propagandistisch mit den H&#228;nden aufgebaut wurde.</p><p>Doch solange unter anderem die deutschen Chemiewaffenforscher den Mund halten, nicht zugeben, wie diabolisch die Nowitschok-Gifte konstruiert wurden, sie gute Miene zum b&#246;sen Spiel machen, kann die Scharade weitergehen.</p><p>Man kann sich weiter gen&#252;sslich gruseln vor den Mordbuben des russischen Milit&#228;rgeheimdienstes, die trainierten, wie man T&#252;rklinken mit Nowitschok bespr&#252;ht (Fall Skripal) und dann alles versauten. Vor den Mordbuben des russischen Inlandsgeheimdienstes, die ein Nowitschok-Gift in Nawalnys Unterhose einbracht haben sollen. Ob sie das auch trainiert haben sollen, wei&#223; man nicht, nur, dass auch diese Operation in die B&#252;x ging. Oder steckte das Gift doch im Tee, den Nawalny vor seinem Abflug trank, siehe <em>Welt</em>?</p><p>https://www.welt.de/geschichte/article214929626/Morde-in-Russland-Ihre-Leichen-fand-man-zerstueckelt-im-Fluss.html</p><p>Man kann sich trefflich echauffieren &#252;ber den m&#246;rderischen Geist des russischen Pr&#228;sidenten, dem kein Gift zu teuer ist, um es heimt&#252;ckisch gegen seine Feinde einsetzen zu lassen. So vertieft sich die Gewissheit, dass das Ausma&#223; der russischen Boshaftigkeit und Mordlust in der Regel nur vom Ausma&#223; der russischen Unf&#228;higkeit &#252;bertroffen wird.</p><p>Man stelle sich vor, Russland h&#228;tte versucht, die NordStream-Pipelines zu sprengen. Dann w&#252;rden die heute noch fehlerfrei funktionieren. Deren Ruin mussten schon echte K&#246;nner in die Hand nehmen. Jedenfalls fast echte K&#246;nner. Von den vier R&#246;hren blieb immerhin eine im Gro&#223;en und Ganzen intakt.</p><p>Ist es m&#246;glich, dass hinter dem mutma&#223;lichen Vergiftungsfall Nawalnys 2024 gar nicht die Russen steckten? Schlie&#223;lich starb der Mann. Schon glaubt es sich viel leichter, dass die Ukraine Russland besiegen kann. Russland ist schlie&#223;lich von einem moralisch verkommenen Pr&#228;sidenten mit einem Killer-Hirn regiert. Aber dem stehen v&#246;llig untaugliche Handlanger zur Seite, ob nun geheimdienstliche Mordbuben oder seine Milit&#228;rs. Letztere treiben angeblich, so der ukrainische Pr&#228;sident, monatlich 30.000 russische Soldaten auf ukrainischer Erde in den Tod.</p><p><a href="https://www.pravda.com.ua/eng/news/">https://www.pravda.com.ua/eng/news/</a>2025/12/16/8012048/</p><p>Das erkl&#228;rte aktuelle ukrainische Ziel lautet, monatlich 50.000 russische Soldaren zu t&#246;ten oder kriegsunf&#228;hig zu machen.</p><p>Ja, das riet schon der ehemalige US-Verteidigungsminister Panetta im M&#228;rz 2022: Russen killen als Verhandlungsmasse. (Ab Min 4:04)</p><p><a href="https://www.bloomberg.com/news/videos/2022-03-17/u-s-is-in-a-proxy-war-with-russia-panetta-video">https://www.bloomberg.com/news/videos/2022-03-17/u-s-is-in-a-proxy-war-with-russia-panetta-video</a></p><p><em>CNN </em>fragte im Februar 2026, warum die Ukraine &#8222;<em>f&#252;r nichts</em>&#8220; Russland Territorium &#252;berlassen solle, wenn sie doch erwarte, hunderte von tausenden russischen Soldaten auszuschalten, w&#228;hrend Moskau anhaltend versuche, Donezk mit Gewalt einzunehmen?</p><p><a href="https://edition.cnn.com/2026/02/03/europe/ukraine-strategy-kill-50000-russian-soldiers-intl">https://edition.cnn.com/2026/02/03/europe/ukraine-strategy-kill-50000-russian-soldiers-intl</a></p><p>Wie Nato-Generalsekret&#228;r Rutte versicherte, agieren die Russen im Krieg in der Ukraine mit der &#8222;<em>Geschwindigkeit einer Gartenschnecke</em>&#8220;. Nach Adam Riess w&#228;ren sie dann theoretisch in etwa 20 Jahren an der polnisch-ukrainischen Grenze, allerdings praktisch l&#228;ngst aller Soldaten beraubt - wegen der postulierten ukrainischen Effizienz.</p><p>Ach, wenn Kriegspropaganda doch wenigstens stimmig w&#228;re. Irgendwie spannend. So aber soll man sich nicht wundern, dass viele l&#228;ngst nur noch g&#228;hnen. Und die j&#252;ngere Generation seufzt: &#8222;tot&#8220;&#8230; (KI wei&#223; besser als ich, was in diesen Altersgruppen gerade &#8222;en vogue&#8220; ist.)</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Schluss mit dem Schweigen]]></title><description><![CDATA[Zum "Fall Baud" und anderen]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/schluss-mit-dem-schweigen</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/schluss-mit-dem-schweigen</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Wed, 11 Feb 2026 18:13:44 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/u9Dg-g7t2l4" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Schweigen kann sich ausbreiten wie Krebs&#8230;</p><p>(Aus:  Sound of silence)</p><p></p><div id="youtube2-u9Dg-g7t2l4" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;u9Dg-g7t2l4&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/u9Dg-g7t2l4?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p></p><p>Die <em>Berliner Zeitung </em>berichtete, Jacques Baud d&#252;rfe wieder durch eine nun erteilte &#8222;Ausnahmegenehmigung&#8221; f&#252;r &#8222;lebensnotwendige Zwecke&#8220; auf sein Konto zuzugreifen. So k&#246;nne er ein &#8222;normales Leben&#8220; in Br&#252;ssel f&#252;hren.</p><p><a href="https://www.berliner-zeitung.de/news/eu-sanktionen-gegen-schweizer-ex-offizier-belgien-erlaubt-ausnahme-im-fall-baud-li.10018432?utm_source=sharing&amp;utm_medium=mobile&amp;utm_campaign=article_default">https://www.berliner-zeitung.de/news/eu-sanktionen-gegen-schweizer-ex-offizier-belgien-erlaubt-ausnahme-im-fall-baud-li.10018432?utm_source=sharing&amp;utm_medium=mobile&amp;utm_campaign=article_default</a></p><p>Was Baud dazu sagte, entspricht exakt der EU-Gesetzgebung. Die EU-Mitgliedstaaten, die f&#252;r die Umsetzung der Sanktionen zust&#228;ndig sind, m&#252;ssen den Sanktionierten auf ihrem Territorium ein Mindestma&#223; an &#220;berlebensf&#228;higkeit zugestehen.</p><p>Aber das ist nicht mein Punkt. Baud wurde am 15.12. 2025 durch einen Ratsbeschluss der EU sanktioniert. Im Februar 2026 &#8222;darf&#8220; er sich dar&#252;ber freuen, dass er wenigstens von seinem eigenen verdienten Geld seine &#8222;lebensnotwendigen Zwecke&#8220; bezahlen kann.</p><p>Hier wiehern nicht nur Amtsschimmel in EU-Staaten. Ich kann theoretisch noch verstehen, dass man angeblichen &#8222;Kreml-Propagandisten&#8220; nicht den roten Teppich ausbreiten will. Aber was denken diese Sanktions-Verwalter sich, wie ein Mensch &#252;berleben soll, ohne Zugang zum Bankkonto? &#220;ber mehr als einen Monat? Derweil die ganz sicher offline und online Geschenke zu Weihnachten kauften?</p><p>Was ist menschliches Verhalten in unserer Zeit? Grenzen werden verr&#252;ckt, Gewissen werden elastisch.</p><p>Wie war das bei Assange? Der war auch kein &#246;ffentlicher Sympathietr&#228;ger. Schwerst bestraft wurde er daf&#252;r, was er ver&#246;ffentlichte: Keine L&#252;gen, sondern Einblicke in die Schaltzentralen der Macht, auch Beweise f&#252;r Kriegsverbrechen.</p><p>Assange kam dennoch vergleichsweise glimpflich davon. Immerhin hatte die CIA &#252;ber seine Ermordung sinniert.</p><p><a href="https://www.yahoo.com/news/kidnapping-assassination-and-a-london-shoot-out-inside-the-ci-as-secret-war-plans-against-wiki-leaks-090057786.html?guccounter=1&amp;guce_referrer=aHR0cHM6Ly93d3cuZ29vZ2xlLmNvbS8&amp;guce_referrer_sig=AQAAAFkDHHJb5TDfpN5UTTEMVRpBsvEm10_othfEkcls3mo-33xGHoDc9AR1XUXBGFjber33PBLEsXIhpN44eNMyY3fIIPtJ7Rz3Q8Q4pma1NdfFP3LPeYtpWM1YmCRly5JBMpxPF3ZbYn2kGBb_Zj36DuL4kbHxg9wvukFYS9yFFiNt">https://www.yahoo.com/news/kidnapping-assassination-and-a-london-shoot-out-inside-the-ci-as-secret-war-plans-against-wiki-leaks-090057786.html?guccounter=1&amp;guce_referrer=aHR0cHM6Ly93d3cuZ29vZ2xlLmNvbS8&amp;guce_referrer_sig=AQAAAFkDHHJb5TDfpN5UTTEMVRpBsvEm10_othfEkcls3mo-33xGHoDc9AR1XUXBGFjber33PBLEsXIhpN44eNMyY3fIIPtJ7Rz3Q8Q4pma1NdfFP3LPeYtpWM1YmCRly5JBMpxPF3ZbYn2kGBb_Zj36DuL4kbHxg9wvukFYS9yFFiNt</a></p><p>So gesehen, sind auch Baud und die anderen EU-Sanktionierten auf EU-Territorium doch recht gl&#252;cklich dran: Es wird ihnen nicht &#8222;alles&#8220; genommen. Nur fast alles. Schon an diesem Kipp-Punkt beginnt deren &#8222;merkw&#252;rdiges Auff&#252;hren&#8220;, um an ein Gedicht zu erinnern (&#8220;Um einen Menschen wahnsinnig zu machen, nimm ihm alles. Sieh, wie merkw&#252;rdig er sich auff&#252;hrt&#8230;&#8220;).</p><p>In der Bundespressekonferenz ist der Sprecher des Ausw&#228;rtigen Amtes anhaltend &#252;berzeugt, alles sei nach Recht und Gesetz erfolgt. Mit Verlaub, das ist es nicht. Die EU-Sanktionen gegen&#252;ber B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern aufgrund frei ge&#228;u&#223;erter Meinung st&#252;tzen sich auf den EU-Rechtsakt 2024/2643. Diesem Rechtsakt h&#228;tte die Bundesregierung niemals zustimmen d&#252;rfen, weil er gegen die deutsche Verfassung, in dem Fall gegen Artikel 5 GG, verst&#246;&#223;t. Er ist EU-Unrecht.</p><p>In diesem Rechtsakt wurden unter der Losung, dass die EU einem &#8222;hybriden&#8220; Krieg Russlands ausgesetzt sei, die Planung und Durchf&#252;hrung von Sabotage- oder Kriegsakten oder sonstigen gewaltt&#228;tigen Aktivit&#228;ten (allesamt sanktionsw&#252;rdig) gleichgesetzt mit freier Meinungs&#228;u&#223;erung, die als russische (Feind)-Propaganda behandelt wird und vorgeblich die Sicherheit der ganzen EU und der Ukraine unterminiere.</p><p>An dieser Stelle will ich nicht dar&#252;ber rechten, ob einzelne Ans&#228;ssige in der EU &#252;berhaupt soviel Macht haben, wegen ihrer ge&#228;u&#223;erten Meinung die gesamte EU und/oder die Ukraine zu ersch&#252;ttern. Die Frage zu stellen, hei&#223;t, sie zu beantworten. Umgekehrt haben ja noch nicht einmal Regierungschefs in der EU die Macht, das politische Meinungsklima in der EU zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Sonst h&#228;tten wir in Frankreich oder Deutschland ganz andere Umfragewerte.</p><p>Mir geht es um etwas anderes. Im Jahr 2022 verbreitete das Ukrainische Zentrum gegen Desinformation beim Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat im Rahmen eines Seminars die Auffassung, dass &#8222;<em>Menschen, die absichtlich Desinformation verbreiten, Informations-Terroristen&#8220; seien.</em> Damals hie&#223; es: &#8220;<em>Solche Informationsterroristen sollten wissen, dass sie sich gesetzlich als Kriegsverbrecher verantworten m&#252;ssen.</em>&#8220;</p><p><a href="https://cpd.gov.ua/en/events-en/ngos-media-and-international-experts-took-part-in-a-roundtable-discussion-on-countering-disinformation/">https://cpd.gov.ua/en/events-en/ngos-media-and-international-experts-took-part-in-a-roundtable-discussion-on-countering-disinformation/</a></p><p>Eine Liste solcher &#8222;Informationsterroristen&#8220; wurde damals pr&#228;sentiert.</p><p><em>Newsweek</em> berichtete damals &#252;ber betroffene US-B&#252;rger, gab ausgew&#228;hlte Aussagen einiger Gelisteter wieder und ver&#246;ffentlichte ebenfalls Reaktionen auf diese Liste, einem &#8222;Who is Who&#8220; prominenter US-Stimmen. Tulsi Gabbard, heute US-Geheimdienstkoordinatorin, nannte die Liste &#8222;<em>heuchlerisch</em>&#8220;. Senator Rand Paul erkl&#228;rte, seine Loyalit&#228;t gelte den USA. Glenn Greenwald betrachtete das ganze Unterfangen als den &#8222;<em>&#252;blichen Mc Carthy-Unsinn&#8220;</em>.</p><p><a href="https://www.newsweek.com/tulsi-gabbard-rand-paul-placed-list-russian-propagandists-ukraine-1727831">https://www.newsweek.com/tulsi-gabbard-rand-paul-placed-list-russian-propagandists-ukraine-1727831</a></p><p>Schlie&#223;lich, wahrscheinlich aufgrund der US-Diskussionen dar&#252;ber, zog das Zentrum diese &#246;ffentliche Liste im Oktober 2022 zur&#252;ck. Auch die Bundesregierung zeigte sich erleichtert. Die Liste verschwand, das Denken blieb.</p><p>Im Internetarchiv l&#228;sst sie sich aufsp&#252;ren.</p><p><a href="https://web.archive.org/web/20220801015336/https://cpd.gov.ua/reports/%D1%81%D0%BF%D1%96%D0%BA%D0%B5%D1%80%D0%B8-%D1%8F%D0%BA%D1%96-%D0%BF%D1%80%D0%BE%D1%81%D1%83%D0%B2%D0%B0%D1%8E%D1%82%D1%8C-%D1%81%D0%BF%D1%96%D0%B2%D0%B7%D0%B2%D1%83%D1%87%D0%BD%D1%96-%D1%80%D0%BE/">https://web.archive.org/web/20220801015336/https://cpd.gov.ua/reports/&#1089;&#1087;&#1110;&#1082;&#1077;&#1088;&#1080;-&#1103;&#1082;&#1110;-&#1087;&#1088;&#1086;&#1089;&#1091;&#1074;&#1072;&#1102;&#1090;&#1100;-&#1089;&#1087;&#1110;&#1074;&#1079;&#1074;&#1091;&#1095;&#1085;&#1110;-&#1088;&#1086;/</a></p><p>Auch Deutsche standen auf dieser Liste: Wolfgang Bittner, Prof. Christian Hacke, der Bundestagsabgeordnete Rolf M&#252;tzenich, Alice Schwarzer und Johannes Varwick. Der Schweizer Jacques Baud fand sich ebenfalls unter den &#246;ffentlich an den Schandpfahl Gestellten. Die <em>Frankfurter Allgemeine</em> berichtete im Juli &#252;ber den &#8222;Fall M&#252;tzenich&#8220;. Der Abgeordnete M&#252;tzenich beschwerte sich, aber soweit ich das den Medien entnahm, war die Problematik nie klar.</p><p><em>SWR 3 </em>(Faktencheck) fragte: Gibt es wirklich eine &#8222;Terrorliste&#8220; der Ukraine?</p><p><em>SWR</em> kam zum Schluss, dass es nie eine ukrainische &#8222;Terrorliste&#8220; gab, was v&#246;llig korrekt war. Es gab &#8222;nur&#8220; eine ukrainische Vorstellung, dass alle, die nicht so dachten, wie sie sollten, &#8222;Informationsterroristen&#8220; sind.</p><p><a href="https://www.swr3.de/aktuell/fake-news-check/terrorliste-ukraine-muetzenich-faktencheck-100.html">https://www.swr3.de/aktuell/fake-news-check/terrorliste-ukraine-muetzenich-faktencheck-100.html</a></p><p>In den folgenden Jahren erwies sich besagtes ukrainisches Zentrum als &#228;u&#223;erst r&#252;hrig, mit Workshops, Seminaren, Berichten. Mit Unterst&#252;tzung der EU machten Zentrumsvertreter im April 2024 eine Reise nach Deutschland. Sie trafen dort Regierungsvertreter, darunter ausdr&#252;cklich des Bundesinnenministeriums, und pr&#228;sentierten ihren Bericht zum &#8222;Informationsraum&#8220; unseres Landes. Dieser war gemacht worden, &#8222;<em>um russische Informationskampagnen, destruktive Narrative, Schl&#252;sselpersonen, die der Propagandamaschinerie des Kremls unterstehen, und die am h&#228;ufigsten verwendeten Instrumente zu identifizieren.&#8220;</em></p><p><a href="https://cpd.gov.ua/en/events-en/the-study-visit-of-the-center-for-countering-disinformation-to-germany-took-place/">https://cpd.gov.ua/en/events-en/the-study-visit-of-the-center-for-countering-disinformation-to-germany-took-place/</a></p><p>Man sollte doch glauben, die deutschen Beh&#246;rden h&#228;tten eine Vorstellung &#252;ber den deutschen Informationsraum. Wie auch immer, der Inhalt des ukrainischen Berichtes ist inzwischen von der Website des Zentrums in allen Sprachfassungen gel&#246;scht. Er ist auch nicht mehr &#252;ber das Internetarchiv wiederherstellbar.</p><p><a href="https://cpd.gov.ua/en/report/analytical-report-information-influence-of-russia-in-germany/">https://cpd.gov.ua/en/report/analytical-report-information-influence-of-russia-in-germany/</a></p><p>Die Bundesregierung kennt ihn.</p><p>Es w&#228;re schon interessant zu erfahren, was da drin stand.</p><p>Inzwischen gibt es eine neue ukrainische Liste, die alle m&#246;glichen westlichen Sanktionsbeschl&#252;sse zusammenfasst. Eine Unterkategorie lautet: &#8222;Sprachrohre des Kremls&#8220;.</p><p><a href="https://war-sanctions.gur.gov.ua/en/propaganda/persons?page=7&amp;per-page=12">https://war-sanctions.gur.gov.ua/en/propaganda/persons?page=7&amp;per-page=12</a></p><p>Auch Jacques Baud ist dort gelistet, allerdings in verballhornter Schreibweise.</p><p><a href="https://war-sanctions.gur.gov.ua/en/sanctions/persons/24966">https://war-sanctions.gur.gov.ua/en/sanctions/persons/24966</a></p><p>Selbstbewusst wird zu allen Sanktionierten verk&#252;ndet: &#8222;<em>Die Propagandatruppen des Aggressors haben keinen Platz in der zivilisierten Welt.&#8220;</em></p><p>Damit ist die Essenz des EU-Rechtsaktes 2024/2643, auf den sich alle EU-Sanktionen wegen schriftlicher oder m&#252;ndlicher Meinungs&#228;u&#223;erung st&#252;tzen, auf den Punkt gebracht: Leben so Sanktionierte in der EU, sind sie nur noch physisch unter uns, ansonsten Vogelfreie.</p><p>Innerhalb von drei Jahren ist das in Kiew Vorgedachte, wenn es um Abwehr von russischer Propaganda geht, zu EU-Recht geworden, genauer gesagt, zu EU-Unrecht.</p><p>Die Zust&#228;ndigkeit f&#252;r diesen EU-Rechtsakt liegt beim Ausw&#228;rtigen Amt. Er wurde im Oktober 2024 im Finanzministerrat ohne Diskussion politisch abgenickt, nachdem die EU-Botschafter der Mitgliedstaaten sich auf den Text verst&#228;ndigt hatten. Die Frage, ob er in Deutschland je Gegenstand einer Abstimmung zwischen den Ministerien war, ob ihn die Au&#223;enministerin ausdr&#252;cklich billigte, ist bis heute unbeantwortet. Da Ministerin Baerbock nach eigenem Bekunden &#8222;eher aus dem V&#246;lkerrecht&#8220; kommt, h&#228;tte ihr das zutiefst Unrechtm&#228;&#223;ige dieses EU-Rechtsaktes bewusst sein m&#252;ssen.</p><p>Auch dem Sprecher des Ausw&#228;rtigen Amtes scheint nicht klar, dass der Rechtsakt 2024/2643 in der aktuellen Fassung T&#252;r und Tor daf&#252;r &#246;ffnet, jede Meinung eines EU-B&#252;rgers, die nicht ins Konzept passt, willk&#252;rlich zu bestrafen, ohne vorherige Anh&#246;rung, ohne R&#252;cksicht auf Verfassungsrechte. Anklage, Richterspruch und Vollzug liegen in einer Person.</p><p>Auf EU-Ans&#228;ssige angewendet, werden sie durch EU-Sanktionen auf ihre blo&#223;e Existenz zur&#252;ck geworfen: mit einem pl&#246;tzlich gesperrten Konto, nunmehr v&#246;llig abh&#228;ngig, wann was von Beh&#246;rden freigeben wird zur Sicherung eines Existenzminimums, ohne EU-Reisefreiheit und mit Strafandrohung an jeden Dritten, der dann immer noch helfen will. Erst nachtr&#228;glich k&#246;nnen Angeklagte sich wehren. Das dauert. Da sind sie schon l&#228;ngst in die Tonne getreten, als vorgebliche Feinde. Denn alle von solchen EU-Sanktionen Betroffenen gelten de facto als Gef&#228;hrder der Sicherheit und des Zusammenhalts der EU. Also des gro&#223;en Ganzen.</p><p>Dass solche Fragen in eine EU-Rechtsgrundlage (2024/2643) gegossen wurden, zeigt, was ideologische Kriegsf&#252;hrung anzurichten vermag. Wer mitten unter uns an &#8222;informationelle Terroristen&#8220; des Kremls glaubt und diese dann wie Kriegsverbrecher aus der menschlichen Gesellschaft ausspuckt, hat den Krieg l&#228;ngst verinnerlicht. Um den Preis des Grundgesetzes, der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit, der Freiheitsrechte. Die Bundesregierung sollte daher umgehend die Rei&#223;leine ziehen. Sie muss auf den Boden des Grundgesetzes zur&#252;ckkehren. Der EU-Unrechtsakt 2024/2643 darf so nicht bestehen bleiben.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Glücklicher Vasall oder elender Sklave?]]></title><description><![CDATA[Die "Weltuntergangsuhr" tickt lauter denn je]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/glucklicher-vasall-oder-elender-sklave</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/glucklicher-vasall-oder-elender-sklave</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Thu, 29 Jan 2026 11:53:59 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/HcJgncqw8R8" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Erinnerung:</strong></p><p>Laut <em>The Hill</em> soll Trump auf einer Spendenparty gesagt haben, er habe w&#228;hrend seiner ersten Amtszeit Putin angedroht, Moskau zu &#8222;Schei&#223;e&#8220; zu zerbomben, wenn Russland in die Ukraine einfallen w&#252;rde. Putin habe geantwortet: Das machst Du nicht. Aber, so Trump weiter: Zu 10 Prozent habe Putin es ihm geglaubt. Falls auch nur zu f&#252;nf Prozent, sei das auch in Ordnung. Gleiches habe er in Sachen Taiwan mit Xi veranstaltet.</p><p><a href="https://thehill.com/policy/international/5391837-donald-trump-donors-russia-ukraine-war/">https://thehill.com/policy/international/5391837-donald-trump-donors-russia-ukraine-war/</a></p><p><strong>Gegenwart:</strong></p><p>Es gibt aktuell keinen politischen Anf&#252;hrer, der besser versteht, wie das mediale Zeitalter funktioniert, als Donald Trump: Bereits im Wahlkampf 2016 bewies er das und sicherte sich- so die <em>New York Times</em> 2016 - kostenlose Medienaufmerksamkeit im Wert von &#252;ber zwei Milliarden Dollar.</p><p>So wird eine Sau nach der anderen durchs globale Dorf getrieben. Fast alle galoppieren hinterher. Vorvorgestern Gaza, gestern Ukraine, heute Venezuela, morgen Kolumbien? Oder doch Kuba? Oder vielleicht Mexiko? Gr&#246;nland? Der Iran? Und dann wieder Gaza usw.</p><p>Insofern verwirklicht Trump, das muss man ihm neidlos lassen, sehr viel besser, was schon die Bush-Administration versuchte, woran sie aber scheiterte. Die beschied 2004 einem Journalisten unmissverst&#228;ndlich: Wir sind ein Imperium&#8230;Bevor ihr auch nur einigerma&#223;en versteht, was geschieht, sind wir schon wieder bei einem anderen Thema, in einer anderen Realit&#228;t.</p><p>https://www.nytimes.com/2004/10/17/magazine/faith-certainty-and-the-presidency-of-george-w-bush.html</p><p>Im Unterschied zu seinen Vorg&#228;ngern hat es Trump aufgegeben, seine Politik mit irgendwelchen Floskeln zu garnieren. Er ist ganz unverbl&#252;mt: Es geht ihm allein um die Interessen der USA, so wie die Machteliten sie aktuell definieren. Steht die US-Verfassung dagegen, dann wird darauf gepfiffen. So ergeht es auch dem V&#246;lkerrecht, neuerdings auch der sogenannten &#8222;regelbasierten Ordnung&#8220;. Der Golf von Mexiko? Das war gestern. Wenn Trump, der sich wie ein Weltenk&#246;nig pr&#228;sentiert, konsequent bleibt, wird er demn&#228;chst die &#8222;westliche&#8220; Hemisph&#228;re in &#8222;amerikanische&#8220; Hemisph&#228;re umbenennen. Der Anspruch der USA ist immer der gleiche: Wir regieren die Welt.</p><p><em>&#8222;Ist Europa bereit f&#252;r Trumps Welt?&#8220;</em>, fragte <em>BILD</em>. Der habe mit seinem &#8222;Venezuela-Krieg&#8220; die ganze Welt &#8222;ver&#228;ndert&#8220;. Politische Verweise auf die internationale Ordnung und das V&#246;lkerrecht erscheinen den BILD-Autoren edel, aber auch hilflos. Sie schlussfolgerten: &#8222;W<em>ir leben nicht nur in einer Welt, in der Gro&#223;m&#228;chte immer brachialer ihre Interessen durchsetzen &#8211; sondern auch in einer Welt, in der Europa nicht mehr von der Gro&#223;macht USA rundum besch&#252;tzt wird. Wenn Europa nicht lernt, selbst seine Interessen zu verteidigen und durchzusetzen, droht es, zum Einflussgebiet fremder M&#228;chte zu werden.&#8220;</em></p><p><a href="https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/bild-analyse-zum-sturz-von-diktator-maduro-trumps-venezuela-krieg-veraendert-die-ganze-welt-69596b6efb77630dac276919">https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/bild-analyse-zum-sturz-von-diktator-maduro-trumps-venezuela-krieg-veraendert-die-ganze-welt-69596b6efb77630dac276919</a></p><p>Merkw&#252;rdigerweise halten es inzwischen viele f&#252;r &#8222;Realpolitik&#8220;, das Einzige aufzugeben, was die internationale Staatengemeinschaft vom Gesetz des Dschungels trennt - das Recht.</p><p>Dann k&#246;nnen sie sich allerdings k&#252;nftig ihr Geschrei wegen des (v&#246;lkerrechtswidrigen) russischen Angriffs auf die Ukraine sparen. Aber insofern h&#228;ngen sie immer noch einer eisernen Regel der &#8222;regelbasierten Ordnung&#8220; an. Danach gilt: Was der eine darf, darf der andere noch lange nicht.</p><p>Damit w&#228;ren westliche Anf&#252;hrer auch weiter gl&#252;cklich geblieben. Macron versicherte Trump privat, dass er doch in Sachen Iran, Syrien und Venezuela auf seiner Seite st&#252;nde. Aber Gr&#246;nland?</p><p>Der kanadische Ministerpr&#228;sident gab in Davos unumwunden zu, dass die regelbasierte Ordnung nur eine n&#252;tzliche Schim&#228;re war. Alle h&#228;tten sie die Kerze (das Schild) ins Fenster gestellt. Nun aber blies er sie aus. Demn&#228;chst soll das Kanada-Mexiko-USA-Handelsabkommen &#252;berpr&#252;ft werden. Zur Vorsicht ging Kanada eine strategische Partnerschaft mit China ein. </p><p>Der belgische Ministerpr&#228;sident De Wever brachte in Davos das Ganze wie folgt auf den Punkt: Jetzt ginge es um die Selbstachtung. Es sei das eine, ein gl&#252;cklicher Vasall zu sein, ein elender Sklave jedoch etwas ganz anderes.</p><div id="youtube2-HcJgncqw8R8" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;HcJgncqw8R8&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/HcJgncqw8R8?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>So entbl&#246;&#223;en sich &#252;berzeugte &#8222;Atlantiker&#8220; selbst, immer bereit, den USA zu dienen, weil sie sie brauchen, ihr deshalb so weit wie m&#246;glich entgegenkommen, sie bes&#228;nftigen, zuletzt bei der EU-US-Handelseinigung. Sie machen Appeasement, was doch angeblich so verp&#246;nt ist.</p><p>Einen Tag sp&#228;ter traf De Wever f&#252;r 15 Minuten und gemeinsam mit dem belgischen K&#246;nig den amerikanischen Pr&#228;sidenten. Ob er dem wohl ins Gesicht sagte, was er auf dem Podium angek&#252;ndigt hatte? Nichts, was in dieser knappen Begegnung besprochen wurde, drang nach au&#223;en.</p><p>So erging es auch dem Ergebnis des Gespr&#228;chs zwischen Trump und dem Nato-Generalsekret&#228;r Rutte &#252;ber Gr&#246;nland. Es seien Arbeitsgruppen gebildet worden. Die Aufgabe der ersten sei, dar&#252;ber zu diskutieren, wie die Nato kollektiv am besten mehr Zugang von Russland und China zur Arktis verhindern k&#246;nne, einschlie&#223;lich der &#246;konomischen Nutzung dieses Raums.</p><p>Das jedenfalls erz&#228;hlte Rutte dem au&#223;enpolitischen und dem verteidigungspolitischen Ausschuss des Europ&#228;ischen Parlaments.</p><p>Das steht zwar in diametralem Widerspruch zur erkl&#228;rten Aufgabe des Arktischen Rates. Aber nun, da die USA die Arktis als Sicherheitsproblem identifiziert haben, gilt das auch nicht mehr. </p><p>Derweil k&#246;nnen die Gr&#246;nl&#228;nder angeblich nicht mehr gut schlafen. Nicht aus Sorge vor den Russen oder den Chinesen. Sie bedr&#252;cken die Pl&#228;ne der USA.https://www.facebook.com/christinaloreynews/posts/what-a-monster-in-greenland-kids-cant-sleep-at-night-over-fears-that-dictator-do/1288955933051649/</p><p>Rutte`s Auftritt bei den EU-Parlamentariern war alles in allem eine Glanznummer. Auf der einen Seite erteilte er allen Ger&#252;chten oder Bef&#252;rchtungen, die USA k&#246;nnten sich aus &#8222;Europa&#8220; zur&#252;ckziehen, eine unmissverst&#228;ndliche Absage. Andererseits erkl&#228;rte er jede europ&#228;ische &#220;berlegung, die Sicherheit in die eigenen H&#228;nde zu nehmen, zum Traum. Sein Forderungskatalog war unzweideutig: Alles, was die &#8222;Europ&#228;er&#8220; machen, sollten sie komplement&#228;r und in Abstimmung mit der Nato tun. Sie sollen weiter bei den USA die Waffen kaufen, die die Ukraine braucht. Eine &#8222;EU-Pr&#228;ferenzklausel&#8220; (eine franz&#246;sische Forderung, um EU-R&#252;stungsunternehmen zu bevorzugen) f&#252;r die gemeinsame Finanzierung von R&#252;stungsanstrengungen fand er auch nicht gut.</p><p>Rutte lag bei seinem Auftritt im EP genau auf der Linie der neuen Pentagon-Strategie f&#252;r 2026, die die Nationale Sicherheitsstrategie der USA ausbuchstabiert. Das Pentagon lie&#223; bei der Gelegenheit auch noch wissen, dass die neuen sicherheitspolitischen Gegebenheiten radikale &#196;nderungen verlangen. In allem. Auch in der Tonlage.</p><p>Ab sofort wird es, so das Pentagon, &#8222;Muster&#8220;-Alliierte geben. Israel wurde ausdr&#252;cklich genannt. In diese Kategorie werden alle fallen, die genau das machen, was die USA (und die von ihr gef&#252;hrte Nato) wollen.</p><p>Dabei hilft die &#8222;crybaby&#8220;-Taktik, also sich unentwegt dar&#252;ber beschweren, wie sehr die USA doch in der Vergangenheit von ihren Verb&#252;ndeten (ihren gl&#252;cklichen Vasallen &#224; la De Wever) ausgenutzt wurden. Trump beherrscht sie meisterlich.</p><p>Was haben wir doch alle in der Vergangenheit auf Kosten der USA gelebt: Die Vorstellung einer sozialen Marktwirtschaft beherrschte die EU, mit hohen Sozial- und Gesundheitsstandards, w&#228;hrend das amerikanische Volk nichts von alledem hat.</p><p>Merke: Wenn wir demn&#228;chst bei f&#252;nf Prozent (oder auch mehr) R&#252;stungsausgaben landen, und anderswo &#8222;Einsparungen&#8220; machen (also den Sozialstaat &#8222;umbauen&#8220;), dann helfen wir nicht nur uns, sondern auch den geschurigelten US-W&#228;hlern von Trump, die bisher die Lasten der endlosen Kriege und Regime-change-Operationen zu tragen hatten.</p><p>Bei wem sind die Kriegsgewinne angekommen? Laut Bernie Sanders haben die drei gro&#223;en US-R&#252;stungsunternehmen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine bis 2024 255 Mrd. Dollar an Steuergeldern bekommen. 52 Mrd. Dollar landeten &#252;ber gro&#223;z&#252;gige Dividendenaussch&#252;ttungen und Aktienr&#252;ckk&#228;ufe direkt in der Tasche der Anteilseigner dieser drei. Und nat&#252;rlich h&#228;tten alle nach noch mehr Steuergeldern geschrien.</p><p>https://www.sanders.senate.gov/press-releases/news-sanders-on-the-war-profiteering-of-major-defense-contractors/</p><p>Nebenbei, es geht nicht nur um das Verwursten von &#246;ffentlichen Mitteln der USA (und aus der EU) zugunsten privater R&#252;stungsunternehmen. Es geht um Z&#246;lle, um die Zusicherungen zur Abnahme von US-Gas, Zusicherungen auf Investitionen in den USA.</p><p>Es reicht nie.</p><p>Die Globalisierung, einst zum Heiligen Gral erkl&#228;rt, funktioniert aus Sicht der USA nicht mehr. Andere gewinnen mehr, und das ist nicht akzeptabel, erz&#228;hlte der US-Handelsminister Lutnick in Davos. Nur wenn die USA gl&#228;nzen, gl&#228;nzen alle.</p><div id="youtube2-eO98KgWbXFw" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;eO98KgWbXFw&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/eO98KgWbXFw?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Alles klar?</p><p>Auch Trump wurde in Davos ganz deutlich. Um seine Landsleute bei den Arzneimittelkosten zu entlasten, brauche er ein h&#246;heres Preisniveau bei (verschreibungspflichtigen) Medikamenten in der EU. Er habe dar&#252;ber mit Macron gesprochen. Sein Beispiel startete bei 10 Dollar. Wie w&#228;re es mit 20 oder 30 Dollar auf Eurer Seite, lieber Emmanuel?</p><p>Das klingt nach nicht viel, wie eine ganz kleine Solidarit&#228;tsabgabe. Nach dieser Methode w&#228;re es eine Verdopplung oder Verdreifachung. Vielleicht sogar eine Vervierfachung? So rede er mit allen, sagte Trump. Alle, auch Emmanuel, h&#228;tten zun&#228;chst Nein gesagt, aber dann drohe er mit Z&#246;llen.</p><p><a href="https://www.weforum.org/stories/2026/01/davos-2026-special-address-donald-trump-president-united-states-america/">https://www.weforum.org/stories/2026/01/davos-2026-special-address-donald-trump-president-united-states-america/</a></p><p>Ja, wie bleibt man unter solchen Bedingungen gl&#252;cklicher Vasall? De Wever, der schon &#246;fter recht illusionslos redete, hat es offenbar aufgegeben, ein Partner werden zu wollen.</p><p>Das alles stellt schon die Frage, wohin die Reise geht. Eine Antwort gaben j&#252;ngst die US-Atomphysiker: Geht es so weiter, n&#228;hern wir uns mit Siebenmeilenstiefeln dem Ende unserer Zivilisation. Ihre  wissenschaftliche Warnung ist eindeutig: <em>&#8220;Unser derzeitiger Kurs ist nicht zukunftsf&#228;hig. Die Staats- und Regierungschefs &#8211; insbesondere in den Vereinigten Staaten, Russland und China &#8211; m&#252;ssen die F&#252;hrung &#252;bernehmen und einen Weg aus dieser Sackgasse finden. Die B&#252;rger m&#252;ssen darauf bestehen, dass sie dies tun.&#8221;</em></p><p>https://thebulletin.org/doomsday-clock/2026-statement/</p><p>Aber diese Wissenschaftler hatten keine Rederecht in Davos, und was sie zu sagen haben, interessiert leider nur die Wenigsten. </p><p>Wissenschaft?</p><p>Das war vor dem Zeitalter der Annahme vom &#8222;ewigen Feind&#8220;, vor der Behauptung, die Sorge vor einem Atomkrieg sei nichts als ein Produkt russischer Propaganda. Wenn START nicht verl&#228;ngert wird, gibt es nichts mehr, was dem atomaren Wettr&#252;sten Einhalt gebieten k&#246;nnte.</p><p>Und doch, auch im Trump-Universum gibt es gl&#252;cklicherweise (noch) eine gro&#223;e L&#252;cke zwischen bombastischen Ank&#252;ndigungen hinter verschlossener T&#252;r und dem tats&#228;chlichen politischen Handeln gegen&#252;ber atomaren Superm&#228;chten.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wie der "Fall" Baud und andere möglich wurden und wer die Verantwortung trägt]]></title><description><![CDATA[Eine Rekonstruktion]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/wie-der-fall-baud-und-andere-moglich</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/wie-der-fall-baud-und-andere-moglich</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Tue, 20 Jan 2026 14:01:28 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/m6ZCOYJu4h0" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Man soll nicht das Kind mit dem Bad ausgie&#223;en, hei&#223;t es, aber genau das passiert aktuell auf vielen Portalen, wenn &#252;ber die EU-Sanktionen gesprochen wird, die gegen&#252;ber EU-Staatsangeh&#246;rigen bzw. Schweizer B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern verh&#228;ngt wurden. Stichwort: Jacques Baud.</p><p>Fast immer wird die Europ&#228;ische Kommission als die daf&#252;r schuldige Institution an den Pranger gestellt. Das ist falsch, und es ist politisch hochgef&#228;hrlich. Nat&#252;rlich stellt sich die Kommission &#246;ffentlich gerne als die &#8222;Spinne im Netz&#8220; dar. Aber die EU ist komplizierter. Man kann, ja muss, jede Institution einschlie&#223;lich der Europ&#228;ische Kommission f&#252;r das kritisieren, was sie verbocken. Aber alles, was einem an der EU nicht passt, der Kommission in die Schuhe zu schieben, zeigt nur, dass das Unbehagen gegen&#252;ber der EU sehr gro&#223;, aber der Wissenstand &#252;ber die tats&#228;chlichen Vorg&#228;nge in der EU eher bescheiden ist.</p><p>Was nun die j&#252;ngsten Sanktionsentscheidungen des Rates gegen -vereinfacht ausgedr&#252;ckt - &#8222;Sprachrohre des Kremls&#8220; betrifft: Die Kommission hat damit gar nichts zu tun.</p><p>Das einzige Verbindungsglied ist, dass der Hohe Beauftragte f&#252;r Au&#223;en-und Sicherheitspolitik (umgangssprachlich &#8222;EU-Chefdiplomat&#8221;), f&#246;rmlich auch Mitglied der Europ&#228;ischen Kommission ist, im Rang eines Vizepr&#228;sidenten. Der Europ&#228;ische Diplomatische Dienst ist ein Zwitter aus EU-Beamten und Beamten aus EU-Mitgliedstaaten.</p><p>Was der Hohe Vertreter tut, unterliegt in der Regel nicht dem regul&#228;ren Kommissionsverfahren, obwohl das anf&#228;nglich (2009) durchaus versucht wurde.</p><p>Das neue au&#223;enpolitische Sanktionsrecht, das sich gegen sogenannte &#8222;hybride&#8220; Kriegsakte Russlands wendet und diese vergelten soll, ist nicht zun&#228;chst in der Europ&#228;ischen Kommission besprochen oder gar gebilligt worden. Das ist anhand der Tagesordnung der Kommissionssitzungen im Fr&#252;hsommer und Sommer 2024 nachweisbar.</p><p>Handelt ein &#8222;EU-Chefdiplomat&#8220;, tut er es (Borrell) oder sie (Kallas) im Auftrag und namens des Rates der EU, also der Au&#223;en- und -je nach Sachlage- der Verteidigungsminister der Mitgliedstaaten der Europ&#228;ischen Union.</p><p>Deshalb habe ich mich entschlossen, das genaue Verfahren zu skizzieren, wie die EU-Rechtsgrundlagen f&#252;r den individuellen Erlass von Sanktionen als Teil von Sanktionsma&#223;nahmen gegen Russland zustande kamen.</p><p>Es geht konkret um zwei Verordnungen des Rates vom 8.10. 2024: die Verordnung 2024/2642 und die Verordnung 2024/2643.</p><p>Die tragen jeweils den Titel: &#8230;&#8220;&#252;ber restriktive Ma&#223;nahmen angesichts der destabilisierenden Aktivit&#228;ten Russlands&#8220;. Dabei st&#252;tzt sich die Verordnung 2024/2642 auf die Verordnung 2024/2643.</p><p><a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202402642">https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202402642</a></p><p>sowie</p><p><a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202402643">https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202402643</a></p><p>Beide Verordnungen wurden aufgrund einer separaten Beschlussvorlage vom Rat beschlossen. Alles stand auf der Tagesordnung des Finanzministerrates der EU vom 8. Oktober 2024 (vgl. Punkt 15: Beschluss und Verordnung des Rates &#252;ber restriktive Ma&#223;nahmen angesichts der destabilisierenden Handlungen Russlands). Der Finanzministerrat beschloss ohne <strong>Aussprache.</strong> Es erfolgte also keine politische Diskussion.</p><p>Das ist &#252;blich, wenn auf der Ebene der Botschafter der EU-Staaten bereits eine Einigung erreicht wurde. Genau das wurde in der Tagesordnung des Finanzministerrates auch ausgewiesen: Einigung im AstV (Ausschuss der St&#228;ndigen Vertreter der EU-Staaten) am 2. Oktober 2024. Zudem werden in der Tagesordnung immer auch die unmittelbaren Vorl&#228;uferdokumente angegeben.</p><p><a href="https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-13871-2024-INIT/de/pdf">https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-13871-2024-INIT/de/pdf</a></p><p>Da es sich um ein vertrauliches Verfahren handelt, ist der Inhalt dieser Dokumente nicht allgemein zug&#228;nglich. Aber man kann mittels der Datenbank des &#246;sterreichischen Parlaments nachvollziehen, wie sich alles entwickelte.</p><p>Am 5. August 2024, mitten in der Br&#252;sseler Sommerpause, wurde im Rat ein Dokument (8741/24) namens des damaligen Hohen Vertreters Josep Borrell erstellt. Am 16. August 24 wurde es den Mitgliedstaaten &#252;bermittelt, zwecks Befassung in der Relexgruppe (Ratsarbeitsgruppe: &#8222;Gruppe der Referenten f&#252;r Au&#223;enbeziehungen&#8220;) am 5.9. 2024.</p><p>Der Titel:</p><p>&#8222;Vorschlag des Hohen Vertreters der Union f&#252;r Au&#223;en- und Sicherheitspolitik an den Rat f&#252;r einen Beschluss (GASP) 2024/... des Rates &#252;ber restriktive Ma&#223;nahmen angesichts der destabilisierenden Handlungen Russlands&#8220;</p><p>https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVII/EU/195272</p><p>sowie</p><p>https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVII/EU/194692</p><p>Das in der Tagesordnung des Finanzministerrates erw&#228;hnte Ratsdokument 8742/24 (Beschluss des Rates) wurde f&#246;rmlich am 1. Oktober erstellt und zwar sehr wahrscheinlich im Ergebnis der Relex-Gruppensitzung vom 5.9. 24. Im fraglichen September fand keine weitere Gruppensitzung statt.</p><p>Es wurde dann den EU-Mitgliedstaaten am 1.10.24 &#252;bermittelt und auf Botschafterebene am 2.10. 24 besprochen. Im Ergebnis wurde es korrigiert. Dokument 8744/24 (es betrifft die Ratsverordnung 2024/2643 ) wurde ebenfalls im AstV behandelt und dort ebenfalls ver&#228;ndert.</p><p>Diese Ver&#228;nderung vom 3.10.24 ist &#246;ffentlich zug&#228;nglich.</p><p><a href="https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-8744-2024-COR-1/de/pdf">https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-8744-2024-COR-1/de/pdf</a></p><p>Zum Dokument 8745/24 erfolgte eine Korrektur einer auf Botschafterebene am 2.10.24 erfolgten &#196;nderung am 7.10. 2024. Dieses Dokument ist nicht &#246;ffentlich zug&#228;nglich.</p><p><a href="https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVII/EU/198945">https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVII/EU/198945</a></p><p>Nach erfolgtem Durchwinken beider Ratsverordnungen im Finanzministerrat wurde eine Presseerkl&#228;rung des Hohen Beauftragten Borrell ver&#246;ffentlicht. Dieser befand sich zum Zeitpunkt der f&#246;rmlichen Beschlussfassung im Europ&#228;ischen Parlament in Stra&#223;burg. In der Erkl&#228;rung hie&#223; es unter anderem:</p><p><em>&#8222;Mit dem heutigen Beschluss, einen speziellen Rahmen f&#252;r restriktive Ma&#223;nahmen angesichts der destabilisierenden Aktivit&#228;ten Russlands zu schaffen, unternimmt die EU einen weiteren entscheidenden Schritt. Mit dem neuen Rechtsrahmen kann die EU gegen diejenigen, die f&#252;r Russlands destabilisierende Handlungen weltweit verantwortlich sind, sie umsetzen, unterst&#252;tzen oder davon profitieren, ebenso wie deren Verb&#252;ndete und Unterst&#252;tzer vorgehen.&#8220;</em></p><p>https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2024/10/08/hybrid-threatsrussia-statement-by-the-high-representative-on-behalf-of-the-eu-on-russia-s-continued-hybrid-activity-against-the-eu-and-its-member-states/</p><p>Durch das Verfahren des Zustandekommens der EU-Rechtsakte kann nachgewiesen werden, dass die Kommission nicht damit befasst war. Zudem sind diese Ratsverordnungen, die unmittelbar in allen Mitgliedstaaten gelten, ein reines und (meines Erachtens) insgesamt &#228;u&#223;erst schlechtes Beamtenprodukt, an dem die Mitarbeiter des Hohen Beauftragten (der Europ&#228;ische Diplomatische Dienst), das Generalsekretariat des Rates und die Au&#223;enministerien der einzelnen EU-Staaten beteiligt waren.</p><p>Die Kommission h&#228;tte sehr viel cleverer formuliert. Die Kommission h&#228;tte schon versucht, wenigstens den Anschein zu erwecken, dass alles &#8222;rechtens&#8220; sei. Ihr w&#228;re eine Feststellung, wie in Erw&#228;gungsgrund 8 der Ratsverordnung (2024/2643) nicht passiert: Darin wird auf eine Ver&#246;ffentlichung des Europ&#228;ischen Ausw&#228;rtigen Dienstes zu Bedrohungen durch ausl&#228;ndische Informationsmanipulation und Einflussnahme Bezug genommen, womit es sich um eine &#8222;<em>zumeist nicht rechtswidrige Verhaltensweise</em>&#8220; handele. Man wahrte noch nicht einmal den Anschein der Legalit&#228;t, auch wenn die Verordnung an sp&#228;terer Stelle behauptet, alles sei menschenrechtskonform.</p><p>Keiner der damals an der Schaffung der Rechtsakte Beteiligten stellte sich offenbar die Frage, ob dieser den Ma&#223;st&#228;ben der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit gen&#252;gt. Inzwischen liegt ein Gutachten vor, das von fraktionslosen deutschen Abgeordneten im Europ&#228;ischen Parlament (ich betreibe keine Wahlwerbung) beauftragt wurde, wie diese Rechtsgrundlage unter dem Aspekt des Schutzes der Meinungsfreiheit zu bewerten sei Das Urteil der hochkar&#228;tigen Gutachter ist klar, und es ist vernichtend.</p><p><a href="https://bsw-ep.eu/wp-content/uploads/Rechtsgutachten_Sanktionen_gegen_natuerliche_Personen_BSW_von_der_Schulenburg_Firmenich.pdf">https://bsw-ep.eu/wp-content/uploads/Rechtsgutachten_Sanktionen_gegen_natuerliche_Personen_BSW_von_der_Schulenburg_Firmenich.pdf</a></p><p>Die <em>Frankfurter Rundschau </em>berichtete am 8. Januar 2026 unter dem Titel &#8222;Jacques Baud wegen Ukraine-Propaganda sanktioniert &#8211; Cancel Culture?&#8220; &#252;ber den Fall. Zun&#228;chst wurde die Ratsbegr&#252;ndung zitiert, dann die &#196;u&#223;erung des Sprechers des Ausw&#228;rtigen Amtes wiedergegeben. Der begr&#252;ndete die Zustimmung der Bundesrepublik im Rat zur Entscheidung ( auch wieder nur auf Botschafterebene ausgehandelt) wie folgt:</p><p>&#8222;&#8230;<em>wenn die rechtlichen Gr&#252;nde daf&#252;r vorliegen und es eine entsprechende Entscheidung des Rats der Europ&#228;ischen Union gibt</em>&#8220;. Er f&#252;gte hinzu: &#8222;<em>Alle, die auf diesem Feld unterwegs sind, m&#252;ssen damit rechnen, dass es auch ihnen passieren kann</em>.&#8220;</p><p>Warum fragt keiner, was er meinte mit &#8222;die rechtlichen Gr&#252;nde vorliegen&#8220;? Welche denn? Oder &#8222;a<em>uf diesem Feld unterwegs sind</em>&#8220; Auf welchem Feld? Und was hei&#223;t &#8222;unterwegs&#8220;? Was heisst: &#8222;alle&#8220;? Es gibt keine Definition m&#246;glicher sanktionsw&#252;rdiger Delikte, wenn es um Meinungs&#228;u&#223;erung oder Propaganda geht, in der betreffenden Ratsverordnung.</p><p>Sprecher der Gr&#252;nen und der Linken &#228;u&#223;erten Zustimmung zur Entscheidung der Bundesregierung. Die europapolitische Sprecherin der Linken wurde wie folgt zitiert: &#8222;<em>Russische Desinformation ist ein massives Problem, <strong>die bisherigen Sanktionen gegen von Russland finanzierte und gest&#252;tzte Propagandisten </strong>in der EU sind <strong>Instrumente einer wehrhaften und handlungsf&#228;higen Demokratie.</strong> In diesem Sinne verstehen wir auch die Entscheidungen des Rates im Dezember.&#8220;</em></p><p><a href="https://www.fr.de/politik/jacques-baud-wegen-ukraine-propaganda-sanktioniert-cancel-culture-94114189.html">https://www.fr.de/politik/jacques-baud-wegen-ukraine-propaganda-sanktioniert-cancel-culture-94114189.html</a></p><p>Wenn man nichts wei&#223;, versteht man entweder alles oder gar nichts.</p><p>Sind diese EU-Sanktionen gegen <em><strong>von Russland finanzierte(n) und gest&#252;tzte(n) Propagandisten </strong></em>erlassen worden? Gibt es einen solchen Straftatbestand in der Bundesrepublik Deutschland? Dass Baud von Russland finanziert oder unterst&#252;tzt wurde, haben noch nicht mal seine Ratsankl&#228;ger, -richter und -vollstrecker behauptet.</p><p>Was ist an einer Demokratie &#8222;wehrhaft&#8220;, wenn sie sich gegen die grundgesetzlich gesch&#252;tzte Meinungsfreiheit vers&#252;ndigt? Was ist &#8222;handlungsf&#228;hig&#8220;, wenn rechtsstaatliche Prinzipien wie das Recht auf Anh&#246;rung und auf einen fairen Prozess aufgegeben werden?</p><p>Um es klar zu sagen: Wir reden hier &#252;ber elementares Unrecht, eine Ratsverordnung 2024/2643, die niemals in der vorliegenden Form (soweit es die freie Meinungs&#228;u&#223;erung betrifft) h&#228;tte angenommen werden d&#252;rfen. Jedenfalls nicht, wenn man auf dem Boden des Grundgesetzes steht, die Meinungsfreiheit als ein demokratisches Grundrecht und verbrieftes Menschenrecht achtet und sch&#252;tzt, rechtsstaatliche Grunds&#228;tze verinnerlicht hat und den EU-Vertrag ernst nimmt.</p><p>Es gibt viele, die - so wie auch ich - im Fall der europ&#228;ischen EU-Sanktionierten den Eingriff in elementare demokratische Grundrechte kritisieren, die unter der Losung: Kampf gegen den &#8222;hybriden&#8220; russischen Krieg stattfinden. Denn keiner bei Verstand kritisiert, dass die EU gegen die Planer, Organisatoren und Durchf&#252;hrer von gewaltsamen Aktionen mit Sanktionen vorgeht.</p><p>Um es abzuschlie&#223;en: Die Europ&#228;ische Kommission hat an den Sanktionsbeschl&#252;ssen, die dem angeblichen Kampf gegen &#8222;russische Propaganda&#8220; bzw. den &#8222;hybriden&#8220; Krieg Russlands dienen, nicht den geringsten Anteil. Der EU-Vertrag wurde genauso verletzt wie das deutsche Grundgesetz. Ich lehne es daher auch strikt ab, den Fall Jacques Baud (und andere) zu einer Kampagne gegen die EU zu machen.</p><p>Nicht die europ&#228;ische Integration ist das Problem. Es sind die, die sie missbrauchen. Diejenigen, die alles abnicken, nicht mehr nachdenken, weil sie glauben, alles sei inzwischen gut und richtig im Kampf gegen Russland. Die gar nicht mehr merken, dass sie in diesem Kampf ihre Werte verlieren. Oder all jener, die sich vor eigenem Denken l&#228;ngst f&#252;rchten.</p><p>Ich lehne es strikt ab, dass &#252;ber so weitreichende Beschl&#252;sse wie die erw&#228;hnten Ratsverordnungen und sich darauf gr&#252;ndende individuelle Sanktionsbeschl&#252;sse in der EU im Rat nicht mehr politisch diskutiert wird, man alles Beamten &#252;berl&#228;sst. Das ist au&#223;erhalb dessen, wof&#252;r sie bezahlt werden.</p><p>Der sanktionierte deutsche Journalist H&#252;seyin Do&#287;ru sagte &#246;ffentlich in Berlin im vergangenen Oktober, der luxemburger Au&#223;enminister sei sich garnicht bewusst gewesen, dass er Mitverantwortung habe, dass &#252;ber Do&#287;ru das EU-Sanktionsschwert verh&#228;ngt wurde.</p><p>Ja, warum denn auch? Es war kein Besprechungspunkt unter den Ministern. Es gab keine politische Debatte &#252;ber die Grundverordnungen. Es gab keine Diskussion dar&#252;ber, wer nun jeweils sanktioniert wird.</p><p>Wird schon stimmen, nicht wahr?</p><p>Wir sind doch die Guten.</p><p>&#220;ber allem liegt auch eine mediale Schweigeglocke. Tats&#228;chlich herrscht Eisesk&#228;lte, in der zu erfrieren droht, was die Demokratie so anziehend macht: die Freiheitsrechte.</p><p>Was man im realen Leben der Betroffenen anrichtet ist genauso wenig im politischen oder medialen Visier, wie das, was man unserem Land und der europ&#228;ischen Integration antut.</p><p>Deshalb will ich noch einmal an die Mahnung der US-Abgeordneten Barbara Lee erinnern, die 2001 gegen das unbegrenzte Mandat f&#252;r den Krieg gegen den Terror stimmte. Sie sagte damals: &#8220;<em>As we act, let us not become the evil that we deplore.&#8220; </em>(Lasst uns in unserem Handeln nicht zu dem B&#246;sen werden, das wir verurteilen.&#8220; )</p><p>Damals stand Lee zun&#228;chst ganz allein, galt lange in den USA als &#8222;Vaterlandsverr&#228;terin&#8221;. Und doch setzte sie ein Beispiel. Heute gibt es sehr viel mehr Menschen, die ihre Botschaft von damals bewusst weitertragen. Weil alles so zerbrechlich ist: Demokratie und Frieden, Sicherheit und Freiheit.</p><p></p><p></p><p>PS: Ich habe, schon damit dieser post ein Bild hat,  ein kurzes Video von Baud verlinkt, in dem er auf franz&#246;sisch sagt, dass es im Krieg Russlands gegen die Ukraine nicht um Territorialgewinne gehe, sondern um einen Auszehrungskrieg, ergo um die Demilitarisierung der Ukraine. Das sei die Strategie von Surovikin gewesen. (offenbar vom Oktober 2022).</p><div id="youtube2-m6ZCOYJu4h0" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;m6ZCOYJu4h0&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/m6ZCOYJu4h0?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wir müssen über Putin reden]]></title><description><![CDATA[Zu US-Gespr&#228;chsprotokollen zwischen dem amerikanischen und dem russischen Pr&#228;sidenten 2001 bis 2008]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/wir-mussen-uber-putin-reden</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/wir-mussen-uber-putin-reden</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Fri, 09 Jan 2026 13:04:21 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/HZc2lVp_GVs" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Katja Gloger und Georg Mascolo schrieben eine &#8222;investigative Geschichte der deutschen Russland-Politik&#8220; (Ullstein-Verlag, 496 Seiten, Oktober 2025): &#8222;Das Versagen&#8220;. &#8222;<em>Wir wollten es nicht sehen&#8220;,</em> wird Wolfgang Sch&#228;uble im Untertitel zitiert. Markus Lanz befand: &#8220;Pflichtlekt&#252;re. .. unglaublich pr&#228;zise &#8230;packend geschrieben.&#8221;</p><p>(entnommen der Website von Amazon)</p><p>Ich unterzog mich dieser Pflicht, sogar zweimal. Ich wollte das Denken jener besser verstehen, die sich seit der &#8222;Zeitenwende&#8220; der Naivit&#228;t bezichtigen und deutsche Russlandpolitik der letzten Jahrzehnte f&#252;r eine gro&#223;e &#8222;Verdr&#228;ngungsstrategie&#8220; halten. Im Ergebnis schrieb ich eine Rezension f&#252;r <em>Das Bl&#228;ttchen, </em>die in die Rubrik &#8222;contra&#8220; eingeordnet wurde.<em> </em>Es gibt auch eine &#8222;pro&#8220;-Rezension. Beide wurden zeitgleich am 15. Dezember 2025 ver&#246;ffentlicht.</p><p>https://das-blaettchen.de/2025/12/pro-und-kontra-&#8222;das-versagen&#8220;-73363.html</p><p>Seit dem 23. Dezember 2025 frage ich mich, ob die Autoren ihr Buch so auf den Markt gebracht h&#228;tten, w&#228;ren ihnen bereits die an diesem Tag ver&#246;ffentlichten neuen Archivdokumente des National Security Archives (NSA) der USA bekannt gewesen. Nun gut, es gibt so einige Behauptungen im Buch, die mit dem aktuellen Wissenstand kollidieren.</p><p>Aber zu den Grundannahmen des Buches geh&#246;rt in Bezug auf Putin: Einmal KGB - immer KGB. Der ist verschlagen und wickelt alle um den kleinen Finger. Praktisch h&#228;tten sich die Deutschen Putins Bundestagsrede 2001 selbst geschrieben. Wie inzwischen &#252;blich, gaben die Autoren dem &#8222;Angeklagten&#8220; keine Gelegenheit zur Stellungnahme. Ich nehme es als Zeichen von staatsm&#228;nnischer Klugheit, Ratschl&#228;gen zuzuh&#246;ren, aber letztendlich ist das gesprochene Wort immer das eigene, das, wof&#252;r man gerade steht. Das ist die Natur von politischer F&#252;hrung.</p><p>Zweitens, nun sind drei Gespr&#228;chsprotokolle zwischen G.W. Bush jr. und Putin im Zeitraum 2001 bis 2008 &#246;ffentlich. Das NSA klagte erfolgreich auf Zugang zu den US-Dokumenten.</p><p>https://nsarchive.gwu.edu/briefing-book/foia-russia-programs/2025-12-23/archive-lawsuit-opens-vladimir-putin-memconstelcons</p><p>Am 7. Januar 2026 wurden au&#223;erdem US-Protokolle von Telefongespr&#228;chen der beiden Pr&#228;sidenten ver&#246;ffentlicht.</p><p><a href="https://nsarchive.gwu.edu/briefing-book/russia-programs/2026-01-07/bush-putin-transcripts-how-vladimir-putin-and-george-w">https://nsarchive.gwu.edu/briefing-book/russia-programs/2026-01-07/bush-putin-transcripts-how-vladimir-putin-and-george-w</a></p><p>Wenn man diese Protokolle aufmerksam liest, und ich empfehle jedem, der des Englischen m&#228;chtig ist, es selbst zu tun, bekommt man eine sehr viele klarere Vorstellung davon, was in den Jahren 2001 bis 2008 die Anf&#252;hrer der beiden gr&#246;&#223;ten Atomm&#228;chte der Welt bewegte, und wie sie miteinander umgingen: offen, oft kontrovers, aber auch mit Respekt.</p><p>Man erkennt, dass sich Putin, der russische Pr&#228;sident, ernsthaft darum bem&#252;hte, Stabilit&#228;t im Russland-USA-Verh&#228;ltnis zu schaffen. Ihm war zudem eine gute pers&#246;nliche Beziehung zum US-Pr&#228;sidenten wichtig. Darin unterschied er sich keinen Deut von Gorbatschow oder Jelzin. Darin unterschied er sich auch nicht von G.W. Bush jr.</p><p>Denn wenn zwei politische F&#252;hrungspers&#246;nlichkeiten, die f&#246;rmlich das Schicksal der Welt in ihren H&#228;nden halten, keine Wellenl&#228;nge finden, auf der sie gemeinsam kommunizieren k&#246;nnen, ist Kommunikation, geschweige denn jede Verst&#228;ndigung unm&#246;glich.</p><p>Bush jr. ist erkennbar der Selbstbewusstere in den Gespr&#228;chen. Es ist der unipolare Moment der USA. Er wei&#223;, wer am l&#228;ngeren Hebel sitzt, und doch, er h&#246;rt zu. Wenn Moskau Hilfe anbietet, die ihm passt, nimmt er sie an. Er respektiert auch offenen Widerspruch. Nicht nur zum Irak-Krieg, den Putin ihm mit Verweis auf die UN-Charta auszureden versuchte: &#8222;Regime change&#8220; sei dort nicht verankert. Er werde Bush nicht unterst&#252;tzen, so Putin unumwunden, aber er wolle daf&#252;r sorgen, dass keine anti-amerikanische Stimmung im Land entsteht. Einer Frage, wie es Putin mit der Pressefreiheit halte, wich dieser zun&#228;chst aus. Um sich dann &#252;ber einen Oligarchen zu beschweren, der Teile der russischen Presse an sich gerissen und gleichzeitig den russischen Staat gepl&#252;ndert habe.</p><p>Nach dem Nato-Gipfel von Bukarest 2008, an dem die prinzipielle Einladung zur Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens schlie&#223;lich ausgesprochen wurde, gratulierte Bush Putin zu dessen deutlichen Worten vor der Nato: &#8220;Eine gute Vorstellung&#8220;. Bush hatte sich (fast) durchgesetzt (denn Bush wollte eine schnelle Nato-Mitgliedschaft), aber Putins Widerworte, die nicht &#246;ffentlich bekannt sind, n&#246;tigten Bush Respekt ab.</p><p>Es waren die gro&#223;en strategischen Themen, die das Gespr&#228;ch der zwei Pr&#228;sidenten dominierten: die Nato-Erweiterung, der Kampf gegen Terrorismus, das Schicksal des ABM-Vertrags, eine m&#246;gliche nukleare Bewaffnung des Iran, die geplanten Raketen-Abwehr-Systeme in Polen und Rum&#228;nien.</p><p>Die Unterst&#252;tzung Russlands f&#252;r die USA in ihrem Kampf gegen den Terrorismus war Putin wichtig, so wie es ihm wichtig war, zu erkl&#228;ren, dass im eigenen Land, aber auch in Georgien Terroristen aktiv seien. Er beschwerte sich, dass eine Indiskretion in Bezug auf Afghanistan Russen das Leben gekostet habe. Er war ganz deutlich, dass auf seine Anweisung einer der Terroristen im Kaukasus umgebracht wurde, weil dieser und dessen Leute mit den &#8222;K&#246;pfen von Georgiern Fussball&#8220; gespielt hatten. Andere h&#228;tten sie leider noch nicht erwischt. Putin sagt das einfach so, gibt den Mordauftrag zu. Gegen&#252;ber Bush jr. kann er sich das leisten, denn dieser ist mit seinem &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220; l&#228;ngst sehr viel schuldiger geworden, als es Putin im Kampf gegen den Terrorismus im Kaukasus je werden w&#252;rde, durch Millionen Kriegsopfer und Vertriebene, Folter, Geheimgef&#228;ngnisse, Guantanamo.</p><p>Putin warnte Bush jr. vor einem Nato-Beitritt Geogiens, weil er f&#252;rchtete, dann w&#252;rde Georgien das Problem der abtr&#252;nnigen Gebiete nicht mehr friedlich l&#246;sen. In Bezug auf die Ukraine erkl&#228;rte Putin Bush, sie sei ein k&#252;nstlich geschaffenes Land, nicht organisch gewachsen. Russland habe aufgrund des Aufl&#246;sungsvertrags von 1991 soviel Territorium verloren. Das wurde von der ukrainischen Presse aufgegriffen, als Beweis, dass Putin der Ukraine die Existenzberechtigung absprach, und gleichzeitig von territorialen Eroberungsgel&#252;sten getrieben sei.</p><p>Aber so verhielt sich Putin nicht gegen&#252;ber dem j&#252;ngeren Bush. Er k&#252;ndigte an, dass eine Nato-Option f&#252;r die Ukraine unvermeidlich dazu f&#252;hren werde, dass sich Russland in der Ukraine einmischen werde, dass es sinnvoller sei, wenn es in der Ukraine einen mehrheitlichen Willen zur Nato-Mitgliedschaft gebe.</p><p>Putin warnte Bush jr. vor der Entwicklung taktischer Nuklearwaffen, da das die nukleare Einsatzschwelle senke. Dieser Gespr&#228;chsteil ist sehr interessant, weil sich Bush zun&#228;chst ganz ahnungslos gab. An anderer Stelle sprach Putin davon, dass die K&#252;ndigung des ABM-Vertrags zu Vorschl&#228;gen seiner Milit&#228;rs zu Waffenentwicklungen f&#252;hre, die ihm pers&#246;nlich Angst machten. Bush reagierte nicht darauf. In Bezug auf die Beziehungen zum Iran und die Einsch&#228;tzung zur Pers&#246;nlichkeit seiner Anf&#252;hrer erkl&#228;rte Putin, er sei Mitglied der Kommunistischen Partei der UdSSR gewesen, bereit, f&#252;r sein Land zu sterben. Ver&#228;nderungen, pers&#246;nliche Einsichten brauchen Zeit. Putin forderte Transparenz, was die geplanten Raketen-Abwehr-Anlagen in Polen und Rum&#228;nien betraf. Dar&#252;ber k&#246;nne man sprechen, so Bush. Die Transparenz wurde nie geschaffen.</p><p>Bei diesen Treffen war der US-Botschafter in Russland, Burns, immer mit dabei. Er hat den Buchautoren von &#8222;Das Versagen&#8220;, die ihn interviewten, offenbar nicht alles erz&#228;hlt oder wenn, dann mit imperial eingeschr&#228;nktem Verstand. Denn in &#8222;The Back Channel&#8220; schrieb Burns unverbl&#252;mt, dass die Bush-Administration kaum Veranlassung gehabt habe, sich mit einer &#8222;absteigenden Macht&#8220; zu verst&#228;ndigen. Dort stellte er auch die Frage, wer Russland (Anm.: als &#8222;Juniorpartner&#8220;) verloren habe. Burns kam zur Schlussfolgerung, dass &#8222;Russland nie unser Land war&#8220;.</p><p>Genau. Russland blieb das Land der V&#246;lker, die sich unter dem Dach der Russischen F&#246;deration vereinen. Willig zu internationaler Zusammenarbeit, aber auf Augenh&#246;he, mit eigenem Sinn, eigenen Anspr&#252;chen.</p><p>Das ist das Problem aller US-Exzeptionalisten und regime changer und aller Vasallen einer solchen Politik: Sie k&#246;nnen nicht akzeptieren, dass es V&#246;lker/ Politiker gibt, die zu vielem bereit sind, aber nicht zu allem. Nicht zur Selbstaufgabe.</p><p>Nat&#252;rlich, und das will ich ausdr&#252;cklich hinzuf&#252;gen, widerspiegeln offizielle Gespr&#228;che zwischen Staatenlenkern nicht die ganze Realit&#228;t. Nach der K&#252;ndigung des ABM-Vertrags lie&#223; die US-Administration unter Bush jr. ganz offenbar daran arbeiten, dass die USA eine nukleare Erstschlagsf&#228;higkeit &#252;ber Russland/ China erlangt, nachlesbar in <em>Foreign Affairs </em>2006. Sie seien schon sehr nahe daran, beide Staaten vergeltungslos auszuschalten.</p><p><a href="https://www.foreignaffairs.com/articles/united-states/2006-03-01/rise-us-nuclear-primacy?check_logged_in=1">https://www.foreignaffairs.com/articles/united-states/2006-03-01/rise-us-nuclear-primacy?check_logged_in=1</a></p><p>Umgekehrt machte Putin am 1. M&#228;rz 2018 geltend, dass die einseitige K&#252;ndigung des ABM-Vertrags durch die USA zu neuen russischen Waffenentwicklungen f&#252;hrte, die keine westliche Entsprechung haben. Er forderte damals einen Dialog, auf den auch niemand einging.</p><p>Das bedeutet nichts anderes, als dass das von Putin (und einmal von Medwedew) gef&#252;hrte Russland trotz aller diplomatischen Bem&#252;hungen nie auf der faulen Haut lag und milit&#228;risch vorsorgte. Zusammen mit den russischen Ank&#252;ndigungen neuer Waffensysteme 2025 (aufgrund der Aufk&#252;ndigung des INF-Vertrags und des m&#246;glichen Auslaufens des START-Vertrags Anfang 2026), die ebenfalls alles ganz blass aussehen lassen, wor&#252;ber der &#8222;Westen&#8220; verf&#252;gt, legt das den Preis offen, der zu zahlen ist, wenn nicht Normen, Recht, Vertr&#228;ge und Vertrauen die Staatenbeziehungen regeln, sondern ein ungez&#252;gelter milit&#228;rischer Wettlauf der Gro&#223;m&#228;chte.</p><p>Russland hat ihn nicht beginnen wollen, auch das zeigen die Gespr&#228;che deutlich. Aber es hat ihn gewonnen. Vorerst. Bis etwas noch Furchtbareres als die aktuellen russischen Waffen am Horizont auftaucht.</p><p>Daraus kann man nur einen Schluss ziehen: Wenn man gen&#252;sslich in der Vergangenheit w&#252;hlt und ihr eine politisch genehme Interpretationsrichtung gibt, so wie im Buch &#8222;Das Versagen&#8220;, versagt man. An der Gegenwart, vor der Zukunft. Denn die werden davon bestimmt, ob sich die gro&#223;en Atomm&#228;chte nuklear duellieren oder nicht. Das nicht zu wollen, definiert - gl&#252;cklicherweise - noch das gegenw&#228;rtige Verh&#228;ltnis Trump- Putin, so kompliziert es auch sein mag.</p><p>Schon aber geht das beliebte Putin-Bashing in die n&#228;chste Runde. Trump wurde wegen des v&#246;lkerrechtswidrigen Venezuela-Angriffs die &#8222;Putinisierung&#8220; seiner Au&#223;enpolitik vorgeworfen. Den Anfang machte <em>The Daily Beast.</em></p><p><a href="https://www.thedailybeast.com/trumps-illegal-war-has-the-most-sinister-inspiration-you-can-imagine/">https://www.thedailybeast.com/trumps-illegal-war-has-the-most-sinister-inspiration-you-can-imagine/</a></p><p>Der <em>Guardian</em> griff es auf.</p><p>Gewiss, sowohl Trump als auch Putin handelten v&#246;lkerrechtswidrig. Und doch gibt es substantielle Unterschiede zwischen beiden Sachverhalten. Die nun ver&#246;ffentlichten Gespr&#228;che zwischen Putin und Bush verdeutlichen einmal mehr: Putin war in der Bush jr.-&#196;ra nicht angetreten, das V&#246;lkerrecht kaputtzuschlagen. Auch alle sp&#228;teren russischen Vermittlungsversuche in Sachen Ukraine, die Bem&#252;hungen um ein z&#252;giges Kriegsende scheiterten grandios, allesamt am Westen. Teil der Tragik von Putin ist, dass er den strategischen Fehler machte, die Bereitschaft des Westens zu untersch&#228;tzen, Russland f&#252;r den V&#246;lkerrechtsbruch 2022 nunmehr endlos b&#252;&#223;en zu lassen - mit dem Ziel, das Land strategisch zu schw&#228;chen, wom&#246;glich kaputtzuschlagen. Er dachte vielleicht, er kriegt die &#252;bliche US-Behandlung: Ein bedauerlicher Fehler, Schwamm dr&#252;ber. Wenn, dann hat er sich gr&#252;ndlich geirrt.</p><p>Teil der ukrainischen Tragik ist, dass der Krieg vermeidbar war. K&#252;rzlich gab das die Europaabteilungsleiterin im Wei&#223;en Haus unter Biden, Amanda Sloat, zu. Sie fiel einem russischen Prank zum Opfer und redete ungesch&#252;tzt.</p><p><a href="https://rumble.com/v72u39m-prank-with-amanda-sloat.html?e9s=src_v1_cbl,src_v1_ucp_a">https://rumble.com/v72u39m-prank-with-amanda-sloat.html?e9s=src_v1_cbl,src_v1_ucp_a</a></p><p>Sloat r&#228;umte ein, das es in der US-Administration vor Kriegsausbruch dar&#252;ber Gespr&#228;che gegeben habe, was passieren w&#252;rde, wenn die Ukraine das Ziel der Nato-Mitgliedschaft aufgegeben h&#228;tte. Dann w&#228;re der Krieg wahrscheinlich vermieden worden. Aber sie habe sich damit nicht wohlgef&#252;hlt. Russland w&#228;re dann einer Art Veto einger&#228;umt worden (ab Min 5:24)</p><p>F&#252;r diesen Stellvertreterkrieg, den wir immer noch nicht wahrhaben wollen, verblutet die Ukraine.</p><p>Trump hingegen trat in Gestalt von Venezuela in die Fu&#223;stapfen seiner Vorg&#228;nger. Mit einem entscheidenden Unterschied: Er lie&#223; die Maske fallen und agiert ohne den rosaroten Zuckerguss, mit dem bisher die USA v&#246;lkerrechtswidriges Handeln zu &#252;bert&#252;nchen suchten: Trump will &#214;l, er will Territorium, er will Unterordnung unter das &#8222;nationale Interesse&#8220; der USA - jedenfalls in der westlichen, in seinem Verst&#228;ndnis jedoch l&#228;ngst &#8222;amerikanischen&#8220; Hemisph&#228;re.</p><p>Sein Hauptberater, stellvertretender Chef des Wei&#223;en Hauses, Stephen Miller, erkl&#228;rte unverbl&#252;mt: &#8220;<em>You can talk all you want to about international niceties and everything else, but we live in a world&#8212;in the real world&#8212;that is governed by strength, that is governed by force, that is governed by power. These are the iron laws of the world since the beginning of time.&#8221;</em></p><p><strong>&#220;bersetzung:</strong></p><p>&#8222;Man kann so viel &#252;ber internationale H&#246;flichkeiten und alles andere reden, wie man will, aber wir leben in einer Welt &#8211; in der realen Welt &#8211;, die von St&#228;rke, von Gewalt und von Macht regiert wird. Das sind seit Anbeginn der Zeit die eisernen Gesetze der Welt.&#8220;</p><p><a href="https://edition.cnn.com/2026/01/06/politics/trump-greenland-venezuela-colombia-miller-analysis">https://edition.cnn.com/2026/01/06/politics/trump-greenland-venezuela-colombia-miller-analysis</a></p><p>Regelrecht be&#228;ngstigend ist, dass Millers Logik Widerhall in europ&#228;ischen Gazetten findet. Wenn die Welt nun so ist, dann muss sich auch Europa, sprich die EU, dem anpassen.</p><p>Im UN-Sicherheitsrat &#252;ber Venezuela hielten China und Russland am V&#246;lkerrecht fest. Nat&#252;rlich kann man das als Doppelmoral ansehen. Allerdings sind sie dabei nicht allein. Keines der St&#228;ndigen Sicherheitsratsmitglieder hat jedoch soviel Dreck am Stecken wie die USA.</p><p>Man sollte sich auch die Frage stellen, warum Russland und China weiter das V&#246;lkerrecht und die UN-Charta verteidigen: Nicht aus Schw&#228;che. Denn es gibt einen entscheidenden Unterschied zu fr&#252;heren Epochen ungez&#252;gelter Gro&#223;machtpolitik, die regelm&#228;&#223;ig in die Trag&#246;die f&#252;hrte.</p><p>Wir leben im nuklearen Zeitalter.</p><p>Insofern sollte die aggressive Reaktion des ehemaligen russischen Pr&#228;sidenten Medwedew auf Venezuela jeden aufschrecken. Der repr&#228;sentiert auch eine politische Str&#246;mung in Russland. Die Schlussfolgerung, so Medwedew, die aus der widerrechtlichen US-Aktion zu ziehen sei, ist, sich bis an die Z&#228;hne zu bewaffnen. Lang m&#246;gen die Nuklearwaffen leben, schloss er.</p><div id="youtube2-HZc2lVp_GVs" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;HZc2lVp_GVs&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/HZc2lVp_GVs?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Erinnern wir uns: Die UNO wurde vom amerikanischen Pr&#228;sidenten Roosevelt erfunden, damit die Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges, die uns&#228;glichen Zerst&#246;rung von menschlichem Leben und Hoffnungen, der Verlust an Zivilisation, die Zerst&#246;rung von so Vielem die letzte gro&#223;e kriegerische Episode der Menschheit bleibt. Deshalb darf man das Recht, die Charta der Vereinten Nationen, die universelle Deklaration der Menschenrechte, alles, was an Konventionen nach dem Zweiten Weltkrieg verabredet wurde, auch nicht so behandeln, als geh&#246;rten sie auf die M&#252;llkippe der Geschichte. Es ist die letzte Verteidigungslinie, so br&#252;chig sie auch inzwischen geworden ist, die uns vor der Trag&#246;die eines letzten, nuklear gef&#252;hrten Krieges noch sch&#252;tzen kann. Und vor all den anderen &#220;berlebensrisiken der Menschheit.</p><p>Dazu aber braucht es die Zusammenarbeit der rivalisierenden Gro&#223;en. Leider versagt die EU seit langem bei der Aufgabe, die USA zu z&#252;geln. Weil sie sich zum Knecht der USA machte, lieber jahrhundertealtem Russenhass ergibt, in Putin den Oberteufel sieht und nicht versteht, dass die Menschheit l&#228;ngst Passagier auf der Titanic ist. Noch ist der Schiffskurs &#228;nderbar, aber nicht mehr lange.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Zum US-Angriff auf Venezuela und der "nationalen DNA"]]></title><description><![CDATA[John Bolten: Besser sp&#228;t als nie]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/zum-us-angriff-auf-venezuela-und</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/zum-us-angriff-auf-venezuela-und</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Mon, 05 Jan 2026 11:57:53 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/BWELT4wzcr4" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Mark Milley, der bis 2023 Generalstabschef der US- Streitkr&#228;fte war, hielt 2022 eine Abschlussrede f&#252;r die Absolventen von West Point. Milley war besorgt: &#8222;<em>Die milit&#228;rische &#220;berlegenheit, die wir in den Vereinigten Staaten in den letzten 70 Jahren genossen haben, schwindet rapide. Und die Vereinigten Staaten werden tats&#228;chlich in jedem Bereich der Kriegsf&#252;hrung herausgefordert werden &#8211; im Weltraum und im Cyberspace, auf See, in der Luft und nat&#252;rlich auch an Land&#8230;&#8220; </em>Er ging noch weiter: &#8220;<em>Gerade jetzt, in diesem Moment, vollzieht sich ein grundlegender Wandel im Wesen des Krieges. Wir stehen derzeit zwei Weltm&#228;chten gegen&#252;ber, China und Russland, die beide &#252;ber bedeutende milit&#228;rische F&#228;higkeiten verf&#252;gen und die beide fest entschlossen sind, die derzeitige, regelbasierte Ordnung zu &#228;ndern.&#8220;</em></p><p>Die &#8222;regelbasierte Ordnung&#8220; ist das Codeword f&#252;r die US-Hegemonie. Mark Milley gab sich ganz optimistisch. Er war &#252;berzeugt, dass die USA-Armee willens und in der Lage ist, diese abzusichern. Technologisch sowieso, aber der entscheidende Punkt, so Milley, sei der menschliche Faktor. Daher beschied er den Absolventen von West Point das Folgende:</p><p><em>&#8222;Sie sind unser wertvollstes Kapital. Sie sind unser bedeutendster <strong>asymmetrischer</strong> Vorteil&#8230;Sie verk&#246;rpern das, was dem US-Milit&#228;r innewohnt. Wir kommen aus einer Gesellschaft von Improvisatoren und Denkern, Innovatoren und Probleml&#246;sern&#8230; Unabh&#228;ngigkeit im Handeln ist f&#252;r alle Amerikaner selbstverst&#228;ndlich, ebenso wie Eigeninitiative, die Missachtung von Grenzen und Regeln, nichtlineares kritisches Denken, ein aggressiver Siegeswille, gepaart mit einem ewigen Optimismus, alle Hindernisse zu &#252;berwinden und das Ziel zu erreichen &#8211; all das ist fest in unserer nationalen DNA verankert und im Herzen und in der Seele der amerikanischen Soldaten.&#8230;&#8220;</em></p><p>Aus Milley sprach die &#8222;unverzichtbare&#8220; Nation - die, die allen &#252;berlegen ist, mit einer &#8222;nationalen DNA&#8220; ausgestattet, die den milit&#228;rischen Sieg regelrecht erzwingt. Da k&#246;nnen US-Alliierte nur M&#228;nnchen machen, so rundherum zweitklassig ausgestattet. Feinde sowieso.</p><p>Aber Milley sprach in West Point ebenfalls davon, dass sich US-F&#252;hrungsoffiziere unter komplizierten Situationen ethisch und moralisch vorbildlich verhalten m&#252;ssen, auch und gerade im Stress eines Einsatzes.</p><p><a href="https://www.war.gov/Multimedia/Videos/videoid/844246/?dvpTag=Defense+on+Demand">https://www.war.gov/Multimedia/Videos/videoid/844246/?dvpTag=Defense+on+Demand</a></p><p>Die Administration hat sich ge&#228;ndert, Milley`s Rede aber ist im US-Verteidigungsministerium (Kriegsministerium) weiter online und also in Ehren gehalten.</p><p>Wie viele US-Milit&#228;rs distanzierten sich von der Entscheidung, des Drogenschmuggels verd&#228;chtige Fischerboote zu bombardieren? Wie viele US-Milit&#228;rs opponierten gegen die T&#246;tung von zwei &#220;berlebenden eines angegriffenen Fischerboots? Wie viele US-Milit&#228;rs widerstanden dem Plan, v&#246;lkerrechtswidrig Venezuela anzugreifen und den Pr&#228;sidenten des Landes zu kidnappen? Eine Autorisierung durch den US-Kongress fand auch nicht statt.</p><p>Wie inzwischen &#252;blich brauchen die EU und auch Bundesrepublik Deutschland Zeit, das aktuelle Geschehen rechtlich einzuordnen. &#8222;Drecksarbeit&#8220; eben. So als sei die Charta der Vereinten Nationen nicht eindeutig. So verspielen sie ein weiteres Mal nicht nur ihren Ruf, sondern auch ihren m&#246;glichen weltpolitischen Einfluss. Was werden sie sagen, wenn die Trump-Administration nach Gr&#246;nland greifen sollte, nach Kolumbien oder nach Kuba? Alles ok? Solidarisch an der Seite der USA stehen, so wie aktuell der franz&#246;sische Pr&#228;sident?</p><p>Der UN-Generalsekret&#228;r &#228;u&#223;erte sich umgehend eindeutig und verurteilte die US-Aggression. Die Vorsitzende der UN-Vollversammlung, Baerbock, zitierte auf <em>X </em>Artikel 2 der UN-Charta.</p><p>https://x.com/UN_PGA</p><p>So, wie es ist, wird kein Frieden werden, weder in der westlichen Hemisph&#228;re, noch anderswo. Der UN-Sicherheitsrat wird heute tagen. Aber der ist auch nur noch ein Schatten seiner selbst.</p><p>Gef&#228;hrlicher f&#252;r die Sicherheit aller V&#246;lker kann es also kaum sein.</p><p>Wer wird den USA jetzt noch trauen? Denn die Trump-Ansage war eindeutig: Wir machen, was wir f&#252;r richtig halten. Wir sind und bleiben die st&#228;rksten. Er glaubte allerdings auch, die USA seien die am meisten respektierte Nation der Welt.</p><p>https://www.axios.com/2025/07/20/trump-six-months-president-white-house</p><p>Gef&#252;rchtet, ganz sicher. Bemitleidet auch. Denn es macht keine Freude, wenn die Hoffnung auf die &#8222;strahlende Stadt auf dem H&#252;gel&#8220; vollends zerbirst. Gehasst? Darauf kann man sich beinahe verlassen. Unrecht bleibt nie unbeantwortet. Es wird kluger Diplomatie der anderen Gro&#223;m&#228;chte bed&#252;rfen, um die zerst&#246;rerischen Instinkte einer Weltmacht im Abstieg einzuhegen, an deren Spitze zu allem &#220;berfluss ein g&#228;nzlich unberechenbarer Zeitgenosse steht - mit manchmal durchaus richtigen Instinkten, aber auch Dollarzeichen in den Augen.</p><p>In Kiew konnte sich Selenskyj vor Gl&#252;ck kaum fassen - <em>AP</em> berichtete: Ja, wenn man so mit den Diktatoren der Welt verfahren kann, dann w&#252;ssten die USA schon, was als N&#228;chstes zu tun sei.</p><p>https://apnews.com/video/zelenskyy-on-maduro-if-you-can-do-that-with-dictators-then-the-united-states-knows-what-to-do-next-012d9f33c0114a118f79c582bb0961a9 <br></p><p>Denn in Kiew blickt man nach Osten und tr&#228;umte am Heiligen Abend vom Pr&#228;sidentenmord. Viel mehr als Tr&#228;ume, und m&#246;gen sie noch so grausam oder heimt&#252;ckisch sein, ist allerdings nicht geblieben.</p><p>Selenskyi scheint sich nicht dar&#252;ber im Klaren zu sein, dass auch er eines Tages als verzichtbar angesehen werden k&#246;nnte, genauso wie die venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreistr&#228;gerin, die st&#228;ndig nach einer US-Intervention in ihrem Land rief. Trump braucht sie nicht mehr. Jetzt nehmen die USA das Ruder selbst in die Hand.</p><p>Zuletzt mahnte Trump die Durchf&#252;hrung der l&#228;ngst &#252;berf&#228;lligen Pr&#228;sidentschaftswahlen in der Ukraine an. Niemand kann nach regelm&#228;&#223;iger Lekt&#252;re der <em>New York Times </em>bestreiten, dass die CIA bestens in der heutigen Ukraine etabliert ist, neuerdings direkt im Pr&#228;sidentenpalast, und operativ allem M&#246;glichen fr&#246;nt, offenbar im Wettbewerb mit ihren britischen Geheimdienstkollegen, wer die ausgekl&#252;gelteren Sabotageaktionen zu Land, zu Wasser und in der Luft meistert. Solange man sie nicht der <em>New York Time, </em>der <em>Washington Post </em>oder anderen hochkar&#228;tigen Medien durchsteckt, herrscht das Prinzip der glaubw&#252;rdigen Abstreitbarkeit. Plaudert man aber, dann wischt man ganz nebenbei auch noch den eigenen Dienstherren eins aus. Denn die haben sie ja von der Kette gelassen. Von allein w&#228;re die CIA seit Pr&#228;sident Obama gewiss nie darauf verfallen, die ukrainischen Partner in allem M&#246;glichen auszubilden und anzuleiten.</p><p>Mit dem unverh&#252;llten Griff nach Venezuela und dessen riesigen Rohstoffreserven (allesamt den USA gestohlen, wie Trump behauptete) erweist sich einmal mehr, wer die sogenannte &#8222;regelbasierten&#8220; Ordnung regelm&#228;&#223;ig mit F&#252;&#223;en tritt. Im Namen der &#8222;nationalen Sicherheit&#8220; wird das Recht des (milit&#228;risch) St&#228;rkeren ausge&#252;bt. Wer von &#8222;Faustrecht&#8220; spricht, irrt: In einem Faustkampf stehen sich zwei Auge in Auge gegen&#252;ber. Regime-change Operationen oder Enthauptungsschl&#228;ge sind sehr viel heimt&#252;ckischer.</p><p>Trump, der sich gerne als Friedensbringer sieht, trat schon in der ersten Amtszeit in die Fusstapfen seiner Vorg&#228;nger. Insofern ist auch die milit&#228;rische Gewaltanwendung gegen Venezuela nichts wirklich Besonderes. Nur zu sp&#228;t, wie John Bolton &#246;ffentlich bedauerte. Denn der h&#228;tte das gerne noch als nationaler Sicherheitsberater in der ersten Trump-Pr&#228;sidentschaft unter Dach und Fach gebracht. Aber: better late than never.&#8220;</p><div id="youtube2-BWELT4wzcr4" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;BWELT4wzcr4&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/BWELT4wzcr4?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Das Noble, das, wie sich die USA politisch gerne selbst sehen und was in ihrer Armeef&#252;hrung angeblich fest verwurzelt ist, gibt es in Festreden. Und in Hollywood.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Stille Nacht - Wer schreit?]]></title><description><![CDATA[Es geht nicht nur um Jacques Baud - Es geht um uns alle.]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/stille-nacht-wer-schreit</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/stille-nacht-wer-schreit</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Tue, 23 Dec 2025 18:23:56 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/R313clJDJCY" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Heute w&#252;nsche ich Ihnen allen frohe und gesunde, besinnliche und heitere Weihnachtstage. Ich finde, das verlinkte Lied passt.</p><p>Schnee rieselte j&#252;ngst in Saudi-Arabien, nicht aber dort, wo der Verfasser der weihnachtlichen Verse ihn einst vor der Fensterscheibe wahrnahm. Auch so wenden sich Zeiten. Niemand sollte das leichthin abtun.</p><p>In der amerikanischen Verfassung gibt es den ersten Zusatzartikel (1789), der das Recht jedes Menschen auf freie Meinungs&#228;u&#223;erung sch&#252;tzt. Im damaligen Verst&#228;ndnis war es gottgegeben.</p><p>Schnell entz&#252;ndete sich dennoch die Kontroverse, wie weit dieses Recht geht. Der &#8222;Sedition Act&#8220; (1798-1801) verf&#252;gte, jeden zu bestrafen, der  &#8220;falsche, skandal&#246;se und b&#246;swillige Schriften oder Texte gegen die Regierung der Vereinigten Staaten, eines der beiden H&#228;user des Kongresses der Vereinigten Staaten oder den Pr&#228;sidenten der Vereinigten Staaten mit der Absicht, diese zu diffamieren ... oder sie ... in Verachtung oder Verruf zu bringen, schreibt, druckt, &#228;u&#223;ert oder ver&#246;ffentlicht. Auf dieser Grundlage verfolgte die Adams-Administration politische Gegner.</p><p>Sowohl Madison als auch Jefferson protestierten gegen diesen Verfassungsbruch. Sp&#228;ter urteilte das Oberste Gericht der USA, der &#8222;Sedition Act&#8220; sei verfassungswidrig gewesen.</p><p>https://constitution.congress.gov/browse/essay/amdt1-7-1/ALDE_00013537/</p><p>Die Allgemeine Deklaration der Menschenrechte definiert alle Rechte, einschlie&#223;lich der Meinungsfreiheit, als unver&#228;u&#223;erlich, dem Menschsein mitgegeben. Staaten k&#246;nnen und sollen sie f&#246;rdern, aber sie d&#252;rfen nicht dar&#252;ber verf&#252;gen.</p><p>Und doch, in der Realit&#228;t blieb Meinungsfreiheit ein Kampfgebiet zwischen der &#8222;richtigen&#8220; und der &#8222;falschen&#8220; Meinung, der &#8222;richtigen&#8220; und der &#8222;falschen&#8220; Information. Im Kalten Krieg ging es auch darum, auf der &#8222;richtigen&#8220; Seite zu stehen, die Ost wie West gleicherma&#223;en f&#252;r sich beanspruchten. Auch damals gab es den Krieg der Informationen, Desinformation, Propaganda, St&#246;r- und T&#228;uschungsman&#246;ver, Sabotageakte und und und - Also nachgerade alles, was heutzutage unter die sogenannte sogenannte &#8222;hybride&#8220; Kriegsf&#252;hrung f&#228;llt. </p><p>Keine Seite verfuhr mit Dissidenten in den eigenen Reihen glimpflich, aber Gulags, die Einweisung in Psychiatrien, die Verurteilung zu hohen Gef&#228;ngnisstrafen oder ein staatlich verordneter Kindesentzug gab es meines Wissens nur im &#8222;real existierenden Sozialismus&#8220;, der seine &#8222;Feinde&#8220; in den eigenen Reihen oft erbarmungslos bek&#228;mpfte.</p><p>Ende 1989 dachte ich, &#252;ber schwerwiegende staatliche Repressalien m&#252;sste ich mir nie wieder Gedanken machen. &#220;ber die Jahre und Jahrzehnte lernte ich meine Lektion: Nichts ist in Stein gemei&#223;elt, nichts sicher vor radikalen Machtanspr&#252;chen und ideologischer Verblendung.</p><p>Das bisher prominenteste Opfer im Westen ist Julian Assange. &#220;ber ihn brach die ganze H&#246;lle von Verunglimpfung und tats&#228;chlicher staatlicher Unterdr&#252;ckung herein. Nicht weil er log, sondern weil er wahrheitsgem&#228;&#223; informierte. Am Ende musste er sich partiell schuldig bekennen, um der Folterh&#246;lle zu entfliehen. Ich bleibe &#252;berzeugt, dass ohne die vielen, die &#252;ber Jahre seine Freiheit forderten, ein glimpfliches Ende nicht zustande gekommen w&#228;re.</p><p> Ich bin froh, dass Snowden diese ganze Tortur erspart blieb, pikanterweise wegen des &#252;berhasteten Entzugs seines Reisepasses seitens der USA. Sonst w&#228;re er nie in Moskau gestrandet. Sein Fall ist bis heute nicht abgeschlossen.</p><p>Es steht f&#252;r mich au&#223;er Zweifel, dass der gro&#223;e Umbruch auf dem europ&#228;ischen Kontinent 1989/1991 die M&#246;glichkeit f&#252;r eine friedliche Zukunft in Europa und dar&#252;ber hinaus barg. Daf&#252;r arbeitete auch die letzte DDR-Regierung. Das war der Geist der Charta von Paris 1990. </p><p>Die Zerst&#246;rung dieser Option muss sich der Westen, angef&#252;hrt von den USA, zurechnen lassen. Aber gerade dort, in den USA, gab es auch die schwergewichtigen Stimmen der Mahner, die vor einer neuerlichen milit&#228;rischen Spaltung des europ&#228;ischen Kontinents warnten. Ihre Stimmen verhallten folgenlos, und das Verh&#228;ngnis nahm seinen Lauf. Es ist die Abwesenheit einer europ&#228;ischen Sicherheitsstruktur, f&#252;r die wir heute bitter bezahlen, am bittersten das Volk der Ukrainer.</p><p>Eine wichtige Rolle spielte und spielt dabei die Nichtachtung der UN-Charta aber auch der Prinzipien der KSZE, die einst in Helsinki 1975 definiert wurden. Das V&#246;lkerrecht verlangt nicht nur die Gewaltfreiheit, gebrochen von so vielen Staaten, darunter auch Russland 2022. Es verlangt die friedliche Konfliktl&#246;sung und fu&#223;t auf dem Grundsatz der souver&#228;nen Gleichheit aller Staaten. Ein Anspruch auf Weltbeherrschung ist danach illegitim. Die Auffassung, nur milit&#228;rische Macht schaffe Abschreckung, zwingt allenfalls alle anderen, die k&#246;nnen,  dieser Logik zu folgen. </p><p>Das entspricht nicht der Situation der allermeisten Staaten der Welt. Das entspricht auch nicht den &#220;berlebensinteressen der Menschheit. Die allermeisten V&#246;lker k&#246;nnen sich nicht auf Gewalt oder Aufr&#252;stung st&#252;tzen. Ihnen fehlen schlicht die Mittel. Sie brauchen die Sicherheitsgarantie des allgemein anerkannten Rechtes, kurz der UN-Charta. Zudem: Jede direkte Konfrontation zwischen der Nato und einem atomar bewaffneten Staat, ob nun Russland oder China, beendet unsere Zivilisation.</p><p>Es gab und gibt Verr&#252;ckte, in Ost wie West, die das nicht wahrhaben wollen, Menschen, die die alte Weisheit vergessen haben, dass keine Handlung unbeantwortet bleibt, m&#246;gen auch noch so viele Jahre dazwischen liegen.</p><p>Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Oder nach der dialektischen Methode: Irgendwann rufen Reaktionen nicht nur Gegenreaktionen hervor, sondern schlagen in ihrer Qualit&#228;t um. Frei nach Clausewitz: Jeder Krieg, der nicht befriedet wird, eskaliert. Jeder Krieg kann beendet werden, da jeder Krieg politischen Zielen dient: Entweder werden sie auf dem Schlachtfeld ausgefochten oder es wird mit Diplomatie eine L&#246;sung gefunden, die allen Seiten gen&#252;gt.</p><p>Neuerdings gibt es auch noch die dritte, die &#8222;Afghanistan-Variante&#8220;: Ist der Krieg so un&#252;bersehbar verloren, dass man die Realit&#228;t beim besten Willen nicht mehr verleugnen kann, packt man hurtig seine sieben Sachen, haut ab, und l&#228;sst alle Verb&#252;ndeten im Regen stehen. Dann wird nie wieder dar&#252;ber geredet. Schon garnicht &#252;ber die Kriegsverbrechen, die der Krieg immer in sich tr&#228;gt.</p><p>Frau Merkel &#228;u&#223;erste im Zusammenhang mit der Corona-Politik &#8222;<em>Wir haben von den Menschen verlangt, sich nicht menschlich zu verhalten.&#8220; Dabei sei es soziale N&#228;he, die den Menschen ausmache.</em></p><p><a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-coronapandemie-war-eine-demokratische-zumutung-a-97a47349-0fd3-4c47-a7fc-1d1a7afda57a">https://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-coronapandemie-war-eine-demokratische-zumutung-a-97a47349-0fd3-4c47-a7fc-1d1a7afda57a</a></p><p>Es ging kein Aufschrei durch unser Land. Wie bitte? </p><p>Politik, die zwingt, sich nicht menschlich zu verhalten?</p><p>Was also muss man von einer Politik halten, die &#8222;Kriegst&#252;chtigkeit&#8220; als Mittel der Kriegsvermeidung propagiert, aber reale Aufr&#252;stung bedeutet? Die der Diplomatie zur Kriegsvermeidung abschw&#246;rt und einen russischen Angriff nahezu als unvermeidliches Naturgesetz proklamiert? Ist sie menschlich?</p><p>Im Gefolge des Ukraine-Krieges hat es nicht nur die politische Erkl&#228;rung zur &#8222;Zeitenwende&#8220; gegeben. Wir sind im Begriff, uns in eine Gesellschaft zu verwandeln, die sich zumindest als &#8222;hybride&#8220; Kriegspartei versteht: In der Opferrolle, aber gleichzeitig von inneren Feinden durchsetzt und zerfressen, die nichts als die russische Agenda im Sinn haben. Erinnern wir uns nur an den &#246;ffentlichen Umgang mit jenen, die sehr fr&#252;hzeitig einen verhandelten Frieden in der Ukraine forderten.</p><p>Mich erinnerte das an den Film: &#8222;Die K&#246;rperfresser kommen&#8220;, als sich entsetzliche Aliens unter der Menschheit ausbreiteten. Wenn Menschen einschliefen, wurden sie &#8222;&#252;bernommen&#8220;.</p><p>Donald Sutherland, lange wiederst&#228;ndig, wurde schlie&#223;lich so auch zum Opfer. Sein Schrei danach, als er einen Menschen entdeckte, hallt durch die Jahrzehnte.</p><div id="youtube2-R313clJDJCY" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;R313clJDJCY&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/R313clJDJCY?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Die urspr&#252;ngliche Filmfassung stammte aus den Hochzeiten des Kalten Krieges. Nur, in der alten, urspr&#252;nglichen Fassung wehrten sich schlie&#223;lich Menschen, erfolgreich. </p><p>In der neuen Fassung war alles verlorene M&#252;h.</p><p>Wie ist das nun mit jenen unter uns, die angeblich russisch &#8222;&#252;bernommen&#8220; wurden? Die EU erfand 2024 eine L&#246;sung: Sie werden mit Sanktionen belegt: Ihr Verm&#246;gen eingefroren, ihre Reisefreiheit, ihre Erwerbsm&#246;glichkeiten beschr&#228;nkt. Jede Hilfe ist auch verboten. Das alles geschieht ohne Anh&#246;rung, ohne das Recht, sich gegen Anschuldigungen vorab zu verteidigen. Sie stehen am Pranger. Angeklagt. Verurteilt. Die Strafe bemessen. Alles in einer Hand.</p><p> Wegen der K&#246;rperfresser.</p><p>Wir sollen alle schreien, wie Donald Sutherland in besagtem Film.</p><p>Nein, ich werde nicht mit schreien. Niemals. Denn egal, was ich von den durch den Rat der EU Sanktionierten pers&#246;nlich halte: So stirbt Demokratie. So sterben Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit. So sterben meine Hoffnungen des Jahres 1989.</p><p>Also werde ich wach bleiben, solange es geht.</p><p>Frohe Weihnachten,</p><p>Ihre Leuchtturmw&#228;rterin</p><p>PS:  Hier ist der link zum Lied.</p><div id="youtube2-kHYKtJVUSHo" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;kHYKtJVUSHo&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/kHYKtJVUSHo?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p></p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die geschichtliche Verirrung des Nato-Generalsekretärs in Berlin]]></title><description><![CDATA[ge&#228;nderte Fassung: 14.12.25]]></description><link>https://petraerler.substack.com/p/die-skandalose-verirrung-des-nato</link><guid isPermaLink="false">https://petraerler.substack.com/p/die-skandalose-verirrung-des-nato</guid><dc:creator><![CDATA[Petra Erler]]></dc:creator><pubDate>Sat, 13 Dec 2025 14:37:13 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/youtube/w_728,c_limit/wz0KaHqyDmg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Mark Rutte, Generalsekret&#228;r der Nato, hat in Berlin eine Rede gehalten (mit deutscher &#220;bersetzung). <em>NTV</em> berichtete und titelte: Rutte warnt: Krieg wie zu Zeiten &#8220;unserer V&#228;ter und Gro&#223;v&#228;ter&#8220;.</p><div id="youtube2-wz0KaHqyDmg" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;wz0KaHqyDmg&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/wz0KaHqyDmg?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>In der Videobeschreibung von <em>NTV</em> hie&#223; es zudem: &#8222;<em>Mark Rutte ruft die Nato-Staaten eindringlich zu verst&#228;rkten Verteidigungsanstrengungen auf, um einen von Russland gef&#252;hrten Krieg zu verhindern. Dieser k&#246;nne von einem Ausma&#223; sein, wie es unsere &#8220;V&#228;ter und Gro&#223;v&#228;ter&#8221; erlebt haben, sagt der Generalsekret&#228;r bei einer Veranstaltung der M&#252;nchner Sicherheitskonferenz in Berlin.&#8220;</em></p><p>Mark Rutte spricht f&#252;r die ganze Nato. Unser Land, Deutschland, geh&#246;rt dazu. So wie auch Bulgarien, Finnland, Italien, Kroatien, die Slowakei, Spanien und Ungarn mit dazu geh&#246;ren. Allesamt waren diese einst Unterst&#252;tzer von Hitler-Deutschland. Andere Nato-Staaten waren wiederum Teil der Anti-Hitler-Koalition, bzw. k&#228;mpften auf Seiten der Alliierten.</p><p>In der deutschen &#220;bersetzung durch <em>NTV </em>sagte Rutte das Folgende: &#8222;<em>Russland hat den Krieg zur&#252;ck nach Europa gebracht. Und wir m&#252;ssen darauf vorbereitet sein, das zu tun, was auch unsere V&#228;ter und Gro&#223;v&#228;ter getan haben.&#8220; (Ab Minute 14:14)</em></p><p>Diese deutsche &#220;bersetzung der Rutte-Rede war nicht korrekt. Ich habe den Fehler begangen, mir nicht zur &#220;berpr&#252;fung die Originalrede anzuh&#246;ren bzw. durchzulesen.</p><p>Tats&#228;chlich sagte Rutte im Original: <em>&#8220;Russia has brought war back to Europe, and we must be prepared for the scale of war our grandparents or great-grandparents endured. Imagine it, a conflict reaching every home, every workplace, destruction, mass mobilisation, millions displaced, widespread suffering and extreme losses.&#8221;</em></p><p>(vorletzter Absatz)</p><p>https://www.nato.int/en/news-and-events/events/transcripts/2025/12/11/keynote-speech-by-nato-secretary-general-mark-rutte-and-moderated-discussion-with-the-minister-for-foreign-affairs-of-germany-johann-wadephul </p><p><strong>&#220;bersetzung:</strong> </p><p>Russland hat den Krieg zur&#252;ck nach Europa gebracht und wir m&#252;ssen uns auf ein Ausma&#223; eines Krieges vorbereiten, wie ihn unsere Gro&#223;eltern und Urgro&#223;eltern erlitten (Anm: ertragen/ erdulden/ durchleben) mussten. Stellen Sie sich einen Konflikt vor, der jedes Zuhause erreicht, jeden Arbeitsplatz, Zerst&#246;rung, Massenmobilisierung, Millionen Vertriebene, ausgedehntes Leiden und extreme Verluste.</p><p>Abgesehen davon, dass der Nato-Generalsekret&#228;r in Berlin erneut die eingebildete &#8220;russische Gefahr&#8221; beschwor, aber darin ist er nicht allein in schlechter Gesellschaft, erkl&#228;rte Mark Rutte unsere Gro&#223;eltern und Urgro&#223;eltern zu Ertragenden/ Erleidenden/ Erduldenden.</p><p>Es war daher falsch von mir,  auf der Basis der fehlerhaften deutschen &#220;bersetzung bei <em>NTV</em> Rutte`s Aussage mit dem &#8220;Hunka-Moment&#8221; im kanadischen Parlament zu vergleichen. Ich habe die entsprechenden Passage gel&#246;scht.</p><p>Definitiv vollzog Rutte aus deutscher Sicht eine historische T&#228;ter-Opfer-Umkehr. Das ist inakzeptabel. </p><p>Also, Mark Rutte :</p><p>Welches Land begann den Zweiten Weltkrieg?</p><p>Welches Land brachte dadurch schlussendlich auch soviel Leid &#252;ber sich selbst?</p><p>Welche europ&#228;ischen Staaten, die heute ebenfalls Mitglied der Nato sind, paktierten damals mit Hitler-Deutschland?</p><p>Welche europ&#228;ischen Staaten wurden zu Opfern Deutschlands? </p><p>Gegen welches Land f&#252;hrte Deutschland einen Vernichtungskrieg, in dessen Folge 27 Millionen Opfer zu beklagen waren? </p><p>Wie schnell doch der Moment der Wahrheit f&#252;r die Trump-Administration kam, jetzt praktisch zu demonstrieren, dass es ihr ernst ist mit friedlicher Koexistenz mit Russland. Zumindest vorerst.</p><p>Oder war das nur eine T&#228;uschung?</p><p>Oder ist die US-gef&#252;hrte Nato auch schon ein Relikt der Vergangenheit?</p><p>In wessen Namen sprach Rutte?</p><p>Nicht in meinem.</p><p></p>]]></content:encoded></item></channel></rss>